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Der Israelit · 1938-05-12 · Heft 19 (12.5.1938) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
79 (1938)
Issue
Heft 19 (12.5.1938)
Date
1938-05-12
Page
– (sequence 1)
Language
German
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London, 10. Mai. Gegenüber mannigfachen irreführenden Meldungen in der nichtagudistischen Presse bittet uns die Exekutive der Agudas Jisfpel in Lond an , folgendes bekannt zu geben: In den am 3. und 4. April in Paris stattgehabten V er h and1u n gen zwischen A g U daun d M i S r a C h i über die Möglichkeit eines Zu s a mm enwirken s auf verschiedenen Gebieten des religiösen Lebens* ist bekanntlich beschlossen worden, die in Paris ausgearbeiteten Vorschläge den beiderseitigen obersten . Instanzen zur Prüfung zuzuleiten. Die Exekutive* der ./jAgüdas Jisröel" hat die Pariser Vorschläge demgemäß sofort dem' Präsidium, des Rabbinischen Rates zugeleitet. Das Präsidium des Rabbinischen Rates ist zur Zeit mit der" eingebenden Prüfung der Vorschläge beschäftigt und wird sie alsdann der Exekutive des Rabbinischen Rates, die bekanntlich aus 30 Mitgliedern besteht, zur Beschlußfassung übergeben. Erst wenn ein Beschluß der für die Agudas Jisroelv maßgebenden höchsten rabbinischen Instanz vorliegt, können auch Exekutive und Wäad Happel Stellung nehmen. v Angesichts des Interesses, das die Angelegenheit in der Oeffentlichkeit erregte, sei jedoch schon heute darauf hingewiesen, daß von hervorragenden rabbinischen Führern und Mitgliedern des Rabbinischen Rates erhebliche Bedenken gegen einen Teil der in Paris gefaßten Beschlüsse geltend gemacht , worden sind. Insbesondere scheint der erste Punkt des Pariser Beschlusses, der eine gemeinsame" Aktion von Aguda und Misrachi zu Gunsten der finanziellen Sicherstellung der Jeschiwohs ins Auge faßt, keinen Anklang bei den Leitern der Jeschiwohs selbst zu finden, weil diese Anstalten Wert darauf legen, ihren finanziellen Apparat in keinerlei Abhängigkeit von politischen Parteien zu bringen. Ziertalich einmütige Zustimmung scheint nur •die ^, vorgeschlagene Bildung einer Einheitsfront jzur Verteidigung der religiösen Interessen in dem etwaigen zukünftigen jüdischen Staat und die ' gemeinsame Vorbereitung der hierfür notwendigen Maßnalimen zu finden. In Bezug auf die anderen Punkte des Pariser Vorschlages, wird es die Aufgabe der leitenden ' Agüda-Instanzen sein, wenn irgend möglich eine Verständigung zwischen denjenigen Führern, die dem Zusammenwirken prinzipiell ablehnend gegenüberstehen tind denjenigen, die eine partielle Zusammenarbeit auf gewissen Gebieten für möglich halten, zu versuchen. Möglicherweise wird zu diesem Zwecke die Einberufung einer Sondersitzung: der Exekutive des Rabbinischen Ra- - ies :;imi Laufe des . Sommers sich als notwendig erweisen/ ' v\ / . Zertifikate für Arbeiter.. Jerusalem, 8. Mai. Der High Commissioner, .Sir Harold Mac- Michael, machte heute von der ihm gemäß "der Regierungserklärung - im 'Marz zustehenden Vollmacht Gebrauch und billigte die Verteilung von -1 00 0 Arbei ter - Zertifikate Ii für die laufenden sechs Monate. Diese Zertifikate werden, wie folgt verteilt: 400 für landwirtschaftliche Arbeiter. 250 für Einwanderer, die für spezifische Arbeiten namhaft gemacht werden sollen. 