Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 78 (1937)
- Issue
- Heft 31 (5.8.1937)
- Date
- 1937-08-05
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 Nr. 3t D e r . I s.r .a e 1 i t 5. August 1937 gen ja dafür bezahlt! Warum soll der Rabbiner nicht so schön über rintP n-pötP reden, wenn er dafür bezahlt bekommt?! Warum soll ein orthodoxer Lehrer nicht in aggressiver Weise gießen die tj8 *1TP'» ">JNP1B Stellung nehmen, wenn seine MDJIS damit in Verbindung steht! Kenner Amerikas versichern, daß ihrer festen Ueberzeuguhg nach die religiöse. Regeneration grüben nur deswegen aufgehalten wird, weil die darum bemüh ten Persönlichkeiten in diesem Lichte gesehen und gehört werden und weil das Ethos desnaipb arbeitenden Führers sich vor den Augen des Publikums nicht entfalten kann. Es bedarf nicht der vielen .Beweise, jeder, der Gelegenheit hatte, psychologische Studien inbetreff der Haltung nichtorthodoxer Kreise gegenüber der ihnen an sich nicht unsympathischen Befolgung des Religionsgesetzes zu machen, jeder, der über den nnnn T)3D in unserer Zeit nachdenkt, wird zum gleichen Ergebnis kommen. Und das gilt selbst für die Bedeutung und Einflußnahme von Persönlichkeiten, deren sittliches Niveau und deren ■Tmiüb -Gesinnung jeder Kritik standhält — um wievielmehr für die Fülle derer, die, vor einer solchen Kritik nicht bestehen können. Es fragt sich also sehr, ob man gut beraten ist, wenn man sich auf den beruft, der ja doch wohl nur den Charakter des *vnn hat, da nie und nimmer aus dem Bewußtsein der maßgebenden Persönlichkeiten die Erkenntnis geschwunden ist: die Ehre der Thora vertrag: nicht die Unehre des Geldes! Entscheidend iür unsere spezielle Frage ist aber das warnende Beispiel, das die 'Leitung des „Misrachi" seit Jahr und Tag unfreiwillig der jüdischen Gesellschaft vorführt. Die Alisrachisten in Deutschland und in Erez Israel mußten nach langem Hin und Her gegen die um keinen „Preis" von ihren schönen Posten weichenden Führer revoltieren, und wer mit dem finanziellen Gebaren maßgebender misrachistischer Führer näher vertraut ist, der weiß auch, daß sie die lebendige Illustration für die oben geschilderte Notwendigkeit sind, die Frage der Besoldung der Führer "pin mitPö WIBb zu entscheiden. Es ist den Führern der »Aguda hochanzurechnen, daß sie den y\V QU IrD tragen, es ist ein Segen und soll ein Segenbleiben, daß ihnen gegenüber das Brot-Argument verstummen muß. Dennoch darf man sich selbstverständlich nicht den Argumenten -verschließen, . die Dr. Breuer vorgebracht hat, jedoch sollte die Versorgung »der Führer in anderer Weise ermöglicht werden. Die Aguda müßte als Organisation entweder ein großes Presse-Unternehmen oder,, auch irgend ein anderes gewinnbringendes , Unternehmen ffetwa Häuser oder Grundstücke) in eigene Regie übernehmen und aus den erzielten Summen der Familie des zu versorgenden Führers das nötige Wirtschaftsgeld monatlich zustellen. Der Führer selbst empfängt nur die Spesen. Es muß außerdem dafür Sorge getragen werden, daß jedem .Führer nach Ablauf seiner Dienstzeit eine auskömmliche Stelle besorgt; wird. Durch '.solche, Regelungen wird zweierlei verhütet: 1; daß die Würde der Orgänisations-Führung in den Augen des. Führers und der Geführten herabgezerrt .wird. 2. wird.',der goldene Mittelweg eingehalten zwischen der Gefahr, aus der einträglichen" Stellung des Organisaf ionsleiters ein lukratives Geschäft oder auch nur lukrative"'Geschäfts^erbin--. düngen zu machen —- und der anderen Gefahr: daß fähige Köpfe sich von der Leitung zurückhalten, sowohl aus dem Wunsch, das eigene sittliche jNiveau nicht sinken zu sehen, als auch aus der Angst heraus, bei Verlust der, Stelle deyi Nichts gegenüberzustehen.. ::-,;;/ * Wie immer die' kömmende n^lTl *nD2D enfo < scheiden möge, fest steht, daß die " Thora nicht -Engeln,; "Sondern Mensphen'* gegeben ward unii daß man dieses* i Faktum voll und -, ganz: zu berr. rücksichtigen hat, sowohl im Hinblick auf die nur durch hauptberuflich tätigen'Führer zu erledigende Organisationsarbeit als auch ihi HinV, blick auf den unbedingt, zu wahrenden jTTlfln?7ia^)' M.IW—t."