Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 79 (1938)
- Issue
- Heft 1 (6.1.1938)
- Date
- 1938-01-06
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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6.. Januar 1938' * ._, .. — ------- Lctz^Ci NächricMSii- Große Erregung in Polen wegen!a^'Zukunft Palästinas. Warschau, 2. Jan. Von London aus verbreiteten sich am Freitag und Samstag hier Gerüchte, daß einflußreiche englische Kreise die britische Regierung zu veranlassen bemüht seien, auf die" arabische Forderung dauernder Minderheitsstellung der Juden in Palästina einzugehen. Die zionistischen Körperschäften Polens traten zu einer Sitzung zusammen und richteten heute ein Telegramm an den englischen Ministerpräsidenten Mr. Neville Chamberlain, worin im Namen von 3]4 Millionen Juden feierlich erklärt wird, daß man nie mals einem Plane zustimmen werde, der das jüdische Volk verdamme, im Lande feiner Väter eine Minorität zu bleiben. Das Tetegramm schließt mit dem Ausdruck des Vertraue's, daß Chamberlain der Verwirklichung der Idee einer jüdischen Mehrheit und eines jüdischen Staates in Palästina seine Zustimmung geben werde. Zionistische Proteste in der Tschechoslovfakei. P r a g , 2. Jan. Der Präsident der Zionistischen Organisation und derjenige der Jewish Agency in der Tschechoslovakei sandten an den englischen Ministerpräsidenten ein Telegramm, in dem erklärt wird, die Verurteilung der Juden zu dauernder Minoritätsstellung in Palästina bedeute eine Verletzung der britischen Ver: pflichtungen unter der Balfour-Deklaration und dem Palästina-Mandat insbesondere angesichts der Lage der Juden in den europäischen Ländern. Der I s r a e 1 i t _' Ein englischer und französischer Schritt I in Rumänien. -i ••; Lohdon, 6. JaAv Wie hier soeben mitgeteilt wird, wurden auf französische Initiative die Vertreter Englands" und Frankreichs in Bukarest in Sachen der Minoritätsrechte der Juden in Rumänien vorstellig. Jüdische Flüchtlinge aus Rumänien vor n geschlossenen Grenzen. . Wien, 5. Jaiy An der österreichischen Grenze wurden am Sonntag und am Dienstag größere Gruppen von rumänischen Juden angehalten und zurückgewiesen. Wie aus Budapest berichtet wird, sind in Ungarn zahlreiche Juden aus Rumänien eingetroffen, die sich in Karpathorußland niederlassen wollen. Dazu wird aber aus Prag berichtet, daß mit Hinblick auf die politische Entwicklung in Rumänien die tschechoslovakische Regierung amtlich bekannt gibt, daß sie strenge Maßnahmen .zum Schutze des heimischen Arbeitsmarktes getroffen habe. Die Grenzkontrolle wurde stark verschärft und der Visumszwang im tschechoslovakisch-rumänischen Grenzverkehr wieder eingeführt. Den inzwischen in Prag eingetroffenen jüdischen Industriellen und Großkaufleuten aus Rumänien wurde nahegelegt, sich nach anderen europäischen Ländern zu begeben. Ueber Grenzsperren für rumänische, Juden wird auch aus Bulgarien und Jugoslavien gemeldet, Nr. 1 Seife 11 - Ein Altersjubiläum. Herr