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Der Israelit · 1938-05-19 · Heft 20 (19.5.1938) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
79 (1938)
Issue
Heft 20 (19.5.1938)
Date
1938-05-19
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 4 Nr. 20 Der Israelit 19. Mai 1938 Äußerungen rabbinischer Persönlichkeiten zur Schmitta-Akflon. Der Aufruf des Keren Hajischuw-Direktoriums und des Geschäftsführenden Ausschusses der Agudas Jisroel an die Gola, die in diesem Jahre schmittahaitenden Poalim und Kolonisten in Erez Jisroel tatkräftig zu unterstützen, wird, dessen sind wir gewiß, seine Wirkung nicht verfehlen. Je größer die Bedrängnis und Notlage ist, in der sich weite Teile der Gola befinden, desto zuversichtlicher darf das heilige Land damit rechnen, daß die Gola sich ihrer Aufgabe bewußt ist. Denn mit dem Schicksal unseres heiligen Landes ist mehr denn je auch das Schicksal der Gola aufs innigste verknüpft. Mit erschütternder Eindringlichkeit und jeden Zweifel ausschließender Eindeutigkeit hat G'ttes Thora das Gecshick von Erez Jisroel von der Heiligung des Sabbatjahres abhängig gemacht: nur wenn jüdisches Volk gewillt ist, G'ttes Sabbate dem heiligen Boden nicht vorzuenthalten, wird G'tt seinem Volke die Heimat wiedergeben. Die Poalim und Kolonisten, die für den Sabbat auf heiligem Boden in entsagungsvollem Kampfe sich einsetzen, sind uns die heldenhaften Pioniere einer von der ganzen Gola heißersehnten Zukunft. Wem G'ttes Thora eine ewige Wahrheit ist, wer durchdrungen ist, daß weder politisches Kalkül noch wirtschaftliche Maßnahmen allein die Zukunft des jüdischen Volkes heilvoll bestimmen, wer seine eigene Lebensnot nicht zu trennen vermag von der Not seines Volkes und der Not seines Landes, wer die Erlösung seines Volkes ersehnt und sie mit seinem Leben zu beschleunigen gewillt ist, wird freudig bereit sein, mit der Leistung seines Schmittabeitrags das laute Bekenntnis abzulegen: zu unserer heiligen Thora, zu unserem schwergeprüften Volk und zu unserer alten Heimat, die nach ihren Kindern sich sehnt. Rabb. Dr. Jos. Breuer, Ffm. * # * Mit glühender Inbrunst macht das jüdische Volk in unseren Tagen sein unauslöschliches, ewiges Recht auf das heilige Land geltend. Das ewige Recht auf das Land kann hur aus dem ewigen Worte G'ttes hergeleitet werden. Dieses ewige Wort G'ttes verlangt vom jüdischen Volke Feier des heiligen Bodens im siebenten Jahre als Bekenntnis; G'ttes ist das Land, aus Seiner Hand haben wir es empfangen. Von diesem Bekenntnis macht G'tt den Besitz des Landes abhängig. Dieses Bekenntnis vor G'tt zur ewigen Gültigkeit Seines Wortes begründet zugleich unseren Rechtsanspruch vor der ganzen Welt. Seien wir stolz auf unsere Brüder und Schwestern in Erez Jisroel, die mit unerschütterlichem Opfermut, unter Verzicht auf Erleichterungen, das Schmitto-Gebot erfüllen und für uns alle bekennen. Wir sind verpflichtet, ihnen zu helfen, die materiellen Schwierigkeiten zu überwinden. Wir sind verpflichtet, für die Schmitta- Aktion des Keren Hajischuw zu spenden. Rabbiner Dr. A. Klein, Nürnberg. In einer Zeit, welche die gesamte Judenheit der Welt streng zur Sache ruft, dringt ein Appell aus dem heiligen Lande an unser Ohr: Schmitta-Aktion zu Gunsten der Schmitta haltenden Arbeiter und Kolonisten in Erez Israel! Es geht um eine besondere Not jüdischer Arbeiter. Sie sind so arm, daß sie ohne tägliche Arbeit kein tägliches Brot haben. Sie sind Landarbeiter oder Kolonisten in Erez Israel, und das gegenwärtige Jahr ist Schmitta, Sabbatjahr. Der wöchentliche Sabbat tag bringt im Namen G'ttes die jüdische Hand zur Ruhe, welche an der Dingwelt wirkt und schafft. Diese stille Werkunterlassung bedeutet lauteste Huldigung G'ttes als König der Welt. Das Sabbat jähr stellt die jüdische Hand ruhig, die am Fruchtboden des heiligen Landes schafft. Diese stille Landarbeitsunterlassung bedeutet lauteste Huldigung G'ttes als wahrem Herrn des Landes. Die