Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 79 (1938)
- Issue
- Heft 23 (9.6.1938)
- Date
- 1938-06-09
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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IrDer Israelit lltx ...—,—— Frankfurt a. M. i 10, Siwan 5698 I Nummer 23 Die Zentralratssitznng der polnischen Agudas Jisroel. Zusammengehen mit Misrachi in Sachen des Judenstaates. Wars c h a u , 3. Juni. Wie schon in der jüngsten Nummer kurz berichtet, fand die Sitzung des Zentralrates der Agudas Jisroel in Polen unter Beteiligung von 150 Delegierten und Gästen in »Warschau statt. Der Vorsitzende, Oberrabbiner Ahron Lewin, betonte in seiner feierlichen Eröffnungsrede, daß die Sefiratage, an denejr die Agudaführer in Polen zusammengekommen sind, um ihre-Kraft zu zählen und zu wägen, die derzeitige Situation des jüdischen Volkes widerspiegeln. Bei der Entwicklung, die die neueste Geschichte des jüdischen Volkes angenommen hat, erkenne man erst den Segen der orthodoxen Weltorganisation Agudas Jisroel. Der Präsident der polnischen Aguda, J. M. Lewin; sagte in seiner. Ansprache, die; jüngste vierte Landeskonferenz der Agudas Jisroel habe große Beschlüsse gefaßt, die aber infolge der eingetretenen, Krisis nicht zur Ausführung gelangen konnten, Nun solle mit dieser Zentralratssitzung die Arbeit von neuem beginnen. Es sprachen dann Vertreter aus allen Gegenden Polens. Einige berühren die Schechitafrage in Polen, ander© verlangen besseren Kontakt mit der Provinz. Die Rabbinen müßten sich mehr uin. die geistige Förderung der Jugend kümmern. Es folgte darauf das politische Referat des Deputierten Minzberg. Wir leben in\ einer Zeit, sagte Referent u. a., in der.der Einzelne in gleichem Maße wie die Gesamtheit die Not empfindet. Die jüdischen Parteien in Polen haben anhaltend einen schweren Verteidigungskampf zu führen, einen Kampf um die wichtigsten Lebenspösitionen der jüdischen Bevölkerung. Bei dieser Sachlage kann ein eigenes Vorgehen und eine Sonderpolitik der orthodoxen Organisation nicht in Betracht kommen. Heute bleibt auch nicht mehr, wie früher, das religiöse Leben in Polen von-den antijüdischen Bestrebungen verschont. Ein Zusammengehen mit anderen jüdischen Parteien nach außen ist daher nicht zu vermeiden. — Als Resultat" der Rede werden mehrere Komitees und eine Politische Kommission gewählt. .Die erste Sitzung schließt mit einem größeren Tieferate von R, Tuvia H u r w i t z. Heute, sagte Redner, mÜBsen sich alle Schichten im Judentum Rechenschaft ablegen, wofür sie leiden. Die Assimilationspärtei verliert allen Halt und Sinn, wenn sie in einem Momente, da sie von der Außenwelt zurückgestoßen wird, den Anschluß an 'das innere jüdische Leben nicht sucht. Allein auch die Zionisten, die. ein nationales Ziel vor Augen haben, stehen vor der Notwendigkeit, ihren Standpunkt einer gründlichen Revision zu unterziehen.rhachdem man sich anschickt, ,dem; uietlös&,ti jüdischen Leide jenen Küstenstrich als Nationalheim entgegenzubieten. Alle Richtungen sollten heute einsehen, was die thoratreuen Ju-, den schon immer wußten, daß alles Unheil vom Abfall resultiert und wir alies Heil in G'tt und -seiner Thora zu suchen haben. Noch nie hat die Zeit für die Aguda so gearbeitet wie heute, so drängt sich uns die unabweisbare Pflicht auf, in die Gassen und Massen hinauszugehen und neue irrende Seelen für unsere Ideale zu gewinnen. Mit der geistigen Sanierung werden auch alle materiellen Sorgen behoben sein, - Nach einer warmen Rede von R. Jesaias,. G.h 1 o.d nik.und weiteren Ansprachen referierte R. Mosche L e r über „Unsere- Arbeit für Erez Israel". Redner kritisiert die'Unzureichende Hilfe und Mitarbeit am Aufbau in .E, J'. 