Samuel Bravmann aus Unteraltertheim bei Würzburg feiert am 6. Januar seinen 90. Geburtstag in voller geistiger und körperlicher Frische. Herr Bravmann ist Altveteran und hat die Feldzüge 66 und 70/71 mitgemacht, Von sechs Kindern waren drei Söhne im Weltkrieg, von denen; einer gefallen ist.;; , vvfiW , Frankfurter Vereinskalender« >i' Synagogengemeinde Israelitische Religionsgesellschaft. Am Sonntag, den 2, Januar, 8.15 Uhr abends, findet der Vortrag des Herrn Gemeinderabbiners über das Thema „Frohes Lied in ernster Zeit" in der Aula der 'S. R. Hirsch-Schule, Am Tiergarten 8, statt. Verein Mekor Chajim. Freitag abend nach Schul Mikro, Herr Studienrat Münk. ) Sonntag nachm. nach Schul, 4.45 Uhr, im Hörsaale Friedberger Anlage, Vortrag des Herrn Rabb. H. Mayer „Nahrungsfreiheit". (Damen und Herren.) Schabbos morgen nach Schluß der bynagoge: d*vi Herr Rabbinats-Assessor Dr. E. Posen. — nachm. 3.15 Uhr im Hörsaal: Chumischmit Raschi, Herr Julius Lewin. —- im Vereinslokal: 2p>sr> Herr Rabb. H. Mayer. — abends 8.30 Uhr im Vereinslokal: „Das Buch sein' ", Herr Rabb. H. Mayer (auch Damen). Sonntag und Mittwoch morgens nach Schul, fant ejov. Herr S. Schachnowitz. — vorm. 9 Uhr im Vereinslokal. omaÄ,]a», Herr Rabb. Dr. Schlesinger. — vorm. 9 Uhr im Vereinslokal, m»a, Herr J. Soffer. Montag u. Donnerstag nach Schul im Hörsaal:. fi»»"' Mitgliederlernen. — Mqntag abends 7 Uhr (auch .. Mittwoch) im Lokal: (i'hn) *jnna. Herr Rabb .Dr. J Breuer. Dienstag und Freitag morgens nach Schul, rtttra; Herr R.-A. Dr. E. Posen. Dienstag und Donnerstag abends 7 Uhr im Lokal: Gemoro, Herr R.-A, Dr. E. Posen. Jahrzeitsstiltnngen. Schabbos, 8. Januar: Julius M; Bier-Stiftung. Montag, 10. Januar: Wally Prager-Stiftung. Montag, 10. Januar: Benjamin Kallmanü-Stiftung, Montag, 10. Januar: Sanitätsrat Dr. Wolf Hirscb- Stiftung. Donnerstag, 13. Januar: Anna Eschwege geb. Schles*; singer-Stiftung. Liwjath Chen. Der Vortrag am Sabbat f ä 111 a u s. Agudas Jisroel-Ortsgruppe. Thora and Mussar. Herr Rabbiher J. Horovitz, Fichtestr. 5, Sonntag 9-10 Uhr, Dienstag und Donnerstag 20-21 Uhr für: Baälebatim i"» «nsa. — Schabbos 11—12 Uhr o«n niR und. 16—17 Uhr Mussar für Jugendliche. Herr B. Rachekohn, mvo mms Dienstag 20.30 Uhr, Sandweg 6 c. Herr Dozent J. Ehrentreu, tt»ln mit o^snaa, Sonntag1 nach nna» rban, Uhlandstr. 39. L Herr R.-A. Dr. E. Posen ova mxa, Sonntag nach nnaa Uhr, Wittelsbacher Allee 11. Herr J. Sofer. W *p, täglich 12-13 Uhr am Sonntag 11-12 Uhr, Hans"Handwerkstr. 18, I- : Herr Rabb. Feuerwerger (f. Jugendl.), Sonntag 20-30- 21.30 Uhr, Dienstag 21-22 Uhr. Schabbos 16-17 Uhr. ry mm Agadische Abhandlungen aus flWR'raon. — Für* Jugendliche, Montag und Mittwoch 15-16.Uhr, Ry'Xö Raa, Fichtestr. 