Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 78 (1937)
- Issue
- Heft 46 (18.11.1937)
- Date
- 1937-11-18
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Frankfurt a. M« Der Israelit 1 ----~s*.— M 18. November 1937 14. Kislew 5698 Nummer 46 Ein kritischer Sonntag in Palästina. Jerusalem, 15. Nov. Am Montag brachten viele Zeitungen die alarmierende Nachricht, daß es am Sonntag, den 14. November, zu schweren blutigen Zusammenstößen in Jerusalem gekommen wäre, bei denen „sieben Juden gelötet worden seien." In einem Falle seien vier Juden von Arabern, angeblich als Antwort auf •die Erschießung zweier Araber im jüdischen Viertel, förmlich gesteinigt worden. Ein Autobus auf der Straße Jaffa—Jerusalem sei -von unbekannten Tätern regelrecht unter Feuer genommen worden. In Tel Awiw seien führende Mitglieder der revisionistischen Partei verhaftet ^worden. - Auf telegraphische Anfragen in London und Jerusalem erhalten .wir folgende klare Darstellung der Situation: Wachsender Terror in Erez Israel. Große Aufregung in Jerusalem. Jerusalem, 15. Nov. Gestern wurden 7 Personen, ein Jude und 6 Araber getötet und je 3 Juden und 3 Araber, verletzt. Bei einem Neubau in der Nähe von Beth Israel griffen die arabischen Arbeiter die jüdischen mit Steinen an und verletzten einen Owadia Misrachi, einen 30 Jahre alten Jemeniten, der später seinen Wunden erlag. Während •des sich daran anschließenden Kampfes wurden Schüsse abgegeben, wobei ein Araber getötet und ein anderer ernstlich verwundet wurde. "Vier Araber, darunter zwei arabische Mädchen, wurden im Romemah-Viertel von Jerusalem in einem arabischen Omnibus erschossen. Drei Schüsse, wurden in der Gaza-Straße im Rechavia-Viertel auf zwei Araber abgegeben. Beide -würden verwundet und einer starb. Ein weiteres arabisches Todesopfer, ist in dem. Dorf Asarja •zu verzeichnen, wo die Polizei einen Arrestanten, der nicht folgen wollte, erschoß. Der Telefonverkehr zwischen Palästina und Aegypten -wurde gestern Abend unterbrochen. Die Häufung der Terror-Akte hat starke Erregung in allen Kreisen der Bevölkerung hervorgerufen. Starke Mengen sammelten sich in den jüdischen und arabischen Vierteln, die praktisch voneinander isoliert sind. Alle Läden, außer denjenigen im Zentrum der Stadt, sind geschlossen. Die Omnibusse nach der Altstadt werden angehalten und von der Polizei durchsucht. Um Mitternacht patrouillierte Militär mit Maschinengewehren die Stadt. Die allgemeine Nervosität wird durch den curfew erhöht. . Heute wird der stellvertretende High Commissioner eine arabische Delegation unter Führung von Nashashibi empfangen, um die Lage zu; erörtern; Der Waad Leumi hat seine Mitglieder und die übrigen Repräsentanten des Ji- :schüws zu einer Konferenz auf Dienstag eingeladen. Man ist hinsichtlich der Entwicklungen der nächsten Tage sehr besorgt. Zwei hohe arabische Beamte der Jerusalemer Stadtverwaltung und ein arabischer Beamter des Wakuf wurden gestern Abend verhaftet und ins Geiängnis nach Acre gebracht, Sie werden der Aufreizung beschuldigt. Einem früheren Berichte aus Jerusalem unter dem 11. November entnehmen wir noch: Infolge der beiden Bomben-Attentate in der Nähe der Post und des Bahnhofes ist heute der ganzen Stadt curfew (Verbot des Straßenverkehrs) von 5 Uhr abends bis 5 Uhr morgens auferlegt worden. Eine der Bomben wurde in einen arabischen Omnibus geschleudert und verursachte eine Panik auf der Straße. Die zweite Bombe explodierte an der Station, ohne Schaden