Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 79 (1938)
- Issue
- Heft 13 (31.3.1938)
- Date
- 1938-03-31
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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31. März 1938 Der I s r a e 1 i t Nr. 13 Seite 11 Die Frankfurter Woche* Gemeindewahlen in der Israelitischen Religionsgesellschaft. Die Jahresversammlung der IRG. wurde am Diehs tag abend vom Vorsitzenden, Herrn Philipp Posen, mit Danksagungen an die ausscheidenden Vorstands¬ und Gemeinderatsmitglieder eingeleitet. Besonders warme Töne fand er für den aus Gesundheitsrücksichten aus dem Vorstande zurücktretenden Herrn Dr. Simon Bamberger, der mehr als 25 Jahre mit Umsicht, Liebe und viel Sinn für die Erfordernisse des Tages in Vorstand und Verwaltung gearbeitet hat, —Der Bericht über die Leistungen deY Gemeinde und ihrer Institutionen wird den Mitgliedern in den nächsten Wochen zugehen. Die vorgenommenen Wahlen ergaben folgendes Resultat: In den Vorstand wurden neu gewählt die Herren S. H, Katzenstein, Dr. Saly Rosenbaum, Fritz Stern. — In den Gemeinde r a t treten ein die Herren Felix Beifuß, Dr. Ph, Biberfeld und Rektor Karl Ochsenmann. Schlußfeier in - der Samson Raphael Hirsch-Schule. Unter noch stärkerer Beteiligung, noch harmoni scher und feierlicher als sonst verlief dieses Jahr die Schlußfeier in der S. R. Hirsch-Schule am Sonntag, den 27. März. Klavier- und Violinstücke, Gesänge des Synagogenchors der IRG. und des Schul chores, von Schülern und Schülerinnen der Schule gut vorgetragene Rezitationen bildeten den schönen Rahmen. Reichen, verdienten Beifall fand eine kleine Szene in e n g lischer Sprache, die ehrendes Zeugnis für den Fremdspraehunterricht an unserer Schule ablegte. Im Namen des Vorstandes und des Schul r a t e s sprach Herr Dr. S. Ehrmann und erinnerte daran, daß als vor fünf Jahren unzählige jüdische Kinder in Deutschland in neugegründete Schulen eintreten mußten, die noch keine Tradition hatten und die Form erst suchen mußten, unsere Schüler und Schülerinnen bereits eine Schule mit achtzigjähriger Tradition hatten, die ihnen die feste Lebensbasis sichern konnte. Die Tage zwischen Adar und Nissan, in der Geschichte amiV'» 'ö' genannt, an denen das Heiligtum aufgestellt und immer wieder abgebrochen wurde, bezeichnen das jüdische Schicksal: Aufbau und Abbruch und wieder Aufbau! Keine Periode unserer Geschichte sei Schlußstatiqn, sondern nur Etappe, Wir sehen vorerst nur einen Weg und kein Ziel vor uns. In unentwegter Treue zu der Schule, ihren Lehrern und den Traditionen ihres Begründers we.rden aber ihre Zöglinge, auch das Ziel, die Kraft in sich finden, allen Widerständen des Lebens gewachsen zu sein. Im Namen der Schülerschaft hielt Fredi B a m - b e r g e r (U II) die Abschiedsrede. In klaren, kurzen Worten faßte er zusammen, worauf es heute ankommt: Die jüdische Jugend sei heute darauf angewiesen, sich durch Berufserlernung für die Auswanderung zu rüsten. Die diese Schule heute verlassende Jugend wisse aber, daß für sie Leben ein jüdisches Leben bedeute und daß es draußen viel schwerer und härter sein werde, ein jüdisches Leben zu führen, als hier in gewohntem Milieu, sie sei aber entschlossen, um ihr Judesein zu kämpfen. Mit Hüfe der Schule und des ihr von derselben mitgegebenen Rüstezeugs werde ihr dies gelingen. Der junge Redner streift auch besonders einige praktische Fächer, wie Iwrith, europäische Sprachen, die Schreinerkurse U, arm, Er schließt mit Dank an den Direktor und das Lehrerkollegium im Namen aller abgehenden vier Klassen. Nach weiteren künstlerischen Darbietungen ergreift Herr Direktor^ Dr. Elias das Wort'zur letzten Ansprache. Er beginnt mit einem Nachruf auf Dir. Dr. F i n k b"*t; dem sich dann ehrende und dankbare Worte für einige ausscheidende Lehrkräfte anschließen. Dem Kollegium, der Verwaltung und allen Mithelfern spricht er den Dank der Schule aus. Besonderer Dank gebühre der Nothilfe für die Schule, die