'v%w^i Seiten unserer Notabein in Polen, Wi r haben unsere Pflicht getan, haben Keren Hajischuw nach Kräften ausgebaut, aber die Arbeit bleibt begrenzt, weil die Besitzenden noch fernstehen. Nach einer kurzen Pause hält der Präsident J, M. Lewin ein- Referat über die p o 1 i - tische Lage in E, J. Insbesondere geht er auf die Verhandlungen mit der Jewish Agency ein, die darauf abzielen, die Gesetze der Thora als Grundlage des möglicherweise zur Verwirklichung kommenden Judenstaates zu sichern. Die Zionisten reagierten zuerst kaum auf die Forderungen der Aguda, erst als die Aguda die Palästinaresolution der dritten Kenessio Grdaulo dem Kolonienministerium eingereicht hatte, ließ man sich dazu bewegen, auf das Memorandum der Aguda zu antworten. Die Aguda überreichte auch der Technischen Kommission eine..Denkschrift, in der der , ablehnende Standpunkt der Aguda gegenüber dem Teilungsplane in seiner heutigen Form deutlich zum Ausdruck kommt. Im Falle einer Verwirklichung des Planes aber verlangt die Denkschrift die Thoragesetze als Grundlage der K o nstitution. Gesichert müssen vor allem werden die Ehegesetze, die religiöse Erziehung und der Sabbat Die Verhandlungen mit Misrachi, ihre Grundlagen und bisherigen Erfolge waren Gegenstand von Beratungen des Großen Rabbinischen Rates der Agudas Jisroel. Nach der vom Präsidium des Rabbinischen Rates aufgestellten These ist eine Zusammenarbeit mit Misrachi i n - S a c h e n d e s jüdischen Staates, wo es gilt, eine einheitliche Front zum Schutze der religiösen Fundamente zu bilden, wohl m ö g 1 l.c h. Es ist auch die; Möglichkeit gegeben, von Zeit zu Zeit gemeinsame Aktionen; zum Schutze der re- 1 i g i ö s e n Belange, wie des Sabbat und dergl. zu unternehmen. Ferner ist eine gemeinsame Arbeit gegeben, um das religiöse Leben in den neuen E m i g r,j|U i o n s 1 ä n d e r n zu stärken. In Polen-muß jjaber,; Misrachi seine Bereitschaft beweisen, ijrin e r h a 1 b der K e h i I - loth zusammen/' m,it der Aguda die a r e Ii g i Ösen B;e s t r e b ü ngen zu bekämpfen. Demgegenüber hat das Präsidium des Moazath Gedaule Hatorah festgestellt, daß eine ständige Zusammenarbeit mit Misrachi in allen Belangen nicht möglich ist, solange Misrachi innerhalb der zionistischen Organisation bleibt. Auch erweist sich ein Zusammengehenin Sachen der Jeschiwoth als unmöglich, und zwar deshalb, weil die Leiter der großen Jeschiwos es grundsätzlich ablehnen, bei der Durchführung ihrer Sammlungen sich irgendwie auf Parteien zu stützen. Sie haben von jeher auf volle Autonomie größten Wert gelegt. Daß in Bezug auf den Chinnuch, insbesondere in Erez Jisroel, wegen der^Ytersehiedenheiten der Anschauungen, ein Zusammenwirken nicht möglich ist, ist bereits in der Konferenz von Paris zum Äusdmck gekommen. " ' *r Zum Schluß seiner Rede weist der Referent darauf hin, daß die zukünftige Gestaltung von Erez Israel der Orthodoxie neue Arbeitsmöglichkeiten für den Jischuw eröffnet, auf die wir uns vorzubereiten haben. Am Nachmittag des zweiten Verhandluttgstages hält A. M. Rogowi sein Referat über Beth Jakob. Beth Jakob, sagt Redner, ist heute der einzige Lichtpuikt in der Lage. Die Bewegung besitzt die Sympathien aller führenden Organisationen sowohl wie der breiten Oeffentlichkeit auch außerhalb der Agudas Jisroel-Örganisation, woraus wieder einmal zu ersehen ist, daß die beste Propaganda die Arbeit ist. Im Einzelnen nennt der Redner das Institut „Ohel Sara" in Lodz, das Handelsgymnasium B e t h J--a k o b und die neuen Erziehungsinstitute in der Provinz. Redner schlägt vor, einen Fonds von 25.000 Zloty für die Arbeitsbüros der Bnoth Agudas Jisroel zu schaffen. Ein Sonderreferat über das Erziehungsinstitut „Choreb" hält A. S. F r i e d m a n n. Die Aufgabe dieser Organisation ist, die Schularbeit der Agudas Jisroel zu konzentrieren. Fünfzig neue Schulen konnte Choreb in letzterer Zeit gründen. Rabbi Zwi Hirschhorn referiert über die Lage der orthodoxen Jugend und weist auf die vortrefflichen Führerpersönlichkeiten hin, die aus den Reihen der Zeiire Agudas Jisroel hervorgegangen sind. Weitere Referate werden gehalten von R. Moschkowitz über die Jeschiwoth, Elie Mas sur über die Weltjeschiwa in Lubij.ii im Zusammenhang mit dem bevorstehenden Thoraf este, von R. Kalmanowitz über Sabbat, R. M. Ch. Levi über die Gründung von Fachschulen für Thora und Arbeit. Letzteres Referat wird von A. G. Friedensohn mit Ausführungen über Fachschulen für jüdische Töchter ergänzt, für die wir bereits im „Ohel Sara" einen vielversprechenden Anfang haben. Nach Annahme mehrerer Resolutionen findet die Konferenz mit einer Rede des Präsidenten J. M. L e - W i n ihren harmonischen Abschluß.