anzurichten. Fortsetzung siehe Seile 2. Aus dem Inhalt: Die neuesten Vorgänge in Palästina Seite 1 u. 2 Eine neue Schedule und eine Enttäuschung x Seite 2 Wochenrundschau. (Das jüdische Buch u. a. m. Seite 3 Der jüdische Staat. Von Dr. Ph. Biberfeld Seite 4 Die Aufgabe der jüdischen Frau. Von Rabb. Wolf S. Jacobson . . Seite 4 Razzia im Budapester Judenviertel . Seite 5 Die Kaschruthfrage in Polen .... Seite 6 Die Bne Israel in Bombay (mit Bild) Seite 6 Brief aus Argentinien........Seite 6 Erez Israel ............Seite 7 Schwiegervater und Schwiegersohn . Seite 8 Beilage: Der „Kleine Israelit". Die Agudas Jisroel und die Aus Wanderung*) . Das Problem der Emigration ist eines der schmerzlichsten in der Summe unserer Probleme, und es kann deshalb nicht wunder nehmen, wenn diese Frage auf dem Marienbader Kongreß einen überaus großen Platz eingenommen hat. Agudas Jisroel, die ihr Daseinsrecht und ihre Daseinsnotwendigkeit in der Verteidigung und in der Verbreitung der religiösen Idee, der Herrschaft der Thora erblickt, kann sich diesem Problem nicht verschließen. Von diesem Gesichtspunkte aus allein schon betrachtet, hebt sie sich von den anderen politischen Parteien ab, deren Zweck und Ziel einzig und allein Palästina bildet. Agudas Jisroel hat sich somit ein weit größeres, ein geradezu universales Arbeitsziel gesteckt. Es kann übrigens unmöglich die Rede davon sein, — so sehnsüchtig dieser unser aller Wunsch auch ist — schon jetzt ini heiligen Lande all diejenigen jüdischen Massen unterzubringen, die vom Verlust ihres Vaterlandes lind ihres Heimatrechtes bedrohf sind. Die Auswanderung! nach anderen Ländern als Palästina ist somiiNeine Frage von brennendster Aktualität. Man möge nicht glauben, daß dieses Problem nur die Juden Deutschlands betrifft, es betrifft in weit größerem Maßstabe noch die Juden Polens, dessen Regierung das Ziel hat: so rasch" als möglich eine Reduzierung der jüdischen Bevölkerungsziffer herbeizuführen. *) Aus einem Referate von Rabbiner S. Langer auf dei* Pariser Agudakonferenz. Es ist unnötig, auf die Schwierigkeiten, auf die Vielseitigkeit sowie die Dringlichkeit dieser Frage^hinzuweisen. Diese Frage beschäftigt selbstredend alle Organisationen, die sich um die Einwanderung nach Südamerika z. B. kümmern und wenn man eines Tages die Geschichte der jüdischen Wanderungen in unserer Zeit schreiben wird, so wird man staunen über all das, was von diesen Organisationen, an der Spitze der ICA, auf diesem'Gebiete geleistet worden ist. Gewiß, wenn der Zwang, Haus und Hof zu verlassen, an und für sich schon schmerzlich und bitter genug ist, um wieviel schmerzlicher und bitterer, wenn er den frommen Juden betrifft. Das Problem ist im übrigen nicht zu vergleichen mit dem der Emigration nach Palästina. In der Tat, der Jude strebt dorthin nicht nur aus materiellen Gründen, sondern meistens aus idealen Gründen. Im übrigen findet er im heiligen Lande, und dieses noch auf einer breiteren Basis, sämtliche Vorbedingungen, ein treuer frommer Jude zu bleiben, es hängt dies einzig und allein von seinem eigenen Willen ab. Ob er will oder nicht, es umgibt ihn eine jüdische Atmosphäre, die ihn vor dem Abfall schützt. Das Problem ändert sich aber, wenn es sich um Aus Wanderung frommer Juden nach anderen Ueberseelandern, z. B. Südamerika, handelt. Findet der fromme Emigrant, sei er allein oder mit Familie, dort die religiösen Lebensmöglichkeiten, die Institutionen, ohne die eben ein reli- (Fortsetzung siehe Seite 3.)