Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 79 (1938)
- Issue
- Heft 20 (19.5.1938)
- Date
- 1938-05-19
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 6 Nr. 20 Der Israelit 19.,-Mal 1938 ' G'tt hält Schmitta. Von Saly Geis. Welch merkwürdiger Einfall: G'tt hält Schmitta! Aber der Gedanke ist gar nicht so merkwürdig. Hält doch G'tt Seine Thora, die er uns gegeben hat, damit wir Ihm — gepriesen werde Sein Name — ähnlich werden. G'tt hat am Sabbat geruht, als er Seihe Welt schuf; — also ruhen wir am Sabbat. G'tt ist heilig; — darum hat er uns in Seiner Thora Gebote gegeben, deren treue Beobachtung uns Seiner Heiligkeit näheri Das Schmittajahr trägt zweierlei Charakter. Im siebenten Jahre, dem Schmittajahr, soll Ere2 Israel, wenn das Volk Israel auf ihm wohnt, einen Sabbat G'tt feiern. Kein Säen, kein Ernten störe die Ruhe seines Erdbodens. Der Boden aber wird durch die Fülle des Ertrages gesegnet sein, und das die Worte seines G'ttes hütende Volk Israel. Im siebenten Jahr werde ferner um G'ttes Willen Schmitta, Erlaß, Erlaß der Schulden, gewährt. G'tt, der Herr der Welt ,will beides von Seineiii Volk Israel, will - den Sabbat des Bodens und den Verzicht auf materielle Rechtsforderungen der Kinder Seines Volkes unter einander. Sein Volk soll G'tt zur Verwirklichung des Schmittajahres in beiderlei Gestalt helfen — dann hält G'tt Schmitta. Hilft aber, das Volk G'tt; — dann hilft G'tt dem Volk. Kein Feind wird es mehr beunruhigen. Prüfet mich! hat G'tt Seinem Volk in Seiner Thora zugerufen. * * " * G'tt hält Schmittah.. Immer wieder zuckte in dem diesmaligen Winter, dem Winter eines Schmittajahres, diese Erkenntnis wie ein Blitz in mir auf. Wenn wochenlang der Regen heftig und unaufhörlich — ganz gegen die Gewohnheit der Jetusalemei' Atmosphäre — an die Fenster prasselte, fühlte ich: Es ist Schmitta. Wenn in dem Gartenstück, das G'tt mir in Seiner heiligen Stadt beschert hat, diesmal eine Pracht von Wiesenblumen hervorgeschossen ist, die mir jede:i Erew Schabbos zurufen: Nimm mich für den Sabbattisch! —- auch dann fühle ich; Es ist Schmitta. In den vergangenen Wintern wären die gleichen Blumen Unkraut, — doch jetzt stolzieren sie in üppiger Pracht, und neue, noch schönere Schwestern haben sich ihnen zugesellt. Ich aber habe nicht gesät und dennoch geerntet. . Auch die Uebermenge an Orangen während diesf.n ganzen Winters rief: Sieh, was das Schmittajahr dir schenkt. G'tt hält Schmitta. Doch G'ttes Schmitta bedingt auch unsere Schmitta durch restlose Anerkennung G'ttes als Spender unseres Besitzes, damit wir diesen nur nach Seinem Willen verwenden. Wer in jeder Pflanze G'ttes Schöpferhand sieht, wer die Lobpreisung, den Halleljubelgesang hört, der aus jeder Pflanze zur Höhe emporsteigt, wer in den ungezählten tausenden Arten fühlt, wie jede Art über die Jahrtausende hinweg ihrer ersten Stammmutter, die G'ttes Wort ins Dasein rief, gleicht, wer begreift, wie unendlich wenig die Menschheit heute noch von den Zwecken der Pflanzen erfaßt hat, — der wird wahrlich winzig klein vor sich, aber, der Glanz der Herrlichkeit und Größe G'ttes steigt vor ihm auf. Nur dieses Begreifen von G'tt befähigt zum Begreifen der Schmitta. Die Geulah, die Erlösung, soll in einem Schmittajahr kommen. Als einst in Mizrajim unsere Vorfahren aus dem Erliegen unter-hilfloser Rechtlosigkeit und Druck sich G'tt anvertrauten, indem sie das Pessachlamm schlachteten, waren sie der Stunde der Rettung würdig geworden. Möchte auch unser heutiges Geschlecht in diesem Schmittajahr G'ttes starker Hand würdig werden! Spenden für den Schmittafonds des Keren Hajischuw. . Die