Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1938-07-21 · Heft 29 (21.7.1938) · page 11

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
79 (1938)
Issue
Heft 29 (21.7.1938)
Date
1938-07-21
Page
– (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2446951-2451012-2451040--83854-2541883
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

«igs<«gi?'*«psr5«»«j<!* »i" ^wm^^^^^JK<'^<^r^rQx£^&. 4iSTj 5. o.J" ~W i tW" i Wi. f§|gg$$lpj^^ e r Fi 1 i f Nr. 29 Seite 11 Letzte Nachrichten, Von der Evian-Konferenz.! , Evi.an, 15, Juli.. Der volle Text der von der Evian-Konferenz-an genommenen Resolution liegt nunmehr vor. Sie führt einleitend die sechs Gesichtspunkte an, die zur Einberufung der Konferenz veranlaßt haben, erwähnt dann die Resolution des Völkerbundrates vom 14 Mai 1938, in der ausgesprochen wurde, daß die Regierungen keine finanzielle Verpflichtung zur Unterstützung von Flüchtlingen, die sich auf ihrem Gebiete befinden, übernehmen und gibt dann folgende Beschlüsse bekannt: a) Gegenstand der Tätigkeit des intergouvernementalen Komitees sind diejenigen, die ihr Ursprungsland noch nicht verlassen haben, jedoch auswandern müssen wegen ihrer politischen Meinung, ihres religiösen Glaubens, oder ihres rassischen Ursprungs; ferner solchen Personen der gedachten Art.. die ihr Land verlassen, sich jedoch noch nicht dauernd anderswo angesiedelt haben. . b) Die -Regierungen die an dem intergouvernementalen Komitee teilnehmen, sollen, das Komitee weiterhin in streng vertraulicher Weise mit Informationen darüber versehen, unter welchen einzelnen Bedingungen jede Regierung bereit ist, unter den geltenden Gesetzen und Verwaltungsmaßregeln Emigranten aufzunehmen. c) Angesichts der Tatsache, daß die Zufluchts¬ und Ansiedlungsländer berechtigt sind, die ökonomische und soziale Anpassungsfähigkeit der Einwanderer in Betracht zu ziehen, sollten diese in vielen Fällen veranlaßt werden, wenigstens für eine Zeitlang veränderte Lebensbedingungen in den Ansiedlungsländern zu akzeptieren. dJJDie Regierung der Zufluchts- und Ansiedlungsländer sollen keinerlei Verpflichtung übernehmen, für die Finanzierung unfreiwilliger" Auswanderung. e) Die beteiligten Regierungen sollen eitle Bestimmung treffen, wonach in individuellen Einwanderungsfällen, in denen die üblichen offiziellen Legitimationspapiere nicht erlangbar sind, andere Dokumente als Ersatz akzeptiert werden und daß die Ausgabe eines Passes in dem fremden Niedefl&gsungslande in Verbindung mit den bereits heute eingeführten Reisedokumenten ins Auge gefaßt werde. f) In London soll ein intergouvernementales Komitee der an Evian beteiligten Regierungen zusammentreten. Die Reichsvertretung in Evian. Ein Communique über die Tätigkeit der zur Konferenz entsandten Abordnung. Die Reichsvertretung der Juden in Deutschland teilt mit: Wie bereits . bekanntgegeben worden ist, waren während der Auswanderungs - Konferenz Vertreter der jüdischen Wanderungs - Organisationen in Deutschland unter Führung der Reichsvertretung mehrere Tage in Evian anwesend. Die jüdische Oeffentlichkeit in Deutschland hat einen Anspruch darauf, zu erfahren, wie die Delegation ihre Aufgabe auffaßte und wie sie diese Aufgabe erfüllte. Es kam darauf an, darzutun, in welchem Umfang bei den Juden in Deutschland neben der Auswanderungsbereitschaft die Fähigkeit zur Auswanderung und zur Einordnung in den Ländern der Einwanderung gegeben ist. Dabei wurde bedeutsames Zahlenmaterial-über die Alters- und Berufsgliederung der Juden in Deutschland verwertet. Daß das Problem der Unterbringung von noch rund 200 000 Juden aus Deutschland (und 100 000 Juden aus Oesterreich) bei aktiver Mitwirkung der Einwanderungsländer auf längere Sicht n i c h t u n 1 osbar sei, konnte aus der rund 150 000 Menschen umfassenden jüdischen Auswanderung aus Deutschland seit 1933 bewiesen werden, einer Auswanderung, die zwar'zum Teil mit finanziellen Mitteln der ausländischen jüdischen Hilfsorganisationen, aber (mit Ausnahme von Palästina)- ohne organisierte Bemühung der Einwanderungsländer selbst durchgeführt worden ist. Daran nujßte sich der Hinweis aüf die Notwendigkeit des