Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 79 (1938)
- Issue
- Heft 14 (7.4.1938)
- Date
- 1938-04-07
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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orthodoxe Mann in Deutsch-Oberschlesien. Mit vorbildlicher Hingabe, von Tauroh und Jiroh durchdrungen, führte er sein Haus, sein Geschäft, die Beuthener Gemeindeangelegenheiten. Das Kaschrus von Beuthen und des ganzen Bezirkes wahrte er unter oft schwierigsten Verhältnissen, still und unermüdlich für das überlieferte Judentum arbeitend und eintretend. Möge seine edle Persönlichkeit in Familie und Gemeinde weiterwirken. rraxan Wiirzburg, 1. April. Man schreibt uns; Am ersten Pessachtage ist ein Jahr vergangen seit dem Ableben von Ludwig Steinhäuser ^'ST- Noch am Abend hatte er den Seder an seinem Bette gehalten und keinerlei Schmerz und Schwäche konnten ihn daran hindern, von'jedem der vier Becher wenigstens einmal zu nippen, und schon am nächsten Tage schlummerte er, mit der Pessach-Melodie auf den Lippen, für immer ein. Jäh riß ein junges, aber inhaltsreiches Leben ab. — Thora war der Inhalt seines Lebens. Strenge Pflichterfüllung zeichnete ihn aus. Der außergewöhnliche Ernst, mit dem er an alle großen und kleinen Fragen des Lebens herantrat, und die eiserne Konsequenz in der jüdischen Haltung, stempelten ihn zum Vorbild für uns, seine Chawerim, die wir uns seiner Nähe erfreuen durften. In den letzten Jahren seines Lebens sah man ihn nie müßig. Den größten Teil des Tages verbrachte er mit Lernen; keinerlei Müdigkeit konnte ihn daran hindern. Rastlos strebte er vorwärts. Das Lebenswerk, zu dem andere ein Menschenalter Zeit haben, mußte er während der kurzen Frist seines Lebens bewältigen. — Und er hat es vollbracht? Als ein nno ist er von uns gegangen. — Wir, seine Freunde vom Jüdischen Lehrerseminar, verloren in ihm einen unserer Besten. Und dennoch ist er nicht ganz von uns genommen. Als Vorbild der echten jüdischen Pflichterfüllung weist er uns den Weg. Sch. Z. nsisb fix 'idt Lorsch, 1, April. Frau Johanna Mainzer geb. Mayer, Lorsch, feierte am r~\3V, den 26. März, in seltener geistiger körperlicher Rüstigkeit ihren 7 5- Geburtstag. Amsterdam, 1. April. Einen tief schmerzlichen Verlust hat unsere Gemeinde durch das Hinscheiden von Frau Rosa Eisenmann geb. Ichenhäuser, erlitten, die am ms 's rav im Alter von 60 Jahren ihre reine Seele ausgehaucht hat. Sie entstammte einer altehrwürdigen Familie und hat die Traditionen ihres Elternhauses stets hoch gehalten. Frömmigkeit) Pflichttreue, Umsicht und überaus große Herzensgüte zeichneten die Heimgegangene aus. — Auch als Mitglied der Chewra Kadischa hat sie früher, solange ihre Gesundheit es ihr gestattete, viel geleistet. Wie sie ihren verstorbenen Eltern das Leben verschönt hat, ist vorbildlich. Ihrem früh heimgegangenen Gatten war sie die treueste Lebensgefährtin. | rraxan Vermischtes. Abschiedsfeier am Rabbiner-Seminar iür Herrn Dr. Emil Hirsch. Berlin, 30. März. Der Vorsitzende des Kuratoriums, Herr Felix Struck, lud am Sonntag, den 27. März, sämtliche Berliner Kuratoren und alle Dozenten des Rabbiner- Seminars zu einer gemeinsamen Sitzung ein. Die Sitzung galt dem Abschied des langjährigen Kurators, Herrn Dr. Emil Hirsch, der demnächst nach Amsterdam übersiedelt. Herr Rektor Dr. W e i n - bei-g teilte mit, daß das Dozentenkollegium beschlossen habe, Herrn Dr. Emil Hirsch den Morenu-Titel zu verleihen. Rektor Dr. Weinberg richtete an Dr. Hirsch eine Ansprache, in der er ihm für all das dankte, was er der