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Der Israelit · 1938-04-28 · Heft 17 (28.4.1938) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
79 (1938)
Issue
Heft 17 (28.4.1938)
Date
1938-04-28
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Ein Centraiorgan für das orthodoxe Judentum / Begründet von Dr. Lehmann in Maina Frankfurt a. M. 28. .April 1938 27. Nissan 5698 I Nummer 17 Bvttftc in affer lüclf. In der Judenheit Deutschlands wurde das Pessachfest in Synagoge und Haus in traditioneller Weise, aber ernster Stimmung als Fest 4er Erlösung gefeiert. In Berlin und anderen Großge'meinden wurden von den Gemeindeverwaltungen öffentliche Seder ab ende veranstaltet. Die Beteiligung war allenthalben noch stärker als in den früheren Jahren, und zum Lehren berufene Männer stellten sich in <3en Dienst der_ guten Sache, um unzähligen judischen Menschen, die in wörtlichem Sinne oder iiur geistig heimatlos sind, angenehme und anregende'Festabende zu bereiten. Die Synagogen, waren, "wie uns berichtet wird, an allen Festtagen überall sehr stark besucht. Die Rabbinen " suchten in Anbetracht der jüdischen Not in der "Welt von der Kanzel herab die jüdischen Herzen aufzurütteln und besonders die Gemeindemitglieder an ihre Pflicht gegenüber ihrer nun »durch das neue Gesetz vor neuen schwierigen Aufgaben stehenden Gemeinde zu gemahnen. Im.Lande Oesterreich, vorab in Wien, $tand das Pessachfest ganz im Zeichen der neuen Ereignisse. Die Synagogen und zahlreichen Betliäuser in der Leopoldstadt waren an allen Tagen des Festes von Andächtigen bis auf den letzten. Platz angefüllt, und auch hier. benutzten . die iRabbinen die Gelegenheit, in ihren Predigten Worte* der Zuversicht an die Gemeinde zu sprechen. Die Fürsorgeabteilung der Wiener Kultusgemeinde hatte vor den Feiertagen alle Hände voll zu tun. und durch Neuschaffung vieler N p t s t a n d s k ü c h e n und Speisestellen zu den schon früher bestehenden, konnte; dafür gesorgt werden, daß nach den Worten 'ijl p£JD7 keiner am Festtage hungern mußte. Was hier die 'private Wohltätigkeit und Gastfreundschaft, ganz Taesonders auch in den K r e i s e » der S c h i f fs c h u 1 g e rn e i n d e , geleistet hat, kann als Wunder der jüdischen Bruderliebe angesprochen werden. In Ungarn fiel in die Feststimmung ein schriller Ton aus dem Parlamente, wo über das Schicksal der ungarischen Judenheit verhandelt wurde. Man war sich in jüdischen Kreisen nicht im Unklaren darüber, daß die geplante so .tiefeinschneidende Einschränkung der jüdischen Rechte zur Durchführung kommen^ wvd, und man suchte in den überfüllten Synagogen Trost in der Heilesquelle der Lehren und Gebete, wie sie gerade das Pessachfest in so reicher Fülle erschließt. In Erez Israel hat man in den Tagen des .Pessachfestes, das mit den Festen der anderen IConfessionen zusammenfällt, immer schon Anlaß zur Beunruhigung. Auch dieses Jahr fehlte es lei- -der nicht an schweren Zusammenstößen,, über die an anderer Stelle berichtet wird. ""• In den .Städten und größeren Kolonien verlief aber das Fest im Ganzen in Ruhe und freudiger Stimmung, unter einem Frühlingshimmel, wie er sich in solcher Pracht nur im Heiligen Lande um diese Zeit über die Erde wölbt. Auch Gäste und Touristen waren, wenn auch nicht in so reicher Anzahl wie sonst, zum Pessachfeste dä, und in Jerusalem wurde der eigene jüdische Weg zur Westmauer fleißig benutzt. Hier sind Störungen nicht vorgekommen. Leider aber brachten die ersten Festtage neben den schweren Schlachten zwischen Truppen und Arabern auch Ueberfälle in Galiläa, die vier jüdische Menschenleben kosteten. Ueber die Vorkommnisse wird an anderer Stelle berichtet (siehe Erez Israel auf Seite 9) Daß die sechs Juden, von denen drei getötet wurden, gerade den ersten Festtag, der noch dazu ein