Ausbaus der Einrichtungen zur Vorbereitung der Auswandernden im Inland und Ausland durch verstärkte Zuführung zu den handarbeitenden Berufen anschließen. Von besonderer Wichtigkeit war das f i n a n - z i e 11 e Problem. Zu seiner Lösung ist infolge der rapide fortschreitenden Verarmung der Juden in Deutschland, aber auch wegen der Beschaffung der für Einwanderung und. Einordnung erforderlichen Devisenbeträ.ge die Hilfe des Auslands 'n noch Stärkerem Maße als seither notwendig. Am Beispiel des Palästina- und des Altreu-Transfers konnte gezeigt werden, wie durch den Transfer von Eigenmitteln vermögender Auswanderer auch die Auswanderung minder- und unbemittelter Familien ermöglicht- und gefördert -werden kann. Schließlich würde die Notwendigkeit sofortiger Ausarbeitung eines Auswanderungsplans, und der beschleunigten Durchführung aller einzelnen Maßnahmen zur Verstärkung der Auswanderung mit besonderem Nachdruck betont.; Die Delegation der Reichsvertretung hat diese Grundlagen für den erforderlichen Auswanderungsplan in einem mit statistischen Beilagen versehenen Memorandum zusammengefaßt, das det Konferenzleitung, einer Reihe von Regierungsdelegationen, sowie den großen jüdischen Hilfsorganisationen des Auslands (Council for German Jewry, Ica, Joint und Jewish Agency for Palestine) überreicht und dessen Inhalt in eingehenden mündlichen Darlegungen ergänzt wurde. Mit den Vertretern der Israelitischen Kultusgemeirfde Wien konnte zuvor festgestellt werden, daß man in der Beurteilung der Aufgabe vollständig übereinstimme und daß diese Uebereinstimmung auch bei den Besprechungen zum Ausdruck gebracht werden solle. Besonders förderlich waren die Unterredungen mit den Vertretern der nordamerikanischen, der britischen und der französischen Regierung, den Herren Myron Taylor, Lord Winterton und Senator Berenger, sowie mit den Regierungsvertretern südamerikanischer Staaten. Dabei wurde die — inzwischen mit dem Sitz in London erfolgte — Gründung eines ständigen Ausschusses mit einem eigenen Büro in Aussicht gestellt, dessen Leiter mit den Regierungen der Ein- und Auswanderungsländer in Verbindung zu treten haben würde, um die praktische Arbeit, die auf der Konferenz selbst nicht zu leisten war, zu sichern. Von Nordamerika wurde die Gewährleistung der vollständigen Ausnützung der Einwanderungsquote von über 27 000 Menschen im Jahr in Aussicht gestellt. Weitere konkrete Einwanderungs-Möglichkeiten wurden mit den Regierungsvertfefern von England, Frankreich und verschiedenen südamerikanischen Staaten erörtert. Von fast allen Seiten wurde darauf hingewiesen, wie wertvoll für Einwanderung und Einordnung landwirtschaftliche Berufstätigkeit sei, wobei das englische Kabinettsmitglied, Lord Winterton, die Leistungen der jüdischen Landwirte in Palästina warm anerkannte. Die gegenwärtigen Einschränkungen der Einwanderung nach Palästina seien auf die politische Lage zuruckzüführen. Im Herbst, nach Vorliegen d^s Berichts der Teilungskommission, werde man sich über die Aufhebung dieser Einschränkungen schlüssig machen können. Jedenfalls halte England an *äer Balfour-Deklaration fest. Die Frankfurter Woche. Sitzung der Gemeindevertretung „Israelitische Gemeinde". - Die Sitzung vom Mittwoch Abend, 13. Juli, wurde von Dr. Hans Pomeranz in Vertretung des abwesenden Herrn Dr. Merzbach geleitet und begann mit einem stehend angehörten warmherzigen Nachruf auf den jüngst dahingeschiedenen Herrn Sally Grünebaum, der, wie der Vorsitzende ausführte, drei Jahrzehnte der Israelitischen Gemeinde diente, treu und mit Pflichteifer, zuletzt als Leiter des Bestattungswesens. Herr Dr. Pomeranz sprach den Hinterbliebenen das tiefempfundene Mitgefühl aus, und versprach, daß man sein Andenken stets ehren werde. Als jetzt neu eingetretene Mitglieder der Gemeindevertretung wurden sodann die Herren Karl Lorsch und Dr. Siegfried Rosenthal begrüßt. Gemäß Beschluß vom 4. Juli wurde auf das Schreiben des Stiftungsvorstands der B., H. Goldschmidt'schen Stipendien-Stiftung an Stelle des durch Auswanderung ausgeschiedenen Herrn Sally Kaufmann Herr' Dr. Rheinstein in diesen Vorstand gewählt, und zwar auf die Dauer