allwöchentliche Sabbatruhe fordert von den meisten ein wirtschaftliches Opfer. Von dem einen mehr, vom anderen weniger. Die huldigende Demonstration, die der Sabbat bedeutet, macht das Opfer jedes einzelnen zum öffentlichen Dienst fürs ganze Volk, daher hat eigentlich das ganze Volk in Gemeinschaft dieses Opfer zu tragen. Die Gemeinschaft kann es auch tragen. Und stünden alle solidarisch getreulich zusammen, so wäre der Sabbat kein Problem mehr und die Erde, nicht nur das Land, wäre längst schon G'ttes Reich. Das allsiebenjährige Sabbatjahr fordert direkte Opfer nur von verhältnismäßig wenigen. Das sind die, welche sonst in der produktiven Bodennutzung des Landes beschäftigt sind und für dieses Jahr keine andere Erwerbsmöglichkeit finden. Das ist nur eine relativ kleine Schar. Aber Erez Jisroel ist viel zu arm, um dieses Opfer allein zu tragen. Nun stehen sie im Kampf um die Heiligkeit des Landes an vorderster Front. Ist es nicht eigentlich eine Schande, daß die große Gemeinschaft unseres Volkes nicht schon längst für das tägliche Brot dieser Tapferen gesorgt hat? Wer Geld verlangt, bekommt zuerst — Fragen. „Ist die Verwendung des Geldes wirtschaftlich zu verantworten? Ist die Hilfe produktiv?" Solche Fragen sind nicht unberechtigt. Man soll ja möglichst zweckmäßig helfen. Sind sie aber auch mit Verstand gefragt? Was heißt denn wirtschaftlich-produktiv? Ein Volk, das gerade im Nichts der Wüste zum Leben erweckt wurde und seine Hochzeit beging, hingegen in seinem Land, fließend von Milch und Honig, seinen tiefsten Niedergang fand, in einer mehr als zweitausendjährigen Heimatlosigkeit allen Natur- und Wirtschaftsgesetzen zum Hohne blühte und fruchtete, wo andere längst verdorrt wären, und darbte und litt, wenn naturgemäß und logischerweise alle Bedingungen für Prosperität gegeben waren, das überhaupt immer nur Gegenwart hat kraft des wunderbaren „dennoch" seiner im Uebernatürlichen gegründeten Zukunft — kann, darf so ein Volk wirtschaftliche Produktivität so messen wie andere Völker? (Und — in Klammern ist die Frage wohl gestattet — ist etwa alles das, was heute noch für sogenannte jüdische Kulturarbeit ausgegeben wird, wirtschaftlich-produktiv angelegt?) Es ist schon so: wirtschaftliche Produktivität bedeutet nicht für alle Völker dasselbe. Auf ganz weite Sicht gesehen liegt die beste Sicherung unserer Prosperität in der Option für G'tt, den- König def Welt und den Herrn des Landes. Seih Geschichte machendes „Dennoch" allein hält uns in seiher Welt. Und die treuen Hüter des Sabbatjahres reichen Ihm das „Dennoch"-Bekenntnis des.ganzen Volkes: „Trotz allem bist und bleibst Du der wahre Herr des Landes!" Wer wollte an diesem Bekenntnis nicht Anteil haben? Rabb. Dr. Breslauer, Fürth. * * * Die Gemeinde ist versammelt. Sie lauscht der Vorlesung des Wochenabschnitts. Seltsame Worte klingen ans Ohr. „Sechs Jahre kannst Du Feld und Weinberg -bearbeiten. Im siebenten Jahr sei ein Ruhejahr für den Boden, ein Ruhejahr zu Ehren G'ttes!" Wer darf aufgerufen werden zu diesen. Worten? Wer* ihnen Gehör und Folge gibt.' Er glaubt nicht, Herr, des Bodens zu sein. Er hat ihn zu Pacht und Lehen erhalten. Er will ihn nach Vorschrift des himmlischen Besitzers verwalten. Ein Huldigungsakt sei es auf heiligem Boden, Nicht eignet er ihn eigenmächtig sich widerrechtlich an. Wer ihn ganz besitzen will, verliert ihn, auf daß nachhole der Boden die Ruhejahre zu Ehren G'ttes. Wer darf aufgerufen werden zum Abschnitt des Ruhejahres? Wer von den Arbeitern und Kolonisten im heiligen Lande nicht Selbstmord verlangt und Selbstaufopferung, wenn sie in heiligem Märtyrertum das Schmittagesetz nicht leeres Wort bleiben lassen. Er wird dem Schmittafonds der (nach Vereinbarung von Aguda und Misrachi) Ehrenmal der Pächter des , G'tteslandes ist, nicht ein Almosen, sondern einen Opferbeitrag geben, auf daß nicht in Oede der Boden nachholen muß die Ruhejahre zu Ehren G'ttes. Wer fühlt sich