es verstanden habe, draußen überall ein Netz von Freunden der Schule zusammenzuziehen. Ebenso schulde man Dank dem „Vereine der ehemaligen Schüler und Schülerinnen der Samson Raphael HirschrSchule". Im Kernpunkte seiner Rede betonte er, daß die Jugend heute zur Widerstandskraft erzogen werden müsse. Alle Schwierigkeiten seien nicht unüberwindlich, wenn die Jugend etwas Ewiges und Unverlierbares in sich tr^ge. Der Kampf des Einzelnen sei "heute der Kampf der jüdischen Gemeinschaft. Es gelte, das Erbe der Assir. milätion'vpn 150 Jahren zu liquidieren. Am Ende des heute von uns erlebten Schmelzprozesses werde der andere Jude, das andere Volk, das andere Land stehen. Mit Abschiedsworten und Ermahnungen an die Absolventen schließt der Herr Direktor seine die allgemeine -Stimmung widerspiegelnde Rede, Zum Gelingen'der . schönen Feier gaben Synagogenchor und Schulchor, ebenso als Solosänger die Herren Grünglück und H. Guggenheim nebenprächtigen Kindersolis, und. Max F i r n b e r g am Klavier, alles unter Leitung von Max Neumans, ihr Bestes. ' „Golus Wanderungen". In einer religiösen Veranstaltung der IRG. und der ' Agudas Jisroel Gruppe Frankfurt sprach am Sonntagabend Herr Rabbiner Dr. Merzbach bei guter Beteiligung über obiges Thema. Redner sagte u. a.: < Nach talmudischer Angabe wird 'den 24 Büchern der heiligen Schrift noch ein fünftes angefügt werden,' das' -„vom Propheten Elijahu geschrieben und von G'tt besiegelt" werden soll.' Das Buch unserer Zeit dürfte vielleicht „das Buch der Wanderungen" heißen. Ein Ruhmesblatt im Buche unserer Gegenwart werden die Kibbuzim in Erez Israel ausmachen, die trotz aller, wirtschaftlichen Not mit der Einhaltung des Schmittagesetzes zeigen, daß die Thora auch heute noch ihre volle Gültigkeit habe. Redner sagt weiter, Schicksal gäbe es so wenig wie Zufall, was wir Schicksal nennen, das sei nnawrw die Vorsehung, die auch mit dem Worte bin bezeichnet wird und von dem wir im täglichen Gebete sagen iä>V"iiä ö»m n» "im m»w«. Dieser Hymnus auf unser Los sei aus bitterer Notzeit entstanden. So sollten wir auch unseren Kindern diese Losung einprägen, denn mit dem Singen von „Aschrenu" allein sei es nicht getan. Redner mahnt zur Vorsicht bei Auswanderung und besonders bei der Kinderverschickung nach Amerika. Ein paar Kindertragödien aus dem Leben von Kindern frommer Eltern, die in Amerika in unjüdische Familien geraten sind, belegen diese Mahnung in ergreifender Weise. Die Zeit zwinge jeden zur Teschuwa, nicht zuletzt auch uns in der Agudas Jisroel, wenn wir als Wegweiser zu jüdischen Höhen den Anderen gelten sollen. In einem wirksamen Appell fordert der Vortragende alle zur Mitarbeit in der Agudas Jisroel und an der Adar-Aktion des Keren Hajischuw auf;* Rabbiner Dr. Schlesinger leitete die Sitzung ein und schloß sie, indem er die Ausführungen des Redners noch eindringlich unterstrich. „Unser Palästina". In der Frankfurter Zionistischen Vereinigung, sprach am 22. März Dr. Ruppin, Jerusalem, über das Thema: „Unser Palästina; von Arbeit, Kampf und Zukunft". Der Redner gab eine Darstellung der landwirtschaftlichen Kolonisation, schilderte das. Wesen der genossenschaftlichen Siedlung und ihrer Entwicklung von'Deganiah bis Tirath Zwi, und hob als das Bedeutsamste der erzielten Ergebnisse den neuen Menschen hervor, der in dieser konstruktivsten Etappe des Aufbaus entstanden ist. Er schilderte die Entwicklung der Stadt Tel Awiw von der „Achusath Bajith" bis zur Eröffnung des Hafens, beleuchtete die Grundlagen der politischen Linie der zionistischen Bewegung, die Rolle, die der Zionsgedanke in der öffentlichen Meinung Englands spielte, um von hier aus die Prognose für die kommende Entwicklung zu stellen, die sehr optimistisch ausfiel. Von stärkster .Wirkung war der Hinweis, daß sich die palästinensische jüdische Bevölkerung in 30 Jahren versechsfacht hat, und daß man die Möglichkeit, unterstellen kann, daß sie sich in nochmals 30 Jahren vielleicht nochmals