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Der Israelit · 1938-02-03 · Heft 5 (3.2.1938) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
79 (1938)
Issue
Heft 5 (3.2.1938)
Date
1938-02-03
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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^:V^^*^v^'*'?vT7*t!?- Seite 2 Nr. 5 Der Israelit 3. Februar 1938 jüdische Staat kann n"in zu einer Quelle des ÖlPn werden. Aber ist man deswegen berechtigt, ihn ohne weiteres ab2ulehnen? Auch die Lösung des Verfassers wie jede andere setzt die Hinwendung des jüdischen Volkes zur Thora voraus. Auch bei der politisch-arabischen Lösung von A. L., die eine weitgehende jüdische Autonomie im Lande vorsieht, wird der Groß teil der Fragen aktuell werden, soweit sie nicht bereits heute drängend einer Klärung harren. Die Probleme entstehen durch die Entfremdung der Thora, der große Teile des jüdischen Volkes anheimgefallen sind. Es ist ganz gleichgültig, ob es sich um einen allweltlichen Judenkongreß handelt oder um die Gründung von jüdischen Gemeinden, ob eine Vertreterschaft der Juden in Erez Jisroel-Angelegenheiten gebildet wird oder ob uns in manchen Wohnländern Autonomie gewährt werden soll. Natürlich werden diese Fragen im jüdischen Staate in gesteigertem Maße auftreten, aber sie werden auch auftauchen in jedem Gebilde, das den Juden de jure oder de facto Selbstgestaltungsmöglichkeit bietet. Das beste Beispiel hierfür bietet das heutige Palästina mit der Fülle der religiösen Probleme, (Schmitta, Elektrizitätswerk, Tel Awiwer Hafen usw.), die wohl nur durch eine Bekehrung der Gesamtheit zur Thora eine befriedigende Lösung finden können. Selbstverständlich müssen Maßnahmen getroffen werden, die diese Gefahren abzuschwächen und hoffentlich auch vollkommen zu beseitigen geeignet sind. Ich wage aber zu bezweifeln, ob sie in einer Selbstverleugnung zu suchen sind. Die jüngst stattgefundene G. A.-Sitzung in Wien hat ebenfalls die Gefahren erkannt undvom nationalen Standpunkt aus gesehen, geeignetere Vorschläge zu ihrer Beseitigung gemacht. III. Denn gerade ein jüdischer Staat kann eher die Sicherheit des jüdischen Menschen gewährleisten als ein arabischer mit einer jüdischen Bevölkerung, die nur die Rechte einer politischen Minderheit besitzt. Sogar wenn die Araber aus der heutigen Lage heraus darauf eingehen würden, sich der jüdischen Hilfe zum Aufbau ihres Imperiums zu bedienen, werden sie wohl kaum lange den Einfluß der Juden, der durch ihre europäische Bildung verhältnismäßig groß sein wird, dulden. Dankbarkeit spielt in der Politik keine Rolle. Bezeichnend hierfür ist die Beziehung der heutigen Araber zu England, ihrem Befreier vom türkischen Joch. Und wenn die Araber unser in ihrem Staat nicht mehr bedürfen, sind wir ihnen schutzlos ausgeliefert. Verträge,, besonders solche, die Minderheitenrechte sichern sollen, sind keinesfalls von bleibendem Wert. Der intoleranten Gruppe des neuerwachten arabischen Nationalismus gegenüber; wären wir auf die Hilfe der „englischen Bajonette" angewiesen, ohne daß England besonderes Interesse hätte, uns zu schützen. Im jüdischen Staate, der in irgend einer Form mit dem Britischen Reich verbunden sein soll, wäre außerdem noch die Möglichkeit einer Selbstwehr gegeben. Und eben dieser im Orient noch so mächtige Faktor — England — wird von A. L. kaum berücksichtigt. Wir werden bei dieser Seite kaum auf Gegenliebe stoßen, wenn wir großarabische Interessen zu fördern suchen, ohne dabei England eine Basis im Mittelmeer zu bieten. Was die europäischen Staaten anbetrifft, die eine Auswanderung der Juden fördern, so haben sie beileibe nicht auf den jüdischen Staat gewartet. Die zwei europäischen Länder, die die größte Anzahl Juden aufzuweisen haben, Polen Und Rumänien, bieten hierfür ein deutliches Beispiel. Nicht die „gutgläubigen Massen" Polens, sondern die verantwortlichen jüdischen Politiker dort, die Gelegenheit hatten, die Dinge gründlich kennen zu lernen, stehen in