Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 79 (1938)
- Issue
- Heft 30 (28.7.1938)
- Date
- 1938-07-28
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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SBS^£»5^!g3fl?*3p! 28, JujCS^lll I Iii Nr. 30 Seite 11 Letzte Nachrichten. Katssitzung der Reichsvertretung der Juden in Deutschland. ~ (Tel. Bericht.) Berlin, 28. Juli. Am Mittwoch, den__27. Juli, fand die Ratssitzung' der Reichsvertretung der Juden in Deutschland statt. Die Sitzung wurde durch Herrn Dr. Baeck eröffnet. Nach einem Tätigkeitsbericht, den Herr Dr H i r S c h erstattete, wurde der Entwurf einer Neufassung, der Satzungen der Reichsvertretung dem Rate vorgelegt. Das Wesentlichste an dieser Neu Satzung ist die Zusammenfassung aller Mitglieder jüdischer Gemeinden durch ihre Gemeinden im Rahmen eines allgemeinen Reichsverbandes der Juden, durch welchen der bisherige Preußische Landesverband aufhören wird. Die Süddeutschen Verbände werden voraussichtlich als Bezirksorganisationen des zukünftigen Reichsverbändes weiterbestehen. Die Verhandlungen führten zu einem positiven Erfolge. Die Unabhängige Orthodoxie ist unter der völligen Wahrung ihrer Prinzipien ebenfalls in den neuen Reichsverband eingetreten und zwar kooperativ durch den Reichsbund gesetzestreuer jüdischer Gemeinden. Im Präsidium des Reichsverbandes ist sie durch Herrn Rabb. Dr. Münk, Berlin, im Rate durch Herrn Dr, Salomen Ehrmann, Frankfurt a. M. und als Stellvertreter düfeh die Herren Rabb. Dr. Auerbach, Halberstadt und Jacob Levi, Berlin, vertreten. Für alle religiösen und kulturellen Belange seiner Gemeinden ist nach wie vor der Reichsbund gesetzesfreuer Gemeinden zuständig. Es wurden Mustersatzungen für die jüdischen Gemeinden, die in Zukunft bekanntlich in das .Vereinsregister eingetragen werden, ebenfalls beraten. Die Mustersatzungen der Gemeinden, die dem Reichsbund gesetzestreuer Gemeinden angehören und von deren Vertretern bei der Ratssitzung vorgelegt wurden, wird ebenfalls als eine der in Betracht kommenden Satzungen den zuständigen Behörden vorgelegt resp. allen Gemeinden zugesandt werden. Näherer Bericht folgt. Debatte im Oberhaus und Regierungserklärung. (Tel. Bericht.) London, 28. Juli. Die Debatte im Oberhaus am Mittwochabend war von der Flüchtlingsfrage ausgefüllt. Nach den Reden mehrerer Lords erklärte Lord Plymouth im Namen der Regierung, daß sie den Anregungen der Debatte große Beachtung schenke. Die Ansiedlung in Ostafrika benötige Zeit. Die Zulassung von Flüchtlingen in den Dominien sei ausschließlich Sache der Regierungen der Dominien, mit denen die englische Regierung in steter Verbindung steht. Einwanderern, die Gsschäftsunternehmungen in England errichten odfef eine technische Ausbildung für andere Länder erlangen wollen, soll nach Möglichkeit geholfen werden. Eine Erwiderung Colonel Wedgewoods. London, 27. Juli. Colonel Wedgewood, dessen auf Seite 2 dieser Nummäf veröffentlichter Brief ungeheures Aufsehen in der englischen Oeffentlichkeit und in der Presse verursacht hat und dem Briefschreiber starke Angriffe zuzog, hat in der „Times" erneut ein Schreiben veröffentlicht als .Antwort auf einen Brief des bekannten Mitgliedes der Peel-Kommission, Sir Laurie Hämmernd und äußert sich darin wie folgt: „Sir Laurie Hammond predigt den Juden Palästinas Geduld. Es ist zwei Jahre her, seitdem die Ermordung von Juden und die