Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1938-05-05 · Heft 18 (5.5.1938) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
79 (1938)
Issue
Heft 18 (5.5.1938)
Date
1938-05-05
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2446951-2451012-2451029--83691-2541709
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

: ■^Tf—. „^t-^. t Jt - J » J * , , f J| j, > Der Israeli ' Ein Centraiorgan für das orthodoxe Judentum / Begründet von Dr. Lehmann in Mains Frankfurt a» M. 5. Mai 1938 4. Ij'ar 5698 Nummer 18 KEREN HAJISCHUW das Finanzinstrument der agudistischen Palästinaarbeit. Orthodoxe Emigrationsbüros. L o n d o n , 1. Mai. Die Exekutive der Agudas Jisroel gibt bekannt: Im Anschluß an die Wiener Plenarsitzung des Waad Hapoel im Januar ds. Js. hat unter Leitung führender Persönlichkeiten überall eine lebhafte Werbetätigkeit zu Gunsten des Keren Hajischuw eingesetzt Bei' genauer Innehaltung der in der erwähnten Sitzung gefaßten Beschlüsse ist zu erhoffen, daß der Keren Hajischuw erstarken und seinen großen Aufgaben sich gewachsen zeigen wird. Damit diese Beschlüsse allseitige Beachtung finden, seien sie hiermit auszugsweise in ihren Grundzügen der. Oeffentlichkeit übergeben: 1. Der Keren Hajischuw ist eine autonome Institution der Agudas Jisroel. Er untersteht dem Generaldirektorium in Jerusalem,, das von der Exekutive des Waad Hapoel ernannt und dieser verantwortlich. Das Generaldirektorium bildet mit Unterstützung der Landesorganisationen der A. J. in jedem Lande Landesdirektorien des K, H., die ausschließlich dem Generaldirektorium unterstehen. Aufgabe der Landesdirektorien ist es, mit den Landesorganisationen gute Beziehungen zu pflegen. 2. Sämtliche für agudistische Zwecke gesammelten und für Erez Jisroel bestimmten Gelder sind, soweit nicht ausdrücklich andere Weisungen ergangen sind, unter Wahrung der landesgesetzlichen Bestimmungen an das Generaldirektorium in Jerusalem abzuführen. ~ 3. Keinerlei agudistische Sammlungen für Erez Jisroel dürfen ohne ausdrückliche vorherige Genebmigung des Generaldirektoriums stattfinden. s 4. Das Generaldirektorium hat über die Gelder, soweit Sie nicht legaler Weise zweckgebunden sind, ausschließlich im Rahmen des von der Exekutive genehmigten Jahresvoranschlages zu verfügen. 5, Ueber die Beziehungen der Sochnuth der A, J< in Jerusalem zum Direktorium des K. H. sind gesonderte Bestimmungen erlassen und den Landesorganisationen und Landesdirekiorien bekannt gegeben worden. 6. Der Leitung der Pcale Agudas Jis- •*• o e 1 ist eine angemessene Vertretung in denjenigen Organen der Welt-Aguda und der Ä. J.- Landesorganisation in Erez Jisroel einzuräumen, <lenen die Entscheidung politischer Fragen obliegt Dagegen hat sich die politische Abteilung der Poalim lediglich mit d&f Vertretung der besonderen Standesmteressen der Arbeiter gegenüber den städtischen und staatlichen Behörden zu befassen, nicht aber mit allgemein politischen Fragen, die in die Kompetenz der Welt-Aguda oder der Landesaguda fallen. New York, 28. April. Im Zusammenhange mit der Roosevelt-Aktion, die eine größere Einwanderung nach Amerika in Aussicht stellt, soll in New York ein zentrales orthodoxes Emigrationsbüro ins Leben gerufen werden, und zwar unter Zusammenwirken von Aguda und Misrachi auf Grund der in Paris gepflogenen Verhandlungen. *- Außerdem wird demnächst im Auftrage der Exekutive der Weltaguda in Wien ein Emigrationsbüro