Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 79 (1938)
- Issue
- Heft 5 (3.2.1938)
- Date
- 1938-02-03
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Franklurt a« M. 3. Februar 1938 2. Adar I 5698 Nummer 5 Von der Möglichkeit landwirtschaftlicher Siedlung in Kanada. Zu der in unsrer letzten Ausgabe veröffentlichten Nachricht über die Geneigtheit der kanadischen Regierung, im Ontario-Gebiet landwirtschaftliche jüdische Siedlungen zuzulassen und zu fördern sind uns aus unsrem Leserkreise zahlreiche Zuschriften zugegangen, die das starke Interesse zeigen, das die Veröffentlichung wachgerufen hat. Eine dieser Zuschriften macht mit Recht darauf aufmerksam, daß man sich erst nach genauer Kenntnis der behördlich gestellten Bedingungen ein Urteil bilden könne über die Aussichten - ein'er organisierten Auswanderurig nach Kanada. Bisher, so heißt es in dem Schreiben, habe man nur solche Siedler zugelassen, die nachweislich 10 Jahre lang in ihrem.Heimatlände landwirtschaftlich tätig waren und hat 1200 Dollar Eigenkapital pro Familie verlangt. Man darf wohl erwarten, daß die zuständigen Organisationen baldigst feststellen, unter welchen Bedingungen die kanadische Regierung, die sich heute durch eigene Komnaissare in verschiedenen europäischen Ländern um Siedler b e müht , in Zusammenarbeit mit den größen ju- < dischen Organisationen eine größere, geschlossene jüdische Siedlung begünstigen würde. Von einer uns^ inzwischen zugegangenen ZÜ-; schritt des H i i f s v e r e i n s " geben' wir 'iriä nächster Nummer, nach Rückäußerung" unseres; ' Londoner Korrespondenten, Kenntnis Der Kongreß der N.Z.O Prag, 31. Jan. Der Kongreß der Neuen Zionistischen Organisation führte heute Abend einige hundrt Delegierte aus verschiedenen Ländern und zahlreiche Gäste zusammen. Jabot i n s k i hielt eine lange, außerordentlich eindrucksvolle Rede, aus der man das Programm der revisionistischen Partei für die nächste Zeit ersehen konnte. Es erstreckt sich in erster Reihe auf die Einleitung einer Volksbewegung, um eine Verbreiterung der Jewish Agency zu erreichen. Jabotinski hat in diesem Sinne auch eine Eingabe an den Völkerbund gerichtet, in der ausgeführt wird, daß die Jewish Agency noch nicht 5 Proz. des jüdischen Volkes vertrete und kein Recht habe, die Zukunft des jüdischen Volkes durch die Verbissenheit auf den unglückseligen partition-Plan zu gefährden. Es wird die Einberufung einer jüdischen Nationalversammlung auf Grund allgemeiner Wahlen -gefordert, die den Willensausdruck des jüdischen Volkes der Mandatarmacht und dem Völkerbund gegenüber formulieren soll. Die litauische Verfassung. K o w n o , 27. Jan. Die neue litauische Verfassung, die am 16. Februar in Kraft treten soll, enthält keinerlei Schutzbestimmungen mehr für die nationalen Minderheiten. Die letzten Spuren der früheren kulturellen Autonomie der Minderheiten sind aus der Verfassung verschwunden. Damit verlieren die Minderheiten auch den Anspruch auf städtische und staatliche Zuschüsse für ihre Erziehungs- und sozialen Institutionen. Dagegen ist in der neuen Verfassung eine Deklaration enthalten, wonach alle Bürger Litauens vor dem Gesetze gleich sind. Man darf hoffen, daß unmittelbare Rechtsnachteile den Minderheiten aus der Verfassungsänderung nicht erwachsen werden. Zur Frage des Judenstaates Ein Telegramm des Jüdischen Volksdienstes an den Völkerbund. Der J ü d i s c h e V o 1 k s d i e n s t, Den Haag- Sche-Yeningen richtete gelegentlich der Sitzung des jVö 1 k e r b u nds'rjates das folgende Telegramm an den Präsidenten des VÖÖcerbunds- -tates; r r,,Die verhängnisvolle Lage der Juden in verschiedenen i Ländern macht groß z ü gi g e Emigration zur