^ 25 JAHRE AGUDA. Von Dr. Isaäc Breuer. / ,'.V . .'• (Fortsetzung.) ^'""".y' XV^v. ^,;.v..... -i . Trotz allenl.''ist;die Entwicklung" der Aguda vom formellen' zum materiellen ' Agudismus^ im verflossenen1' Zeiträum^ganzunverkennbar. Zwar hat „bereits"- in 'Kattowitz, natürlich', im ».Katalog" ' der' zunächst in abgemessene Erwägung zu ziehenden ,,Gesamtheitsaufgaben" auch Palästina nicht gefehlt. Aber noch in den Kommissionsberätuhgen der ersten Kenessiö Gedatik) gab es heftige Debatten darüber, ob das Wort „jüdische Nation" in den Satzungen rder Aguda überhaupt vorkommen dürfe, :und die praktischen Palästina-Angelegenheitenr blieben noch Jahre ein gutmütig der Palästina^Zentrale . in Frankfurt a. M, überlassener Sondersport. Inzwischen aber hat sich längst die „jüdische .Nation" imä agudistischen Sprachgebrauch .eingebürgert, und inzwischen nimmt längst das Heilige Land den weitaus größten Teil der Tätigkeit des allweltlichen Waad Hapoel in Anspruch, und inzwischen steht es längst fest, daß die Aguda lediglich ihrer Stellung in Palästina und zu Palästina ihre unzweifelhaft vorhandene Weltgeltung zu verdanken hat. — Aber im Grunde ist die Aguda in den materiellen Agudismus «— oder, was dasselbe ist, in die.jüdische Nationalgeschichte — mehr hineingeschlittert, mehr von den nationalgeschichtlichen Tatsachen hineingedrängt worden, als daß sie unter zielbewußter Führung diese hochbedeutsame Entwicklung genommen hätte. Und dies eben ist ihre Krankheit. Selbst der formelle Agudismus, das Formalprinzip von der konstitutiven Alleinherrschaft der Thora über die jüdische Nation, ist erst durch die Verbindung der Agüdä mit dem unter Führung von R. Chajim S^onnenfeld Vsy um Freiheit vom Joch des Waad Leümi kämpfenden Kreis in Jeruscholajim, nicht ohne Wir derstand, zu allgemeiner Anerkennung gelangt. Wie immer man über diesen Kampf und die in seinem weiteren Verlauf hier und dort hervorgetretene Gesichtsfeldverengung denken mag: nationalgeschichtlich kommt ihm eine unerhört große Bedeutung zu, nationalgeschichtlich war er geradezu der Hebel, der die Aguda über den klar herausgestellten formellen Agudismus; in den materiellen Agudismus hineinho.b. Die sogenannte Politik der Aguda, in Jeruscholajim,? in London, in Genf, gehört, man mag sie billigen oder verwerfen, unter allen Umständen der Nationalgeschichte an und lädt der Aguda eine außerordentlich große nationalgeschichtliche; Verantwortung auf. . -— , Dann kamen die weiteren nationlageschicht" liehen Tatsachen: die erstaunliche Entwicklung der jüdischen Wirtschaft'.;in4 Palästina und die ebenso erstaunliche .^endung der jüdischen Dinge in Deutschland. und in Polen,., wie überhaupt der ganzen Galuthläge ..der jüdischen Nation. Sie1 stellten mit'einer gewissen 'Plötzlichkeit die Aguda vor die A u f gab e d e r a g u - di,si is ah e^n Ii j a h un.dverliehen ,4em;Keren Hajischuw eine bisher kaum dagewesene Aktualität. (Von früheren, sporadisch und mit unzureichenden Kräften unternommenen Aktionen, sowie von der Gründung und Unterstützung emz einer; Schulen Js,ei' hier' abgesehen.)' •/ \ ■i'/ f" 1 L - 1 °! Die agudistische Alijah ist 'nicfir'yön innen h^raus^v.ajs^ Er^e^ entstanden. :ri?Die -nationa^gesQhiehtMphen.r fat- 'sajchfeii' häberi sie "4ierbeigeführ?L Die» >Agüda> hat fRiesen''Tatsachen' .na^^eHeh.t'^fiFe^'sie^hal sie nicht in sich aufgeno^nien... Sie' n h'ai:', sie* iiic&t in sich nationalgeschichtlich, tflso materiell ^gudiktisch,''verarbeitet.Sie hielt