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Der Israelit · 1938-07-28 · Heft 30 (28.7.1938) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
79 (1938)
Issue
Heft 30 (28.7.1938)
Date
1938-07-28
Page
– (sequence 1)
Language
German
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tl Ein Centraiorgan für das orthodoxe Judentum / Begründet von Dr. Lehmann in Mains Frankfurt a. M, a 28. Juli 1938 29. Tammus 5698 Nummer 30 Der Londoner Konferenz entgegen. L o n d o n ,-25, Juli» In eingeweihten Kreisen wird versichert, daß die am 3. August in London zur Fortsetzung der Arbeit in Evian zusammentretende Konferenz bereits im Besitze genauer Informationen über die Entschlüsse vieler südamerikanischer Staaten und auch ^der Auswanderungsländer sein wird, so daß sie mit greifbaren Maßnahmen wird beginnen können. Es wird angenommen, daß Amerika,-zumal für die ersten Monate, die Quote erhöhen wird. Auch wird für den vorübergehenden Aufenthalt der Auswanderer in europäischen Ländern ein. fester Status geschaffen werden. Neben Kenya wird auch von Angola als Äufnahmeland gesprochen. Eine englische Stimme zur Wanderungsfrage. . London, 15, Juli. Sir John Hope-Simpson äußerte sich im „Evening Standard" vom 15. Juli unter dem Titel „Oeffriet die Tore!" zur Wanderungsfrage. Nachdem er die moralische Seite des Wanderungsproblems aufzuzeigen versucht hat, geht er dazu über, die in London, besonders in der letzten Zeit stark verbreitete Behauptung zu widerlegen, daß die Fremden alle Berufe überflutet haben und sich, des unlauteren Wettbewerbes schuldig machen. An Hand von Tatsachen und Ziffern führt er den Beweis, wie gering z. B, die Zahl der Aerzte ist, die im Laufe der letzten fünf Jahre die Erlaubnis zur Niederlassung m England bekommen, haben. Unter den 50—60 000 englischen Aerzten befinden sich; seit 1933 kaum mehr als 187 neu Hinzugekommene. Verschwindend gering ist auch die Zahl der Zahnärzte, die sich in den letzten neun Jahren in England niederlassen durften. Bilden tatsächlich, fragt Simpson, die 200—300 fremden Aerzte und Zahnärzte: eine ernstliche Wettbewerbgefahr für die englische Aerzteschaft? Simpson sieht die einzige Lösung des Problems in einer geordneten und organisierten Wanderung, Unofganisiertej. Flucht 'müsse' zu einer internationalen Katastrophe ' ersten Ranges führen. Er kommt zu dem Schluß, daß sowohl Frankreich 1 wie England einen ernsten Versuch zur Lösung; der Wanderungsnöt machen müßten, zumal ider konstante Bevölkerungsrückgang eine Auffüllung durch eine . entsprechende Einwanderung erfahren kann, Simpson stellt daher die Forderung an England, seine-Tore für 100 000 E m i g r a n tejn z u ö f f h^e n^und so den eigenen Pominions mit gutem Beispiel voranzugehen. 1 Große Säuberung in Palästina. 1600 Verhaftungen. — Streik der arabischen Bevölkerung. — Bombenwurf in Tel Awiw, " Jerusalem, 24, Juli. Nach einer Havas-Meldung wird die vor einigen Tagen von britischen Militär- und Polizeiabteilungen aufgenommene umfangreiche Säuberungsaktion unter den Aufständischen im Gebiet von Nablus, Tulkarem und Jenin, mit größter Gründlichkeit und Strenge durchgeführt. Bisher wurden 1600 Personen verhaftet, von denen die Mehrzahl aus anderen Gegenden stammt und die keinen hinreichenden Grund für ihren Aufenfe halt in diesem Gebiet angeben konnten. Infolge dieser Verhaftungen ist die arabische Bewohnerschaft des alten Stadtviertels von Jerusalem in den Streik getreten, dem sich auch die Einwohnerschaft von Nablus angeschlossen hat. Gestern explodierte in einem Kraftwagen, der vor einem der eleganten Cafehäuser von