unbeHingteii Notwendigkeit- Palästina, obwohl unentbehrlich : und unersetzlich, genügt nicht. Unorganisierte persönliche Emigration begegnet unüberwindlichen Schwierigkeiten. Einzige Lösung wäre o r g^a n i sri e r t e intern a - tionale Aktion, gestiiizi auf starke moralische und politische Autorität. Deshälb wäre der V ö 1 k e r b u n d die geeignete Stelle für unerläßliche Initiative. Der Völkerbund kann gleichzeitig eine unermeßliche Tat der Menschlichkeit vollbringen: und eines derschmerzlichsten Probleme von Europa entfernen/ Der Jüdisch« Volksdienst, gegründet vom verstorbenen Nathan Birnbaum, lenkt die Aufmerksamkeit auf die dringende Notwendigkeit, ■■• für größere jüdische Ansiedlung auf >t e 1 i g?jijö s - n a t i o n a l e r O r und l ä g e geeignete Gebiete zu finden," Das Telegramm ist ijirjden Jüdischen Volksdienst unterzeichnet von H. van Leeuwen, Den Ha^g-Scheveningen. •! Ein Wort zum Vorschlag von A. L. Von Rabbiner Dr. K. Kahan in Fulda. Im „Israelit" Nr. 2/3, Jahrgang 79, ist ein Beitrag \ zur Lösung des Juden-Araber-Problems in Palästina veröffentlicht worden. Da der Aufsatz mit' dem Signum eines „verdienten orthodoxen Jugendführers" gezeichnet ist, halte ich es für notwendig, daß seitens eines'Jugendlichen hierzu Stellung genommen wird. -I. Der Verfasser gelangt zur Ablehnung eines jüdischen Staates aus drei iGesichtspunkten. Ich nehme an, daß für ihn der wesentliche und maßgebliche Grund der erste ist, da er religiorisgesetzlichen, Charakter trägt. Wir wollen uns daher vor allem diesem zuwenden. Mit einer apodiktischen Sicherheit wird hier eine Stelle in Ketubot III herangezogen, die im Hinaufziehen des Volkes nach Erez Jisrael „gemeinsam, .mit Gewalt" auf Grund eines Passus in Schir Haschirim II, 7 verbietet. Ich glaube, daß die Behandlung der Frage, ob durch die Gründung .eines jüdischen Staates wirklich ein Verbot ft^ia]? 'haTü übertreten wird, nur durch Gedclim unserer Zeit hätte geschehen dürfen. Aus der Tatsache, daß die Entschließung des Räbbinischen Rates zur Frage keine eindeutige Ablehnung eines jüdischen Staates enthält, ließe sich fftlgern, daß die bei der Kenessio Gedaülo anwesenden Gedolim die Auffassung von A. L. nicht geteilt haben. Aus der Tribüne der Kenessio Gedaulo ist nach der Verkündung der Beschlüsse des Rabbinischen Rates in Anwesenheit von dessen Mitgliedern und ohne deren Widerspruch der Gedanke eines jüdischen Staates bejaht worden, wenn günstige Bedingungen für das jüdische Volk und die Erhaltung der Thora in Erez Jisrael zu erlangen sind. Dieser Sachverhalt legt m. E. deutlich dar; daß die angezogene Stelle sich nicht im Sinne vonxA. L. anwenden läßt.;! Ich halte mich nicht für berechtigt, meine Meinung zur Frage zu äußern, möchte aber auf den Meharscha zur Stelle hinweisen, (J^r., die Gründung des jüdischen Staates unter Esrä trotz des Widerspruches der Einwohner Palästinas damit rechtfertigt, daß die Erlaubnis des Herrschers des Landes vorgelegen hat.*) Ist . die Situation heute nicht ebenso klar wie damals, heute wo die Errichtung des jüdischen Staates nur von der englischen Regierung gemeinsam mit dem Völkerbund proklamiert werden kann und im Gegensatz zur damaligen Zeit die Juden einen ansehnlichen Teil der Einwohnerschaft Palästinas bilden? II. Die Gefahren religiöser Natur, die der Verfasser dann behandelt, seien zugegeben. Der *) Nebenbei ist noch auf die Lesart in Schir Ha- 'schirim Rabba II, 7 hinzuweisen; danach ist es ver- ',. boten, ein er .Mauer gleich aus der Gola hinaus- zuziehen", d. h. gegen den Willen der. Herrscher der ' Diasporaländer diese zu verlassen (vergl. Sil? ns' zur Stelle und nn»nn min zu Schir Haschirim II, 7, Abschnitt 83). /