Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 78 (1937)
- Issue
- Heft 26 (1.7.1937)
- Date
- 1937-07-01
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite -T .! V. ,ff*v£ will dir alles gewäHreh!,¥'f^iDü^-hÄst-;^iätf "damit alles gewährt" sagte der Weißhaarige und wandte sich zum Gehen. . '.- /'* / ' ■ ' Aber kaum hätte; erieinen Schritt ins.Freie-getani als Vespäsiän ihn zurückrief. Prüfend schaute, er dem Alten in die Augen.. „Rabbi, du verbirgst mir etwas Großes. Wenn mich ein Mann von deiner Art in dieser Stunde, die Judäa den Untergang ■' bringen kann, um eine solche Geringfügigkeit wieeine Schule bittet;— darin mußhinter; diesem Wünsche; ein Geheimnis verborgen sein, das. du mir enthüllen sollst, so wahr euer G'tt'— ein G'tt ist!" .„Du hast mir die Erfüllung meines 'Wunsches zugesichert, ö Herr?" „Mein Wort gilt," sagte der Römer fest. „So will ich dir denn einen Traum erzählen", sprach Rabbi Jochanan ben Sakkai. „Mir träumte jüngst in einer, wild-verworrenen Fiebernacht, der Ewige, unser G'tt spräche zu mir und prüfe mich: ,Nenn' mir die stärkste Macht auf Erden, o mein Sohn!' Erschrocken rief ich, ohne lang "riachzudenr ken: .Aegypten, o mein G'tt!' Aber ein Wirbelwind entführte mich aus meinem Bette an das Ufer des Nilstroms: .Siehst du jene Pyramiden dort? Die darunter schlummern, wähnten, ihr Reich für die Ewigkeit gesichert zu haben. Und heute? Längst ist es zerbröckelt, wie der Samum Körnchen für Körnchen die Spitzen ihrer Grabstätten abträgt. Aber weißt du auch,' mein Sohn, weshalb ihrem Geschlecht die Macht verloren ging? Weil alles außer ihnen lag. was sie sonst verteidigt hätten wie Leib und Seele, daß es ihnen niemals hätte genommen werden können'. .Vielleicht dachtest Du an Babylons Erfinderkraft?' sagte ich halblaut, mehr zu mir selbst. Aber schon stand ich am Ufer des Euphrats und sah, wie Unkraut die vielberühmten Gärten überwucherte, wie die Eidechse umherkletterte auf den sinnreich erdachten Portalen. Und < der Ewige wiederholte seine Worte von der Aeußerlichkeit der Macht, deren Sinn ich noch; immer nicht begriff. Ein Gedanke durchzuckte mich. Der Kunstverstand der Griechen! Aber die Tempel Athens sah ich leer, die Statuen .waren geraubt, Gymnasien und Ringhallen verödet. .Würdest du um den Besitz eines Marmorbildes dein Leben hingeben?' .Mein heiligstes Gut für ein Gebild aus Menschenhand?', sagte ich verwundert] ,Auch die Griechen mußten dahingehen, weil alles außer ihnen lag, was sie sonst hätten verteidigt hiit Leib und Seele, daß es ihnen niemals hätte genommen werden können.' Aber noch verstand ich die Worte des Ewigen nicht und glaubte auf der rechten Spur zu sein, als ich aus-. * rief: ,Wer -könnte mächtiger sein als Rom, dessen Staatskunst die ganze Erde unterjocht hat?!" „Weshalb zögerst du mit deiner Rede?" fragte Vespasian heiser. ,/Fahre fort!" „Kaum hatte ich dies gesprochen, als ich den Tiber vor mir erblickte, der träge seine Wasser zum Meere führt. Aber war dieser Schütthaufen vor mir das ewige Rom? Waren diese Kriegsleute, angetan mit Bärenfellen und eine seltsame Sprache redend, die stolzen römischen Legionäre, Furcht und Bewunderung der Welt? Wo einst die Senatoren wür- •-■ ' s ■. - :'r'"^':-/t-:^r^-.'''