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Der Israelit · 1937-12-16 · Heft 50 (16.12.1937) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
78 (1937)
Issue
Heft 50 (16.12.1937)
Date
1937-12-16
Page
– (sequence 3)
Language
German
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HP -fc4gpDVzem^eK1937T ^^S^^^^^^^^^^ D e_r 4j-v^4.J8 1 * r * e JU-*-,JW-, i t JUwIUMIr^ Nr. 50 Seite 3 iSelbsterhaltung im Galuth. {Fortsetzung von Seite 1.) 3en das Schulgeld Schulen, die trotz Amerikas Freiheit nach stillschweigenden ungeschriebenen Gesetzen keine Juden als Lehrer anstellen. Welcher Segen wäre es schonj wenn Zehntausende jüdischer Familien im Lehrerberuf Existenz und iür das Studium der Thora Zeit finden würden, statt im Dienste des Kapitalismus sich ihr Lebtag quälen zu müssen. Wie kann ein wenigstündiger Religionsunterricht gegen den Einfluß der allgemeinen Schulen aufkommen? Will Amerikas stolze- Judenheit die Zurücksetzungen im Alltag des Lebens so wenig sehen, wie sie die Judenheiten anderer Länder, bis es zu spät war, sehen "wollten und in optimistischem Glauben auf baldige Verbrüderung eigene Schulen verwarfen? Auch Polen, . das zweite große Galuthzentrum, hat zur Zeit ein warnendes Menetekel Eingeschrieben, Hier sind es in den allgemeinen Lehranstalten bis hinauf zur Universität die besonderen Bänke, Ghettobänke genannt, die man <len Juden anweisen will. In Polen lebt noch ein .großer Teil der Juden ihr eigenes Leben; doch «s gibt schon seit langem ständig Schichten — es sind besonders die sozial besser gestellten — mit dem Willen der Eingliederung in die polnische Gesellschaft. Diese Kreise schicken ihre Kinder nicht mehr in Cheder und Jeschiwoh, weisen jeden Gedanken an jüdische Mittelschulen und Gymnasien entrüstet von sich und liefern ihre Kinder einer polnisch-christlichen Erziehung aus. Diese Tatsache macht ihnen so wenig Sorgen wie die, daß in diesen Schulen irotz der gesetzlichen Gleichberechtigung im Prinzip Juden von der Anstellung als Lehrer ausgeschlossen sind. In jedem Galuthlande muß die allgemeine Schule das traditionelle jüdische Denken gefährden und die Assimilation fördern, wenn nicht JBlternhaus und jüdische Gemeinde höchsten Anforderungen an jüdischer Erziehung entsprechen.* Doch diese Voraussetzung wird selten eriü'llt. Nur mit eigenem Schulwesen können die Jruden sich selber wiederfinden sowie an Ruhe tmd Selbstachtung zunehmen und auf diese Weise - was das Assimilationsstreben nie erreicht — l)ei der Außenwelt an Respekt gewinnen. Die schlichtesten G'tteshäuser genügen selbst für Großgemeinden. Die Kraft einer jeden jüdischen Gemeinde gehört der Erziehung ihrer Jugend auf dem Boden der Tradition der Väter, <lenn die Jugend h&deutet die nächste Generation, die Zukunft. Diese heiligste aller Pflichten läßt sich aber nur in eigenen jüdischen Schulen erfüllen. Rabbiner Samson Raphael Hirschs Weitblick hat vor 85 Jahren die erste Realschule auf Basis der Thora gegründet.*) Die 1851 in Frankfurt entstandene Israelitische Religionsgesellschaft berief ihn zum Rabbiner, und bereits im Frühjahr 1853 eröffnete er mit 55 Jungen die Realschule und mit 29 Mädchen die Höhere Töchterschule. Trotzdem sich eine einheitliche Erziehung durch den Zwang, sich dem staatlichen Lehrplane in den allgemeinen Fächern anzupassen, nicht durchführen ließ, wurde die Schule von segensreicher Wirkung für den Aufbau thoratreuen Lebens in den westlichen Ländern. *) Die Talmud Thora-Schule in Hamburg entstand 1805 als Armenschule, wurde durch Chacham Bernays 1822 Volksschule, durch Oberrabbiner Stern zunächst Bürgerschule und erst 1870 Realschule. Die 1862 — sicherlich bereits durch Hirschs Beispiel