Vorstände mehrerer orthodoxer Gemeinden, so auch der Vorstand der Israelitischen Religions-Gesellschaft, Frankfürt a. M., geben den Gemeindemitgliedern mit Rundschreiben bekannt, daß der Erlös aus Synagogen spenden und M i z w o t h v e r k a u f beim Thoraaufruf am Sabbat nna '3 für die Arbeiter und Kolonisten in Palästina, welche die Schmittagesetze beobachten, bestimmt ist. Auch diejenigen, die keine Gelegenheit haben, an diesem Sabbat zur Thora aufgerufen zu werden, werden gebeten, sich an der Sammlung mit ihren Spenden, die von der Gemeindekasse dem genannten Zwecke zugeführt werden,-zu beteiligen.\V Annahmestellen für Schmitt aspenden; Zuwendungen mit dem Vermerk .„Für, Schmitta" werden an eine der folgenden Stellen erbeten: Berliner Büro der Palästina-Zentrale der A- J., Berlin N. 4, Johannisstraße 8. Postscheckkonto: Keren Hajischuw Berlin 178611. Nürnberger Büro der Palästina-Zentrale der Ä. J.r Nürnberg, Bauerngasse 21. Postscheckkonto: 'Keren Hajischuw Nürnberg 28881. Büro des Keren Hajischuw München, Auenstr. 38. Postscheckkonto: « Keren Hajischuw München 26780. Palästina-Zentrale der A. J. Frankfurt a. M., Schwanenstr, 12. Postscheckkonto; Keren Hajischuw . Frankfurt a. M. 13802. Rabbi Wolf Pappenheim Von W. S. Jacobson. Die schmerzliche Kunde von dem Ableben unseres lieben, von aller Welt so innig verehrten Rabbi Wolf Pappenheim trägt mir die Post in dem Augenblick zu, wo ich die Raschi der laufenden Sidro — iax — lese, und ihr erstes Wort leuchtet in wunderbarem Glanz auf. da ich es durch das Leben und Wirken dieses seltenen Mannes in seiner ganzen gegenwartsnahen Eindringlichkeit empfinde: .B^VW Tittir^ fnnKl 10« o^üpn bv' " - Denn die Geschlossenheit seiner Persönlichkeit, die Ueberzeugungskraft seiner Rede und^ seiner Tat, der Erfolg seiner Wirksamkeit, die- bis ins hohe Greisenälter bewahrte und bewährte Energie, die unvergleichliche „Treue seiner Hände bis zum Abend", die Opferfähigkeit, die oft an die Grenze der Selbstopferung ging, der Einsatz seiner Persönlichkeit an zahllosen Stellen zugleich, all dies floß aus der heiligen Verpflichtung, von der er sich als ein Pappenheim und als ein Schüler des Ksaw Sofer getragen sah, als ein Verantwortungsbewußter und zur Verantwortung Verpflichteter bis zum Aeußersten dafür Sorge zu tragen, daß der jüdische Bezirk wahrhaft jüdisch bleibe, daß nichts in ihn hineindringe, an dem minder Gefestigte, minder Treue, minder Kluge Schaden leiden, sich, verunreinigen könnten! Aber auch in dem Sinne, wie wir es einmal deuten hörten von dem Manne, dem Rabbi Wolf Pappenheim in jahrzehntelanger Treue und Arbeit verbunden war. von dem hochverehrten Schiffschulraw, Oberrabbiner Fürst wwbW' daß es die Aufgabe der Großen, der Führer, sei, so zu wirken, daß ihre Arbeit und Leistung aus dem Arbeiten und Leisten der Kleinen, der Gefährten widerstrahle (Tnttt so wie ini)' daß sie Schule machen! Auch in diesem Sinn, weil Rabbi Wolf Pappenheim sich nicht darauf .beschränkte, die alten Stätten der Reinheit in ungeschmälerter Ganzheit zu erhalten, sondern darüber hinaus,. wohin das Leben ihn führte, der alten Wahrheit neue. Statten bereitete. Wohin er kam und wo er wirkte, da war er Mähner und Leuchtturm zugleich! -- . Wenn man in unserem Kireis von ,;unserm a 1t e n Reb Wolf" sprach, dann stand einem nicht die gehäufte Last cTer Jahre vor Augen, die auf seinen Schultern, lag, sondern der ungeheure y^r. Schatz von Weisheit und Erfahrung, den dieses Leben barg, ein Leben, das sich in kaum faßbarer Weise bis zu allerletzt vom Ksaw Sofer angesprochen, dem Ksaw Sofer in allem und jedem, in