5. , ' ' ' Herr Zuntz, D"n rnifr, Sonntag nach tmm, Räbbinatszimmer Friedberger Anlage 4. . Der Schiur vor tf'inv unter Leitung des Herrn' Zuntz (t)-.v 'in) findet' um 5 45 Uhr, Montag bis Don-1 ■ nerstag im Hörsaal der I. R. G. statt. i Jüdische Fraüenvereinigung und Agudistische Frauenortsgruppe. Am Montag, den 10. Januar, aberids 8.45 Uhr,- wird Herr Rabb. Dr. M. B a m b e r g e r. aus Mainzim Hörsaal, Friedberger Anlage 5, einen Vortrag halten über „Tradition — Verstand — Gefühl" (eine Betrachtung zur nv>ff). Gäste, Damen willkommen.. Gebetzeiten.; ' WM» Freitag abendf4.15 < Samstag.n»3E>n 7.10 ■< Samstag morg. 8.00 Predigt |- Samstag nachm- 1.00 und 4.00 Samstag Abend 5.35 Wocheng'ttesdienst: Hauptminjan in der Synagoge 7.10' -Ö- Minjan 7.30. l! An G'ttesdienst anschließend: Lernen desD"n "Vereins im Hörsaal | sNachmittags.?4 30 .;., . ■ . ■ Tefillinlegen am Morgen 7.i8 _ H'r.v.i- Tferrörbewegung in Palästina. V > Jerusalem, 2. Jan. Nach 48stündiger. Ruhe ist der arabische Terrorismus in verschiedenen Teilen des Landes wieder" aufgeflammt, insbesondere sind jetzt die Polizeistationen an den verschiedensten Orten Gegenstand der Bombenattentate. Der Eisenbahnzug Lydda—Jerusalem wurde beschossen. Das offizielle Organ des .Mufti. „El Liwa", das vier Monate lang verboten f war, erscheint wieder mit der alten Tendenz, Dr.; Weizmann, kam gestern nach Jerusalem, um mit der Jewish Agency den -Termin für eine Konferenz des kleinen Zionistischen Gene_ralrates zu beraten. Man'glaubt, daß der Rat Ende nächster Woche zusammentreten wird. . Gerüchtweise verläutet, daß König. Ibn Saud nun- , . mehr seine Zustimmung zu der Abhaltung einer |5pan?- arabischen Konferenz in Mekka zur Zeit der riäcfi?. sten Pilgerfahrt erteilt hat. ' '' . Zur Lage in Rumänien. Bukarest, 6. Jan. Die Bjükarest'er Advokaten-Kammer beschloß, sich* in ihrer nächsten Sitzung mit der-J udenfrage zu befassen. Es wird vorgeschlagen, die Revidierung der Erlaubnisse zur Ausübung des Advokatenberufes, die nach dem Kriege an Juden erteilt wordefc sind, zu beschleunigen. Da die Durchführung' der Revidierung in gesetzlichen Formen etwa sechs. Jahre beanspruchen dürfte, solle die Advokatenkammpr provisorisch 1500 jüdischen AdvoV. katen . die Erlaubnis zur Ausübung ihres _ Berufes entziehen. Falls: dem formale Bedenken entgegenstünden, solle die Erlassung einer Gesetzesverordnung erwirkt werden^, durch die diese Maßnahme legalisiert würde, Bei dieser Gelegenheit wird bekannt, daß in den letzten zwei Jahren kein Jude mehr als Advokat eingetragen worden ist und daß die Erlaubnis zur Berufsausübung an 600 jüdische^ Advokaten, die in den Jahren 19,32 bis 1935 eingetragen worden: waren, revid i-e r t worden sind, wobei sich'herausgestellt-habe, daß die Advokaten „meist: keine beweiskräftigen Dokumente über ihre rumänische^ Staatsbürgerschaftbesaßen/'. Die Jüdische Partei Rumäniens wurde am Mittwoch durch; eine Abordnungbei Ministerpräsident Gog a vorstellig. Goga erklärte,-die Regierung werde die Wünsche des Judentums in;Betracht ziehen. Im ,übrige» verwies Goga die:;!Abordnung an den Ministett D,r a g o mir, deradie: Minderheitenfragen behanftelH; \ •>!;. -. [: :> JH. Die Frankfurter Woche. Samson Raphael