Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 79 (1938)
- Issue
- Heft 30 (28.7.1938)
- Date
- 1938-07-28
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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28ff Juli,;g38, W e* r I s r a e"l V t W Nr. 30 Seite 3.•& ••> ■ - - ■ "i> •;•.. ■ - ■ ,. keingrleij konstruktives -Resultat und gohen somit tür die -wesentliche Aufgabe deij Lösung des Flüchtlingsproblems: verloren. So hat z. B. das IDC in Frankreich für Hilfszwecke 423.000 Dollar, in Holland 385.000 Dollar, in der Tschechoslovakei 55.000 Dollar, in allen europäischen Ländern, zusammen mehr als 1.500.000 Dollar seit 1933 ausgegeben. Nur ein Teil dieser Fonds wurde für Berufsausbildung, Umschichtung, Unterbringung' von Akademikern und anderen Angehörigen freier Berufe, sowie für andere Formen konstruktiver wirtschaftlicher Anpassung verwendet, der " weitaus größere Teil; wurde .^ausgegeben, um die Flüchtlinge angesichts ihrer erzwungenen Untätigkeit oft jahrelang zu erhalten. Die jüdischen Organisationen würden gewiß in der Lage sein, größere Summen aufzubringen und die Fonds für die Seßhaftmächung der Flüchtlinge wesentlich, zu erhöhen, wenn man ihnen versichern könnte, daß die notwendigen Bedingungen für eine solche Seßhaftmächung bestehen. Das IDC gibt darum der ernsten Hoffnung Ausdruck, daß die Konferenz ihren Einfluß auf die; in Eviah vertretenen Regierungen nach dieser Richtung hin geltend machen wird. . Viele der in den europäischen Asylländern jetzt lebenden Flüchtlinge möchten .nach Uebersee auswandern. Seit 1933 wurde es r8500 Flüchtlingen ermöglicht, aus Ländern vorübergehenden Asyls rin Europa nach Uebersee zu imigrieren, von diesen gut* gen 4425nach Palästina. Rund 5000 sind aus einein europäischen Land in ein anderes, zum Teil nach Ausweisung, weiter gewandert. 3800 wurden repatriiert; zu diesen verschiedenen Yon HICEM, geleiteten Emigrationsformen, hat IDC rund 400.000-Dollar beigetragen. Wir sind jenen Ländern,^ dankbar, die bisher Flüchtlinge zugelassen und der 'Jugend Möglichkeiten zu beruflicher Ausbildung geboten haben. Wir werden alles in unserer Kraft Liegende tun, um für diese Jugendlichen * Auswanderungsgelegenheiten zu finden. David J. Schweitzer, Vizepräsident der europäischen Exekutive des American^ Joint Distribution Committee teilt in! einer unter;Sden Delegierten der Konferenz in rjvian ü verteilten Broschüre „Jüdische Probleme in Europa? u. a.' mit, daß das mit Hilfe des IDC in Paris gegründete Hilfskomitee 3000 Personen in produktiven Berufen unterbringen konnte, wofür annähernd 2.000.000 Francs verausgabt wurden. IDC hat in Zusammenarbeit mit anderen Organisationen, Aerzte'und andere Intellektuelle unterbringen können. David J. Schweitzer faßt die Arbeit des IDC bei der Lösung des Flüchtltngsprpblems wie folgt zusammen: IDC half an der Schaffung von Hilfskomitees in den Einwanderungsländern mit lokalen Fonds mit. Der vom IDC beigesteuerte Betrag, hing von der Höhe des in dem betreffenden Lande selbst aufgebrachten Betrages ab. IDC hat erkannt, daß finanzielle Hilfe allein eine Seßhaftmächung der Flüchtlinge nicht bewirken könne, daher kpnzentrierte IDC seine Anstrengungen auf konstruktive Hilfe in verschiedenen Formen. * Schulung für Amerika-Einwanderer? Durch die amerikanische ~wie einen Teil der europäischen Presse geht ein aus'^ew. York lancierter Artikel, dessen (Seäänteengäjnge1 wir hier wiedergeben, indem wir es unseren amerikanischen Korrespondenten überlassen, dazu Stellung zu nehmen; .ur In den Vereinigten Staaten wirä^S;I^ön'.Täg zu Tag mehr Problem, daß die aus politischen Gründen Eingewanderten, einem Gesetze der Trägheit folgend, unkluger Wel&ie^sq gern nähe der Landungsstelle New Yqr|^^|ii: niederlassen, am liebsten in New York seMst. Das führt zu einer sozialen Kongestion Heftigster Art. Um eines .der klarsten Beispiele arizüführ.eh: es gibt in New York viel zu viel Aerzte, daher Unwillen der Alteingesessenen, und ein Proletariat der- Neukommenden, iw^rend^ander&iStaj^* ten, z. B. Montana, Idaho, ^Nebraska, Jo^a und der StaatlWä^ihgto^ gen. mm\ de" _ ,.jfL, über das Problem wird oft iTrtünÜi^^rweise ■ .