Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 79 (1938)
- Issue
- Heft 29 (21.7.1938)
- Date
- 1938-07-21
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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reit erklärt haben, ihr Gebiet den Flüchtlingen in weiterem Maße zu öffnen. Mit Befriedigung stellt die Konferenz auch fest, daß sich mehrere Staaten bereit erklärt haben, größere Ansiedlungsprojekte in Erwägung zu ziehen, sei es, daß ihnen diese Projekte von offizieller Seite, sei es auch durch private Organisationen, zur Verfügung gestellt werden. Die Konferenz nimmt mit Befriedigung zur Kenntnis, daß Staaten, die überfülltsind, sich doch bereit erklärt haben, zur Lösung des brennenden Problems beizutragen, indem sie Emigranten ein zeitweiliges Asyl eröffnen." Am Schluß besagt die Resolution, daß sie die Lösung des Problems als so dringend erachtet, daß sie auch bis zum 3. Augusteine fortgesetzte Arbeit für angezeigt hält. Zu diesem Behufe betraut die Konferenz ihren Präsidenten Taylor und ihren Ehrenpräsidenten Berenger mit der Führung der Geschäfte. * * Die Schlußsitzung am Freitag. Erklärung Englands. E v i a n , 15. Juli. Am Freitag vormittag trat das Plenum zur öffentlichen Schlußsitzung zusammen. Gleich zu Anfang gab der englische Vertreter Lord Winterton eine Erklärung ab, die mit tiefster Bewegung angehört wurde. Die Erklärung hatte folgenden Wortlaut: „Die Regierung Seiner britischen Majestät ermächtigt mich, der Konferenz von Evian mitzuteilen, daß Großbritannien bereit ist, den jüdischen Flüchtlingen aus Deutschland und Oesterreich Siedlungsraum größeren Umfangs in der Kronkolonie Kenya zur Verfügung zu stellen. Die Sachverständigen der privaten Organisationen haben dort die allgemeinen Möglichkeiten für wirtschaftlichen Aufbau geprüft und soeben die günstigsten Resultate gemeldet. Die britische Regierung arbeitet augenblicklich einen Plan aus, um eine neue Einwanderung zu ermöglichen." Ferner erklärte Winterton, daß Palästina angesichts des Teilungsplanes zur Zeit als Aufnahmeland für größere FIüchtHngsscharen nicht in Betracht komme. Eine Beschränkung der Einwanderung sei dort bis zur Durchführung des Planes unerläßlich. Ueber 300 000 Juden, darunter 40 000 aus Deutschland, seien seit 1922 nach Palästina gekommen. England glaube, daß es auch in Palästina noch größere Möglichkeiten gebe. Darauf ergriff Taylor das Wort zur Schlußrede. Nach Zusammenfassung der Ergebnisse sagte er, die Konferenz stelle nur den Anfang dar. Der Mechanismus sei in Gang gesetzt und sei nicht mehr aufzuhalten. Taylor verlas sodann ein an Roosevelt abgesandtes Telegramm folgenden Wortlautes: „Ich melde Eurer Exzellenz den erfolgreich e n A b s c h 1 u ß. der Konferenz von E vian ". Der bolivianische Delegierte legt Gewicht darauf, festzustellen, daß nach den Erfahrungen in Bolivien die Juden durchaus geeignet seien, auch in der neuen Welt Zentren der Zivilisation zu schaffen. Botschafter Berenger spricht im Namen der französischen Republik der Konferenz Dank für ihre gedeihliche Arbeit aus und versichert sie noch einmal der vollen Mitarbeit Frankreichs. Evian sei nur der Beginn der kollektiven Arbeit. In ähnlichem Sinne lautet ein Begrüßungstelegramm des Außenministers Bonnet zum Abschluß der Konferenz. Die angenommenen Resolutionen werden dem Völkerbundsekretariat übermittelt. Was bietet Kenya? Kenya ist so groß wie ein europäischer Mittelstaat und ist gegenwärtig nur von drei Millionen Negern, 17 000 Europäern, sowie etwa 50,000 Arabern und Indern bewohnt. Trotz der tropischen Lage ist angesichts der Höhe des Landes (mit Ausnahme der *Z^F* ^k^t¥ "■ Staatssekretär Cordel Hull war neben Roosevelt der Hauptinitiator der Konferenz von Evian Aguda-Delegation in Evian Dr. Deutsch (Budapest), Engel (Genevej, H, A, Goodman (London) Küstenhänge 1700 bis 3000 Meter Hochland), das Klima für Europäer durchaus gesund. Gegenwärtig produziert Kenya Mais, Weizen,. Kaffee, Tee, Rohrzucker, Kokosnüsse und andere tropische Früchte, sowie Bohnen und Kartoffel. Die Viehzucht ist hochentwickelt und sehr ausbaufähig. Kenya exportiert bereits, Häute, Fette, Milchprodukte. Kenya ist von einem recht