Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 79 (1938)
- Issue
- Heft 20 (19.5.1938)
- Date
- 1938-05-19
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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ITSt-TA-W, Ein Centralorgaa für das orthodoxe Judentum / Begründet von Dr. Lehmann in Maina Frankfurt a. M, i 19. Mai 1938 18. Ijar 5698 Nummer 20 Der Sabbat des .... . . ■. - \ Landes. ■■t. . : Wenn Ihr in das Land kommt, so soll das Land feiern einen Sabbat, G'tt geweiht. / - 4. B. M. Kap. V. Wenn am bevorstehenden Sabbat „Behar Sinai", den 20. Ijar ds. Js. wiederum in allen jüdischen G'tteshäusern der Welt der an der Spitze dieses Aufrufes zitierte G'ttesruf ertönt, so bringt er den jüdischen Gemeinden und allen ihren Mitgliedern eine Mahnung aktuellster Art zum Bewußtsein. Mehr denn je sind wir alle* uns bewußt, in wie hohem Maße das Schicksal des ganzen jüdischen Volkes mit dem Schicksal Tirez Jisroels verknüpft ist — beider Zukunft aber, die des Volkes wie des Landes liegt,4das ahnt heute auch der Skeptischste unter uns, letzten Endes in den Händen einer höheren Macht, derselben Macht, die das jüdische Volk/' gegen alle natürlichen historische» Faktoren durch die- Jahrtausende am Leben erhalten hat. Die wahre Deutung;dieses, geheimnisvollen jüdischen- Volksschicksales kann uns nur das Buch der Bücher gewähren; es sagt uns, daß eine der Hauptursachen; des Zusammenbruches des ersten jüdischen Staatenglückes die Nichtbeobachtung eben jenes Sabbatjahres war, das — analog dem Wochensabbat für das Wirtschaftsleben überhaupt — den Boden des heiligen Landes mit jedem siebenten Jahre als das geheiligte Eigentum G'ttes kennzeichnet. *■ •Das Jahr 5698, das laufende Jahr, ist ein Sabbat-(Schmitto)Jahr! / Wer weiß, ob es nicht entscheidend sein wird für die jüdische Volksexistenz innerhalb und außerhalb Erez Israels. Danken Wir es daher alle den jungen Pionieren auf dem Boden Erez Israels, die den mutvollen Entschluß geiaßt haben, trotz der ungeheuren Schwierigkeiten,: der Gefahr des Verhungefns trotzend, das Schmitt©-Jahr 5698 positiv zu begehen'und erleichtern wir ihnen das Ausharren und Ueberleben durch werktätige Hilfe, Der SCHMITTO-FONDS, für den in allen jüdischen Gemeinden am Sabbat, den 20. Ijar, alle Synagogenspenden zur Verfügung Angestellt werden sollen, bezweckt:it, a) die Finanzierung von Bauarbeiten und handwerklichen Kooperativunterne'hmungen zur Beschäftigung der die Schmitta-rSabbatruhe beobachtenden landwirtschaftlichen Arbeiter: bj die sonstige Betreuung dieser Arbeiter im Sabbatjahr durch Beruisbildungskurse, Intensivierung des Thoralernens*.- und > der geistigen Betätigung;; im . . Sinne des Sabbat-Gesetzes.;!<: , Agudas Ji s r o e 1 und M i s r a c h i haben sich-vereinigt in dem Bemühen^ diesem''Schmitto-Fonds reichliche Mittel zuzuführen und in dem Namen beider Orga- ' nisationen: ergeht dieser Aufruf an alle jüdischen Gemeinden der Diaspora. ■■■■ Die Palästina-Zentrale der Agudas Jisroel, ' v im Auftrage -des Waad Keren Haschmitto ~ . . in Jerusalem. Festü. um das Sabbat-Jahr. Beim S c h m i 11 a\g e s e t z wird in der Thora noch besonders Sinai genannt, weil, wie die Erklärer hervorheben, Grundprinzipien samt Ausführungsbestimmungen dieses Gesetzes am Sinai verkündet wurden; weil ferner der Geist von Schmitta und Jowel d e r Geist ist, der das Sinaigesetz in seiner Totalität beseelt und trägt. Wie sollte sich anders der jüdische Mensch Von dem harten Boden, den er in täglichem schwerem Kampf das Brot abringen muß, zur Sinaihöhe Ä ei heben können, wenn er; nicht beständig die Schmittalehre vor Augen hätte: „Denn Mir ist die ganze Erde, denn nur Fremdlinge und Einsassen seid ihr bei mir?" Es ist darum mehr als ein Wortspiel, wenn im Sohar gesagt wird, das tirvamK Vrnrv^ (Mischle 8, 21) weise auf Jowel und Schmitta hin. Ein Seierides und ewig Bleibendes habe uns Gtt mit v?'"> vererbt: mit l?jlv und rWtttf- Und nicht allein eine agadische Deutung, sondern vor allem historische Feststellung ist es auch, wenn Midrasch mit einem Satze aus den Klageliedern 2U beweisen sucht, daß Israels Gblusvertreibung aus der Vernachlässigung''der S c h m i 11 a und der an den Boden gebundenen A r m enge s e t z e resultiert. nHiT Tltfol Juda wurde vertrieben '»ny»' infolge der Verletzung des im Nachlese- und Maasergesetze verankerten Armenreefites; nTQ» -.aVlJQV Und im Drange der! „allzu vielen Arbeit", der Erhebung der Arbeit zum Selbstzwecke, der einen Jahressabbat des Bodens als „unmöglich'.' erscheinen ließ. ' * Die. Bodengesetze der Thora sind keine Gesetze der Erde, sondern Gesetze des Himmels. Sie sind die Engel, die auf der Jakobsleiter auf- Und niedersteigen, die unser irdisches Sein mit einer höheren Welt im Geistigen und G'ttlichen verbindet. Der Mischna- und Talmudordnurtg „Seraim" (Saaten und Pflanzen) haben unisere Weisen den Traktat „Berachoth" vorangesetzt. Am Tore des Erdreiches ranken sich keine Pflanzen empor, sondern erblühen andere Blumen: Segnungen und Lobpreisungen. G'tteshuidigungen geleiten den Talmudbauer auf das Feld der Arbeit. In dieser Anordnung der Weisen liegt Sinn und Methode, liegt: j ü d i s c h e Welt- und Lebensanschauung. " Vierzig Jahre bevor das jüdische Volk einen Boden unter den Füßen hatte, den man bearbeiten oder ruhen lassen konnte,, bekam es das Gesetz der Bodenruhe. Und zweitausend Jahre nach Verlust der Heimat stehen all jene Bodengesetze unverändert da. Sie lebten, da sie sich in Feld und Weinberg nicht auswirken konnten, auf dem Acker der jüdischen Lehre. Wohl aufbewahrt waren und sind diese Gesetze im eiser- Forlsetzung'siehe: Seite 3.