- , ' ,, V "- ■>■■■'. ■ .'•■ n!?'!' Bei der Beschäftigung mit dieser ^ii^ dejs. Immigrantenpröb'iems und bei allen Erv^k^ungeil : Erwägungen;v .«;s-;.'■ -• i»* angenpmmen, es handle sich ^nür Um Jü4en at}s Deutschland und Oesterreich. Cranz iatkeht große Völkerwanderung dieser Unruhigen 2<£i£ umfaßt zahlenmäßig zumindest -ebenso nicht-'. i ■. ' . .;. . i •; ■ i:.;, ■ jüdische Flüchtlinge aus allen Ländern, in Paris ist der Flüchtling aus China 'gar keine seltene Erscheinung^ dazu kommen noch, um c(ie Musterkarte Hautfarben zu komplettieren, Aethiopier, die aus Abessiriien kommen. '"" '■ i,:' ' ,, •' .'' ' " ••!!'>• : ' , F{ir; sie alle, ist immer noch der $ p^damerikanischje, Staatehpund (U^^i; däsjrehiMge Land, das; den ]^äum'. :und den Rillen hat,' Flüchtlinge aufzunehmen Ui)d| das diesen Rillen 'idurch den Mund, des;; Präsidenten, laut ausgesprochen hat. Die Vereinigten ^Staaten . 1 :• ■ ■ §:< "''. 'U '' f ' i.;:i'':v:' '•T;''tJ 4. wissen, es ausi ^^pxtajxxwi^ von j ^ahr.zehnten,; daß;: jder jE^igrani, : woher \ .er . aiuphl | ■. (komme,, ein. dankbares Material ist, in jedem Sinne des Wortes. Die amerikaraschen. Staaten sind immer noch, aöcE: in de* Depression, ä free, country. where everybody, has his , chance, ein freies Land,'.in dem. jeder seine Chance hat.,Und die Hauptchance jedes Einwanderers ist*, mach dem hewundernswertefn amerikanischen Rezept ein voUkÖmmener Amerikaner zu,, j werden, i,iein patriotischer überciiesi Wie der Magnet ^unerbittlich die Moleküle, eines Stücks* Eisen; zu einer Gleichlagerung zwingt, so reißt ip USA wie in keinem Lande der Welt eine gewaltige Krait den Einzelnen widerstandslos mit sich. Deshalb hat Amerika den Willen, arbeitswillige und gesunde Flüchtlinge zu empfangen. Und es hat Platz für sie. Wenn sie nicht unkluger Weise sich dort massieren, wo sie * sich selbst und das Land,, das sie gastlich aufnimmt, gefährden. iDjlshalb beginnt man in USA vorerst inoffiziell dißse Gefahr zu bannen.; An sehr verschieden, gearteten Stellen und mit sehr verschieden gearteten Mitteln sucht man nach Prohibitivmeii ihr Ziel ist die Verteilung über das;;g£waltige Stück Erdoberfläche, das die acht- ^ndyierzig vereinigten Staaten ausmachen, ohne bedenkliche Zusammenballungen.; v .Einer der interessantesten Vorschläge .nach sä*eser Richtung starnmt von dem außenppliti- ..-'.. ■ - <:.>£' : ' . y-'y-r: ■ ' " sehen Chronikeur der New York Post, Ludwig Lore, der die Errichtung von V o r b e r e t u n g s 1 a g e r n angeregt hat, die planmäßig über alle achtundvierzig Staaten zu verteilen wären und in denen der kopflose, gehetzte und müde Einwanderer ein Jahr hindurch auf Regierungskosten in Ruhe lernen soll: vor allem systematisch die Sprache des Landes, seine Geschichte und Eigenart und dann nach Wahl und Eignung ein Handwerk, landwirtschaftliche Arbeit oder was sonst seinen Wünschen, den Bedürfnissen des Landes und seiner Herkunft entspricht. Solche „Erziehung zum Amerikaner" ist in erster Linie natürlich für junge Menschen gedacht. Da aber der Strom der Völkerwanderung nicht nur junge Mädchen und Jünglinge, sondern auch hilflose Familien mit sich treibt, sollen auch Familien-Lager geschaffen werden, in" denen die Familie vorerst beisammen bleiben darf und nur diejenigen zur Ausbildung herangezogen werden, die ihrer bedürfen. Ein Einfall von Format, der seinem Finder Zustimmung von vielen Seiten eingetragen hat und nach Erwägungen, die man in Washington anstellt, Aussicht besitzt, Wirklichkeit zu werden. Opposition gegen einen solchen Plan wird es natürlich