Anstalt gegeben hat. Herr Dr. H., sagte der Redner, stelle in seiner Person eine Verkörperung jüdisch-orthodoxe Tradition im besten Sinne des Wortes dar, Er habe in glücklicheren Zeiten die Anstalt an dem ihm gewordenen Segen G'ttes teilnehmen lassen und später uns seine ganze Person und Arbeitskraft zur Verfügung gestellt. In Würdigung seiner hohen Eigenschaften und in Anerkennung seiner Verdienste sowohl um die Anstalt als auch um den ganzen Klal habe das Dozentenkollegium beschlossen, Herrn Dr. Hirsch den Morenu-Titel zu verleihen. „Wir hoffen, daß unsere Trennung nur eine räumliche bleiben wird. Wir gehören geistig weiter zusammen. Sie, verehrter Herr Doktor, bleiben nach wie vor unser Kurator und Freund, Gönner und Förderer unserer Bestrebungen." — Dr. Hirsch, innerlich ergriffen, dankte für die ihm zuteilgewordene Ehrung, auf die, wie er in seiner Bescheidenheit meinte, er keinen Anspruch habe. Berlin, 1. April, Die Schulabteilung der Reichsvertretung teilt mit: In der Zeit vom 21. bis 25. März ds. Js. legten in Stuttgart 18 Kandidaten und Kandidatinnen die Abschlußprüfung des Sportlehrganges C. ab, der von der Schulabteilung der Reichsvertretung und dem Oberrat der Israelitischen Religionsgemeinschaft Württembergs im Anschluß an das i orthopädisch-gymnastische Institut von Frau Alice Bloch veranstaltet worden war. — Die Aufnahmeprü- 1 fung für den neuen Lehrgang D. wird voraussichtlich am 3. Mai ds. Js. stattfinden, und zwar' in Stuttgart. — Alle Anmeldungen und Anfragen sind zu senden an die Reichsvertretung der Juden in Deutschland, Berlin-CharloUenburg 2, Kantstr. 158. Der Anmeldung sind beizufügen: polizeiliches Führungszeugnis, sportärztliches Zeugnis, Nachweis der Obersekunda-Reife (Mittlere *Reife), Nachweis der bisherigen sportlichen Betätigung mit Diplomen, Lebenslauf mit Angabe der Staatsangehörigkeit. Zugelasseft werden männliche und weibliche Bewerber, die das 19. Lebensjahr vollendet haben. Kursgebühr monatlich Mk. 50.—. Den zur Aufnahmeprüfung zugelassenen Bewerbern geht rechtzeitig eine Aufstellung der sportlichen Mindestleistungen für die Aufnahmeprüfung zu. Würzburg, 1. April. Die unter behördlicher Aufsicht an der Jüdischen Lehrerbildungsanstalt Würzburg abgehaltene Reifeprüfung hatte folgendes Ergebnis: sämtliche 20 Damen und Herren der Abschlußklasse' haben die Prüfung bestanden und zwar 4 mit dem Prädikat „sehr gut", sämtliche übrigen 16 mit „gut". Die Absolventen haben zum großen Teil sofort Anstellung gefunden. — Die sämtlichen Schüler der dritten Klasse erhalten das Zeugnis der mittleren Reife. In Rücksicht auf die Bedürfnisse der Auswanderung wird der Unterricht in den Fremdsprachen ab Schuljahr 38/39 wesentlich erweitert. I An Fremdsprachen sind eingeführt: obligatorisch Iwj rith und Englisch, wahlfrei Spanisch und Französisch. I (Wir verweisen auf das Inserat.) Karlsruhe, 4. April. Den Abschluß des Winter- I semesters der im Dienste der Erwachsenenbildung I stehenden Gemeindeabende der Israelitischen j Religionsgesellschaft bildete ein lehrreicher Vortrag des Redakteurs S. Schachnowitz aus Frankfurt a. M. In glänzender, von sonnigem Humor gewürz- | ter Diktion ließ er das Leben und Wirken Rabbi Akiba Egers erstehen. Besonders geistvoll schilderte er dessen Kampf gegen Assimilation und Reform, deren Auswirkungen im vergangenen Jahrhundert der Redner mit feinem Verständnis ausführlich behandelte. Wie Rabbi Akiba Eger schärfsten sachlichen Kampf mit überquellender, persönlicher Liebe verband, so sollen die, die in seinen Fußstapfen wandeln, die