Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1938-08-18 · Heft 33 (18.8.1938) · page 11

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
79 (1938)
Issue
Heft 33 (18.8.1938)
Date
1938-08-18
Page
– (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2446951-2451012-2451044--83910-2541943
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

18. August 1938 Der I s,r a e Ii t Nr. 33 Seite 11 Letzte Nachrichten. Schocken-Konzern und Schocken-Verlag. Berlin, 17. August. Es wird uns berichtet: Mit dem Wandel im Schocken-Konzern, der in andere Hände übergeht, tritt im Schocke n- Verlage selbst keine Aenderung ein. Er bleibt als selbständige Gesellschaft Weiter bestehen und wird in üblicher Weise seinen Verlagsbetrieb weiterführen. Ebenfalls bleibt das Simon Schocken- Lehrgut in Winkel, in dem zur Zeit 120 jüdische Menschen in der Landwirtschaft ausgebildet werden, von der Wandlung unberührt. Die jüdischen Angestellten des Schocken-Konzerns konnten sich früher schon, zum großen Teil mit Hilfe der Firma, in überseeischen Ländern ansiedeln und in neue Berufe einordnen. Palästinazertiiikate für Jugendliche, Berlin, 16. Aug. Vom Palästinaamt wird bekanntgegeben, daß im Rahmen der gültigen Einwanderungs-Schedule die englische Mandats-Regierung der Jugend A 1 i j a Zertifikate ohne numerische Beschränkung zugesagt hat. Diese bevorzugte Regelung macht es der Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugend- Alija möglich, bis zum Ablauf dieser Schedule, also bis 1, Oktober 1938, insgesamt 800 Jugendliche zur Einwanderung nach Palästina zu bringen. Bis jetzt sind 167 Jugendliche bereits zur Alija gekommen. Im Laufe dieses Monats und des Septembers werden noch etwa 500 Jungen und Mädchen zur Jugend;Alija nach Palästina kommen. Personalien. Zum Ableben von Dr. Emil Hirsch b"T£\- Halberstadt, 15. Aug. Zum Ableben von Dr. Emil Hirsch ^"Sl (siehe Nachruf in der jüngsten Nummer) wird uns noch geschrieben: Man muß Dr, Emil Hirsch gekannt haben, um den ganzen Glanz, der von diesem bescheidenen Dr. Emil Hirsch ^>"st« und doch großen Menschen ausging, schildern zu können. Er-verkörperte in seiner Person in schönster und idealster Weise die Traditionen einer jüdischen Adelsfamilie,. Die kurzen, prägnanten Worte min "WN oipoa ni>i*ni fanden hier ihre schönste* Anwendung, Was uns jedoch Dr, Emil Hirsch besonders liebenswert und verehrungswürdig machte, dies waren seine herrlichen Eigenschaften. Echte, aus der Tiefe der Ueberzeugung quellende Frömmigkeit, seltene Güte des Herzens und eine grenzenlose Bescheidenheit. In Wehmut gedenken wir der Zeit, da er hier an der Spitze einer weltbekannten Firma stand und trotz großer Inanspruchnahme Zeit gefunden hat für regelmäßiges und, tiefes- Lernen und sich auch Zeit genommen hat für die Arbeit in der Kehilla, an welcher er mit jeder Faser seines Herzens in Liebe hing. Als Parnes der Gemeinde verlieh und erhielt er ihr das Gepräge einer namp nbnp- In Schlichtheit und Einfachheit wandelte er unter uns. Aber wir wußten, was wir an ihm hatten und daß sein Her2 für unsere, für seine Gemeinde, für ihre r-ilian und alle ihre Institutionen warm schlug. So kannten wir unseren Dr. Emil Hirsch und wir liebten und verehrten ihn, auch nachdem er längst von unserer Gemeinde weggezogen war. Ein Erzittern ging daher durch unsere Gemeinde, als sich die traurige Kunde verbreitete, daß Dr. Emil Hirsch nicht mehr unter den Lebenden weilt, daß der große, liebevolle Freund unserer Gemeinde von uns gegangen ist. Die tiefe Trauer um den seltenen Mann erweckt in uns das Andenken an die großen Persönlichkeiten, die seine Familie unserer Gemeinde gegeben hat. ix>by ]i"> duwt. Zum Heimgänge Hermann Gumperfz' irsr. Nach den a^vbv- Hamburg, 15. Aug. Die Hamburger jüdische Gemeinde und mit ihr das