Hirsch-Gedenkfeier der Israelitischen R'eligionsgesellschait. Wie alljährlich, lud der Vorstand der Israelitischen Religionsgesellschaft aus Anlaß der Jahrzeit für S. R. i.Hirsch ^>*ST zu einer Gedenkfeier' am Samstagabejndiin der Aula der S. R. Hirsch-Schule ein. Die Gedenkrede'hielt-vor vollbesetzten* Hause Herr Dr. " S;# phrmann. Anknüpfend an eine Stelle in den ' Hirich-Schriften, wonach der Todes*tag eines Großen; Tag der Wiedergeburt sei, sagt der Redner, er wolle rinicht von dem sprechen, was uns S; R. Hirsch in ,.der Vergangenheit . gewesen ist, was ja. auch genugsain bekannt sei, sondern von dem,, was uns .S. R. }sHirfich heuie und auch für die Zukunft zu sagen r ftäti Wir erleben ''eine Zeitenwende' auch im inherr jüdfechen Leben. Däs beweist auch ü.'^a>. die Polemik j.;innirhalb der JSberalen Vereinigung, die den Zusam-. 'me^bruch des religiösen,..Liberalismus ^deutlich dar.-- tut,? wie ihn Hirsch schön vor. 60 Jahren vorausger i sehen1 hat. S. R,' Hirsch hat die Emanzipation nicht , abgielehnt, aber sie Richtigbegriffen: nicht als Endziel, sondernals .Anfang, nichtals .Lösung, sondern als Aufgabe. G'tt wollte uns prüfen, ob wir uns in üer Freiheit als Juden so bewähren könnten, wie in den Leidehszeiten. Mehrere Aeußerungen und auch Aufrufe aus der mährischen Wirksamkeit von Rabbiner Hirsch dienten dem Redner als Belege für diese Auffassung.. Aus seinen Schriftenergibt sich, daß Hirsch damals schon zur Frage der Wanderung und der Berufsumschichtung Stellung genommen hat, daß er damals schon wünschte, die rJuden mögen aus dem Großstadtbetrieb .zu einem stillen, natüf- -' liehen, . jüdischen Leben auf dem Lande zurückkehren. Er hat. die Jeschiwa, für deren,Gründung er. i noch nicht ,den nötigen Boden fand, als'Voraussetzung:;;der 1 Khilla, aufgefaßt? Einige Angaben.)über das Ver-. hältnis vpn 'S.! R. Hirsch zu Rabbi .Israel Salanter. wurden mit großem -Interesse aufgenommen. Auch die Weltorganisation hat S. R. Hirsch vorgeschwebt, mit der Gründung der „Freien Vereinigung", die er über Deutschland hinaus erstrecken wollte. Heute sind sich auch die ö^itj im Osten darüber einig, daß man mit :den Ideen und Schriften Hirschs dort die Jüdischkeit! retten könne. Wenn die Orthodoxie heute imstande ist, vor den höchsten: Stellen! ihre Interes-. sen zu vertreten, so ist das letztlich: ein Verdienst von S. R. Hirsch. Aus :all dem ergibt sich, wie, viel gerade heute der ,vor 49 Jahren hingegangenegroße i Frankfurter Rabbiner uns zu sagen hat. Hat uns S. R. Hirsch gelehrt, seine Zeit■'. mit ewigen Maßstäben ztii messen, i so muß uns dieservEwiglteitsge-: danke auch über. die- Npte unserer Zeit;hinweghelfen.? per, Vqrtrag, einfach und klar, beinahe in der'Form - .eines Tatsachenberichtjes vorgetragen; w'rkte um 'O;. überzeugender und faind das Jungeteilte Ohr des großen Auditoriums; , Ein : stimmungsvolles i"»» durelf i Herrn. Oberkantör.. p e i s s,arc h o w i,ts c h beschloß die Gedenkfeier^;.rn t .. Auh'..s j