das unverfälschte Judentum den Heimkehrern rein erhalten haben, den heimgesuchten heimsuchenden Brüdern die Pforten zum Judentum liebevoll öffnen. Reicher Beifall lohnte die herrlichen Abführungen des Vortragenden, deren Bedeutung Herr Rabbiner Dr. Michalski, der den Redner begrüßt hatte, in einem Schlußwort wirkungsvoll unterstrich. M. Landeshut (Schlesien), 1. April. Gestern Abend wurde unsere Kulturarbeit mit einem prächtigen Lichtbildervortrag von Frau Dr. Aschheim-Bar u c h s e n , Breslau, über „Jüdisches Leben, jüdische Gebräuche und Feste in- Darstellung bedeutender Künstler", für diesen Winter würdig geschlossen. Im j November feierte die Chewra Kadischa ihr zehntes I Stiftungsfest. Prediger. Falkenstein hielt die Festrede und St. A. Schwerin, Breslau, sprach über „den Anteil der Juden an der Industrie in Schlesien". Im Dezember beging die Frauen-Chewra ihr fünfzigstes Stitfungsfest und schenkte der Synagoge eine prächtige Garnitur für den Oron-Hakodesch. Herr Falkenstein hielt die Festrede. Dann hielt Herr Reformrealgymnasialdirektor Dr. Abt, Bres- I lau, einen Vortrag über „Wie müssen wir unsere Jugend für ihren Lebensberuf als Juden zeitgemäß I vorbereiten?" Herr Rechtsanwalt Dr. Brij sprach I über „Alte und neue Aufgaben im Judentum". I Herr Michaelsohn, Berlin, entwickelte später I ein lebhaftes Bild der „Tätigkeit des Hilfsvereins der Juden in Deutschland für Umschichtung und I Auswanderung" und Herr Rabbiner K o k o t e k , j Waldenburg, entwarf in seinem Vortrage ein präch- I tiges Gemälde „Echtjüdische Frauen, einst und jetzt". Außer diesen Vortragsabenden sprach Herr Falken- I stein, der Leiter dieser Kulturarbeiten, über Akiba Eger, Abarbanel, Marannen-Oporto usw., wodurch I Alt und Jung abgelenkt und erfreut wurde im Sinne unserer heiligen Religion. j Aus der Agudas Jisroel-Bewegung. Aktivposten. In einem Aufruf für die Kofer Nefesch- Aktion des Keren Hajischuw unter dieser Ueberschrift begründete ich die dringliche Verpflichtung, diese Aktion mit allen Kräften zu unterstützen, damit, daß der Keren Hajischuw in Erez Israel wichtige Aufgaben zu lösen habe. Zurückgekehrte Touristen, so schrieb ich, berichten, sie haben im heiligen Lande von der Heiligkeit des Landes nicht viel verspürt. Ich selbst war Zeuge dieses Berichtes. Nun erhielt ich in diesen Tagen eine Erwiderung aus Petach Tikwah. Ein junger Freund, Elias Daube, der aus Baden dorthin ausgewandert ist, rühmt das Lernen und Leben an diesem Ort. „Vielleicht erinnern Sie sich noch," so schreibt er mir, „daß ich Ihnen versprach, auch hier für r~ns? jvp»ip 'usw. einzutreten, und ich glaube, dasselbe in gehörigem Mäße oftmals sehr aktiv auch ausgeführt zu haben. Wir wohnen hier in einer Stadt von über 20 000 Jehudim, alle Geschäfte natürlich geschlossen, in jeder Straße hören Sie am inatf und an Wochentagen, zu jeder Zeit, morgens schon um 4 Uhr bis. spät in. die Nacht hinein, entweder einzeln oder in Gemeinschaft — lernen. Ich dachte mir, als ich Ihr Geschätztes las, daß es nicht angängig ist, daß man Vielleicht fromme. Menschen, die man hier doch so notwendig brauchen kann, die aber nicht die Kraft in sich fühlen, zu kämpfen, durch solche Anschriften davon abhält, hierher zu kommen." Daß nicht dies, sondern das Gegenteil Zweck und Inhalt meiner Zeilen war, daß ja gerade der Keren Hajischuw fromme Menschen für. dort vorbereiten und nach dort schikken will und daß gerade dieses Streben mit letzter Kraft gefördert werden soll, wird jedem Kenner der Verhältnisse klar sein. Dennoch gebe ich gern von dieser ergänzenden Zuschrift Kenntnis^ Sie unterstreicht ungewollt die Forderung nach tatkräftiger Förderung des Keren Hajischuw. Dr. M. in K. Zum Andenken an Hellmuth Baer y'xy. Vom Noar Agudati Bund agudistisch-chaluzischer Jugend, Hachschara Halberstadt, wird uns geschrieben: Der Schabbat Parschat Hachodesch war uns überschattet von der erschütternden Nachricht: Mordechai Hellmut Baer ist das Opfer eines sinnlos wü.