Sabbat war, zu einer Autotour nach der neuen Siedlung „Schawe Zion" benutzt haben sollten, vermögen wir kaum 2U glauben. Möglicherweise lie^t hier ein Schreibfehler im Datum vor und wurde die unglückselige Fahrt erst am Sonntag, der in Erez Israel schon Halbfeiertag ist, unternommen. Wie dem auch sein mag, die Tragik Wird dadurch nicht vermindert, sie wird,'wenn das Datum stimmten sollte, sogar noch vergrößert und verdoppelt. Aus dem Inhalt: Die Lage in Ungarn .......Seite 2 Das Palästina-Bürgerrecht .....Seite 2 Die Technische Kommission in Palästina Seite 2 Wochenrundschau ..........Seite 3 Zur religiösen Haltung des modernen Naturforschers. Von Dr. Jacob Levy Seite 4 Aus jüdischem Qeiste .......Seite 4 Und unsere Jugend? Von C. S—n. . Seite 5 Geistige Pessachkost.........Seite 5 Die Hauszinssteuerpflicht der jüdischen Kultusgemeinden ......^ Seite 6 Brie! au£ Polen...........Seite 6 Die Roosevelt-Aktion ........Seite 7 Erez Israel ............Seite 9 Die inj diesen Tagen in Jerusalem und Tel Awiw abgehaltenen Jubiläumsfeiern der Universität aus Anlaß ihres „dreizehnjährigen'' Bestehens wurden offiziell als B a r m i z w a h - feiern angekündigt, und ein Bankett in Tel Awiw, auf dem Bergmann, Klausner, Buber, Prof. Schorr u. a. zu diesem Anlaß sprachen, trug den Namen ms» "in ilTOO- Als vor dreizehn Jahren diese wissenschaftliche Lehranstalt auf dem Skopus mit großem Aplomb gegründet wurde, setzten wir im gesetzestreuen Kreise keine großen Hoffnungen in diese geistige Nährmutter unserer Jugend, und es wurde ]von ihren Begründern ganz gewiß von uns auch^keine Begeisterung erwartet. Es stiegen damals bei der Einweihung hohe Worte zum blauen Palästinahimmel hinauf, selbstverständlich hieß der Refrain aller Reden: „Denn von Zion geht die Thora aus und das Wort G'ttes aus Jerusalem.'" Man wußte, wie es gemeint war und sprach es gelegentlich auch aus. Oberrabbiner Kuk Vx-T' der, um seiner Methode „jedem das Beste zu suggerieren, um ihm gleichsam damit eine Verpflichtung aufzuerlegen," gerecht zu werden, an der Einweihung teilnahm und der Anstalt seinen Segen gab, gründete hinterher.'. seine Jeschiwa, (die heute als die 3in fi^W* besteht), um wohl damit zu sägen: Die Wissenschaft da oben in Ehren, aber Thora muß man an der Quelle lernen, und die Quelle der Thora ist und bleibt die Jeschiwa 1 als Barmizwah! All das ist auch den Hörern, Lehrern und Freunden der Universität wohl bekannt. Sie machen aus dem areligiösen Charakter des Instituts so wenig einen Hehl, wie wir aus unserer Skepsis und unserem Mißtrauen. Auch die wenigen thoratreuen Mitglieder des Lehrkqllegiums haben nie behauptet, daß die religiösen Inhalte im Mittelpunkte des Lehrprogramms ständen, haben sich nur mit der Feststellung begnügt, daß die Universität keine antireligiösen Tendenzen fördere. Wenn aber dem so ist, wozu dann fremde Aushängeschilder, wozu eine Sache, die sich eingestandenermaßen jenseits der Religion bewegt und entwickelt, mit einem religiösen Mäntelchen umhängen? Man tut sich in den Universitätskreisen sehr viel auf die wissenschaftliche Ehrlichkeit und Gewissenhaftigkeit zugute. Ehrlichkeit muß sich aber auch in solchen kleinen Dingen zeigen, die gar nicht mehr so klein sind, wenn sie auf Vorspiegelungen abzielen. Es lag kein Grund , vor. ein „dreizehnjähriges" Jubiläum zu feiern und am wenigsten diese Feier als „Barmizwahf e i e r " zu deklarieren. Ein Barmizwah pflegte mit einer Drascha an die Oeffentlichkeit zu treten, die gleichsam Programm und Gelöbnis für seinen späteren Lebensweg ist. Wenn das im Januar 1938 in Jerusalem als Nummer 4 erschienene „Mitteilungsblatt der Hebräischen Universität" mit einem Aufsatze Josef Klausners im Mittelpunkte Fortsetzung siehe Seite 3.

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