Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 79 (1938)
- Issue
- Heft 12 (24.3.1938)
- Date
- 1938-03-24
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Israelit jk oxe Judentum / Begründet von Dr. Lehmann in Mains f ^Mm mmmmmmmmmmmammmmmmmmmmmmmmmmmmmmmJ Frankfurt su M. 24. März 1938 21. Adar II 5698 Nummer 12 Aufenthaltsgenehmigung und Einbürgerung in England, Holland und Nordamerika. London, 23. März. Nach ,,Europapreß" brachte die Opposition^ sei Dienstag eine^Gesetzesvorlage zur Milder u n g d e r E ija w a.nd e r u n g s - u n d E i n - b ü r g e r u ng s.b e s t i ra m u n gen f ür a 11 e P, m i gr a n4 e ri' aiäs O e sie r r e i c h ein. Diese Vorlage j^urde von Innenminister Sir Samuel H o a r e' ä^ g'^e 1 e h n t. Er erklärte, die englische Regiefuhg wolle die traditionelle Politik Englar^s^^Flücht|n^eh Asyl zu gewähren, auf? Techterhälteji, sie;?inüsse aber eine gewisse Auswahl treffen können. Es sei unmöglich, irgendv/elche «,11g ©meinen Entscheidungen über diese träge zu fällen. Die gleiche Antwort erteilte der Innenminister auf andere Fragen zu dem gleichen Thema. - In der H o 11 ä n d i seh e n Kam m e r hat «ein Abgeordneter der bekannten M u s s e r t - pa r te i die Regierung angefragt, ob sie gleich den anderen Staaten gedenke, unverzüglich alle -Maßregeln zu ergreifen, umn eü e E i n w a Ii ■> Gerung von Emigranten zu verhindern. Eine Antwort ist nicht erfolgt, aber eine Verfügung des J ü s t i zjn i n i s ie r s beauftragt die Fremdenpolizei und die. Grenzbehörden, alle Bestimmungen über Zulassung und Aufenthalt von Fremden genau zu befolgen. Diese Instruktionen sind bereits im Jahre 1934 an die Polizeibehörden ergangen. Sie Werden nun den Ausführungsorganen wieder in Erinnerung gebracht und zur strengen Einhaltung •empfohlen. ' Ueber die E i n b ü r g e r u n g s f r a g e verhandelte vor. kurzem die Erste Kammer. Aus dem offiziellen Berichte darüber geht hervor,, -daß das Parlament in dieser.. Frage geteilter ^Meinung ist» Während der eine Teil die; Einbürgerung unter gewissen Bedingungen und Voraussetzungen empfiehlt,. befürchtet der andere Teil>;aus einer^;Einbürgerung-^n großer Zahl „eine Gefahr f#r die. :ethnologischef ZusammensetzupiJ »des niederländischen Volkes und eine Vermehrung der Arbeitslosigkeit". Es sollten xür die Einbürgerung nur solche in Betracht kommen, die entweder früher Niederländer waren 'oder: deren Einbürgerung im Interesse von Volk und Staat liege. Konkrete Beschlüsse ^ind darüber noch nicht gefaßt. - •.- . In USA; -ist es der „National Council of .Jewish Women" in New York City, der sich um die-'. Eiabü^erun g : T v.o n j ü_d i s che n Au ii l a n d e r n^ bemüht; v In einer soeben von 'diesem Verbände herausgegebenen Broschüreunter dem Titel ,,Making A^mericans",! .verfaßt von M^x Gecilia R a z o v s -k:y y werden , den Bewerbern um die nord'amerikanische Staatsangehörigkeit alle nötigen Ratschläge und Fingerzeige geboten. Der Eingewanderte erfährt aus dieser Broschüre u. ausfolgendes: „Jeder in dßB-~Vereinigten Staaten ansässige Ausländer^ifat ein Recht auf Einbürgerung, insofern er rechtmäßig eingewandert und wenigstens 18 Jahre alt ist. Die Einbürgerung besteht aus zwei Akten. Es ist ein schriftlicher „Erster Antrag" (Declaration of Intention — First Paper) erforderlich. Dieser Antrag kann zu jeder Zeit, insbesondere also auch unmittelbar nach; der Einwanderung, gestellt ' werden. Dem Antrag sind zwei Photographien bestimmter Größe, das Immigrationsvisum und ein Betrag von Doli. 2.50 beizufügen.' -\ Es ist : ein schriftlicher { „Zw-eiter Antrag" (Petition för Naturalization--.