großer Mehrheit hinter dem Gedanken des jüdischen Staates. M. E. ist das Grund genug, das oben angeführte Moment bei den Ueberlegungen auszuschalten. ' IV. Zusammenfassend wäre zu jüdische Staat der von A. L. Lösung m. E. vorzuziehen wäre. Aber ich glaube leider kaum, daß unsere Ansicht wie überhaupt die Meinung der Juden eine allzu bedeutsame Rolle spielen wird. Und deshalb glaube ich, daß wir unsere Kräfte auf ein anderes Gebiet konzentrieren müssen. Das neu entstehende Gebilde in Erez Jisroel stellt uns vor ungeheure Autgaben. Wir müssen den Versuch unternehmen, sagen, daß der vorgeschlagenen sowohl durch Zusammenschluß aller positiv jüdischen Kräfte als auch durch Beeinflussung der uns noch Fernstehenden, der Thora mehr Geltung zu verschaffen. Wir dürfen die Verantwortung von uns nicht abschütteln, indem wir behaupten, daß die Zeit hierfür zu kurz bemessen sei. Bis zu einer endgültigen Lösung können noch Jahre vergehen, und hoffentlich sind die Monate seit der Veröffentlichung des Peel-Berichts nicht nutzlos verlaufen. In Selbstbescheidung wollen wir an den Fragen arbeiten, für die unsere Kräfte ausreichen. Wir Jugendliche können durch eine positive Einstellung zu Erez Jisrael, durch Bereitstellung unserer Menschen für das Aufbauwerk dort dein Geist der Thora zum Segen verhelfen. imin^ od^d ipm trinn Wochenrundschau. Die Gememdewahlen in Jerusalem— Die Mission der „Habima" — Wie ist es in Canada? — Eine Richtigstellung. Die Gemeindewahlen in Jerusalem wurden für unbestimmte Zeit verschoben. Was hinter den Kulissen zu der Aufschiebung der Wahlen veranlaßte, wird nicht bekanntgegeben. Einige Tatsachen, die die jüdische Presse an den Tag bringt, lassen die Gründe nur ahnen. So erfährt man, daß von den „35.000 Wahlberechtigten", die auf den Wahllisten figurierten, nur 13.000 Personen Wählerkarten erhalten konnten. Wo sind die beinahe zwei Drittel der auf der Liste aufgeführten Wähler geblieben? Es scheint sich um „blinde Passagiere" zu handeln, die irgendwie ausgeschifft werden mußten, so daß die Verbliebenen die Zahl von 35.000 als Phantasie aufweisen. Viele Namen, heißt es, sind einfach unauffindbar. Unzählige haben aber, das erfährt man so nebenbei, ihre Wählerliste mit der Begründung zurückgeschickt, daß sie niemals Mitglieder der Waad Leumi-Gemeinde waren oder zu einem bestimmten Zeitpunkte aus derselben ausgetreten sind Ein Leser des „Kol Israel" stellt der Redaktion zwei Dokumente zur Verfügung: eine vor Jahren vom Büro des Waad Leumi mit Siegel bestätigte A u s - trittserklärung und trotzdem eine dieser Tage ihm zugegangene Wählerkarte. Nun soll diese indiskrete Wählerkarte als Wahllegitimation ganz abgeschafft und stattdessen eine Art „Sichtvermerk" eingeführt werden. Ein Kenner der Wahlarithmetik in Jerusalem weist in einer Zeitung nach, daß von den 13.000 ausgegebenen Wahlkarten in Wahrheit nur 8000 in die Hand von Leuten gekommen sind, die in den Wählerlisten aufgeführt sind. Wenn man bedenkt, daß auch Frauen wie Söhne und Töchter über 18 Jahre zu den Wählern der Waad Leumi-Gemeinde gehören, kommt man zu der Ueberzeugung, daß es mit der Kraft und Zahl der Waad Leumi-Gemeinde denn doch nicht so weit her ist, Wie alle Zeit in amtlichen Dokumenten, in Eingaben an die Macht und in Wahlkundgebungen angegeben wurde. Das zu wissen, ist für die unabhängige Orthodoxie in Jerusalem von eminentem Interesse. „Die „Habima" ist diejenige Institution, die in weit höherem Maße als die „Jaffaer Orange" und alle anderen Produkte den Ruhm Erez Israels in die Welt hinausträgt. Es gibt Engländer, die nur eine blasse Vorstellung von Palästinas Menschen, Leiden und Kämpfen haben, die aber Tränen geweint haben, als sie eine hochmoderne und bestens gepflegte Bühnenkultur in der Sprache der alten Bibel, obwohl sie sie gar nicht verstanden, geboten bekamen. Für den religiösen Juden ist aber der Zug der „Habima" durch Europa kein Triumphzug. Der Durchschnittsjude im Galuth ist, aus der Tiefe seines Herzens