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Der Israelit · 1938-01-13 · Heft 2 (13.1.1938) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
79 (1938)
Issue
Heft 2 (13.1.1938)
Date
1938-01-13
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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srae Ein Centraiorgan für das orthodoxe Judentum / Begründet von Dr. Lehmann in Maina Frankfurt a- M. 13. Januar 1938 11. Schebat 5698 Nummer 2 Das neue Weißbuch und sein Echo in der Weit. In Palästina selbst ist man allgemein der Ansicht, daß das Prinzip der Teilung mit der neuen Veröffentlichung nicht preisgegeben sei, eine weitere Verkleinerung des jüdischen Gebietes wird allerdings befürchtet, ebenso ein neues Aufleben des Terrorismus. Bei den Arabern hat, wie es scheint, das Weißbuch keine besondere Aufregung hervorgerufen. Es wird nür in den arabischen Zeitungen die Meinung vertreten, daß das Dokument nicht gerade 2ur Klärung der Lage beitrage. Sie entnehmen aus dem Weißbuche, daß der arabische Prozentsatz im jüdischen Gebiet nicht aüzugroß sein werde und glauben daher, daß das jüdische Gebiet noch weiter eingeschränkt werden soll. Das arabische Blatt „AI Islamia" sagt, das Weißbuch müsse eher als „Schwarzbuch" bezeichnet werden, solange es am Teilungsplan festhalte. Die „Times" wie andere Londoner Zeitungen meinen zusammenfassend, das Weißbuch eröffne keine neue Möglichkeit für einen arabisch-jüdischen Frieden, nachdem die Juden ihren Willen bekanntgegeben haben, keine Minderheit bleiben zu wollen. Von der Z. V. f. D. wurde der Exekutive der Jewish Agency in London eine Kundgebung zugestellt, in der die Zionisten in Deutschland die Hinausschiebung der endgültigen Regelung als unerträglich erklären. Die Resolution sagt zum Schluß: „Bis zur abschließenden Regelung des , gesamten Palästina-Problems besteht das Mandat in unanzweifelbarer Gültigkeit fort; es muß die Tätigkeit der Palästina-Regierung bestimmen. Wir erwarten, daß die vorübergehende Einführung einer politischen Höchstgrenze* für die Alijah am 1. April 1938 außer Kraft tritt und daß alsdann der gesetzlich festgelegte Grundsatz der wirtschaftlichen Aufnahmefähigkeit des Landes als alleiniger Maßstab für den Umfang der Einwanderung wieder zur Geltung gelangt. Wir Juden in Deutschland erwarten, daß die Tätigkeit der Untersuchungs-Kommission mit äußerster Beschleunigung durchgeführt wird. Ihr Ergebnis muß unserer Lage angemessen sein." Aehnlich lautet eine Erklärung Prof. Brod e t s k y s in einer Londoner Pressekonferenz. Auch in dieser wird die Verzögerung und die daraus entstehende Unsicherheit der Lage aufs tiefste bedauert. Besonders stehe der Versuch im krassen Widerspruch zu einer Versicherung Ormsb'y-Gores und des Außenministers Eden vor der Permanenten Mandatskommission, in der die drastische Maßnahme der politischen Einwanderungshöchstzahl als ein „vorübergehender" Zustand bezeichnet wurde. Die große Londoner Presse veröffentlicht diese Erklärung mit entsprechenden Kommentaren. Die a m e r i k a n i s c h e n Zionisten haben an das Londoner Kolonialamt ein Telegramm gerichtet, in dem sie ihre Besorgnis über die durch das Weißbuch entstandere Situation zum Ausdruck bringen. „Die amerikanischen Zionisten drängen im Verein mit der Exekutive der Jewish Agency für Palästina darauf, daß, bis eine solche Entscheidung getroffen wird, das Mandat bezüglich jüdischer Einwanderung auf der Basis wirtschaftlicher Aufnahmefähigkeit Palästinas in Kraft bleibt." Amerika lehnt Einmischung ab, Washington, 6. Jan. Gegenüber Vorstellungen jüdischer Organisationen und in, Verbindung mit einer im Re präsentantenhaus vom Abgeordneten Sirovich eingebrachten Resolution hat Staatssekretär Hu 11 