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Der Israelit · 1937-07-22 · Heft 29 (22.7.1937) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
78 (1937)
Issue
Heft 29 (22.7.1937)
Date
1937-07-22
Page
– (sequence 1)
Language
German
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^^^^^^^^^^^^^^m^^^^^^^^^^^^^^^WW^WW^W^f^^' -^^■J^:P?f-»^w^^ <y Frankfurt a. M- 22. Juli 1937 14. Aw 5697 Nummer 29 Das Unterhaus beschließt Aenderung des Projektes; Lond ö.n , 22. Juli, 8 Uhr 20 Min. (Tel. Beucht.) , " Das Unterhaus beschloß Mittwoch abend auf Antrag von Winston Chur c hi 11, daß die Regierungsvorschläge dem Völkerbund vorgelegt werden sollen, um die Regierung in den Stand zu setzen, nach entsprechenden weiteren Untersuchungen dem Parlament einen endgültigen Plan vorzulegen', der den Empfehlungen des Peel-Beriphtes vollkommen Rechnung trägt. Churchill wies überzeugend nach, daß der Teilungsplan in der vorgeschlagenen Form aus militärischen Gründen unmöglich sei. Die Erwartung wächst, daß Juden und Araber sich nun dennoch entschließen werden, gemeinsam eine n neuen Plan anstelle des Teilungsvorschlages auszuarbeiten. Die Debatte im Oberhaus. Im Oberhause kam der Teilungsplan am Dienstag nachmittag zur Sprache. Hauptsprecher gegen den Peel-Bericht waren Lord Snell, Lord Herbert S a m u e 1 und Lord Melchett. ' ' ' V Lord S n e 11 führte eine scharfe Sprache. Er nannte den Bericht ein „Produkt der Verzweiflung", Die Operation sei weit gefährlicher als die Krankheit selbst. Die Kommission hätte lieber Wege zur Verständigung, und Zusammenarbeit von Juden und Arabern suchen sollen. Die Regierung habe den Bericht in allzu großer Eile akzeptiert, und das Parlament hätte ein Anrecht darauf gehabt, den Bericht vor der Entscheidung der Regierung zu sehen. Insbesondere kritisierte Lord Snell die Absicht, den N eg e w dem künftigen Araberstäät zuzuteilen. Wenn schon nicht jüdisch, so müsse der Negew unter britischer Mandatsverwaltung bleiben. Der geplante jüdische Miniaturstaat werde nie imstande1 sein,, die Judenfrage zu lösen. '-ord Herbert Samuel ergänzt in einigem die Ausführungen von Snell. Eine Aenderung As Systems sei notwendig, aber die vorgeschlafen: Teilung, nach der sich im jüdischen Miaiaurstaate 225.000 Araber gegen 258.000 Juden , bef»-.den würden, sei abzulehnen. Man dürfe nicht die gemachten' schweren Fehler durch neul: Fehler gutzumachen suchen. Samuel , macht. ein i konkreten Gegenvorschlag: Die' Juden machen Konzessionen an ,die. Araber, indem sie •1 , > " . ■ ' ""•>"-' ' ■ - — Jnre eigene Einwanderung beschränken und die arabischen Bestrebungen nach einem Staatenbund, unterstützen. Die Araber dagegen ermöglichen eine: jüdische Siedlung.. in T r a n s j o r - ü a n j e n. In Palästina besitzen beide nationalep Gemeinschäften gleich? Rechte' mit eigenen Selbstverwaltungen' Erst wenn dieser Plan scheitern sollte, müßte man zur Teilung in irgend einer Form schreiten. Es sprechen noch der Erz bischof von Canterbury und Lord Melchett. Ersterer wünscht die Einberufung einer Runden- Tisch-Konferenz, Lord Melchett tadelt die Behandlung der Juden, die weit schlechter sei, als die der Araber, obwohl die Juden stets mit der Regierung zusammengearbeitet hätten. Ein Palästina ohne Jerusalem, werden die Juden nie akzeptieren, yZion gehört den Zionisten.'" Lord L y 11 o n , Lord Lugard, Mitglied der M a n d a tskommission, und Lord L am i n g t o n machen Vorbehalte, halten aber die Durchführung des Planes für möglich. Als Regierungsvertreter sprach Lord D u f - f e r i n. Er sagte, es sei kein Zeichen der Schwäche, sondern der Stärke, wenn man den Mut aufbringe, ein System, das versagt hat, von Grund auf zu ändern. Die Gefühle der Araber, Fortsetzung siehe Seite 2. Aus dem Inhalt: Der Teilungsplän im. englischen Unterhaus und Oberhaus .......Seite 1 u. 2 Aufruf des Rabbinischen Rates der Agudas Jisroel zur Kenessio Gedäülö . . Seite 2 Einzelheiten aus dem Kommissionsbericht und dem Jahresbericht der Palästina- Regierung . . .