heraus, geneigt, die Nachrichten über religiöse Verwilderung in Erez Israel als übertrieben anzusehen, jedenfalls möchte er nicht die Einzelfälle als typisch für den neuen Geist im jüdischen Nationalheim nehmen. Nun kommen junge Palästinenser, offizielle Träger höchster Kunst und Kultur im neuen Palästina, nach Kowno, nach Wilna und anderen jüdischen Zentren und arrangieren am Freitagabend Spiele, mit öffentlichem Kartenverkauf und mit dem ganzen Werktagsbetrieb, der mit solchen Veranstaltungen verbunden ist. Das ist eine kalte Dusche für den Juden der litauischen und polnischen Gasse, der die ganze Woche über so schwer um den Sabbat zu ringen hat. Aber das gilt nicht allein für Litauen und Polen. Auch in der britischen Residenz können sich gute Engländer, Freunde des jüdischen- Volkes, seiner Bibel und deren Sprache, bei diesem schweren Konflikt zwischen Sprache und Gesetz der Bibel nicht mehr zurechtfinden. Die Stadtverwaltung von Tel Awiw hat in ihrem Etat für die „Habima" einen Posten von 30.000 Pfund vorgesehen. 30.000, Pfund — Wieviele Tränen könnte man damit trocknen, wie viele hungrige Kinder in dieser Zeit der schweren Krise sättigen! Sollte sie sich für diesen großen Preis nicht wenigstens das eine von diesem jüdischen Kunstinstitut erkaufen können: die Respektierung des Religionsgesetzes, das nach Ausspruch der Alten alle anderen Gesetze aufwiegt? Es wäre doch das Mindeste, was die nationalen Fonds in Palästina, die die „Habima" unterstützen, von ihr verlangen könnten, nämlich, daß sie nicht in der Diaspora durch ihre Attacken gegen die jüdischen Heiligtümer gegen sie, die zionistischen Fonds, in so sinnfälliger Weise und mit Aufbietung, aller ihr gegebenen Kunst agitiert." So und ähnlich lesen wir auf Seite 2 des Tel Awiwer „Hajessod" vom 19. Schwat, und was könnten wir noch dem hin2ufügen? Zu unserer Notiz über neue Siedlungsmöglichkeiten für Juden in Canada gehen uns verschiedene Anfragen über Land und Leute und besonders über die jüdischen Lebensmöglichkeiten in Canada zu. Nach Wischnitzer („Die Juden in der Welt", Erich Reiß-Verlag) zählte Canada im Jahre 1931 im ganzen 155.614 Juden (1,5 Proz. der Bevölkerung). Davon lebten 60.000 in Montreal, 40.000 in Toronto, 15.000 in Winnipeg, der Rest in Ottawa, Hamilton, Vancouver, Calgary und sieben anderen Städten. Auf dem flachen Lande lebten damals 5000 Juden, die sich von der Landwirtschaft ernährten. Der Anstieg der jüdischen Bevölkerung in Canada erfolgte zwischen 1881 und 1911, und zwar in erster Reihe durch die starke Einwanderung aus Osteuropa. In den späteren Jahren nahm die Einwanderung teils infolge der neuen Gesetze, teils auch durch die Krise wesentlich ab. Eigene Einwanderungsgesetze für Juden bestehen in Canada nicht. Schon 1907 erklärten die canadischen Staatsminister, daß Canada jedem Einwanderer Freiheit und bürgerliche Gleichheit gewähre und die Einwanderung russischer Juden begrüße. Nach den Angaben im genannten Werke sind die Juden Canadas zumeist in der Bekleidungsindustrie beschäftigt. Es gibt mehrere jüdische Zeitungen in englischer wie in der jiddischen Volkssprache im Lande. 1919 erschien in Canada eine Talmudausgabe, die erste auf dem amerikanischen Kontinent. Die politische Emanzipation der Juden ist seit 1832 in der Verfassung verankert. Mit seinem gesunden Klima, seinen ausgedehnten Waldungen und reichen Mineralschätzen birgt Canada unbegrenzte Zukunftsmöglichkelten. Ueber die innere Verfassung der jüdischen Gemeinden in den genannten Städten erfahren wir leider aus dem Buche nichts. Da aber die Einwanderungsbeamten der canadischen Regierung ausdrücklich jüdische Landsiedlung betonten, so würden es die" Organisationen, die dem Cänada- Problem ernste Aufmerksamkeit schenken, in der Hand haben, durch Organisierung von G r U P(p e n - Wanderungen den Auswanderern ihr religiöses Winter - Schluß - Verkauf Günstige EinkaufsgeBegenheit für Auswanderer / L.

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