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Der Israelit · 1938-02-17 · Heft 7 (17.2.1938) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
79 (1938)
Issue
Heft 7 (17.2.1938)
Date
1938-02-17
Page
– (sequence 1)
Language
German
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^fJSJSS^vffiS^p?«?^^ PDer Israelit , V^^. Ein Centralorgan für das orthodoxe Judentum / Begründet von Dr. Lehmann in Mains immX Frankfurt a. M. 17, Februar 1938 16. Adar I 5698 Nummer 7 Die Staaten-Konferenz in der Flüchtlingsfrage. G e n f, 8. Febr. Die inter-gouvernementale Konferenz, die hier tagt, um die Konvention über die gesetzliche Lage der Flüchtlinge unter Dach zu bringen, scheiterte heute beinahe an der bereits gemeldeten intransiganten Haltung der belgischen Delegation, die sich weigerte, diejenigen als Flüchtlinge anzuerkennen, die erst nach ihrer Niederlassung in dem fremden Lande den Schutz der früheren Regierung verlieren. Der Vizepräsident der Konferenz, Monsieur de B r o u i e r e , selbst einer der belgischen Vertreter, war mit der Haltung der belgischen Delegation nicht ein- •v erstanden. Er zog sich deshalb zurück und reiste nach Brüssel ab. Diese feierliche Verurteilung der offiziellen belgischen Haltung übte jedoch ilire Wirkung aus und die belgische Delegation zog ihre Anträge zurück. Sie kündigte jedoch an. daß die belgische Regierung für ihr eigenes Land ihre Haltung nicht ändern werde. Das Liaison-Committee veranstaltete eine Presse-Konferenz, in der Prof. Bernhard, Prof. B e n t w i c h und M. F e r n o c i das Wort ergriffen. , Genf-, 9. Febr. Die Flüchtlingskonvention, bestehend aus 25 Artikeln, ist a n g e n o m m e ri woi> den. Die Konvention erklärt, daß als Flüchtlinge Jieben den bisher schon anerkannten Kategorien auch diejenigen gelten, die bereits in dem Lande, aus dem sie kamen, als Flüchtlinge weilten und die keine eigene definitive Nationalität besitzen. Den Flüchtlingen, welche anstelle ihrer -Pässe Zertifikate erhalten, wird das. Recht gewährt, in ihrem Aufenthaltslande bezahlte Anstellungen anzunehmen, wenn eine der folgenden drei Bedingungen erfüllt ist: 1. Wenn der Flüchtling wenigstens drei Jahre lang in dem Lande wohnt, 2. Wenn er verheiratet ist mit einer Person, welche die Nationalität seines Wohnlandes besitzt, 3. Wenn er ein Kind hat, das die Nationalität des Wohnlandes besitzt. Nach ihrem Ursprungslande können Flüchtlinge deportiert werden, wenn ihnen eine gewisse Zeitperiode gelassen worden ist, nach einem anderen Lande auszuwandern, sie sich aber weigern, dem Folge zu leisten. Alle Flüchtlinge haben nach der Konvention den Anspruch auf soziale Versicherungen und soziale Fürsorge in ihrem Aufenthaltslande. Ein einschränkender holländischer Antrag wurde abgelehnt, worauf der holländische Delegierte seiner Regierung die Entschließungsfreiheit in diesem Punkte vorbehielt. Ueber weitere vier Anträge, die von Seiten Norwegens, Belgiens, Hollands und Frankreichs gestellt sind, soll noch beraten werden. Dazu gehört auch ein Antrag auf Schaffung einer internationalen Emigrationskommission und auf Errichtung eines Appellhofes. Eine Delegation bei Cnamberlain in Sachen Palästinas. London, 16. Febr. Der unbefriedigende Verlauf der letzten Palästina-Debatte hat das parlamentarische Palästina-Komitee veranlaßt, gestern Abend in einer von 30 Mitgliedern besuchten Sitzung die Entsendung einer Delegation zum Ministerpräsidenten zu beschließen. Zweck der Delegation ist, Mr. Chamberlain zu veranlassen, in Kürze genügend Zeit für eine angemessene parlamentarische Beratung der Palästinafrage zu gewähren, der unentschiedenen Politik, wie sie in den Kundgebungen des