Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 78 (1937)
- Issue
- Heft 35 (2.9.1937)
- Date
- 1937-09-02
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 56 mon wurde nicht müde, zu deuten und zu erklären. Nach ca. 10 Tagen standen sie vor dem Papst. Als der Papst seinen Vater wiedersah/ war er sehr erregt. Doch um den Schein zu wahren, fuhr er die drei Männer hart an und drohte ihnen mit schweren und harten Strafen, wenn sie sich nicht bessern würden. Dahn sagte er: ,,Ich habe mit Rabbi Schimon allein zu reden," und alle Anwesenden entfernten sich. Vater und Sohn standen sich allein gegenüber, es herrschte tiefes Schweigen. Endlich brach der Pap.st das Schweigen und sagte: „Weißt du nicht, warum ich mit dir allein zu reden habe?" „Nein, war die kurze Antwort. — „Warum hatte Joseph gesagt: „Laßt jedermann hinausgehn?" „Er wollte sich seinen Brüdern zu erkennen geben." i.Und ich will mich dem Vater zu erkennen gelben, Vater, Väter, kennst du deinen Sohn Elchanan nicht?" Elchanan fiel dem Vater um den Hals .und weinte wie ein Kind. Was dann weiter folgte, ist nie bekannt geworden. Rabbi Schimon kehrte mit seinen Begleitern wieder nach Mainz zurück. Noch mehr als sonst war er still und ernst geworden. Der Bischof war enttäuscht. Der Papst ermahnte in einem Schreiben eindringlich, den Juden kein Leid anzutun, ihnen friedlich und freundlich zu begegnen. Eines Tages war der Papst aus Rom verschwunden. Man sagte, er wäre in seiner Heiligkeit und Reinheit zum Himmel emporgestiegen. In der Synagoge zu Mainz saß ein Fremder Tag und Nacht und lernte und betete. .Keiner wußte, woher er gekommen. Bald nach dem Tode # Rabbi Schimons starb auch der Fremde. Es war Elchanan, der Sohn des Rabbi Schimon. In seinen alten Tagen verfaßte Rabbi Schimon jenes ergreifende Gebet, das mit den Worten beginnt: nxa pmo tum» tiöx -f?» D,amit hat der Vater dem Sohne, der ins Vaterhaus und zum Judentum zurückgekehrt ist, ein ewiges Denkmal gesetzt.J - nrrVm Jan /bx Elchanan ist wieder sein Eigentum. _— . EMKA. Der kluge Rabbi. In dem Buche Nnty |3R wird uns erzählt: Zwei Mähner trafen sich auf dem Wege, und" da sie beide nach ein und derselben weit. entfernten Stadt wollten, beschlossen "sie, beisammen zu bleiben. Als sie eine Strecke gegangen waren, gesellte sich noch ein Dritter zu ihnen, Sie unterhielten sich ybm Geschäft und erzählten sicheinanderso manches aus ihrem Leben, Sie kanien ah eine Quelle, und da meinte einer:. „Wir haben hier Gelegenheit, Uns die Hände zu v|ä^cheh. 'Wir\wöUen^;uns hier am Rände des ^gesrauf länen ^Veinhauien" setze^Hrnd äiiiiserf ■ ^ft-^r;v.?f:A' .cct> ..-zsar.--: as ^ixan IHöfiX aswr w f Brot verzehren." Das waren die beiden anderen zufrieden, und der eine gab drei Brote, der ändere zwei Brote, der dritte aberhättenichts £t essen bei sich. Aber sie teilten alle drei brüderlich miteinander. Da meinte einer: -.Irn Perek steht geschrieben; Wenn drei jüdische Menschen gemeinschaftlich an einem Tische essen und kein Wort religiösen Inhalts sprechen würden, denen wird es angerechnet, als ob sie von einem Totenmahle gegessen hätten. Also ich fange an Wir sind zwar nicht in einer Wildnis, aber hört ihr nicht den Löwen brüllen?" Die beiden anderen sahen einander verwundert an. „Na, ich will euch das Rätsel lösen. . Wir sind doch jetzt im Monat Elul, und das Schofar tönt an jedem Morgen. Und n/,,1» das sind die Anfangsbuchstaben von Elul, vRausch-haschonö, Jaumkippur. Hauschano rabbo. Und dann, ihr kennt doch das Motto: -j1? "»nöTPI TP1? nJK- Nach jüdischer Lebensanschauung gibt es keinen Zufall, alles ist eine Fügung G'ttes. Wir wollen es als eine Fügung G'ttes betrachten, daß wir einander getroffen." Und der Brotlose meinte, das andere Motto lautet: D^raM1? Diariiar 1fTV*1^ ^'N (Anfangsbuchstaben Elul.) Ihr habt mich bewirtet, hier sind fünf Gulden, teilt sie eucli. „Nein," sagten die beiden Brotlieferanten, an1? nHVpa1? AN (Anfangsbuchstaben Elul) was wir gegeben, haben wir gern gegeben." „IJnd ich nehme da* Geld nicht wieder zurück, teilt es Euch, wie ihr wollt," wehrte der andere ab.;Nun aber entstand ein kleiner Streit. Der drei Brote geliefert hatte, verlangte dementsprechend auch drei Gulden. Der andere aber war damit nicht einverstanden, denn er meinte, ihr Gast hätte von seinen zwei Broten soviel gegessen, als von den drei Broten, also gehöre ihm die Hälfte des Geldes. So stritten sie miteinander und wurden nicht einig. Da machte der Spender der fünf Gulden einen EinigungsVorschlag: „Ihr wißt, das vierte Motto lautet: nm *Tnb- US : (Anfangsbuchstaben Elul). Wir sind Freunde einander geworden und wollen Freunde bleiben. -Wenn wir in die Stadt kommen, gehen wir zum Rabbi, der soll nach den Pauskim die Streitsache schlichten." Das waren die beiden änderen zufrieden. Sie benschten Mesumon und setzten ihre Reise fort. Als sie in die Stadt kamen, gingen sie sogleich zum Rabbi. Der •entschied; der' jenige, der drei Brote geliefert' "Jhat, bekömmt vier Gulden, der andere, der zwei Brote gespendet, erhält nur einen Gulden. Verwundert sahen die drei einander an; sie waren aber mit dem Urteil zufrieden. Sie: reichten sich zum Abschied die Hand mit den Worten: . - nm& na'nnvnantt ' ■ * Und nun, liebe Kinder, sollt Ihr dem „Kleinen Israelit" mitteilen; ob die Rechnung des Rabbi richtig ist oder nicht. Aber auclrbeweisen, EMfttat