heute in einer Pressekonferenz erklärt, daß die Vereinigten Staaten zwar an der Behandlung___der..Minoritäten in jedem Teile der Welt Interesse hätten. Amerika sei jedoch gleichwohl nicht in der Lage, das Prinzip der Nich,t-' einmischung preiszugeben, es sei denny daß amerikanische Bürger betroffen werden. Bisher lag ein Anlaß zu einer solchen Aktion nicht vor. Eine Erklärung wegen Madagascar. Warschau, 12. Jan. Der Vorsitzende der polnischen Madagaskar- Kommission, Major Lepecki, hat eine offizielle Erklärung veröffentlicht, um den widersprechenden Gerüchten über das Ergebnis der Kommissionsuntersuchungen ein Ende zu machen. Das Ergebnis kurz zusammengefaßt ser, daß gewisse Teile von Madagaskar klimatisch zur Einwanderung im Allgemeinen geeignet sind, daß aber eine Einwanderung aus Polen nach Madagaskar, solange nicht gewisse Vorbedingungen erfüllt sind, nicht in Betracht kommen könne. Ein Lösungsversuch* Von A. L. Wenn man die erregte Diskussion über das Teilungs-Projekt in den Wochen und Monaten nach seiner Veröffentlichung vergleicht mit der Hinnahme des angeblich unvermeidlichen Ganges der Ereignisse, wie sie gegenwärtig in der jüdischen öffentlichen Meinung festzustellen ist, könnte man versucht sein, anzunehmen, daß die jüdische Welt bis auf einige Außenseiter die Teilung Palästinas und das Kommen des Judenstaates als unabänderliche Tatsache ansieht. Wir sollten aber bedenken, daß die englische Politik sich niemals auf ein bestimmtes Projekt iestlegt und feststehenden , Plänen folgend unbeirrbar vorgeht. Wir thoratreuen Juden insbesondere sollten uns weder von Stimmungen noch von verbreiteten Ansichten hindern lassen, die Befürchtungen auszusprechen, die wir für Thora, Volk und Land hegen, wenn der Judenstaat in der vorgesehenen Form Tatsache werden sollte. In Kethuwoth 111 berichtet die Gemara,. daß G'tt dem jüdischen Volk den Schwur auferlegt hat, nicht „einer Mauer gleich" d. h. (nach Raschi) „gemeinsam mit Gewalt" nach Erez Is- Obwohl wir uns nicht mit allen Teilen obigen Artikels einverstanden erklären und nach Erscheinen des Weißbuches sich die Situation in manchem geändert hat, glauben wir doch, einem verdienten orthodoxen Jugehdführer das Wort geben zu müssen. Red. rael hinauf zu ziehen. Solange *G'tt selbst nicht uns hinaufführt in den Zeiten des Maschiach« sollen wir nur zu friedlichem Studium und friedlicher Arbeit das Land als Zufluchtsstätte oder als Ort der Schechina aufsuchen. Dürfen wir es wagen, einen Schwur zu übertreten, den G'tt selbst im Tenach niedergelegt hat? Können wir zusehen, wie aufrührerische Menschen unter uns das Joch des Galuth frevelhaft von sich schütteln wollen? Die Gründung eines Judenstaates kömmt der gewaltsamen nationalen Besitznahme des heiligen Landes gleich oder sehr nahe. Die Orthodoxie ist mit allen ihr zu Gebote stehenden Mitteln verpflichtet, sich dieser Rebellion zu widersetzen. Ebenso sind wir aber auch verpflichtet, uns klar zu werden über die innere Problematik des, Judenstaates, wenn er heute oder morgen^fegründet würde. Es genügt nicht, die Forderungen des religiösen Judentums über die Inneneinrichtung des Judenstaates auszusprechen oder sogar zu detaillieren. Wir müssen uns eingestehen, daß leider die jüdische Welt von heute und insbesondere diejenige des neuen Jischuw in Erez Israel — und dies ist das Terrain des geplanten Staates — sehr wenig geneigt sein wird, selbst die bescheideneren unter unseren Forderungen anzuerkennen. Es ist nicht schwer, vorauszusehen, daß es beim Aufbau des Judenstaates durch die jüdischen Kreise, die ihn hauptsächlich tragen werden, in ihrer gegenwärtigen geistig-religiösen Verfassung zu einem unerhör-

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