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Der Israelit · 1938-05-25 · Heft 21 (25.5.1938) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
79 (1938)
Issue
Heft 21 (25.5.1938)
Date
1938-05-25
Page
– (sequence 11)
Language
German
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25. Mai 1938 Der l s r a e 1 i-t Nr. 21 Seite 11 Letzte Nachrichten. Die Auswanderungsfürsorge der Agudas Jisroel in Wien. Wien, 24. Mai. Die Agudas Jisroel hat ihre alten Büros und mehrere anschließende Räume dazu bezogen. Es mußten besondere Hilfskräfte in Anspruch genommen werden, um den gesteigerten Anforderungen gerecht werden zu können. In der „Abteilung für Auswanderung und Umschulung" -— die sich in engstem Einvernehmen mit der Kultusge-. meinde und deren zuständigen Stellen befindet —- herrscht starker Andrang. Die von den Parteien auszufüllenden Formulare liegen in siebenfacher Textierung auf, damit gleich die erste Registrierung möglichst individuell vorgenommen werden könne. Auch die Beratungsstelle der Aguda — die einzige, die religiöse Gesichtspunkte in Betracht zieht — hat alle Hände oder richtiger: alle Münder voll zu tun, um den vielen Ratsuchenden helfend zur Seite zu stehen, Im Laufe der Woche werden auch die verschiedenen Sprach- und kurz darauf die Umschulungskurse eröffnet, für die sich schon jetzt regstes Interesse kundgibt. Im übrigen bestehen bereits heute recht günstige Aussichten, eine große Zahl von Jugendlichen in auswärtigen Jeschiwos unterbringen zu können. Andere wieder sollen im Einvernehmen mit der Paläsfinazentrale in Frankfurt in bereits bestehenden oder neu zu errichtenden landwirtschaftlichen und handwerklichen Hachscharaus Aufnahme, finden. Am Samstag hat auch die Agudas Ji sro e 1 - Jugendgruppe ihre Pforten getiffnet. Wie es ihrem Wesen und ihren Zielen entspricht, wurde, die neue Tätigkeit mit einem Schiur eingeleitet. Der großzügige Lehr- und Lernbetrieb nimmt seither den altgewohnten Verlauf. (Siehe Berichte im Korrespöndenzenteile.) Vermischtes. Berlin, 23. Mai. Die Sehulabteilung der Reichsvertretung weist darauf hin, daß in dem neuen von der Reichsvertretung und dem Oberrat der Israelitischen Religionsgemeinschaft Württembergs, Stuttgart, veranstalteten Lehrgang zur Ausbildung von Turn- und Sportlehrkräften noch einige Bewerber aufgenommen werden können- Der Kurs findet an dem Orthopädischen Gymnastischen Institut von Frau Alice Bloch in Stuttgart statt. Dauer des Lehrgangs ein Jahr. Nach Abschluß Erlangung eines staatlichen Zeugnisses, das zur Lehrtätigkeit an>jüdischen Schulen und Vereinen berechtigt, Der Meldung ist ein. Lebenslauf beizufügen. Die Frankfurter Woche. Rektor Baruch Stern Am Montag . nachmittag durcheilte unsere Gemeinde die Kunde vom Ableben Baruch Sterns, des langjährigen Lehrers und späteren Rektors der Frankfurter IsraeJi tischen Volksschule, und löste überall tiefe Trauer und Bestürzung aus. Einer unserer Edelsten, und Besten, ebenso hervorragend als Schulmann und Wissenschaftler auf vielen Gebieten, wie heiß geliebt als Freund und Mensch, geht von uns, und es ist uns nicht einmal gegeben, gebührend unsere Trauer in Worte zu kleiden, da sich Baruch Stern, wie er im Leben ängstlich Aemtern und Ehren aus dem Wege gegangen ist, Nachrufe und öffentliche Trauerkundgebungen verbeten hat. Die