in Fürth gegründete jüdische Schule wurde erst 1880' Realschule Inzwischen ist ein an Umwälzungen und Erfahrungen reiches Jahrhundert jüdischer Geschichte vorbeigegangen. Die ganze Situation ist heute eine andere geworden. Jeder denkende Jude weiß heute, daß Gleichberechtigung nicht Gleichmachung, sondern Gleichachtung der Eigenart durch Vätertraditionen bedeutet, und daß Assimilation ein Unding ist. Die Propaganda für eigene Schulen hätte außerhalb wirklich thoratreuer Kreise noch vor einem Jahrzehnt auf stärksten Widerstand gestoßen; heute läßt sich die Notwendigkeit dieser Schulen auch bei den den Traditionen gegenüber indifferenten Massen mit überzeugenden Gründen belegen. Man wird heute auch würdigen, daß für jede jüdische Schule — mag sie Volksschule oder höhere Schule seih — eine ganz dem Erlernen der hebräischen Sprache, Druck- und Schreibschrift gewidmete Vorschulklasse der Fünfjährigen Bedingung sein muß und zwar aus folgenden Gründen: 1. Sein jüdisches Sein wird dem Kind so das Primäre. 2. Mit den in diesem Jahr erworbenen hebräischen Kenntnissen läßt sich während der Schulzeit mindestens das doppelte Pensum auf den Gebieten des Schrifttums unseres Volkes erzielen. Eine andere Forderung heißt: auch für die allgemeinen Fächer eigene Lehrbücher, die vom Geist der jüdischen Traditionen durchzogen sind. Besonders soll jedes Fach zur G'ttesfurcht erziehen. So sind die gesamten Naturwissenschaften, wenn sie überall die wunderbare, nur mit zitterndem Erschauern aufzunehmende Zweckmäßigkeit alles „nach seiner Art" Geschaffenen lehren, eine Granitbasis für tiefe Religiosität, während die kalte Selbstverständlichkeit, mit der sie meist gelehrt werden, der Seele nichts gibt. G'ttes Thora (V, 29, 28) sagt.« „Was offenbar ist, gehört uns und unsern Kindern auf ewig, um die Worte der Thora zu erfüllen." Wir dürfen also nicht gedankenlos an G'ttes Wunderwerken vorübergehen, wenn wir Ihm dienen wollen, wie die Besten des jüdischen Volkes Ihm in jeder Zeit gedient haben. Welche gewaltigen, jüdisch erzieherischen Werte können auch vom Geschichtsunterricht ausgehen. Die Thora weist auf diese Bedeutung hin, mit ihren Worten (V, 32, 7): „Gedenket der Tage der Vorzeit; begreifet die Jahre der Geschlechter usw." und auch mit folgenden Worten (II, 13 ,14; V, 6, 20): „Wenn in einer künftigen Zeit dich dein Kind nach der Bedeutung der Zeugnisse, Sazungen usw. fragen wird, dann weise es auf die Erlösung aus Mizrajims Sklaventum." Leider fehlt es an Geschichtswerken. Auf Hebräisch gibt es das wertvolle Werk von Wolf Jawitz, auf Deutsch bisher nur als Manuskript, da die sehr nötige Drucklegung hoch nicht ermöglicht wurde, ein dreibändiges Werk von Dr. Moses Auerbach. Notwendig wäre die Bildung einer Gesellschaft von tüchtigen thoratreuen Gelehrten, von denen jeder einzelne einen Teil eines Geschichtswerkes zur Bearbeitung übernimmt. Das bekannte Werk von Dubnow ist trotz vieler Werte wegen seiner Tendenz abzulehnen. Die Agudas Jisroel könnte große Aufgaben gerade auf den hier gezeichneten Gebieten erfüllen. Wochenrundschau. Der neue Hochkommissar und die neue Palästinakommission — Jabotinsky denkt anders —Wiederum Madagaskar — Gruppensiedlungen und ihre Voraussetzungen — Daniel als „Makkabäer". Mit der Ernennung des neuen High Commissioner iür Palästina wird auch die Entsendung der neuen Kommission zur Vorbereitung der Teilungspläne fällig. Da man mit der Amtsübernahme von MacMichael für den kommenden Februar rechnet, so wird vielfach der Februar aush sd? Datum für die Entsendung der neuen Kommission genannt. Auch die hebräische Presse, die den neuen Hochkommissar etwas reserviert, aber ohne Mißtrauen begrüßt, ist der