gesetzestreue Judentum hat, wie im in Nr. 30 erschienenen Nachruf hervorgehoben, in Hermann Gumpertz eine ihrer bedeutendsten Persönlichkeiten verloren. Seine besondere Bedeutung lag darin, daß der Verewigte ohne den Rabbinerberuf ergriffen zu haben, (früher als Kaufmann, später als Privatgelehrter) bis zu seinem Lebensende sich dem intensivsten Studium der Thorawissenschaft widmete und hierin eine anerkannte Meisterschaft erlangte, die selbst von den Thorafürsten des Ostens voll und ganz anerkannt wurde. Hermann Gumpertz erhielt den Grundfond seiner jüdischen und allgemeinen Bildung in Frankfurt a. M., zunächst in der Hirsch- Realschule. Hier wurde der mit besonderen Geistesgaben begnadete Jüngling vom Geiste ihres Leiters Samson Raphael Hirsch b"XT so befruchtet, daß Thora mit wahrer Kultur zu verbinden, die Richtschnur seines Lebens wurde. Nachdem er seinen Vater früh verloren hatte, hat seine in Frankfurt unvergessene fromme Mutter mit seltener Energie seine weitere Erziehung geleitet, so saß der junge Gumpertz nach seiner Schulzeit zu Füßen der besteh Thoragelehrten, um emsig zu lernen, ohne seine kaufmännische und allgemeine Bildung zu vernachlässigen. So wurde der junge Gumpertz ein Dan f>nbn im wahrsten Sinne des Wortes. Nach seiner Verehelichung mit der anmutigen und geistreichen Tochter des in Hamburg hochgeschätzten Kaufmanns Simon M a y s. A., eines Vetters Samson Raphael Hirschs.. führte er in Hamburg, unterstützt von seiner edlen, feinsinnigen Gattin, ein vorbildlieh jüdisches Haus, in dem die Stimme der Thora Tag und Nacht nicht verstummte. Alle maßgebenden Kreise erkannten sehr bald seine überragende Bedeutung und Eignung zur Führung der gesetzestreuen Institutionen unserer Gemeinde und so berief man ihn bereits in seinem 32. Lebensjahre in den Vorstand des Synagogen- Verbandes, wo er sehr bald zum Vorsitzenden ernannt wurde. Geschmückt mit der Krone der Thora, mi», trat Hermann Gumpertz in das Oberrabbinat als Ehrendajan und später auch als Rabbinatsverweser ein. ' Hermann Gumpertz war auf allen Gebieten der Thora und. der weltlichen Bildung zu Hause, er gehörte zu den leider immer seltener werdenden gelehrten Baalebatimi die durch Vorbild und Beispiel weite Kreise für das traditionelle, unverfälschte gesetzestreue Judentum, für Thoralehre und ihre Erfüllung und Betätigung im Leben begeistern und aneifern. Und wie war er mit einer Selbstverständ- ' Iichkeit und Schlichtheit rnxaa p*tt>~mr die alle an ihm bewunderten. In seinem Studierzimmer, das ein Lehrhaus für seine vielen Schüler war, konnte man ihn Sommer und Winter bereits um 4.30 Uhr morgens beim „Lernen" finden, um dann bis in seine letzten Lebenstage seines hohen, gesegneten Alters, morgens und abends bei Wind und Wetter als einer der ersten in die Synagoge zu eilen, denn der Gemeindeg'ttesdienst niasa 7V?sn, ob daheim oder auf Reisen in Europa, Erez Israel und den Vereinigten Staaten, die er bereits vor Jahrzehnten unternahm, war ihm einer der drei Grundpfeiler des Judentums. „Thora, G'ttesdienst und Liebeswerke" waren ihm eine durch nichts zu erschütternde Einheit. Hermann Gumpertz war in allen Kreisen als ein Meister des Thorawortes hochgeschätzt, Yon der Art, wie sie M a 1 e a c h i schildert: „Denn die Lippen des Priesters sollen Kenntnis bewahren und Thora soll man aus seinem Munde suchen." Er war Gründer der Schaß-Chewro. Das Vertrauen seiner Glaubensgenossen berief ihn in die wichtigsten Aemter. Er war lange Vorsitzender dos Kuratoriums des Berliner Rabbiner-Seminars und Mitglied der Prüfungskommission, Mitbegründer der Jüdisch-literarischen Gesellschaft, Gründer des Hamburger Vereins für jüdische Geschichte und Literatur, Gründer des Vereins , tilu$\\efj S.peisehauser, Gründer der höheren Israelitischen.' Töchterschule, Vorsteher