seiner Zugehörigkeit zum Vorstand. Für den ausgeschiedenen Herrn Dr. Frenkel wurde namens der Wahlvorschlagskommission von Herrn Dr. Mainzer Herr Dr. S. Rosenthal vorgeschlagen, was widerspruchslos bestätigt wurde. Nach Fühlungnahme mit den Fraktionen ist für einen weiteren Sitz im Vorstand des Altersheims Herr Julius Kaufmann (Lib.) gewählt worden. In das Haus-Kuratorium des Altersheims, dem bereits Frau Prof. Dr. Aron Freimann angehört, wurde aus der Gemeindevertretung Frau Stephanie Förchheimer (Lib,) gewählt. Für den Vorstand der „Westendsynagoge" wurde eine Neuwahl vorgenommen. * Nachdem neuerdings die konservative Synagoge Im Stadtteil Bockenheim aus finanziellen Erwägun* gen geschlossen worden ist, ist aus gleichen Gründen mit der Schließung der Synagoge Großer Wollgraben, die 78 Jahre besteht, nach Beendigung der Herbstfeiertage zu rechnen, wenn nicht doch noch von privater Seite die Mittel zu ihrer Aufrechterhaltung aufgebracht werden. Wie aber verlautet, sind einflußreiche Kreise tätig, um diese — wie man sagt: „historische Stätte" — für die Besucher zu erhalten und statt dessen evtl, aber die Schließung der Westendsynagoge vorzunehmen. — Die Synagoge Bockenheim soll möglicherweise für die Jomim nauroim noch" weiter benutzt werden. Ha. Opernabend im Jüdischen Kulturbund. Die erste Juliveranstaltung war ein Opernabend, der von Rita A11 a s z (Koloratursopran) und von Hans Assen heim (Bariton) ausgeführt wurde. Zu Gehör kamen Arien von Gounod, Meyerbeer, Donizetti, Verdi u. a. m. Die Sängerin verfügt über eine in allen Stimmlagen gleich gut durchgebildete Stimme, zu der sich noch eine gute Vortragskunst gesellt. Was nun den einheimischen Künstler Hans Assenheim anlangt, so ist zu sagen, daß derselbe jetzt ein sehr hohes künstlerisches Niveau erreicht hat. Sein Organ wird in allen Stimmlagen, den jeweiligen Anforderungen voll und ganz gerecht. — Am Flügel begleitete wie stets sicher, stilgewandt, Dr. Willy Salomon. A. K. Frankfurter Vereinskalender. Verein Alekor Chajim. Schabbos morgen nach Schluß der Synagoge: ö»J*1 Herr Rabbinats-Assessor Dr. E; Posen, — nachm. 4.15 Uhr im Hörsaal: Chumisch mit Raschi, Herr Julius Lewin. — 4.15 Uhr im Vereinslokal: Mikro, Herr Rabb. H. Mayer. Samstag abend, 1 Stunde vor Nacht; Midrasch-Vor-> trag, Herr Saul Maus. Sonntag und Mittwoch morgens nach Schul, raiR ioi\ — vorm. 9 Uhr im Vereinslokal, omas -ja». Herr Rabb. Dr. Schlesinger. — vorm. 9 Uhr im Vereinslokal, mm, Herr J. Soffer. Montag u. Donnerstag nach Schul im Hörsaal: nron- Mitgliederlernen. — Montag abends 7 Uhr (auch Mittwoch) im Lokal: (i'^in) »K-iaa Herr Rabb .Dr. J Breuer. Dienstag und Freitag morgens nach .Schul, mvn' Herr R.-A. Dr. E. "Posen. Dienstag und Donnerstag abends 7 Uhr im Lokal: Gemoro, Herr R.-A. Dr. E. Posen. Jahrzeitsstiftungen. Dienstag, 26. Juli: Josef Grünblatt-Stiftung. Mittwoch, 27. Juli: Jettchen Stern geb. Stern-Stiftg. Agudas Jisroel-Gruppe Frankfurt a. M. Thora und Mussar. (Alle Schiurim wie üblich.) Gebetzeiten, onrs nat? Freitag abend 7.45 Samstag nnovrt 6.35 Samstag schacharis 7.45 Samstag minchah 1.00 und 5.00 Samstag abend 9.20. Wocheng'ttesdienst: Hauptminjan in der Synagoge 6 30 2. Minjan 7.30. An G'ttesdienst anschließend: Lernen des a»n ipB-Vereins im Hörsaal Nachmittags 7.15 Tefillinlegen am Morgen 3.35. Gebeizeiten in Wien (Schiffschul). Freitag abend 7.30 Schabbos haschkomo 6.15 Schabbos schacharis 8.30 Schabbos minchah 12.15 und 4.00 Schabbos abend 8.35. Werktags; Schacharis 6.00 Mincha 7.30 Familien-Nachrichten. Geburten: Eine Tochter, Jakob Schönbach und Frau Cilla geb. Dreier, Jerusalem, Keren Abraham. — Ein Sohn, Josef Auerbach und Frau Lotte geb. Süßmann, Gedera. Barmizwoth: Mosche Jehauschua, Sohn des Herrn J. Laub und Frau, Frankfurt a. M., Rechneistraße 9, onra mv> 23. Juli. Goldene Hochzeit: Isak Rosenbach und Frau geb. Dormann, Altenmuhr, om,fi TQV- Gestorben: J. S. Jankelowitz, Lehrer, Frankfurt a. M., 62 Jahre. ab Montag, den 25. Juli SOMME R * SCHLUSS-V ER KAUF außergewöhnlich redüzi e rte P r s e Frankfurt a- M. LUOWIQ gegenüber dem Hauptbahnhof

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.