Bestattung fand am Mittwoch nachmittag unter, gewaltiger Beteiligung auf dem Friedhofe der Israelitischen Religionsgesellschaft statt. n'axari Eine religiöse Veranstaltung der Israelitischen Religionsgesellschait. — Kundgebung für Schmitta. Zu der von der Agudas Jisroel und Palästina- Zentrale im Rahmen einer Religiösen Gemeindefeier angesetzten Veranstaltung am Sonntagabend im Hörsaal Friedbergeranlage war schon vor Beginn der Andrang so groß, daß die später Ankommenden kejnen Einlaß mehr finden konnten. Herr , Dozent Ehren treu ^eröffnete in Vertretung des wegen Unpäßlichkeit verhinderten Herrn Rabbiner die Versammlung, begrüßte .die -Versammelten und" wies auf j Charakter und Bedeutung dieser Kundgebung der Solidarität mit denen, die für uns im heiligen Lande das Schmittagesetz zur Geltung bringen) hin. Als erster Referent ergriff nun Herr Dr. S. E h rmänn das Wort. Er erörterte eingangs einige Tagesfragen und las Aufsätze aus der liberalen und zionistischen Presse vor, in denen die Sehnsucht nach dem geistigen Austausch, nach dem, was wir Lernen nennen, sich widerspiegelt. Wenn wir, im Gegensätze zu anderen Geboten, "unser Land, unsere Sprache, unsere Thora, mit „heilig" nenpn mm ,enpn ]wb »ntzmpn ps bezeichnen, so doch wohl darum, weil es einen Gebrauch der Sprache, eine Deutung der Thora, eine Liebe zum Lande gibt, die weniger heilig ist. Eine sinnige Talmudstelle, die davon erzählt, wie wir schon vor Jahrtausenden gegen Ismaeliten und Kanaaniten vor dem Forum Alexander des Mazedonier unseren Anspruch auf Palästina zu. belegen hatten, wobei bemerkt wird, daß jenes Jahr ein Schmittajahr war, diente dem Redner zum wirksamen Nachweis, welche wichtige Erlösungsmomente gerade dem Schmittagesetz innewohnen. Schmitta ist die Marke, mit der wir das Land als das jüdische Land bezeichnen. Der letzte Weg geht doch nach Erez Israel, und Schmitta ist ein Prüfstein dafür, ob wir der Erlösung, ob wir der Heimat in Erez Israel würdig sind. Als Redner bei Nennung der Opfer auch Mordechai Bars Vi» gedachte, erhob sich die Versammlung zu seinen Ehren und zu Ehren der anderen Märtyrer in Erez Israel von den Plätzen. Der zweite Redner, Herr Redakteur Schachn o w i t z , ging von der Haftorah (Jirmijahu 32) aus, wo in ergreifender Weise geschildert wird, wie der Prophet im Anblick der stürzenden Mauern und des eindringenden Feindes noch im letzten Augenblick nach Vorschrift der Thora ein Feldstück aus Familiengut auslöst, woraus man die Ueberzeitlichkeit von "Schmitta und Jowel und der Bodengesetze ersehe. Es stände vielleicht anders um uns, wenn wir nach der symbolischen Handlung Jirmijahus den Geist von Schmitta und, Jowel ins Golus und vom Golus ins Land der Väter, das zu neuem Leben erwacht, hineingetragen hätten. Die Gefahr der Teilung Palästinas kam über uns, weil die Thora von ihren Bekennern geteilt und auseinandergerissen wurde. Mit kurzen prägnanten Worten entwirft Redner ein Bild der heutigen jüdischen Situation in der Welt, um festzustellen, daß trotz allem und allem das einzige Ziel Palästina sei, wo Juden nicht Flüchtlinge noch Emigranten seien, sondern Bürger mit altverbürgtem Rechte. Unsere Menschen, die durch die Einhaltung des Schmittagesetzes zeigen, daß die Thora in Erez Israel heute noch für uns lebendige und verbindliche Wirklichkeit ist, werden für unser Recht wirksamer Zeugen als alle Gutachter vor der Technischen Kommission. Aus dieser Kundgebung der Solidarität wird unseren Freunden in Erez Israel neue Kraft erwachsen und die Welt wird erkennen, daß hinter jenen Idealisten das gesamte thoratreue Volk steht. .