Meinung, daß die neue Kommission zusammen mit MacMichael sich aus London nach Palästina begeben wird. Wie aus anderer Stelle unserer heutigen Nummer hervorgeht, halten ernste Londonser Blätter den Teilungsplan bereits für begraben und widmen ihm entsprechende Grabreden, in denen ihm wenig Rühmliches nachgesagt wird. In Palästina selbst, und nicht zuletzt im jüdischen Jischuw, rechnet man aber mit der Teilung als einer fertigen Tatsache (siehe auch Leitartikel in der jüngsten Nummer des „Israelit"). Mag sein, daß die große englische Presse etwas besser in die Außenpolitik des Kabinetts eingeweiht ist, Palästina spricht und handelt aber weniger auf Grund klarer Informationen als aus einem Fingerspitzengefühl für die kommenden Dinge heraus. Und solche Gefühle sind oft zuverlässiger als Informationen. Wechsel im Hochkommissariat, Wechsel vielleicht auch im Oberkommaridoj Ernennung von Sir Charles Tegart zum Berater der Regierung bei der Reorganisation der Polizeimacht in Palästina! All das spricht jedenfalls eher für die Auffassung in Jerusalem, als für die kalten Zweifel in London. Jabotinsky freilich denkt anders. Auf einem Massenmeeting in London sagte er, er habe an den Ernst des Teilungsplans nie geglaubt. Er verweist auf den Beschluß der englischen Regierung vom Jahre 1905, Bengalen zu teilen, da es dort damals einen allgemeinen Aufstand gab; zwei Jahre später sei der Plan fallen gelassen worden. Er; erinnert ferner an den „eisernen Beschluß" der englischen Regierung von 1922, einen Gesetzgebenden Rat in Palästina einzuführen. Jabotinsky führte sodann seine Argumente gegen den Teilungsplan an und erklärte, daß auf dem Gebiete des geplanten Judenstaates, auf dem schon heute 140 Personen auf einem Quadratkilometer leben, große jüdische Massen nicht mehr absorbiert werden könnten, Er zitierte die Worte eines Mitgliedes der Mandatskommission an den Kolonialminister, daß ein Transfer der 320.000 auf dem Gebiete des geplanten jüdischen Staates lebenden Araber unmöglich ist, es sei denn, daß die Regierung dies zwangsweise tun würde. Auch die „britischen Drohungen" nimmt Jabotinsky nicht ernst. Die Engländer hätten schon oft gedroht, die Einwanderung zu beschränken und dennoch sei die jüdische Bevölkerung immer wieder beträshtlisk gewachsen. „Ebenso, wie sie ihre Drohungen nicht wahrmachen werden, werden sie aush die Teilung nicht vornehmen." — Restloses Vergnügen verschaffen uns diese Ausführungen nicht. Möglich, daß die britische Regierung nicht imstande sein wird, den Teilungsplan durchzuführen, daß sie aber mächtig genug ist, ihre Drohungen bezüglich der Einwanderungssperre wahrzumachen, hat sie in letzterer Zeit deutlich genug gezeigt. Wozu dann die großen, herausfordernden Worte? Wie uns aus Warschau berichtet wird, kam bei dem Besuch des französischen Außenministers D e 1 - b 0 S in Warschau auch die Frage der jüdischen Emigration aus Polen zur Sprache. Neben dem Palästinaproblem wurde natürlich der Lieblingsgedanke Polens, nämlich der der jüdischen Ansied- Iung in Madagaskar, besprochen. Manche wissen ZU berichten, daß Delbos ein Siedlungsgebiet für 30.000 jüdische Familien in Madagaskar in Aussicht gestellt hätte. Dem gegenüber steht aber die wiederholte Aeußerung des französischen Kolonialministers Moutet, daß wenn überhaupt, in Madagaskar vorerst höchstens einige tausend von den in Frankreich ohne Existenzmöglichkeit lebenden fremden Käuft im STRÜMPFHAUS METZGER ZEIL 87 auch Herrenwäsche, Trikotagen und Badewäsche Winter-Mäntel und Anzüge LUDWIG ut' u&d preiswe uf Wunsch ipg-Ve rt bei beitung Fr ankfurt a. M. Hindenburgplatz 12 am Hauptbabnbof

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