^nden Terroraktes geworden. Aus traditionsreichem, echt jüdischem Hause stammend, war er lange Zeit als Führer in der Esra- Bundesarbeit tätig. Mit großer Liebe und Aufopferung Verstand er es, die Keime der Jirath schamajim und der Liebe zur Thora in die Herzen der Kinder zu pflanzen. Seine aufrichtige Jüdischkeit, gepaart mit einer glühenden Chibbat, Haarez, zeichneten die klare Linie seines weiteren Lebensweges. Er fand den Weg zum agudistischen Chaluziut, wir, die wir ihn kannten, konnten in ihm einen selbstlosen Chawer bewundern, der mit seiner gehämmerten jüdischen Lebensanschauung vorbildlich in unserem Kreise wirkte. Auch in dem einen Jahr, das er in unserem Kibbuz Gedera verlebte, waren Selbstlosigkeit und Opferbereitschaft im schweren wirtschaftlichen und ideellen Kampf des Kibbuz die Grundzüge seines Charakters. Der Straßenbau durch unwegsames Gelände war die schwere Körperarbeit, und Thorageist als Wegbahner das Ideal der letzten Tage seines jungen Lebens, bis sein Opfertod seinem Wirken Einhalt gebot. Sein Andenken wird uns stetes Vorbild sein. (Siehe auch „Erez Israel" auf Seite 9.) Die Agudajugend in Hannover. Die Aguda-Jugend Hannover veranstaltete am 26. März zu Gunsten des Keren Hajischuw eine Purimf e i e r. Die Jugendgruppe in ihrer jetzigen Zusammensetzung verdankt ihren Halt und ihre Leistungsfähigkeit der tatkräftigen Leitung von Salty Storch, der nach seiner Rückkehr von der Jeschiwa die Jugendlichen zu religiöser Betätigung um sich scharte. In Ernst und Spiel sollen die Kinder dazu geführt werden, Religion zu lernen und zu leben. Purim zu feiern, ist ein religiöses Gebot. Also machen wir eine Purimfeier! Theaterstücke gibts nur wenige, also schreiben wir welche! Die Kinder sind nicht aufeinander eingespielt, also wird geprobt, bis alles wie am Schnürchen klappt! Für unsere Zwergbühne fehlen die Dekorationen, also malen wir welche. Man sieht: es geht einfach alles, wenn ein starker Wille eingesetzt ist . . . Und so verlebte denn auch das bis auf den letzten Platz gefüllte Haus an die drei Stunden sorgloser Entspannung mit Chorgesängen, Tänzen und Theaterstückchen. Mit welcher Hingabe und Natürlichkeit standen sie alle auf ihrem Posten, wie bescheiden wiederum fügten sie sich in den heiteren Rahmen des Ganzen ein! Vielleicht hätte man die namentlich aufgeführten Stars gar nicht gebraucht, aber sie gaben der Ankündigung doch eine besondere Zugkraft und der Aufführung ein künstlerisch gefestigteres Niveau: Isi Aschheim als Chorleiter und Geigensolist, Gerhard Berkowitz als Begleiter Aschheims und Gretel Herskovits als LiedbegleMeria. Pepi Sommerfeld surach die von Sephi Rosenbaum verfaßten Ansager-Verse. Pepi Sommerfeld und Julius Löbenstein dankten unter dem Beifall des Publikums dem unermüdlichen Sally Storch für seine vorbildliche Arbeit. Es ging schon bedrohlich auf Mitternacht, als man zu den Garderoben eilte. S. B. Briefkasten. S. S. m K. Sia fichten Ihre Beschwerden an die falsche Adresse, denn Sie müssen ihre Wahrnehmungen der P. Z. mitteilen. In welchem Zusammenhange diese mit dem L. A. des „Israelit" stehen, ist uns rätselhaft.