guten Eisenbahnnetz durchzogen und hat auch zahlreiche Autostraßen, die in dee trockenen Jahreszeit insgesamt gut, in der Regenperiode allerdings nur in jenem Teil befahrbar sind, der bereits asphaltiert oder betoniert ist. Die Hauptstadt Nairobi liegt auf 1800 Meter, also höher als die Schneekoppe, und trägt durchaus den Charakter einer europäischen Stadt. Die nächstgrößte Stadt und der wichtigste Hafen ist M o m b a s s a. Für industrielle Unternehmungen bieten die Vorkommnisse an Zinnerz, Kupfer, Zink, Mangan gute Aussichten. Es gibt bereits Oelraffinerien, Brauereien, Seifenfabriken, Erzeugungen von Aluminiumgeräten, Zukkerfabriken und Mühlen, Die Nachbarn Kenyas sind Italienisch-Somaliland und Abessinien, Tanganyika und Uganda. Die Küsten säumen den Indischen Ozean. Die Hoffnungen des gesetzestreuen Judentums auf Evian. In schweizerischen jüdischen Zeitungen ist ein Gruß Dr. Isaac Breuers an die Konferenz von Evian veröffentlicht, dem wir folgendes entnehmen; Die agudistische Weltorganisation ist an der bevorstehenden Konferenz im höchsten Maße interessiert. Gerade die Länder, in denen das Problem der jüdischen Auswanderung brennend ist, müssen als die Hauptsitze desjenigen Teiles des jüdischen Volkes betrachtet werden dessen Repräsentant die agudistische Weltorganisation ist. Die agudistische Weltorganisation bedauert es aufs tiefste, daß nicht die gesamten Juden des Erdteils, einheitlich vertreten, und geeint in ihren Forderungen und Wünschen, vor dieser Konferenz erscheinen. Die Einigung hätte erfolgen können, wenn unter strengster Innehaltüng der lediglich durch das Auswanderungsproblem gesteckten Betätigungsgrenzen die maßgeblichen Organisationen einen gemischten Ausschuß gebildet und ihn mit der Ausarbeitung eines Aktivprogrammes betreut hätten, das alsdann von diesem Ausschuß als Willensausdruck des ganzen jüdischen Volkes vor der Konferenz hätte vertreten werden können. Unfaßbar, daß diese Situation nicht einmal, die jüdischen Organisationen selber zur, nur auf dem Boden strengster Sachlichkeit erzielbaren Zusammenarbeit hat bringen können. Mag die Konferenz bedenken, daß es1 niit einem Dach über dem Kopf und einem Stück Brot in der Hand noch nicht getan ist. Kulturmenschen sind es, seit unerdenklichen Zeiten gewohnt, ihre Kinder im Geiste der Mutter aller Religionen zu erziehen und ein Gemeinschaftsleben nach den Weisüngen dieser Religion zu führen. Ohne Rabbiner, ohne Lehrer, ohne die institutionellen Erfordernisse der jüdischen Religion fühlen sich diese Menschen kulturell in die Wüste ausgesetzt und müssen seelisch verkommen. Emigrantenelend ist wahrlich nicht zum mindesten' auch ein seelisches Elend. Nicßfc um die Transferierung von Menschenware darf es sich handeln, wenn der Genius der Mensch^ heit nicht schamvoll das Haupt verhüllen soll. Der Prophet Jeremijah lehrt uns, G'tt als den „König der Völker" erkennen. - Der König der Völker weile über der Konferenz und lasse sie den richtigen Weg finden... Neuerungen im Familienrecht und in der Rechtsstellung der Staatenlosen.*) Das Gesetz über die Aenderung und Ergänzung familienrechtlicher Vorschriften und über die Rechtsstellung der Staatenlosen vom 12. April 1933 und die dazu erlassene Durchführungsverordnung vom 23. April 1938 hat u. a. folgende Neuerungen gebracht: 1. Eine Reihe von Äenderungen dient vor allem dem Streben des Staates nach Klarstellung der Abstammung und nach Rassenscheidung. *) Aus dem neuesten Hefte der „Jüdischen Wohlfahrtspflege und Sozialpolitik", Berlin. a) In allen familienrechtlichen Streitigkeiten einschließlich solcher über die Feststellung der unehelichen Vaterschaft und über Unterhalts&fisprüche unehelicher Kinder haben sich die Parteien und Zeugen zur Feststellung der Abstammung eines Kindes erb- und rassenkuridlichea Untersuchungen zu unterwerfen. Insbesondere haben sie die Entnahme von Blutproben zum Zweck der Blutgruppenuntersuchung zu dulden.. Zur Durchführung dieser Verpflichtung kann unmittelbarer Zwang, vor allem die Vorführung zur Untersuchung erfolgen (§9). Uni* Sommer-Scfifuß'Derßaiif beginnt am oftiontag, 25. 3ufi 5luf3€rgeiDöfinfiefi günffige Sin^aufsgefegenfieif . SeUfi 9