Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 79 (1938)
- Issue
- Heft 13 (31.3.1938)
- Date
- 1938-03-31
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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Seite 96 Menschen es gebe, denen es so gut gehe. Und damit er nicht in Gefahr komme, an der Gerechtigkeit G'ttes zu zweifeln, betete er, G'tt möge ihm den Propheten Elijahu senden, daß er ihm Aufklärung gebe. Eines Tages kam der Prophet und fragte.' „Was willst du von mir?" Rabbi Josua sagte: „Ich will mit dir gehen, deine Taten sehen und Weisheit von dir lernen." „Es ist unmöglich," sagte der Prophet, „du würdest immer fragen und das darf nicht sein." „Nein," sagte R. Josua, „ich werde nicht fragen." „Gut," sagte Elijahu, „so gehe mit mir. Aber wisse, wenn du fragst, mußt du mich sogleich verlassen." Sie kamen in das Haus eines armen frommen Mannes, der sie freundlich aufnahm und gut bewirtete, Als sie fortgingen, stellte sich Elijahu vor G'tt und betete, G'tt möge die Kuh des armen Mannes sterben lassen. Darüber staunte Rabbi Josua, aber er wollte sein Wort halten und fragte nicht, Sie gingen weiter und kamen abends in das Haus eines reichen Mannes, der sie sehr mürrisch empfing, ihnen kein Essen gab und ihnen ein schlechtes Nachtlager anwies. Eine Mauer des Hauses hatte einen großen Riß und drohte einzustürzen, und der reiche Mann wollte sie erneuern lassen. Da betete Elijahu, die Mauer möge sich wieder grade und fest aufrichten, was auch geschah. Wiederum staunte Rabbi Josua, aber er fragte nicht. Sie gingen weiter und kamen in einen Ort, darinnen nur reiche Menschen wohnten, doch keiner wollte ihnen ein Stückchen Brot zu essen" geben. Da segnete sie der Prophet und sprach: „Alls sollt ihr fcrbaiö (Anführer) werden," Sie gingen weiter und kamen in einen Ort, wo man sie besonders freundlich empfing. Der Prophet segnete sie und sprach: „Nur einer von Euch soll ein ons werden." Das war Rabbi Josua zuviel und sagte: „Deine Handlungsweise ist mir unverständlich, gib mir Aufklärung," „Die will ich dir geben," gab Elijahu zur Antwort. „Bei dem armen Manne hatte G'tt bestimmt, daß seine Frau sterben solle. So betete ich, daß G'tt statt ihrer die Kuh als Opfer annehme. Und G'tt nahm das Opfer an. Die Mauer des reichen Mannes barg in sich einen großen Schatz, den aber sollte der Reiche nicht finden, weil er es nicht verdiente. Darum betete ich, die Mauer solle wieder ihre Festigkeit erhalten." „Die schlechten Leute des Ortes segnete ich, sie sollten alle Parnossim werden, da werden sie immer Streitigkeiten haben und sich gegenseitig schädigen. Die frommen Leute segnete ich, sie mögen nur einen Parnes haben, denn dann würden sie in Frieden miteinander leben und glücklich sein. Und nun, ehe wir voneinander scheiden, will ich dir noch sagen: Wenn du das Glück der Sünder und das Unglück der Frommen siehst, so darist du nie an der Gerechtigkeit G'ttes zweifeln, denn W7 ^32 7J p^TX- EMKA. Der Schwarzkünstler. J. L. P e r e z. In ein wolhynisches Städtchen kam einmal ein Schwarzkünstler. Obwohl es in der Pessachzeit war, wo der Jude mehr Sorgen als Haare auf dem Kopfe hat, machte seine Ankunft doch großes Aufsehen. Ein rätselhafter Mensch.' Seine Kleider sind Zerrissen, aber auf dem Kopfe hat er einen wenn auch eingedrückten Zylinderhut; ein jüdisches Gesicht, aber sein Bart ist wegrasiert. Er hat keinen Paß und niemand sah ihn essen, weder koschere noch trefene Speisen. Wie soll man sich da auskennen? Man* fragt ihn: Woher? Sagt er: Aus Paris. Wohin? Nach London. Wie kommt er her? Sagt er: Ich habe mich verirrt. Ist offenbar zu Fuß gegangen. Und er zeigt sich in keiner der Betstuben, selbst am Großen Sabbat (c!em Sabbat vor Pessach) nicht. Und wenn die Leute sich um ihn drängten, verschwand er plötzlich wie von der Erde verschlungen und tauchte am anderen Ende des Marktes wieder auf. Er mietete sich einen Saal und begann, seine Kunststücke zu zeigen. Das waren Kunststücke.' Vor aller Augen verschluckte er glühende Kohlen, als ob es Suppennudeln wären. Und aus dem Munde zog er Bänder heraus: rote, grüne und in jeder Farbe, die man nur haben wollte, Und lang waren die Bänder wie das Golus. Aus einem Stiefelschaft holte er sechzehn Paar Truthähne heraus, lebendige Truthähne, so groß wie Bären, und sie flatterten über die Szene. Dann hob er einen Fuß in die Höhe und kratzte von den Schuht sohlen goldene Dukaten ab, eine ganze Schüssel voll goldener Dukaten! Die Leute klatschten Bravo. Er pfiff, und eine Menge Backwerk flog wie ein Schwärm Vögel durch die Luft und führte unter der Decke einen Hochzeitstanz auF. Ein zweiter Pfiff: alles ist im Nu verschwunden, als wäre es nie gewesen. Verschwunden sind das Backwerk, die Bänder, die Truthähne. Nichts ist zurückgeblieben! Mein G'tt, man weiß ja, daß auch die Gegenpartei (d. h. die bösen Mächte) manches leisten kann. Die Schriftgelehrten von Aegypten haben wohl noch größere Kunststücke gezeigt. Aber eine Frage drängte sich allen auf: Warum ist er so bettelarm? Der Mensch kratzt sich Dukaten von den Stiefelsohlen ab und karin sein Gasthofzimmer nicht bezahlen. Mit einem Pfiff bäckt er mehr als der größte Bäcker, zieht Truthühner, aus dem Stiefelschaft und hat dabei ein so mageres Gesicht, jede Leiche sieht besser aus! Und in seinen Augen brennt der Hunger wie Feuer. Die Leute witzeln: Das ist die fünfte Frage für den Seder! (Schluß iolii) Der nächste „KL Israelit" erscheint zu Peßach.