180 für die Registrierung von Arbeitern, die in den vergangenen zwei Jahren vorübergehend nach Palästina gebracht wurden, und 170 zur Registrierung von „illegalen" Einwanderern, denen dadurch die Möglichkeit gegeben wird, ihre Familien nachfolgen zu lassen. (Palcor.) Von Ein Wort zum „Hebräischen Humanismus". „Hebräischer Humanismus" heißt die jüngste Lehre, die vom Skopus ausgeht. In welchem Weiteverhältnis dieses neue Wort zu der „Lehre von Zion und dem Worte G'ttes aus Jerusalem" steht, möge mit folgender Betrachtung klargestellt werden. Das Volk — Kein Volk — Ein Volk — Ein Volk und das Volk. Diese vier Ueberschriften bezeichnen die Entwicklung, die der Begriff von der jüdischen Gemeinschaft seit den Uranfängen unseres Volksseins bis heute genommen und zurückgelegt hat. I. Das Volk. Sein Volk — Das war der Sinn der Berufung mit dem D^öSn Vd» nVllO "»b an^Tft „Ihr sollt mir Eigentum sein, ausgezeichnet von allen Völkern!" Das war der Sinn unseres weiten Leidensweges, mit all seinen Prüfungen und Erhebungen. „Du hast uns auserwählt von allen Völkern, liebtest uns und hattest-Wohlgefallen an uns.u Nie stiegen diese Gebete inniger und ehrlicher zum Himmel hinauf, als aus den kleinen, düsteren Synagogen der gefahrumdfäuten Gasse. Der „Rabbi von Bachrach" flüchtet' mit seinem Weibe , aus Not und Tod, und in der Frankfurter Altschul, wo «r am Festesmorgen Zuflucht findet, verrichtet man schon Totengcbete für seine Lieben in der rheinischen Heimat, von deren Schicksal er selbst noch nichts wußte, aber der Festesklang .des IJMnaariX umfängt den Flüchtling'wi^ in kei-: Ans dem Inhalt: Ein Interview mit Locket-Lampson Seite 2 Seite 3 Samson Raphael Hirsch und unsere Zeit Seite 4 Zur ersten Jahrzeit für Dir. Elias Fi« k s. A. Seite 5 Rabbi Wolf Pappenheim s. A. ' . Seite 6 . Wiener Brief ..... Seite 6 Das polnische Ausbürgerungsgesetz . Seite 7 Aus dem englischen Unterhause Seite 7 u. 8 Sprechsaal (Jubiläumsglückwünsche) Seite 8 Seite 9 ner Disharmonie zu seiner Stimmung. Es stimmt zwar nicht, wie Heine behauptet, daß an jenem Pessachmorgen in der Frankfurter Synagoge die „Opferung Isaaks" verlesen wurde. Aber Opferklang war in Wahrheit allezeit die Grundmelodie der jüdischen Auserwähltheit. Das Fragment der Dichtung ist Fragment des jüdischen Schicksals. Aus tausend Bethäusern in uralten Gebeten, aus tausend Lehrhäusern, von Tigris und Euphrat bis zum Rhein und Main, in schmelzenden Lernmelodien sang und klang es von Generation zu Generation: „Israel das Volk, Sein Volk! ..." IL Mit dem Stürzen der Ghettomauern und dem Einbruch der .neuen Zeit in die hermetische Abgeschlossenheit des kleinen jüdischen Seins geriet der Begriff des jüdischen Volkstums in Un» Sicherheit, von der Einbahn des jüdischen Lebens zweigte das Gewirr der Ab- und Umwege ab, daß man sich kaum noch auskannte. Aus dem Volk wurde eine „Religion", eine Konfession, „Religion" war aber ein — nicht obligatorisches — Fach im Schulprogramm. „Konfession": Aushängemarke für eine ganze verschwommene Nuance, die den jüdischen Bürger nur undeutlich von dem christlichen unterschied, und die es gewiß nicht verhindern konnte! daß die Freigeister von beiden Seiten sich trafen, in der Mischehe und in der Kirche. UebeidÜse Zeil der „Kein Volk - Fortsetzung siehe Seite 3. der ersten und der letzten Wahrheit.

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