einer Klaus zur Verbreitung der Thorawissenschaft und vieler Stiftungen und Institutionen, Sechsmal hat er ganz Schaß durchgelernt außer seinen vielen Schiurim in und "inj? ]t\bm und den klassischen Werken unserer Religionsphilosophen >irD /tMW3 mi». Ueber den Kusari hielt er vor Jahren Vorlesungen in der Synagoge vor einem Kreise interessierter Hörer. Wer aber meint, daß dieser a^ai» ]inb. dieser große Thoragelehrte, ein weltfremder Mann gewesen ist, der irrt sich, denn der Verewigte hatte eben, wie alle bedeutenden Männer, Zeit für alles Gute und Nützliche, indem er die Nächte zu Tagen machte. Bei all seinem Eifer für die Thora hatte er Verständnis und Liebe für Kunst und Wissenschaft, für Aesthetik und Bildung, beherrschte alte und neuere Sprachen, er wußte die Thora mit wissenschaftlicher Bildung zu vereinen. in nan uV jn» 'n Wer bringt uns einen Rabbi Elchanan Gumpertz wieder, Vorbild und Meister in Frömmigkeit, Gelehrsamkeit und Weisheit und zugleich hervorragend in allem Guten und Schönen des bürgerlichen Lebens! naiab p>nx ist P. Haag, 13. Aug. Hier starb am 5. August das Mitglied des Hohen Rates der Niederlande, Rechtsanwalt Dr. M. Polak. Er,war der Verfasser mehrerer juristischer Werke über das holländische Konkursrecht und Inhaber zahlreicher Orden. Vermischtes. Ritualien für Brasilien. Berlin, 16. Aug. Für eine neu zu gründende gesetzestreue Gemeinde in Brasilien werden gesucht: Talessim, Tefillaus, Sforim und eine Thorarolle. Sendungen werden erbeten an; Religiöse Auswanderer-Betreuung Agudas Jisroel, Berlin N. 4, Johannisstr. 8, Die diesjährige Kinderspeisung in Fulda. Fulda, 15. Aug. Die Ferienspeisung der Gemeinde Fulda, eine von allen Teilen begrüßte Einrichi tung, machte es unsern Kindern möglich, trotz schwerer Zeit, ihre Ferien angenehm zu verbringen. Besonders lobend sei hierbei unser verdienstvoller Parnes, Herr Salomon Nußbaum, erwähnt, der keine Mühe scheute, die Ferien den jüdischen Kindern so schön wie möglich zu gestalten. Er fungierte hierbei als „Ferienpapa". Ebenfalls sei rühmend Flau H. K a y s e r gedacht, die ihrem Namen „Ferienmama" keine Schande machte und wie eine nachsichtige Mutter die ihr anvertraute Kinderschar betreute und mit Rat und Tat half, wo es Not tat. Auch den Vertretern der Zentral-Wohlfahrtsstelle sei gedankt. — Die Kinder erhielten morgens ein Frühstück; dann gabs Spaziergang, wobei sie Butterbrote nud Obst erhielten. Zweimal in der Woche auch Mittagessen. Und dann die vielen „Ueberraschungen". Nachmittags war Bettruhe vorgeschrieben. Nicht nur an das körperliche Wohl der Kleinen war gedacht, sondern auch an das geistigreligiöse. Nach jeder Mahlzeit mußte einer der Jungens ein Stückchen Thora aus dem laufenden Wochenabschnitt vortragen. Die Ferientage gingen so wie im Fluge. Ein schöner Schluß war ein großer Ausflug, Spiel und Gesang wechselten dabei einander ab. Sodann wurde der letzte Tag mit einer Abschiedsfeier würdig beschlossen. Die Dankbarkeit der genießenden Kinder kam zum Ausdruck in diversen Darbietungen, Gedichten, Duetten usw. Das Ganze stand unter vortrefflicher Leitung des Herrn Lehrer Goldschmidt. So verging auch der letzte Tag, und diese Speisung wird den Kindern noch später, vielleicht dann im fremden Lande, eine stete Erinnerung bleiben. Die Frankfurter Woche. Von der Kaschruskommission der I. R. G. Von der Kaschruskommission der I. R. G. wird bekanntgegeben, daß sich das Lebensmittelgeschäft von Max Rosenthal, Sandweg 6, nunmehr unter Aufsicht des Rabbinats der Israelitischen Religionsgesellschaft befindet. Familien-Nachrichten. 7 5. Geburtstag: Frau Sofie Jochsberger, Ansbach, am 13. August. 8 0. Geburtstag: Isidor Hirsch, Ffm., Seilerstraße 39, bei Kelsen. Vi?s vm vv.ii 's dv>.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.