Zerstörung ihres Eigentums ungestraft unter britischer Herrschaft vor sich geht. Es ist ein Jahr her, seitdem Sir Laurie Hammond's Kommission berichtete, daß die Verwaltung von Palästina sich, unfähig erwiesen habe, ihre oberste Pflicht, Gesetz und Ordnung zu sichern, zu erfüllen; seit man verkündete, daß die Politik der Versöhnung fehlgeschlagen habe und aufhören müsse, seitdem die „Times'- selber die Einführung des Kriegsrechtes verkündete, das seinerzeit: einen viel ernsteren Aufstand in Zypern und in Ceylon mit. einem Schlage unterdrückte. Die Gewalt und^ die Anarchie ist heute schlimmer als je, weil die Politik der „Versöhnung" noch immer fortgesetzt wird und unzuverlässige arabische Polizei bewaffnet wird, aus keinem anderen Grunde, um ein Gleichgewicht zu schaffen gegen die Bewaffnung der jüdischen Polizei. Die Administration wahrt, weiter eine strikte- "Unparteilichkeit1' zwischen — Mördern und Ermordeten. - Ich kenne kein so schwarzes Blatt der Unzulänglichkeit und der Heuchelei in der britischen Geschichte/ Unparteilichkeit, welche sowohl die Banditen als ihre Opfer einsperrt, ist eher geeignet) die Freunde und "Verwandten der Opfer in Verzweiflung zu brin gen, als den Frieden herbeizuführen. Die Handlungen" der palästinensischen Verwaltung haben keinen Anspruch auf Heiligkeit. Als der französische Konvent ein Gesetz gegen die Emigranten erließ, das diejenigen, die sie beherbergten oder ihnen zum Entkommen verhalfen, mit Gefängnis bedrohte, rief Mirabeau aus: „Ihr möget dieses Gesetz annehmen, aber ich schwöre, daß ich ihm niemals gehorchen werde." Ich empfehle dieses Beispiel der Aufmerksamkeit derjenigen, welche die Behandlung der illegal nach Palästina einwandernden Flüchtlinge für inhuman' halten." Die Verbreitung des Wedgewood-Briefes in Palästina istvon den Behörden verboten worden. Der Bombenanschlag in Haifa, Ein offizieller Bericht. Jerusalem, 27. Juli. Nach den offiziellen Berichten wurden als Opfer der letzten Explosion 39 Araber getötet und 46 verwundet. Unmittelbar nach der Explosion wurden alle verfügbaren Truppen und Polizeikräfte in Alarmzustand gesetzt, einerseits um die Opfer. zu bergen, andererseits um Racheakte der Araber gegenüber den Juden zu verhindern. Trotz des stärksten Truppenaufgebotes geläng es aber nicht vollständig, die erbitterte arabische Bevölkerung vom Eindringen in die Judenviertel abzuhalten. Im Verlauf der nächsten Minuten wurden zwei Juden getötet und eine Anzahl verwundet. Außerdem wurden elf jüdische Geschäfte Von den Arabern in Brand gesteckt. Die Feuerwehr, die in jüdischen Händen liegt, mußte unter militärischer Bedeckung auffahren, um die Brände löschen zu können. Es wurde das Standrecht über Haifa auch während des Tages verhängt, nachdem es bisher nur während der Nacht in Geltung gewesen war. Die Ergebnisse der Nachforschungen nach den Urhebern des Haifaer Anschlags werden geheim g"e* halten. Es ist lediglich bekannt geworden, daß der Mechanismus der Bombe sehr genau war. Mit Rücksicht auf den Ausnahmezustand in Haifa wurde eine Verfügung erlassen, daß sämtliche Schiffe, die in Haifa vor Anker gehen sollten, in Tel A w i w anlegen müssen. Die Nachricht von der Explosion , in Haifa verbreitete sich rasch; im ganzen Lande kam es zu Gewalttaten. In Jaffa haben die Araber den Generalstreik zum Zeichen des Protestes gegen das Vorgehen der Sicherheitsorgane eröffnet. An der Grenze