•........Seite 3 Wochsnrtindscb.au......... Seite 5 Renegaten des Geistes, Von Oberrabbiner Dr. Josef Carlebach ....... Seite 5 Richtlinien für die Stellung der Juden im Schulwesen.......... Seite 6 Einwanderungsmöglichkeiten und -Unmöglichkeiten ........ . . Seite 7 Agudas Jisroel in Polen für jüdische Einheitsfront *..........Seite 8 Rabbiner Dr. A. L. Lichtig s. A. in Hamburg........ Seite 8 Erez Israel (Tische b'Aw in Jerusalem) Seite 9 Aus der Agudas Jisroel-Bewegung . . Seite 9 „Bruder" Mayer Amschel Rothschild (mit drei Bildern).......Seite 10 Von Dr. Maximilian Landau, Der Bericht der Königlichen Kommission ist erschienen, und damit ist ein neues Kapitel in der jüdischen Geschichte eingeleitet. Es war bisher nicht möglich, den sehr umfangreichen Originaltext des Blaubuchs so gründlich zu studieren, daß ein abschließendes Urteil über den Bericht gegeben werden kann; immerhin lassen sich bereits gewisse Eindrücke formulieren. Der Bericht macht den Eindruck einer gründlichen, wohlabgewbgenen Studie, und das Streben nach einer gerechten, unparteiischen Würdigung und Abwägung der widerstreitenden Interessen ist ihm nicht abzusprechen. Trotzdem hat man'das Empfinden, daß die Kgl Kommission ihre Schlüsse allzu hastig gezogen hat, und daß hier nicht der Versuch gemacht wurde, durch wirkliche Einfühlung den hohen Lebenszielen beider Nationen gerecht zu werden und sie auf behutsame Weise in Einklang zu bringen,. sondern daß da eher durch einen forschen Eingriff eine" „leidige Angelegenheit aus der Welt. geschafft" werden sollte. Vor allem krankt der Bericht an einem grundsätzlichen logischen Fehler. Die Empfehlungen der. Kommission gehen von dem dogmatischen Axiom aus, daß eine Versöhnung zwischen Arabern und Juden in Palästina unmögr lieh ist, und daß der Konflikt zwischen .beiden sich in Zukunft notwendigerweise verschärfen wird. Aber es ist klar, daß auch der unabhängige .jüdische Duodezstaat dem zwangsläufigen Dräng des ihn umgebenden arabischen Riesenblocks nach der Mittelmeerküste nur dann wird widerstehen können» wenn es gelingt, auch in Zukunft ein wirkliches Freundschaftsverhältnis zu den Arabern herzustellen, das nicht auf Bajonetten ruhen kann» Es wird also auch nach der Errichtung des Judenstaats notwendig sein, mit allen Mitteln nach einer wahrhaften, inneren Verständigung mit den Arabern zu suchen. Auch in dem Falle, daß der Judenstaat als D om i n i o n dem militärischen Schutz des britischen Reiches unterstellt wird, wird England und vor allem der englische Steuerzahler nach wie vor für eine wirksame Verteidigung des Landes zu sorgen haben.. Wenn dem aber so ist, dann drängt sich von selbst die Frage auf: orupni ü'ODn i^yin rta fS'-'öK Logik ist aber nicht die starke Seite des Berichts, der ja in der Hauptsache von Praktikern gemacht worden ist. Der praktische Wert der Empfehlungen liegt darin, daß hier zum erstenmal eine Formel gefunden wurde, die einen sofortigen Einbruch in die arabische Front ermöglicht und starke arabische Kräfte durch Befriedigung sehr realer Einzelinteressen schon jetzt zum Aufgeben ihres Widerstands veranlaßt, wenn auch darüber das nationale Hochziel des palästinensischen Arabertums in die Brüche geht. Diese'Erwägung, die zwar für die nächste Zeit Ruhe schafft, aber früher oder später vor der immanenten Logik der arabischen Staatsraison wird weichen müssen, ist unseres Erachtens ein Trugschluß, dessen Unhaltbarkeit sich (Fortsetzung siehe Seite 3.) \

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