versechsfachen könne. Kunstausstellung. Fritz S. Schames zeigt in seinem Atelier Weißfrauenstraße 8, seine neuesten Arbeiten (Oelgemälde und Monotypien). Die Ausstellung dauert vom 3. bis 13. April und ist täglich geöffnet von 11—1 Uhr und 16—19 Uhr. Der Eintritt ist frei. Wir hoffen, daß die Mitglieder der Jüdischen Gemeinde durch einen regen Besuch der Ausstellung ihr Interesse zeigen werden. Rezitationsabend im Kulturbund. Walter Herz, las einzelne Szenen aus Richard Beer-Hofmanns Drama „Der junge David", vor. Herz ,Verstand es, durch die Art und Weise seiner Vortragskunst, das Publikum zu. fesseln, — Zwischen den einzelnen Szenen spielten die bekannten Pianisten Dr. Willy S a I o m o n und Paul Meyer, u. a. Variationen über ein ukrainisches Volkslied von Iwan Kurop und zwei Tänze von Claude Debury in vollendeter Wiedergabe. A. K. Frankfurter Vereinskalender. Verein Mekor Chajün. Sch'abbos morgen nach Schluß der Synagoge: Herr Rabbinats-Assessor Dr. E. Posen. —nachm. 3.45 Uhr im Hörsaal: Chumisch mit Raschi, Herr Julius Lewin. — im Vereinslokal: aps1 Herr Rabb. H. Mayer. Sonntag und Mittwoch morgens nach Schul, f*\««\ — vorm. 9 Uhr im Vereinslokal, amn« po. Herr Rabb. Dr. Schlesinger. — vorm. 9 Uhr im Vereinslokal, r*mm, Herr J. Soffer., Montag u. Donnerstag nach Söhul im Hörsaal: niwa- Mitgliederlernen. — Montag' abends 7 Uhr (auch Mittwoch) im Lokal: (p*in) >k-hm Herr Rabb .Dr. J Breuer. Dienstag und Freitag morgens nach Schul, n»»' Herr R.-A, Dr. E. Posen. Dienstag und Donnerstag abends 7 Uhr im Lokal: Gemoroi Herr R.-A. Dr. E. Posen. * Jahr Zeitsstiftungen. Mittwoch, 6. April: Helene Apelt geb. Leucht-Stiftg. Mittwoch, 6. April: Ester Swetizki-Stiftung. Donnerstag, 7. April: Ernst Ascher-Stiftung. Liwjath Chen. Samstag nach Mincho fällt der Vortrag wegen der Droscho des Rosch Jeschiwo aus, Agudas Jisroel-Gruppe Frankfurt a. M. Thora und Mussar. Herr Rabb- Feuerwerg*»r (f. Jugend!.). Sonntag 20.30- 21.30 Uhr, Dienstag 21-22 Uhr, Schabbos 16-17 Uhr. r*j* «nna Agadische Abhandlungen aus nian ro.o». — Für Jugendliche, Montag und Mittwoch 15-16 Uhr, kjpsb «3, Fichtestr. 5. Herr Zuntz, u»n mm, Sonntag nach n-nnv, Rabbinatszimmer Friedberger Anlage 4. Der Schiur vor rrnnp unter Leitung des Herrn Zuntz (r\-.v 'aa) findet um 6.15 Uhr, Montag bis Donnerstag im Hörsaal der I. R. G. statt. Herr Rabbiner J. Horovitz, Fichtestr. 5, Sonntag 9-10 Uhr, Dienstag und Donnerstag 20-21 Uhr für Baalebatim r~y ktöj. — Schabbos 11—12 Uhr D"n ma und 16—17 Uhr* Mussar für Jugendliche. Herr B. Rachelsohn, n*vna mwn Dienstag 20.30 Uhr, Sandweg 6 c. Herr Dozent J. Ehrentreu, »Bin mit n'pnsa, Sonntag nach nnas rfrsn, Uhlandstr. 39,1. Herr R.-A. Dr. E.Posen nwn mxa, Sonntag nach nma Uhr, Wittelsbacher Allee 11. Herr J. Sofer. 'BV ejn, täglich 12-13 Uhr am Sonntag 11-12 Uhr, Hans Handwerkstr. 18, I. Gesellschaft für jüdische Volksbildung e. V. Zur Vorbereitung auf das bevorstehende Pessach- Fest spricht am Sonntag, den 10. April, 20.30 Uhr, pünktlich im Vortragssaale Unterlindau 21, Herr Kantor M. H e s, Frankfurt a. M. Gebetzeiten. 3p">tn ms; Freitag abend 6.25 Samstag naavn 6.50 Samstag morg. 8.00 Samstag nachm. 1.00 und 4.30 Samstag Abend 7 45 Wocheng'ttesdienst: Hauptminjan in der Synagoge 6.30 2. Minjan 7.30- An ,G'ttesdienst anschließend: Lernen des D"n ipa- Vereins im Hörsaal Nachmittags b.30 Tefillinlegen am Morgen 5.05 Familien-Nachrichten. Barmizwoh: Ib Nathan, Sohn des Herrn Moses Bamberger und Frau Clara geb. Cohn, Kopenhagen K., Loederstr. 5, 1. »nrn MB», 1. Nissan. Letzte Nachricht, Der Antrag auf Schechitaverbot vom Polnischen Senat vertagt. Warschau, 30. März. (Privattelegramm.) Der Polnische Senat hat in seiner Sitzung von heute seine Stellungnahme zu dem vom Sejnf angenommenen Antrag auf ein völliges Sehe« chitav'erbot auf unbestimmte Zeit ver* tagt. Dagegen hat der Senat dem Gesetze über diö Aus b ü r g e r u n g polnischer Staatsbürger im Auslände zugestimmt. " ■ - . . . ' _.JJ