zwischen Jaffa und Tel A w i w kam es zu zahlreichen Zusammenstößen, wobei ein Araber durch einen Revolverschuß getötet wurde. Starke Militärpatrouillen bewachen den Rayon beider Städte. Britische Flugzeuge patrouillieren in dem gesamten Gebiet. Die Frankfurter Woche- Frau Ruth Zuntz a»y. Als in vergangener Woche die Nachricht unsere Gemeinde durcheilte, daß Frau Ruth Zuntz geb, Ephraim abberufen wurde, gab"v es wohl niemanden in unserer Kehillah, der nicht aufs Tiefste erschüttert wurde. Eine Frau im besten Alter, Mutter von fünf unmündigen Kindern, eine Frau, die als das Vorbild einer jüdischen Mutter und Gattin gelten durfte, deren Wirken im Hause und in einer ihr richtig erscheinenden beschränkten . und doch weitgehenden Oeffentlichkeit in seiner Reinheit und Güte, in seiner menschlichen und jüdischen Größe klar vor aller Augen lag, war aus unserer Mitte entrissen worden. Kaum glaublich erschien die Botschaft, denn man hatte zwar um ihr Leben gebangt und Tefillaus für ihre Genesung zum Allmächtigen emporgeschickt, aber im Innersten hatte wohl niemand an den furchtbaren Errt$t zu denken vermocht, der sich hier anschickte, in die Erscheinung zu treten. Ruth Zuntz war eine Erscheinung seltener Art, und sie darf in ihrem Leben und in ihrer Wirksamkeit mit unseren großen Frauen in Israel verglichen werden. Sie entstammte wirklichem jüdischen Adel des deutschen Ostens, als Glied und Nachkomme hervorragendster Gelehrtenfamilien der Provinz Posen wie Ephraim, Wiener, Pleßner und Wreschner, von denen jeder einzelne Zweig unser Judentum in seinem Teile befruchtete. In Posen und später in Breslau, wo sie ihre Jugend verbrachte, legte sie die Grundlagen zu ihrem jüdischen. Wissen, zu ihrer Auffassung jüdischer Frauenaufgabe und jüdischer Frauenwürde. Helfen und lehren war von frühester Jugend an ihr Bestreben, ob in den Jugendgruppen der orthodoxen Vereine, ob später im früh ergriffenen Beruf der Schwester, in der Betreuung der Waisen aus russischen Pogromen, als hilfreiche Helferin der Darniederliegenden und Kranken. Sie genoß, als sie ihre Tätigkeit nach Frankfurt, a,. M.' verlegte, auch hier bald allge-; meinste Verehrung und Anerkennung, und die besten Wünsche vieler, die sie gesund gepflegt, begleiteten sie, als sie selbst einem ebenbürtigen Gatten folgte, um ein eigenes Haus aufzubauen. Nicht müheloser Lebensgenuß konnte sie in diesem Hause erwarten, das wußte Ruth Zuntz. Sie heiratete einen Mann, der mit schwerer Verletzung aus dem Kriege zurückgekehrt war, und es war wie ein Wunder, daß es ihr gelang, ihn sein Leiden fast vergessen zu lassen in der treuen Fürsarge, die sie ihm ange-f, deihen ließ. Sie heiratete in ein Haus von ältester und vornehmster jüdischer Tradition, ein Haus, in dem Jiras schomajim, gepaart mit praktischer Wohltätigkeit und Gelehrsamkeit seit Jahrhunderten geübt wurde, wo sie die schwere Aufgabe hatte, Nachfolgerin edelster Gattinnen und Mütter zu sein, die hier als Vorbild für die gesamte Kehilla gewirkt hatten. In kürzester Frist gelang es Ruth Zuntz, zu beweisen, daß keine würdigere diese Stelle hätte einnehnfen können, 'vn selbst segnete den .Bund mit einer prächtigen Kinderschar, deren echtjüdische Erziehung ihres und ihres Gatten ganzes Glück war. Aber dabei hielt sie die Tore ihres Hauses weit offen für alle Bedürftigen, übte eine sprichwörtliche Gastfreundschaft, bereitete dem Gatten die Möglichkeit, zu