< Mit einem kräftigen Appell an die Versammlung, für den Schmittafonds zu zeichnen, dem auch in reichem Maße nachgekommen wird, schließt der Vorsitzende, Herr Ehren treu, die überaus würdig verlaufene Versammlung. Gemeindevertretung „Israelitische Gemeinde". In der letzten Sitzung wurden drei neue Gemeindevertreter eingeführt, und zwar die Herren Dr. Nathan Rosenthal (Lib.), Max Flörsheim (Volksp.) und Lothar Nords ehild (Lib.). Verschiedene Neubesetzungen von Ausschußämtern waren erforderlich geworden, so wurde u. a. das Jugenddezernat neu besetzt durch Dr. Hainer Mayer, der für den ausgewanderten Dr. Wolfgang Matzdorff diesen Pasten einnimmt. Herr Karl Adler wurde in die Wahlvorschlagskommission delegiert, nachdem Dr. Matzdorff ihr bisher angehört hatte. Die ausgeschiedenen Vorstandsmitglieder Sali Kaufmann und Frl. Aenne Pomeranz machten eine Neubesetzung verschiedener Posten innerhalb des Vorstands vonnöten. Es erhob sich kein Widerspruch ^egen die Nominierung von Dr. Alfred Strauß, Dr. Nathan Rosenthal und Landgerichtsrat i. R. Lyon. Das jüngst erlassene neue Gemeindegesetz für die jüdischen Gemeinden in Deutschland, das eine völlig neue Situation geschaffen hat, veranlaßte Herrn Dr. Geiger, den Gemeindekonsulenten, zur Abgabe einer bedeutsamen Erklärung. Einstweilen werde die Gemeinde auf Grund ihrer bisherigen Verfassung weiterarbeiten, wie sie die Pflicht habe, allen ihren Aufgaben gerecht zu werden. Auch sei es Pflicht ihrer Mitglieder, Mitglieder, unverändert das Notwendige zu tun. Mit der R. V. und den andern zentralen jüdischen Instanzenwerden zurzeit Verhandlungen geführt zwecks Schaffung einer Mustersatzung für die jüdischen Gemeinden. Unter Beibehaltung aller ihrer Rechte siöd die Gemeindebeamten Angestellte auf Privatdienstvertrag geworden; neue Lasten treten dadurch in bezug auf die Sozialversicherung auf. Nicht allein, daß durch diese veränderten Umstände n eüe Belastungen auftreten, kommt noch hinzu, daß durch die rapide Abnahme der Einnahmen der Mitglieder und die starke Abwanderung gerade der noch verhältnismäßig begüterten Steuerzahler die Geldeingänge der Gemeinde außergewöhnlich stark zurückgehen. Das hat im Gefolge, daß man an eine Verabschiedung eines neuen Etats nicht denken kann. Eine zweite Lesung hat sich als notwendig erwiesen; sie wird soeben vorbereitet. Jedenfalls macht diese ernste Lage eine starke Reduzierung der Ausgaben auf allen Gebieten vonnöten, und alle Verwaltungsstellen und die der Gemeinde angehörenden Organisationen sind aufgefordert worden, Vorschläge über Möglichkeiten der Beschränkung der Ausgaben zu machen. Dann sei es wohl möglich, daß bei rückläufigen Einnahmen die Erfüllung der Gemeindeaufgaben möglich wäre. Dem jüdischen Lehrhaus wurden RM. 3000, cfle als Subventionen gedacht sind, zugebilligt, nachdem es selber nur RM. 1856 aufgebracht hat. Vorbehaltlich der behördlichen Genehmigung ist die Errichtung einer Schlichtungsstelle vorgesehen. Die ausgearbeitete Schlichtungsordnung wurde der Gemeindevertretung zur Kenntnis gegeben. Es