eröffnet werden, das in Verbindung mit den agudistischen Emigrationsstellen in Deutschland stehen wird. -Wie vor kurzem berichtet wurde, hat die Aguda-Exekutive in London den Kommissar für Flüchtlingsfürsorge aufgefordert, die Frage Fortsetzung siehe Seite 2. Aus dem Inhalt: Die Technische Kommission in Palästina Seite 2 Einwanderungsquote in Amerika . Seite 2 Wochenrundschau ......... . Seite 3 Auswanderung und Siedlung .... . Seite 4 >, Zur religiösen Haltung des modernen Naturforschers. Von Dr. Jacob Levy . Seite 5 Wiener Brief ........... . Seite 6 Jüdische Beratungen in Ungarn . Seite 7 Siedlungsland in Südamerika . . . . Seite 7 Erez Israel ........... . Seite 8 Aus jüdischem Geiste...... Seite 10 Historisch« Notizen ........ Seite 10 Samson Raphael Hirsch und unsere Zeil.*) Die gegenwärtigen Lehrmethoden für die Kenntnis und Erkenntnis der Welt- und Lebensanschauungen unseres Judentums bedürfen der Prüfung. Denn die Erziehung zeigt selbst bei der thoratreuen Judenheit teilweise negative Resultate. Den äußeren Anlaß bildet wohl das Galuth. Seine zerstörenden Kräfte beschränken sich nicht mehr — wie vor dem Weltkrieg — auf die Länder westlicher Kulturen, sondern habenauch den Osten, die Gebiete des ehemaligen Russischen Kaiserreiches, verheerend ergriffen. Der Zeitgeist in seinen mannigfachen Strömungen, die in jedem Lande noch das nationale Gepräge des herrschenden Volkes aufweisen, wirkt assimilatorisch, — und nur die motorische Regenerierung von innen heraus, das Bewußtwerden der Werte des Judentums gegenüber den Werten der Außenwelt, kann der Gefahren Herr werden. Als mit der Lockerung der Ghettomauern der Zeitgeist in die Geschlossenheit des jüdischen Milieus einzudringen begann, wäre der Moment gewesen, diese Aufgabe zu erfüllen. Moses Mendelssohn {1729—86) hätte der Moses werden können, das jüdische Volk in die Freiheit zu ■ *■) Zur- Fortsetzung der Aussprache über dieses Thema (siehe Aufsatz Cohen: „Wie war es gemeint?", iö Nr. 11) lassen wir nun auch einen in Palästina lebenden Frankfurter zu Worte kommen. führen. Doch er unternahm trotz seiner bedeutenden Thoragelehrsamkeit und seiner Führung nach den Gesetzen der Thora den verhängnisvollen Versuch, das Judentum den rationalistischen Anschauungen des damaligen Aufklärungszeitalters anzupassen und wurde so — ohne, daß er es ahnte — zum Vater der Assimilation. Anders Samson Raphael Hirsch (1808—88), Auch er erkannte die Tendenz des Hinausstrebens aus dem sittlichen Ernst, der Entsagungsbereitschaft und der Disziplin des jüdischen Milieu, seitdem es möglich war, an den Wahlfreiheiten, Ungebundenheiten, geistigen und sozialen Vielfältigkeiten der Welt draußen teilzunehmen. Auch er schaute diesen Tatsachen ins Auge und zog sie in seine Erwägungen. Aber das in der Offenbarung am Sinai wurzelnde Judentum verstand er, wie es als Werk des g'ttlichen Willens verstanden werden muß, nämlich als den Richtstuhlr vor dem alles Denken und Geschehen erst seine Wahrheit zu erweisen hat. Damit war ein fester Standpunkt allen geistigen Strömungen gegenüber gegeben. Zunächst muß das Judentum zum ethischen Gut der Seele werden; dann darf der Thora der Derech-Er es folgen; er wird das Verständnis für sie und die Liebe zu ihr nur-noch; verstärken. Hirsch verwarf jede Scheuklappenpolitik, jedes Nichtsehenwollen als schädlich. Wie die Fortsetzung siehe Seite 3.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.