- ^dig-hoheitsvoll über die>jGeschipke der ^gariz^^elt berieten, dort .. schnaubten jetzt.;": jungej'i---fr;e^öländische Eroberer ihre Befehle."" ' ~\ ' f- „Ich will das\ Ende . deines'" 'Tratiin^s.v:ieriäll^eäj-^' stieß der Feldherr hastig .hervor. ~ (~0 - - „Der\ Traum ist; zu Ende,"' sagte rben - Sakkai- „Denn ■ als ich wieder den mir , immer ■ noch;. unverständlichen Spruch aus dem .Mttnd^^'des-'Ewi^fl^er-;^.: nahm, erwachte ich plötzlich ' und es schien^ niirv 'äls hätte mein Lieblingsschüler diese Worte r:fcü;«mif'ge- - sprochen. Er stand vor .mir in der. Schgnh^it*'seiner Jugend, und ich fühlte seine kühlende;Hand auf meiner/Stirn». .Rabbi', sprach er, .die Sonne" steht hoch am Himmel utfd wir müssen all das wie'der-hölen und besprechen, was ihr am Vortage mit!uns durchgenommen habt.' Und während er so sprach, betraten die übrigen Schüler mein. Schlafgemach, ihre Augen leuchteten vor heiligem Wissensdurst, ihre jungen Lippen hingen an meinen alten Lippen, als oh nicht draußen vor der -Stadtmauer' der grimmige Feind stünde, als ob nicht in den . Straßen unseres heiligen Jerusalem Parteienhader;, Hunger, Pest täglich neue Opfer forderten. Angesichts dieser herrlichen .Jugend, die so fest und unverbrüchlich an die G'tteslehre glaubt, ging mir der Sinn der. Worte des Ewigen auf. Ich erkannte, daß einzig/ Bestand haben kann, was wir in uns tragen, was. mit Unserem Sein so innig verbunden ist, daß wir dafür bis zum j letzten; Atemzug kämpfen wollen und das wir,, durch Zwiegespräch, dem Nächsten und dieser ^wieder seinem Nächsten und so fort zu übermitteln trachten, auf daß es; durch Kind und Kindeskind unsterblich bleibt. Denn was liegt an Besitz von Marmor,' Gold und Edelsteinen? Ihr Eigner geht dafür nicht in den Tod, er schickt seine Sklaven vor — aber was soll ihnen die Verteidigung fremden* Eigentums? Wenn aber der Schätz in uns ruht, wenn., er also unser Selbst geworden wie Herz, und Hirn — dann kann es keiner Erdenmacht gelingen, uns zu vernichten. Denn dieser Schatz ist uns zu' teuer, als daß wir ihn zu Boden fallen ließen. Und für defi-TFäll, daß einer, plötzlich aus dem Irdischen abberufen würde, hat er :uns, daß niemals die, ewige Glut verlösche, längst den Wortbewahrer bezeichnet. Wir aber nähren diese Glut nicht wie eure Vestalinnen' mit irdischem Stoff — wie "leicht könnte da das Feuer erlöschen — wir > pflanzen das Wissen um den ein- . zigemzigen vG'tl in Schülern und SchüUrsschülern fort bis in die spätesten Geschlechter." Lautlos verließ der Greis den Raum. . .Vespasian aber," durch die; Hede des Juden -noch melancholischer geworden als er es zuvor gewesen, überließ die Weiterführung des Krieges gegen die Juden seinem Sohne Titus; er selbst; kehrte: nach Rom zurück, wo er alsbald .zum Kaiser ausgerufen wurde, aber nach kurzer Zeit starb. , Rabbi . Jochanan ben Sakkai begründete zu Jawneh seine "Schule, bevor noch Judäas Mächt vollständig gebrochen war. Und von diesem Lehrhäuse ging des Wissens Glanz aus; der Rom und alle späteren Mächte überdauern sollte . . Aus: Jüdische Jugend,;Wien. Fröhliche Ferien im Gebirge Berliehingen im herrlichen Jagsttal Spiel, kleine Wanderungen : -.: erstklassige Verpflegung maß i g e r Pe n s i o ns pt e i s. (Kinder von ß bis 14 Jähre) Wer kommt jitit!, Deka. D. Katz, Lehrer, Frankfürt a. M., Öfterer Atzerner 9.1-