soll Aufgabe dieser Stelle sein, Streitigkeiten jüdischer Parteien ohne Anrufung der Gerichte zu regeln. Durch die Gemeindevertreter wurde der Wortlaut der Schlichtungsordnung gutgeheißen. Als Vertreter der Konservativen wurde Dr. Ernst Freimann.in die Kommission für Erziehung und Unterricht gewählt; für die Liberalen Frau Gut und Dr. Höxter, für die Volkspartei Dr. F r e n k e 1. In den Schulrat des Philantropins wurde H. Frohmann auf vier Jahre, Jul. Fulda bis Ende März 1939 gewählt. Für Dr. F. Oppenheimer hat jetzt Dr, Nathan Rosenthal das Finanzreferat über das ' Etatkapitel II (Betsäle und Synagogen) übernommen. Der Bericht über die Jugendkommission wurde in die nichtöffentliehe Sitzung verwiesen. Herr Rotholz (Staatszionist) meinte, die Gemeindemitglieder erwarteten in diesen Tagen eine Kundgebung oder Erklärung der Gemeindeinstanzen zu den dringenden Fragen. Ha. Frau Auguste Levis geb. Homburger ftr/y. Am Donnerstag, den 19. Mai, wurde auf dem Friedhof der Israelitischen Religions-Gesellschaft Fraü Auguste Levis geb. Homburger an der Seite ihres Gatten, des unvergeßlichen Aron Levis b~x\t zur ewigen Ruhe gebettet. Eine Tochter von Theodor Homburger '"J'XT/, dem verdienten nis der Khal Adaß Jeschurun, fand sie in ihrem Gatten den Lebensgefährten, an dessen Seite all die Eigenschaften und Traditionen ihres Elternhauses sich bis zur höchsten Blüte entfalten konnten. Frisch in unserer Erinnerung lebt die aufrechte vornehme Gestalt Aroh Levis, und gewiß war der stille Anteil def Gattin an all den Erfolgen und all den segensvollen Leistungen seines Lebens nicht gering. Wenn der königliche Dichter sagt; mn so haben sich bei Auguste Levis ]n und 'QV und "t mf zusammengefunden, um sie zu der von Liebe und Güte beseelten Persönlichkeit zu gestalten, als welche wir sie kannten und so hoch schätzten. Wie kaum anderswo galt im Hause von Aron und Auguste Levis das Wort des Propheten "IÄ1 nuani ona» ans om r> •»romnavrpaaon^ -»nnri Ihre Werke der Frömmigkeit und Menschenliebe verewigen ihren Namen mehr als es Söhne und Töchter zu tun vermögen. Die naia über "rasn m»D0 war das letzte, das aus ihrem Munde kam. Ihr Leben war eine Sefiroh. Sie hatte ihre Tage gezählt und geweiht, daß sie sich zu einem Ganzen und Bleibenden ballten. Der Verwandtenkreis, der mit unermeßlicher Liebe die aufrechte Greisin umgab, wird aus ihrem Andenken Kraft gewinnen. Ihr tvot wird ihnen allen beistehen. n~axin Konzert im Jüdischen Kulturbund. Die zweite Maiveranstaltung war ein Liederabend, der u. a. von dem* Baritonisten Ernst L e w i n-W o l f f (früher Korrepetitor der hiesigen Oper) bestritten wurde. Die Künstler verfügen über Stimmen, die weit über,den Durchschnitt hinausgehen. Es wäre müßig, über jeden Künstler zu schreiben. Wir wollen dankbar sein für den hohen Genuß, den sie uns mit ihrer großen Kunst bereitet haben. A. K. / Familien-Nachrichten, Geburten: Eine Tochter, Fritz Nußbaum und Frau Herta geb. Nußbaum, Burgpreppach (Ufr.) Barmizwoth: Julius, Sohn des Herrn Dr. Marcus Birnbaum und Frau Ida geb. Katz, Berlin NW 87, Flotowstr. 7, ian»a raw- — Daniel, Sohn des Herrn Dr. Robert Guggenheim und Frau Evi geb. Erlanger, Luzern. — Meier Michael, Sohn des Herrn Rabb. Dr. Bohrer, Gailingen i. B., laiaa ras»» 4. Juni.

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