lernen und zu lehren, ließ seine Jünger sich bei ihr zu Hause fühlen, gewährte gerne Kindern aus anderen Gemeinden, wenn es nötig wurde, einen Platz in ihrer eigenen Kinderschar, war dabei immer fröhlich und voll Zuversicht, auch wenn Krankheiten sie zu stören suchten. Darüber hinaus gab es keine jüdische Frauenorganisation im Kreise unserer Kehilla, die ihr nicht wertvollste Arbeit zu verdanken gehabt hätte, sie besuchte alle ihr möglichen Lerngelegenheiten, um sich im. jüdischen Wissen zu vervollkommnen, sie, die selbst das vollkommene Vorbild eine-* jüdischen Frau und Mutter war. Kaum zwölf Jahre sollte diese segensreiche Wirksamkeit dauern, denn nun hat sie ein unerforschlicher Ratschluß von ihrem Gatten und ihren Kindern, von dem Kreise der sie liebenden und verehrenden Verwandten und Freunden, von der ganzen Allgemeinheit, genommen. Das vierte Jahrzehnt war ihr nicht beschieden zu vollenden! eine Frühvollendete, so wird sie in unserer aller Augen und Herzen fortleben, wird nie Vergessen werden. Bei der Beisetzung am Tiara T" auf dem Friedhofe der Israelitischen Religionsgesellschaft schilderte R. A. Dr. E. Posen in ergreifenden Worisn unseren Schmerz, der sich an diesem Tage verdoppele, er ließ ihr reines Leben und ihr Tur vor urserem Auge nochmals erstehen und sprach die Hoffnung aus, daß sie Fürsprecherin für uns alle in jener Welt sein werde. Rabbiner Dr. Ephraim, Kissingen, widmete ihr warme Worte der Würdigung im Namen des Verwandtenkreises und schilderte die Wurzeln ihrer jüdischen Kraft, ihre Hilfsbereitschaft und ihre Frömmigkeit von frühester Jugend an. Dr. Hugo Zuntz dankte ihr im Namen der engsten Familie für ihr Wirken an traditionsreicher Stätte, für alle Wohltaten, die sie Gatten und Kindern erwiesen, für den Aufbau des reinen jüdischen Hauses, der ihr gelungen war. n-axan Thora-Lehranstalt Jeschiwa. Kommenden Dienstagabend, 7.30 Uhr, findet, w'.e alljährlich, im Hörsaal der Jeschiwa eine Jahrzeüveranstaltung für den Gründer der Jeschiwa ^"ST statt. Herr Rabbiner Dr, Breuer wird die Ansprache halten. Lehrgänge für jüdische Mädchen. Das Jüdische Lehrhaus beabsichtigt, im Herbst gemeinsam mit der hiesigen Zweigstelle des Jüdischen Frauenbundes wieder Lehrgänge für junge Mädchen in folgenden Fächern einzurichten: Erziehungslehre. Deutsch, Rechnen, Judentumskunde, Gesundheitslehre, Werkarbeit, Bewegungsspiele. Die jungen Mädchen sollen außerdem in jüdischen Kindergärten mit den Aufgaben der Kinderpflege und 'Erziehung praktisch vertraut gemacht werden. Es wird nur eine begrenzte Zahl von Teilnehmerinnen zugelassen werden können. Nähere Auskunft wird schon jetzt in der Geschäftsstelle des Jüdischen Frauenbundes, Frankfurt a. M., Quinckestr 24 (Sprechstunde Montag, Dienstag, Donnerstag 9—12 Uhr, Fernruf 41093) gerne erteilt. Frankfurter Vereinskalender. Verein Mekor Chajim. Schabbos morgen nach Schluß der Synagoge: D'J»! Herr Rabbinats-Assessor Dr. E. Posen. — nachm. 4.15 Uhr im Hörsaal: Chumisch mit Raschi, Herr Julius Lewin. — 4-15 Uhr im Vereinslokal; Mikro, Herr Rabb. H. Mayer. Samstag abend, 1 Stunde vor Nacht: Midrasch-Vortrag, Herr Julius Le'win. Sonntag und Mittwoch morgens nach Schul. faiR tot». — vorm. 9 Uhr im Vereinslokal, on-ns pa. Herr Rabb. Dr. Schlesinger. — vorm. 9 Uhr im Vereinslokal, «"ms, Herr J. Soff er. Montag u. Donnerstag nach Schul im Hörsaal: Mitgliederlernen. — Montag abends 7 Uhr (auch