geben, besonders im Hinblick auf die Arbeitslosigkeit im Lande. Aber die Vereinigten Staaten leben ja davon, daß sie in jeder Depression auf eine kommende Periode der Prosperität hoffen. Daneben sollen sozial höher geschichtete Elemente, die einen sofort auszuübenden Beruf besitzen, nur geleitet und gelenkt werden, ohne; die Lager zur Schulung, ohne den Staatssäckel zu belasten. Solche Pläne sind weder Utopien noch Einfälle aus philanthropischen Motiven, sondern sicj entspringen nüchternen staatsmännischen Erwägungen. In diesem Sinne hat der Mann, der zuerst den Gedanken an die Ausbildung in Lagern drucken ließ, den klaren Leitsatz ausgesprochen: „Not charity — assistance!" Unsere Stellung zu Kultur u. Geschichte*) . Das XIX. Jahrhundert hatte .eine festumrissene Auffassung über die Teilnahme des Menschen an der^Kultur. Es hüjdigte dem Grundsatz, daß jeder. Mensch eine A 11 g e m e i n b i 1 d.un;g haben müsse; diese wird unter drei Gesichtspunkten ^betrachtet: Unter Bildung versteht man zunächst^* Selbstbildung, freiwilliges Innewerden des geistigen Inhaltes, geistige Neuschöpf üng des Inhaltes durch die Persönlichkeit. Nicht einfache Uebernahme geistiger Erkenntnisse,, sondern originales Denken, - prüfende Schau, ob „der Inhalt geeignet ist, die Person-, lichk^t zu formen. Ablehnti^ Zwanges.:, Mity diesem: Prinzip:; -ist der zweite Gesichtspunkt gegeben: jDer;.sich «ntwickeihde Mensen muß.. sich in die ^isiprisc^e jj^elt ^d^|'-Geilstes!-seiner.' Zei^pegebenj ier rnuß i die Füue'iäer KulturwejrH auf j'allen ,.VGe.p|ieten in _ sic^ ^ufnehmen, der Mensch darf-j nicht nur -seineiljm^ bilden ^iirch :jAi^svähj, von r^lj^jguterjn, die $'ei-.; ner inneren Einstellung. und Greisteshaitung: entsprechen, sondern; er >muß die - Fülle geistiger Lebenserscheinun^ ergreifen. Sein Geist enthält als kleine Welt die Wirklichkeit der gro- . ■ " ■'!:;) ' . ■ . ',-■.. *,--.{>(. ■; .,. *.) Aus einem Aufsalz von Herbert Sonn im soebepi erschienenen „Informationsrundschreiben" des N o ar Agu dati.. Das vortrefflich ausgestattete Heft enthält außerdem einen Artikel ,jWas ist Halacha?" von Abraham W o 1 f 'und Nachrichten aus der A.-Bewegung. hezieheiiMbei der, Buödesleituni^!; [ded Nöar Agudati, Berlin N 4, Johannisstraße.tS, .2:hi ........<•"•• ■ :••!•• ' ■ UlMf . "*> "... ..... ' ..... ' ßen Welt. Dadurch ist er in den Strom der Uebe'rlieferüng eingefügt und bürgt für die geschichtliche Dauerhaftigkeit der Kultur;. Um diese beiden. Möglichkeiten der freien Entfaltung lind der geschichtlichen Bindung in echter Weise vornehmen zu können, muß noch ein dritter Gesichtspunkt herangezogen werden: Der junge Mensch muß Zugang haben zu den Quellen der Kultur, er muß die Werke, die kulturschöpferisch sind, lesen und verstehen, können. Wir sehen, daß hier eine umfassende Allgemeinbildung (gefordert. wird, die .einerseits; die Bildung der Individualität, andererseitsijijjie; Bhv>j, dung an die. Geschichte durch; selbsttätige?r-' arjbeitung der Quellen , als-2iel»;hat.;ii^n '..dieser Auffassung hat sich viel geändert,,,:-un4. i^och erH (1scrieint uns vieles an die /Denkweise1 £\i. erin-,: i n^rn, die' S. R.'Hirjsch in seinen ,,19 .|Briefe^," , ^wendet. \ Wenn wir! uns die, 19 E^e^,': näment-; liefe Vom 16. bis! 19; Bifief i y^raeh^ä'esn^ is$ [ 'klin'^f uns eine ähnliche Anschauung entgegen. Die B'ülle der Kulturerscheinungen macht es uns Beute unmQglichV die^ große Welt des "geistigen Lebens in unserem Innern widerzuspiegeln.,, Vielmehr greift heute einfe; andere;Anschauung, ein, die der oben dargelegten, Auffassung nicht mehr ganz entspricht. Es kann; nicht;Sinn der Bildung sein, uns alles Gedachte nachdenken zu; lassen, vielmehr lebt der Kulturgeist!: in der. Tat; des Menschen. Die Bildung einer Persönr lichkeit-ist nicht dadurch gesichert, daß er-^ine auf beachtlicher geistiger Höhe stehende Dis-