anscheinend iden agudistische Alijah eine solche? — fi&.i&usrkii/J chend. Dem Druck der nationalgeschichtlicheu Tatsachen weichend, hat sie sie zugleich, entblutet und damit jedweder anfeuernde^ Kraft beraubt. Die kühnste, nationalgeschichtliche Ausgestaltung der Aguda hätte nicht in höherem Maße den ganzen organisatorischen Apparat jder Aguda in den Dienst, der agudistischen Alijah stellen können, als dies wirklich geschah. Weil aber der entscheidende und entschlossene Schritt vom formellen zum materiellen Agudismus offiziell eben nicht erfolgte, ein diesen Schritt erklärender 'aufrüttelnder Weckruf au die Nation unterblieb, alles vielmehr am formellen Agudismus weiterhin haftete, die Not: stumm war und offizielle Deutung sich nicht -fand, mußte der agudistischen Alijah ihre Krise auf dem Fuße folgen. Zudem mußte, durchaus mit Recht, vom Standpunkt des rein formellen Agudismus, ohne nationalgeschichtliche Deutung, die plötzliche Wendung der. Aguda nach Palästina als 'eine konjunkturgeboterie zionistische Nachahmung erscheinen und lähmenden Widerspruch hervorrufen, So ist die Krise der agudistischen Alijah zugleich eine Krise des agudistiöchen Wolle ns überhaupt. Es wird nationalgeschichtlich sein oder es w i»r d' — gar nicht sein. —--- Sehe, ich mir den Jubilar mit seinen früh erworbenen Gramesfurchen an, so möchte ich diese in erster Reihe auf die wahrhaft besorgniserregende Erscheinung zurückführen, daß nicht einmal die Tatsache „der agudistischen Alijah den agudistischen. ■ Typus hat, wirklich packen und nationalgeschichtlich Umformen können. Diese agudistische Alijah, alles, was ihr vorausging und wie es schließlich zu ihr kommen konnte und kommen mußte, faßte doch gewissermaßen erschütternd symbolhaft den Sinn eines geschichtlichen Erlebens von 130 Jahren in sich zusammen* den Einbruch der Wirklichkeit in die Wunderwelt [des Absoluten; den mit furchtbarsten Verlusten begleiteten Weg der Nation aus der Wunderwelt in die Welt der Wirklichkeit; das Auftauchen des Heiligen Landes in dieser lebenbedrphenden Welt der Wirklichkeit; es selber aber, die Welt der Wirklichkeit, weil ihr angehörig, zu heiligen bestimmt, zunächst ganz' und gar verstrickt in diese lebenbedrohende Welt der Wirklichkeit; freilich auch, immer deutlicher und: .klarer, die Güter dieser Welt gewinnend/ die es dereinst der nationbeherrschenden Thora zu- Füßen legen wird; und schließlich die Welt der Wirklichkeit selber die zerstreute, in die Wirklichkeit getaumelte Nation mehr und ' mehr aus sich herauspressend, auf daß sie ihre Wirklichkeit nur in dem Lande finde, das auf die Dauer keine andere Wirklichkeit duldet, als die von der Thora, dem Absoluten, .normierte: wann endlich wird die Agurdiai-geschichtlich ziu sehen Ter m ö g e n?;.' \ " f > U -? Das Fehlen ' eines aus |<pdticfitii<}her Schau Und aus nationalem ^EnthU8^mi|S '^rzpugten nationalen Willens hinter einem daher fnur äußerlich nationalen Tun erklärt den 'f ur chtba- . ,ren L ei den. s w e g der ä;g u;d ist ischen Alijah. Dieser Leidensweg," w^qzitk ihn hier im Einzelnen schildern? Unsere P o a l i m werden, so hoffe ich, Vertreter unserer Schulen werden, so hoffe ich, vor der dritten Kenessio Gedaulo ihre Stimmen erheben, daß den Hörern die Ohrfen ^gellen Wörden. tr-; \ ■. m Verbergen wir nicht unser eigene* Unzulänglichkeit hinter; Mef Armut 'der Thoratreuen. Noch haben wir dje Nation' nicht ' aufgerüttelt, nicht angerufen. Nochj.ist 4as;W.ati©n,algeschicht- Jiche>'Losungswort 'nicht ■'vöhu'deti Tribüne des organisieren' Volkes' der Thota ergangen; Auf dieses L^sungswo^^at: es| lAnspruch.' Es hat auch;t.Anspruch,4{geführt zui. werden. . —- Soll die'* -dritte r 'KenessioGedaülo wiss sn vermag; sie' 'd4^s^''\L^Q|sun^woK- '.nic^iüber die Joppen zu bringen, so?ma^ 4ieJ Agüdä' künftighi'0