Tel Awiw stand, eine Bombe. Sieben Personen wurden verletzt. In den letzten zwei Tagen wurden fünf Araber wegen unbefugten Waffentragens zum Tode verurteilt. Wieder eine Bombe auf dem Markt von Haifa. Bisher 35 Leichen gezählt. Haifa, 26. Juli, Ein neues Born b-e nattentat, durch das zahlreiche Araber getötet und verletzt wurden, hat am Montag morgen in Haifa ungeheure. Erregung ausgelöst. Die hochexplosive Bombe, die von bisher unbekannten Tätern in einem Stand auf dem großen Gemüsemarkt in Haifa verborgen worden war, explodierte mitten zwischen den dichtgedrängten Menschenmassen, die jeden Morgen aus den Dörfern in der Umgebung von Haifa zusammenströmen. Viele Araber wurden von der Gewalt der Explosion in Stücke gerissen, ' . Nach dem amtlichen Berichte über die Bombenexplosion zählte man bis 8 Uhr bereits 3 5 Tote. Die Zahl der Verwundeten, beträgt 50 bis 60. Man befürchtet, daß sich die Zahl der Opfer noch erhöht. Auch aus änderen Gebieten werden neue Bluttaten gemeldet. §o wurden unweit von Nazareth zwei A r. a b e r erschossen aufgefunden, ferner auf dem Karmelberg ein erschossener Jude. Wie weiter gemeldet wird, ist auch in Haifa ein Jude getötet worden. An mehreren Geschäften wurden Brandstiftungsversuche vorgenommen. Eine bedeutsame Erklärung des ungarischen Justizministers. Budapest, 20. Juli. Justizminister Dr. M i k e c z veröffentlicht in der vom Chefredakteur des „Pester Lloyd", Dr. Georg v. Ottlik, geleiteten Zeitschrift „Nouvelle Revue de Hongrie" eine zehn Seiten umfassende Studie zum Judengesetz. Der Minister führt u. a. aus, die Durchführung des Judengesetzes werde annähernd 16 000 Juden in ihrer Existenz erschüttern. Unser christliches Gewissen, fährt der Minister fort, drückt uns, ich "selber empfinde eine tiefe Verantwortung für diese Menschen. Wie arm wir auch sein mögen, so besitzt Ungarn doch noch genügend wirtschaftliche Kraft, um diese Menschen nicht einfach auf die Straße zu werfen und sie der PröletaWsienmg zu überlassen. Zum Schluß sagt der Minister, die Regierung habe mit dem Judengesetz eine Lösung angestrebt, die in gleicher Weise Christen und Juden befriedigt. Die Judenheit müsse eben aus Patriotismus bemüht sein, die Intentionen der Regierung mit voller Objektivität zu beurteilen. Mexiko nimmt Einwanderer auf. :New York, 15. Juli. In einem der Korrespondentin der North American Newspaper Alliance, Miß Anita Brenner, gewährten Interview, erklärte der Präsident von Mexiko, Cadernas, Mexiko lade Techniker und Gelehrte aus Deutschland, Oesterreich und Spanien ein und halte seine Tore Einwanderern weit geöffnet. Die erste ■ Gruppe von 21 Flüchtlingen sei bereits auf dem Wege nach Mexiko. Es sei nicht wahr, daß in Mexiko eine Bewegung gegen Ausländer oder Juden im Gange sei. Aegypten und die Palästinafrage. K a i r o , 20. Juli. Der ägyptische Ministerpräsident Mahmud Pascha, der sich in diesen Tagen nach London begibt, wird dort mit dem Kolonien- .minister »Malcolm MacDonald die Palästina- Situation diskutieren. „Egyptian Gazette" meldet, daß die Regierungen Transjordaniens, des Irak, Saudi-Arabiens und S y r iens die an sie ergangene Einladung zur Teilnahme an der im Oktober d, J. in Kairo stattfindenden p a n - arabis che n Konferenz angenommen haben, 200 Mitglieder des ägyptischen Parlaments werden an der Konferenz inoffiziell teilnehmen. Die weltberühmte moslemitische Universität Et Azhar und der Verband ägyptischer Studenten teilten mitj daß sie ihre eigene Konferenz abhalten werden, um das Problem der Araber in Palästina zu prüfen.

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