Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 78 (1937)
- Issue
- Heft 30 (29.7.1937)
- Date
- 1937-07-29
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Des Vaters Gebetbuch. Dein Todestag! In meinen Händen Halt' ich ein Büchlein, alt und schlicht. Wie fremd und seltsam sind die Zeichen, Und hör' so klar doch, was es spricht. Dein Büchlein war's. Erinnerungen Umfluten 'mich wie Wogenbrand, Und jede Welle trägt ein welkes, Doch düft'ges Blatt mir an den Strand. Ich seh', wie du im Morgengrauen Fortwandertest tagaus, tagein, Wie müde du nach Hause kehrtest Spät abends bei der Sterne Schein. Da warteten wir bange Stunden Und wollten nicht zur Ruhe gehn, Bis wir, ob auch der Schlaf uns lockte, Dein liebes Antlitz erst gesehn. Wie du um kargen Lohn des Tages Dich bitterlich gemüht, gequält, Wir hätten's nie geahnt, wir Kinder, Wenn's uns , die Mutter nicht erzählt. Ob du im heißen Sonnenbrande, Im Wintersturme zogst hinaus: Die Freude lag auf deinem Antlitz, Sobald du wieder kamst nach Haus. Dies Büchlein hayt dich treu begleitet, Draus sagtest du dein fromm' Gebet, ' Hast oft aus ihm auf stillen Wegen Um deiner' Kinder Glück gefleht. Und wenn des Unglücks Nacht dir dräute, Umdrängten Sorgen, dich zuhauf: Ein Blick hinein, —- du hofftest wieder, Und deine Sterne gingen auf. So ward's dir leicht, trotz Sturm und Wetter, Des Lebens graden Weg ,zu gehn; Ich irr' umher in Nacht und Nebel Und kann den Leitstern nicht erspähn. Komm, Büchlein, laß' ans Herz dich pressen! Wird mir dein Wort auch zum Gebet, Ich fühl' es, daß aus deinen Blättern Ein Segensha'uch des Vaters weht. Jakob Löwenberg.