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Der Israelit · 1938-03-31 · Heft 13 (31.3.1938) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
79 (1938)
Issue
Heft 13 (31.3.1938)
Date
1938-03-31
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 94 Aus einer alten Hagada. Da! er stürzt und bleibt unwillkürlich stehen. Drei weiße Gestalten huschen auf den Bahndamm. Araber! Jehuda duckt sich nieder und hält den Atem an. Der eine nimmt einer», schwarzen Kasten aus seinem weiten Gewände hervor und legt ihn zwischen die Schienen. Metallene Hammerschläge erklingen. Bahnanschlag! blitzt es. Jehuda durch den Kopf. Nun sind die Araber fertig. Sie richten sich auf. Er hört ein leises, fast unterdrücktes Hohngelächter. Der eine erhebt sogar die geballte Faust gegen die Ansiedlung, Nun verschwinden sie im seitlichen Gebüsch. Jehuda wartet ein paar Augenblicke, dann klettert er auf den Bahndamm und läuft zwischen den Schienen auf den schwarzen Kasten zu. Die feige Araberbande hat sich gewiß schön längst aus dem Staube gemacht! Nun ist er angelangt. Er rüttelt an der Sprengladung, es nützt nichts, sie ist fest. Wenn der Zug darüber fährt, bedeutet-das unweigerlich eine Entgleisung! Seine Armbanduhr zeigt 8.27 Uhr, in vier Minuten muß der Zug vorbeikommen, Was also tun? Nach Hause laufen und Hilfe, holen? Nach der Kolonie hin und zurück kann er unmöglich in vier Minuten schaffen. Das englische Wachthaus ist noch weiter. Rufen? Man wird ihn bestimmt nicht hören; also muß er selbst Hilfe schaffen. Aber wie? Halt! Hat er nicht oft genug in seinen Indianerbüchern gelesen, wie man Züge anhält? Natürlich! Man zündet zwischen den Schienen ein großes Feuer an. Na, Streichhölzer hat er zum Glück da. Nun schnell an die Arbeit. Jehuda springt vom Bahndamm und reißt einen verdorrten Strauch aus dem Boden. Dabei macSt er sich die Finger blutig, aber was schadet das jetzt? Schnell wieder aufden Bahndamm.' Jetzt die Streichhölzer! Jehuda durchwühlt seine rechte Hosentasche, dabei kommen allerlei Dinge zum Vorschein, die für einen Jungen unerläßlich sind: ein Taschenmesser, ein Luach, ein Stück Schnur und eine Geldbörse. Nur die Streichhölzer findet er nicht. Aufgeregt durchstöbert er die linke Tasche. Endlich fingert er eine zerdrückte Streichholzschachtel heraus. Höchste Zeit! Hinten sieht man schon ein Lichtpünktchen immer näherkommen. Ein Zündholz flammt auf, aber gleich geht es wieder aus, Jehuda nimmt drei Hölzer auf einmal. Endlich beginnt der Strauch zu brennen. Er zündet jetzt mehrere Stellen an. G, s, D,, das wäre geschafft, allerhöchste Zeit! Man hört die Lokomotive schon rattern. Jetzt reißt Jehuda von den Seiten trokkenes Gras aus und wirft es ins Feuer. Die Flammen schießen hoch zum Himmel empor. Nun scheint der Zugführer das Signalfeuer bemerkt zu haben. Die Bremsen knirschen-laut, und kurz vor dem Feiler kömmt der Zug zum Stehen. Der Zugführer springt ab und ruftverwundert: „Mah seh?" Jehuda führt ihn nach der Sprengladung und deutet auf den Kasten: „Umah seh?" Der Lokomotivführer versteht sofort, lacht und klopft ihm auf die Schulter: „Das hast Du fein gemacht. Na, dieses Mal sollte es;der Bande mißlungen sein, Hallo'! Heizer, bringen Sie mal den Werkzeugkasten vom Tender!" Vorsichtig wird die Ladung abgelöst. Inzwischen strecken die Mitreisenden ihre Köpfe neugierig aus den Fenstern, und der Schaffner hat große Mühe, sie zu beruhigen. „Nun, Heizer, schnell auf die Maschine, wir müssen die Verspätung wieder aufholen. Tun Sie den Kasten in den letzten Wagen, sonst gehen wir noch nachträglich in die Luft, aber vorsichtig! Du bist'doch gewiß von der Kolonie drüben, wie heißt Du denn?" Jehuda nennt seinen Namen. „Also Jehuda, wir alle hier sind Dir zu größtem Dank verpflichtet. Die große Belohnung wird gewiß nicht ausbleiben. Ich werde auf der nächsten Station sofort Bericht erstatten. Nun aber los!" Nochmals drückt der Zugführer Jehuda die Hand, und langsam setzt sich der Zug in Bewegung und fährt an Jehuda vorbei. Mit erstaunten Gesichtern schauen die. Reisenden aus den Fenstern und wissen vielleicht gar nicht, welcher Gefahr sie eben entgangen sind. Jetzt fährt der Zug gerade über die Stelle, über der er . . . ja wenn nicht . ."..wenn nicht . . . die Schickung von oben käme, ergänzt Jehuda und blickt zum Sternenhimmel empor. Inzwischen sind einige von der Kolonie herangekommen, die das Feuer wahrscheinlich bemerkt haben. Jehuda klärt sie mit kurzen Worten über das Vorgefallene auf. Nun herrscht große Freude, und auf den Schultern wird Jehuda heimgetragen.

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