Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1937-07-29 · Heft 30 (29.7.1937) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
78 (1937)
Issue
Heft 30 (29.7.1937)
Date
1937-07-29
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2446951-2450961-2450990--83138-2541131
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

^^^^^^^^^p^^^^^^^^^^^S^^^^^^^s^^^^^^^l^^^^^^^^S^^^^^^^^^^^^^^^^ Frankfurt a. M. 29, Juli 1937 21. Aw 5697 Nummer 30 L o n (Ion, 26, Juli- Die Jewish Agency hat ein Protestmemorandum gegen den Peel-Bericht dem High Commissioner eingereicht, mit <|er Bitte, ihn weiter nach Genf zu leiten. Der Kolonienminister O r m b sby ■ Gore hatte vor der Abreise nach Genf noch einmal Gelegenheit, in einer Kabinettssitzung die Kommissionsvor^schläge zu besprechen. Lord Peel wurde von König Georg VL in Audienz empfangen, ■ Die arabische Delegation in Genf setzt sich, nefch Pressemeldungen, aus Shekib Arslan, Auni Bey Abdul H a d i, Dschemal el Husseini und dem christlichen Araber Alfred Rock zusammen. Der Mufti soll seine. Absicht, mit nach Genf zu gehen, aufgegeben haben. Die Delegation der A g u d a s J i s r o. e 1 ist in Genf eingetroffen. Wie ITA. berichtet, hielt die palästinensische Delegation d e r A g udas Jisroel vor ihrer Abreise nach Genf eine Beratung mit Mitgliedern der Exekutive der Jewish Agency ab. Es wurde , volles Einvernehmen über die im gegenwärtigen Zeitpunkt zu führende Politik erzielt. Wie der diplomatische Korrespondent des ..Daily Telegraph" mitteilt, wird die; Mandatskommission!, die sich bereits mit dem Peel-Bericht vertraut gemacht hat, zunächst einen v o r 1 auf ig e n B er i cht abfassen, auf Grund dessen sich der im September zusammentretende Völkerbundsrat ein Urteil bilden kann. Bei Wiederzusammentritt des Parlaments am 31. Oktober dürfte daher das Gutachten des Völkerbundes bereits »vorliegen, und( die britischev Regierung würde dann auch ^vermutlich - keine Einwendungen dagegen erheben, daß ein aus Mitgliedern beider Häuser bestehende*' parlamentarischer Ausschuß in eine, Prüfung des < Planes eintritt und etwaige A bänderungsv o r s c h 1 ä g e .ausarbeitet. Die Bedeutung des Unterhausbeschlusses. 1 . London, 25. Juli. in der „Sunday Times" erörtert der bekannte Publizist Scrütator , (Herbert Sidebotham) die ^adeutung der Tatsache, daß idas Unterhaus es ^gelehnt hatj die Teilung Palästinas ohne noch; Biahge Prüfung zu akzeptieren. Es sei müßig, zu behaupten;- daß diese Weigerung,! nichts ausmache. Zweifellos sei sie--sowohl für England für Genf von Bedeutung, 'Es werde schwieri&er sein, .dem Völkerbund einen Plan zu empu. Genf. fehlen, über den sich das Unterhaus ein Urteil zunächst vorbehält. Aber auch für England bedeute dies einen Unterschied. Hätte das Parlament den Plan gebilligt und der Völkerbund ihm zugestimmt, dann wäre'seine Ausarbeitung Sache der Beamten gewesen. Die Zustimmung des Parlaments wäre nur insofern nötig gewesen, als Geldmittel erforderlich wären. Durch das vom Hause angenommene und von der Regierung akzeptierte Amendement wird ausdrücklich das Parlament zur letzten Instanz gemacht. Auch braucht der Plan nicht wie es in dem ersten Abänderungsantrag Churchills hieß, „in Uebereinstimmung mit der Politik" des Berichtes zu sein, sondern muß nur ,,alle Empfehlungen des Berichtes voll berücksichtigen". Damit werde die Regierung aufgefordert, Alternativen, wenn es solche gibt, zu erwägen. Es habe ein vollständiger Uebergang von bürokratischer zu parlamentarischer Kontrolle stattgefunden. Aus dem Inhalt :' In der arabischen Welt.......Seite 2 Um den Großmuiü .Seite 2 Wochenrundschau (Kinderversorgung in Amerika) . ........ Seite 3 25 Jahre Aguda. Von* Isaac Breuer . Seite 4 Renegaten des Geistes. Von Dr. Carlebach.......Seite 5 Aus der Berliner Jüdischen Gemeinde Seite 6 Die Haltung Polens zum Palästinaproblem Seite 7 Wieder Kalenderreiorm ......Seite 7 Erez Israel ..... ......Seite 8 Aus der Agudabewegung ......Seite 8 Kleiner Israelit Der Einfluß der Orthodoxie auf den jüdischen Staat. Von Rabbiner Dr. Kaiman Kahän in Fulda. Es mag vielleicht eine Ueberheblichkeit unserer Zeit sein, daß sie jedes Geschehen der Gegenwart als den Beginn einer neuen Epoche in der Geschichte der Menschheit betrachtet. Vielleicht deuten auch wir den Entschluß Englands, einen jüdischen Staat in Palästina zu gründen; in seinen Auswirkungen viel weitgehender als er es in Wirklichkeit ist, und glauben daher, ein Ereignis zu erleben, wie es sich seit;!Jahrtausenden in der politischen Geschichte unseres Volkes nicht abgespielt hat. Sicherlich ist aiiteh manchen Zeitgenüssen des Sabbatai Zewi das Auftreten dieses falschen Messias ebenso bedeutungsvoll erschienen, wie uns heute die Proklamierung eines, jüdischen Staates. Wie dem aber auch sei, die Ereignisse verlangen unsere Stellungnahme; wir dürfen unter ihrer Wucht nicht Zusammenfallen, sondern müssen versuchen, auf die weitere Entwicklung, und Zukunft des kommenden jüdischen Staates möglichst weitgehenden Einfluß zu gewinnen. Es ist hierbei ganz gleichgültig, ob wir diese ^ösung des Juden- Araber-Pfobleffls<[,'m Jirez; Israel für glücklich halten, oder eine andere vorziehen würden, auf jeden Fall müssen wir mit ihr heute rechnen. Natürlich wäre es auch nicht richtig} Fanfaren des Jubels ertönen zu lassen und,vielleicht!:i^>fl übertriebne und trügerische Hoffnungen inner-: halb der jüdischen Gesamtheit , zu erwecken. Aber ebenso falsch wäre es, aus zu großem Verantwortungsbewußtsein tatenlos zu verharren, ohne den Versuch zu unternehmen, auf das Gebilde, das in Erez Israel entstehen soll, einen Einfluß zu gewinnen. Wir wollen, ehrlich sein. Die Errichtung eines jüdischen Staates in Erez. Israel ist, auch wenn sein Gebiet noch'so klein ist Wd ein künstliches Gepräge trägt,; ein Sieg. des politischen Zionismus. Der Träum Herzls von einem jüdischen Staat geht in verhältnismäßig wenigen Jahren seiner Verwirklichung^ entgegen. Unser Kämpft ' ■der deri Trägern dieser Idee und ihren Mitteln» 'galt, ließ uns' manchmal auch in Gegnerschaft zur Idee selber treten. Aber heute, kurz vor ihrer vermutlichen Verwirklichung, müssen wir den jüdischen Staat als gegebene Tatsache hinnehmen. Unser Weg als Ägudisteh muß neu geprüft und vielleicht auch neu festgelegt Werden. Jeder von uns weiß, welche Gefahren uns den Thoratreuen und der Thora selber im neuen1 jüdischen Staate drohen. Die Mehrheit der jüdischen'Einwohnerschaft Palästinas ist entweder selber der nationalen Assimilation verfallen, oder ließ Sich von ihr ins Schlepptau nehmen. Wir wissen, daß dieser Kreis nicht viel für die Thora übrig hat und sie in einem jüdischen Staat allerhöchstens dulden wird. Nun taucht für uns die Frage auf: welche Mittel, müssen wir ergreifen,' um der Thora in Erez Israel Geltung zu verschaffen? <; (Forts, siehe Seite 3.)

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.