Fragen der gemeindlichen Organisation und der Beziehung zur Weltkultur, der Erziehung Wolf Pappenheim im Vortragssaale der Wiener Agudas Jisroel-Jugen'dgruppe. (Allerletzte Aufnahme.) Die Jugendgruppe der A. J. war das Lieblingskind des Heimgegangenen. des eigenen Familienkreises und des Aufbaus der orthodoxen Weltorganisation rechenschaftsverpflichtet fühlte! Denn in der Schnelligkeit des Denkens, in der Behendigkeit des Handelns, in der Sicherheit, eine Entscheidung zu treffen und sie furchtlos zu vertreten, in der nüchternen und sachlichen Beurteilung von Verhältnissen und Erfordernissen nahm er es mit allen Jüngeren auf. Und ebenso war er auch von aller Empfindlichkeit des Alters frei; ich habe ihn oft seinen Standpunkt vertreten hören, -niemals pochte er dabei auf .seine Jahre, imitier verfocht er das von ihm als richtig Erachtete mit" Momenten, die weitab von seiner Person und; seinen. Leistungen für das orthodoxe Judentum .lagen. Und als, hervor einigen "Jtfluren durch, einen - Unfall ini Gehen behindert%yürde —- schmerzend sagte'er damals; „durchJemen Unfall |ällt man nicht gleich; um",;— dawaren' die letzten Jahre .seines, ,von d0rvibcltfeH benj^nich£%^j^|r 1 ej^'n^jg!. und Hüsge^ullt, vda; kamen die"' Rä&uchena^ TatKeiscXefi'ä^ zu\.-ihm, und vom:iLehnstuhl; aus suchte er, der für sich selbst Anspruchloseste, allen Ansprüchen; gerecht zu werden, vom Lehnstuhl aus wirkte ar weiter mit in all den Gremien, die er seit Jahrzehnten geleitet, deren viele er gegründet, denn niemand wollte den Rat dieses Klugen missen, der Geschichte und Gegenwart In Einem war., Das Rätsel, warum auch Babels Menschen alt werden können, da auf ihnen doch nicht die gesegnete Verheißung des Heiligen Landes ruht, löst sich R. Jauchonon, als man ihm erzählt Kntt'JD 'SWrtBI •'»Tp»- Das bedeutet wohl nicht mir, daß sie täglich, morgens und abends, in die Synagoge gehen, das bedeutet wohl auch, daß ihr Morgen und ihr Abend sie im Bes Hakneses, an den Stätten heiligen Wirkens, findet, daß ihr ganzer Arbeitstag von solchem Wirken eingerahmt ist, aus ihm fließt .ühd' in ihm mündet. So sind sie nach einem andern Wort des R. Jauchonon b81W> pN2 -Y7' verwurzelt in wahrem, jüdischem r^oden, und darum erfüllt sich an ihnen die Zusicherung nZ31KH b? > D^W inT p;aV Rabbi Wolf Pappenheim geht als Neunziger von uns; er mußte nach dieser. Verheißung sehr alt werden, denn der ganze Tag seines Lebens und jeder T a g seines Lebens sah ihn am Morgen und am Abend im Bes Hakneses, das ihm niemals zum rpa Oy wurde, zu einer Stätte, wo man machtpolitische Ziele verfolgt und durch Majoritätsbeschlüsse verwirklicht. Auch seine jüdisch-politische Arbeit kannte nur ein Ziel, hatte nur einen Sinn ftVIRnbl Tnifl b">~ßflb> so hatte er esan seinem Morgen, in frühester Jugend vom Ksäw Sofer mit wichtigsten Missionen betraut, vor sich gesehen, so hielt er es noch am spätesten Abend, noch in letzten Jaliren, wo tiefgreifende, das Wohl und Wehe seiner , ihm ans: Herz, gewachsenen Gemeinde betreffende Entschließungen oft von seinem Wort abhingen. Und nicht einen einzigen Tag seines.; Lebens., verließ er diese Linie; jeder neue Tag mit' seltnen neuen Sorgen, Anforderungen und Entscheidungen; denn kein, einziger rVIo,rgen gehörte 'sei--,,' ner Ruhe und.-kein einziger Abend seinerA.Erholung, jeder Tag ließ ihn tiefuntertauchen^im Geiste alles desse^n, ' was das "Bes Häktiesesweckt und das Bes. Hamidrasch. lehrt. uhd;'danin erst seine Tat. tun!;— -/.'Hi'-:.; v j : Den Dank, den; seine engere* Gemeinsehalt ihm ewig schuldet; hier auszusprechen, habe' ich« , gewiß nicht das Recht; aber den DahMjäer