Colonial Office zum Ausdruck kömmt, ein Ende zu machen und mit größerer Entschiedenheit Gesetz und Ordnung in Palästina zu sichern. Aus dem Inhalt: Bemerkungen zum neuen Einkommensteuergesetz ..........Seite 2 Eine offiziöse italienische Stimme zur Judenfrage......... Seite 2 Stadtratwahlen in Jerusalem.....Seite 2 Wochenrundschau .........Seite 3 Auswanderungsfürsorge .......Seite 1 Araber und Juden in der Geschichte. Von B. Cohen .........Seite 4 Zählung der hilfsbereiten Juden in Deutschland..........Seite 6 Das Fremdengesetz in Oesterreich . . Seite 6 Zur Frage der Ansiedlung in Kanada . Seite 7 Erez Israel .............Seite 8 Aus der Agudas Jisroel-Bewegung . . Seite 8 Die Indiskretionen eines Sozialarbeiters Seite 10 Die Gemeinschaft der Zerstreuung. Die Landesorganisation der Agudas Jisroel in Deutschland sendet gemeinsam mit der Freien Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums Fragebogen an alle ihre Gruppen und Vertrauensleute, zwecks Fest: Stellung der religiösen Kreise, die bereit sind — unter der Voraussetzung, daß ein geeignetes Territorium gefunden wird — sich an einer Gruppenauswanderung zu beteiligen, resp. die nötige Vorbereitung zur landwirtschaftlichen und handwerklichen Ausbildung vorzunehmen. In einem begleitenden Rundschreiben wird mit Bezugnahme auf die IIa darauf hingewiesen, daß Agudas Jisroel schon aus weltanschaulichen Gründen die Gruppenwanderung bevorzugt. Aus Polen sollen in absehbarer Zeit Hunderttausende abwandern, aus Mittel- und Südosteuropa eben so viele. So verschieden die Gründe sind, die in den einzelnen Ländern dem Juden den Wanderstab in die Hand drucken, so ist's das Wohin, das die Juden aller Auswanderungsländer zu einer Schicksalsgemeinschatt macht. Ein geistiger Führer unserer Zeit gab kürzlich auf die Frage, für welches Land wir unsere Kinder erziehen, folgende Antwort: Für Palästina, wem es die Heimat sein darf, für Uebersee, wem es die Heimat sein muß , für das Geburtsland, wem es die Heimat sein kann. Mit dem „Darf" und „Kann" hat es sich inzwischen erheblich verschlimmert, geblieben ist das harte Muß. Palästina, eine Zeitlang lebendige Realität der Gegenwart, ist wieder Gegenstand der Hoffnung, die zumindest eine gewisse Wartezeit bedingt. Der Judenstaatsplan und alle anderen Pläne liegen in naher oder ferner Zukunft, wer weiß es? Das Muß ist aber ein kategorischer Imperativ des Tages, und die Antwort auf das Wohin bleibt vorerst Uebers e e. Daß es dort noch unbegrenzte Möglichkeiten für eine jüdische Einwanderung gibt, wurde von uns wiederholt hervorgehoben. Kanada mit seinen großen Ländereien ist für die jüdische Einwanderung noch nicht erforscht. 160 000 Juden ernähren sich dort gut, bilden in den paar Großstädten gut fundierte Gemeinden. Die Ica verwaltet ein Areal von 26 000 h, auf dem 160 Familien leben. Bestes Klima und gute Siedlungsbedingungen werden dem Lande nachgerühmt. Und trotzdem kann keinem geraten werden, sich aufs Geratewohl dahin zu begeben, solange eine kollektive Einwanderung in dieses Land nicht in die Wege geleitet ist. Große, zukunftsreiche Kolonien im englischen Empire schreien nach Menschen, die aus dem englischen Mutterland nicht kommen wollen. Warum nicht die Menschen ohne Land in das Land ohne Menschen verbringen? Die Schuld liegt zum Teile an uns selbst. Wir leiden an einer Ueberorganisation. Es sind in Paris, England und Amerika zuvieie Instanzen, die in Auswanderung machen, und jede nimmt die Ehre der Länderentdeckung für sich in Anspruch, Der unentwegte Antrag der Agudas Jisroel, daß endlich einmal eine Z e n - Fortsetzung siehe Seite 3*

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