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Der Israelit · 1938-07-07 · Heft 27 (7.7.1938) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
79 (1938)
Issue
Heft 27 (7.7.1938)
Date
1938-07-07
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Frankfurt a. M. 7. Juli 1938 8. Tammus 5698 Nummer 27 Die Konferenz in Evian eröffnet. Genf, 6. Juli. Am Mittwochnachmittag 4 Uhr wurde die iRoosevelt -Konferenz in Evian programmäßig vom Führer der französischer^ Delegation, B e r e n g e r, eröffnet. Folgende 30 S t a at e n sind mit eigenen Delegationen in Evian •vertreten: Argentinien, Belgien, Bolivien, Brasilien, Cahada, Chile, Columbien, Costa Rica, Cuba, Dänemark, Ecuador, Frankreich, Großbritannien, Guatemala, Haiti, Holland, Honduras, Mexico, Neu-Seeland, Nicaragua, Norwegen, Panama, Paraguay, Peru, Schweden, Schweiz, Uruguay, Venezuela, San Domingo - und die Vereinigten Staaten von Amerika. E v i a n , 7. Juli- Die Konferenz wurde von dem Präsidenten, <iem französischen Delegationsführer Senator Henry B e r e n g e r , eröffnet, worauf der amerikanische Delegierte Mr. Taylor eine längere einleitende Rede hielt. Man wird sich in dieser Konferenz auf die Fräge der deutschen und österreichischen Auswanderer beschränken. Eis gelte, eine StändigeOrganisation zu schaffen, die das bestehende i N a n s e n a m t und die High Commission for Refugees des Völkerbundes ergänzt. Die Konferenz von Evian könne nur die Initiative ergreifen und ein ständiges Organ einsetzen, das am besten in Paris seinen Sitz haben werde. Amerika sei bereit, im Laufe des Jahres 27 370 Immigranten aus Deutschland und Oesterreich aufzunehmen. Er rege an, daß die verschiedenen Regierungen im Rahmen der Konferenz vertraulich mitteilen möchten, welche Zahl von Immigranten jeder Kategorie sie im Laufe dieses Jahres aufzunehmen in der Lage sind. , Namens der englischen Regierung betonte Lord Winterton, daß England mit seiner starken Arbeitslosigkeit an sich kein Einwanderungsland sei, daß die englische Regierung jedoch auch weiter bereit sei, Bewerbungen von Fluch--Hingen, die sich in England ständig niederlassen wollen und durch Aufbau neuer Unternehmungen einen, nützlichen Beitrag z ü'r Entwicklu n.g des industriellen Leb e n s leisten können, zu erwägen. Die Ansiedlung von Auswanderern in überseeische Territorien sei kein leichtes Problem, Die Regierung prüfe zur Zeit Möglichkeiten einer Ansiedlung in o s t a f r i k a n i s c h e n Kolonien, und eine Anzahl anderer Projekte seien zur Zeit ebenfalls in ernster Beratung. Die Auswanderungsländer müßten jedoch die Auswanderung erleichtern» Lord Winterton1 teilte noch mit, daß die britische Regierung die Flucht-. 1 i n g s k o n v eji t i o n vom 10. Februar vor dem 9. August ratifizieren werde. Man werde ferner auch ältere Leute zur Umschichtung in England zulassen, sofern sie ihre spätere Wiederauswanderung in Aussicht nehmen, werde jedoch auch die dauernde Niederlassung solcher Personen ins Auge fassen, die sich dem Leben des Landes nützlicherweise anpassen könnten. Nach Lord Winterton verlas Senator B e - r e n g e r eine Erkläi ung der französischen Regierung. Er schlug die Bildung eines Sub-Komitees vor, das alle zu treffenden territorialen, finanziellen und gesetzlichen Maßnahmen prüfen solle. Dieses Sub-Komitee könne auch die Memoranden der privaten Organisationen entgegennehmen und mit den Delegierten dieser Organisationen in Fühlung treten. Zum Schluß sprach der Präsident des Nansenamtes und Vertreter Norwegens, Michael Fortsetzung siehe Seite 2. Aus dem Inhalt: Religiöse Betreuung der Auswanderer Seite 2 Wichtig für Amerikareisende .... Seite 2 Wochenrundschau..........Seite 4 Das Thoraiest in Lublin.......Seite 5 Berichte aus Wien .........Seite 7 Brief aus Südamerika .......Seite 7 Brief aus Columbien.........Seite 8 Aus der Agudas Jisroel-Bewegung . . Seite 8 Erez Israel .............Seite 9 Ellis Island ............Seite 10 Letzte Nachrichten ....... Seite 11 Die Prinzipjen der Aguda und das Heilige Land. VII. Die Mitfrachisten sind die geborenen „Da« thiim". Sie bilden eine Fraktion einer religiös neutralen nationalen Organisation, innerhalb deren sie die „Belange der Thora" zu wahren bestrebt sind. Was die Misrachisten von den übrigen Fraktionen und Gruppen des zionistischen Kongresses scheidet, ist nicht das Nationale, sondern eben das. „Religiöse". Die zionistischen Gegner des Misrachi fühlen sich von ihm nicht national, sondern religiös geschieden. Sie sehen in ihm die Partei der — K 1 e r i k a - len. Mag der Misrachi theoretisch noch so sehr die Einheit von Volk und Thora betonen: der Anschauungsunterricht, der vom' zionistischen Kongreß oder von „Unserem Fürsten" Weizmann ausgeht, ist stärker, als jede Theorie — Der' Agudismus zog aus der Idee der in K'nesseth Jißrael von G'tt geformten Einheit von Volk und thora die Konsequenz, indem er der zionistischen Organisation die agudistische entgegenstellte, die die Einheit von Volk und Thora nicht nur — forderte, sondern darstellte, die Einheit des Religiösen und des Nationalen nicht nur — lehrte, sondern betätigte. An dem Prinzip desAgu d i s m u s' i s t nicht zu rütteln. Es ist eine ewige Wahrheit. Der Gegensatz zwischen Agudismus und Zionismus ist vor allem ein nationaler Gegensatz. G'ttes Nation ist eine völlig andere Gemeinschaftsform, als die Nation Herzls oder Weizmanns. Der Agudist ist kein „Dathi" innerhalb der Nation Herzls oder Weizmanns. Er ist durch und durch Nationaljude; Glied der Nation G'ttes. Durch den Beitritt zur agudistischen Nationalorganisation und durch das Fernbleiben von der zionistischen Organisation bringt er beides zu unzweideutigem Ausdruck. Dieser in der Haltung zu den beiden nationalen Weltorganisationen verkündete Ausdruck ist so stark und so wirkungsvoll, daß er territoriale Hemmungen, die sich in der Gola der Durchführung des agudistischen Prinzips — Polen! — entgegenstellten, einigermaßen entgiften konnte. Der Agudismus konnte in der Gola selbst dort gedeihen, wo es bisher zur Bildung thoragemäßer K'hilloth nicht kam. Wenn irgendwo, so mußte im heiligen Lande der Agudismus sein umfassend nationales Wesen offenbaren, gleichwie der Zionismus im heiligen Lande sein dem nationalen Urbild von K'nesseth Jißrael völlig entfremdetes Wesen hüllenlos aufwies. Das Gegenteil trat ein. Wie die Thora grundsätzlich das Regulativ des gesamten nationalen Lebens ist, so ist auch die K'hillah der Thora, wenn Hemmungen von außen wegfallen, nicht ,,Religionsgesellschaft", wie das wehmütig liebe Golawort lautet, son- Forisetzung siehe Seite 3.

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