nicht aufgerufen und angerufen, der dringenden Bitte des Keren Hajischuwdirektoriums in. Jerusalem sich willfährig zu zeigen, in der ganzen Gola in diesem Jahre zu Schabbos Parschas Behar durch namhafte Spenden dazu beizutragen, daß im siebenten Jahr ein Ruhejahr sei für den Boden, ein Ruhejahr zu Ehren G'ttes! Dr. Michalski, Karlsruhe. Diejenigen unserer Landarbeiter und Siedler, die in diesem Jahre die Beachtung des Schmitta-Gebotes in seiner vollen Bedeutung auf sich genommen haben, können für sich das unabschätzbare Verdienst in Anspruch nehmen, dafür gesorgt zu haben, daß „die Lehre des Schmitta-Gebotes nicht vergessen werde in der Mitte des Volkes Israel und in der Mitte des Landes Israel." Daß dieses wichtige Gebot uns erhalten bleibe, ist in Wahrheit Sorge und Pflicht jedes Einzelnen. In Erkenntnis dieser Pflicht möge jeder das seine dazu tun, diejenigen, die Schmitta achten, zu unterstützen und zu fördern. Rabbiner Dr, David Ochs, Leipzig. Ein Besuch bei den SchmitfahaMenden in Gedera und Kfar Saba. Die engen Beziehungen, die sich naturgemäß zwischen den schmittahaltenden jungen Leuten in den Kibbuzim und dem alten JischuwinJerusa- 1 e m ergeben haben, wirken sich nach vielfacher Richtung hin segensreich aus. Ist doch der alte Jischuw die Stelle, von wo jenen heldenhaften jungen Menschen die materielle und moralische Unterstützung in aufopfernder Weise zuteil wird. Schon lange planten die Jeschiwa jünger in Jerusalem, die die Sammelaktion für die Schmittakibbuzim mit unvergleichlichem Elfer durchführen, die Niederlassungen zu besuchen, was sich aber durch die Unsicherheit der Wege bis dahin nicht ermöglichen ließ. Obwohl auch jetzt noch die Schwierigkeiten nicht ganz behoben sind, ließen es sich doch die jungen Leute nicht nehmen, am ersten Chol hamoed-Tage die Kibtuzim aufzusuchen. Mit ihnen fuhren Rabbi Mosche Blau, Rabbi Elia Nachum Porusch-Glücksmann, der sich besonders um den Schmittafonds verdient gemacht hat, und Herr Benjamin Hausmann, der Inhaber der bekannten großen Bäckerei in Jerusalem, der viel dazu beigetragen hat, in Kfar Saba eine größere B ä k - k e r e i zur Beschäftigung dortiger schmittahaltender Menschen zu errichten. So fuhr die Gesellschaft über R i S C h 1 n 1 'Zion, wo sie den Poale Agudas Jisroel und dem Beth Hachinuch der Aguda einen Besuch abstatteten, und gelangten am Nachmittag in der Chawura „Chofez Chaim" bei Gedera. Rabbi Mosche Blau und Rabbi Porusch, die mit Jubel begrüßt wurden, hielten aufmunternde Reden. Gesänge und Chassidimtänze schlössen sich an. In Kfar Saba wurden die Gäste abends vor der Synagoge durch alle Notabein der Kolonie empfangen und von ihnen dann zum Kibbuz begleitet. Begeisternde Reden der beiden Rabbiner, Psalmgesänge Und Tänze, bei guter Bewirtung, vereinigten die" Menschen in festlicher Stimmung bis in die späteste Nachtstunde. Rabbi Blau und Porusch hatten auch Gelegenheit, im engeren Kreis mit den Führern des Kibbuz zu konferieren. Die letzteren sprachen ihren Dank und ihre Hochachtung für die charedische Gemeinde in Jerusalem aus, der sie es danken, daß sie in der Lage sind, das Schmittajahr durchzuhalten. Am folgenden Morgen traten die Gäste die Rückreise an und hielten sich unterwegs auch bei den Poale Agudas Jisroel inPetach Tikwah auf, wo der Anlaß wiederum bei gedecktem Tische mit Reden und Gesängen gefeiert wurde. In B n e Brak wiederholte sich der gleiche Jubel, Von dort ging es nach Tel A w i w zum neuen Hafen, wo die Leiter und Beamten des Hafens in zuvorkommendster Weise die Führung der Gäste übernahmen^ In der Kanzlei der Agudas Jisroel in Tel Awiw fanden dann noch Besprechungen mit der Zentrale der Poale Agudas Jisroel statt. Zum letzten Pessachtage erwiderten die Führer der Schmitta-Kibbuzim den Besuch in Jerusalem, wobeisich wieder Gelegenheit zur Aussprache mit dem Komitee zur Unterstützung der Schwiithaltenden fand.

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