ßecond Paper) erförderlich. Dieser Antrag kann leerst nach wenigstens fünf jähriger Ansässigkeit in den Vereinigten Staaten und nach Ablauf von wenig- , Fortsetzung siehe Sei te 2. Ans dem Inhalt: Die Resolutionen des zionistischen A, C. Seite 2 Jüdische Farmer in Amerika..... Seite 2 Arabische Beschwerden....... Seite 2 Wochenrundschau .... Seite 4 Thora und Religion^ Von Rabb. Ph. Fischer..... Seite 5 Die neuen Maßnahmen in Oesterreich Seite 6 Briefe aus Polen ....... Seite 6 Briefe aus Lettland und Estland . . . Seite 6 Die Lage in Rumänien Seite 7 Bücherbesprechungen Seite 7 Erez Israel . . .,......... Seite 8 Londoner Notizen ........ Seite 9 Geschichtliches. Die Geschichte der Juden Oesterreichs geht, wie die der Juden in Deutschland, bis zu den Anfängen des Mittelalters zurück.;Jüdische Niederlassungen in Wien, in Steiermark, in Kärnten und Salzburg werden bereits in, Chroniken vom 11. Jahrhundert erwähnt. Judengemeinden in Tirol und Vorarlberg treten zum ersteh Male erst in Dokumenten vom 14. Jährhundert auf. Ortschaften mit dem Namen „Judendorf" oder „Judenburg"; in Niederöfit^rreich und in den Alpen weisen auf jüdische Siedlungen in ältester Zeit hin. N^ach yielfacheniiiSchicksalswendungetn und Austreibungen, zuietzt-iim Jahre 1670, ^beginnt , die^ ,neuej-e; Entwicklung s<ler., Wiener, Gemeinde und der " Gemeinden 'im Lande um 1700. 1753 zählt Wien 7Ö0 Judön, die äber erst von 1811 bis 1825, unter der Auswirkung der Edikte von Josef Ii., sich ihre ersten öffentlichen Bethäuser jerrichten dürfen. Man kann diese Zeit als die der „ S t a,d La n i m " (Wortführer der .Judenheit) nennent <deren würdigste, Vertreter; die Hoifaktoren Samson W e r t h e i m e r und Samuel Oppenheim e r sind. Diese Männer, die Freunde und Berater der Fürsten waren, stellten ihren Einfluß gern in iden Dienst der Judenheit auchüber Oesterreichs Gauen hinaus. Jm 19. Jahrhundert kamen auch andere hervorragende Männer zu dieser Oberschicht der, Hofjucjen hinzu, wie die Familie K on ig swarter, Rothschild, Te.desco u. v. m., die zum Teile auch geadelt wurden. War dieser Aufschwung zunächst nur ein Erfolg Einzelner, so verfehlte er doch seine Wirkung nicht auf das wirtschaftliche, soziale und kulturelle Leben der Gemeinschaft. Viele Han delszweige kamen in jüdische Hände. Von kulturellen Berufen sei vor allem das Aufblühen, der hebräischen Druckereien in Wien zur damaligen Zeit erwähnt, die, geschützt durch ein Monopol; fast ganz Osteuropa und auch den nahen Orient mit hebräischen, liturgischen und halachisch-literarischen Schriften versorgten. Die neuere Entwicklung. Der W e 11 k r i e g 1914 brach gleich zu Anfang in die Grehzprovinzen von Galizien, Böhmen, der Bukowina usw. ein, die alle damals noch Teile der österreichischen Krone waren. So ergoß sich in der Hauptsache der Flüchtlings- und Auswandererstrom nach der Hauptstadt dieser um Heim und Habe gebrachten Menschen, nach Wien. Ein kleinerer Teil kam nach Nieder- und Oberösterreich und auch nach Steiermark. In den Städten und-Dörfern Galiziens und der Bukowina wüteten die Kosaken und taten sich gütlich.am Besitz derer, die in Wien der öffentlichen Unterstützung anheimfielen. Damals:'bekam die Wiener Judenheit sozusagen über Nacht ' einen Zuwachs von knapp 40.0G0 Seelen. Sie alle brachten ihr Elend mit und stabilisierten es in den folgenden Jahren. Die Ge¬ Fortsetzung siehe Seite 3.