Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 78 (1937)
- Issue
- Heft 26 (1.7.1937)
- Date
- 1937-07-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Der Bericht der Kgl. Kommission wird nächsten Mittwoch veröffentlicht. London, 30. Juni, 20 Uhr. (Privattelegramm.) Die-Veröffentlichung des Ko mm i s s i o nsb e r i c h t e s e r f o 1 g t nächsten Mittwoch abend, die der Regierungserklärung am nächsten Donnerstag , den 8; Juli. Weiter wird aus J e rusa.l e m unter dem 29. Juni gerichtet; Anläßlich der bevorstehenden Veröffentlichung wurde erhöhte Bereitchaf t für die Polizei angeordnet. Der Bericht der Peel-Kommission ist nebst genauen L a n dkarten, die zur Erläuterung der Vorschläge der Kommission dienen, wie hier verlautet, bereits den britischen Gesandtschaften in Aegypten, dem I r a k und S audien zugestellt worden. Auch die Palästinareg i er an g hat vom C o 1 o n i al O ff i c e ein vertrauliches Schreiben' erhalten, in dem . die künftige Palästinapolitik in ihren Hauptzügen bekannt gegeben wird und Maßnahmen 2Ui* Aufrechterhaltung von Ruhe und Ordnung bei und nach der Veröffentlichung angeordnet werden. Nach diesen Mitteilungen werden all die schwirrenden Gerüchte und verwirrenden Vermutungen und Kombinationen, die seit Unterzeichnung des Berichtes sich in unerträglichem Maße häuften, schon Inden nach s t en T agen ihr Ende erreichen.; Nichtsdestoweniger wollen wir im Folgenden zusammenfassend ein kurzes Bild über die in den letzten Tagen in der Presse auf getauchten Meinungen geben: s „Manchester Guardian" und .»Morning Post" zweifeln nicht mehr daran, daß die Kommission die Teilung empföhlen5 habe, wenn auch die Vermutungen über Grenzziehung und einzelne Bedingungen; kaum zutreffen dürften. „Daily Telegraph" will wissen, daß der jüdische Staat an der Küste und der arabische Binnenstaat von annähernd gleicher Größe sein werden. Die Abendzeitung „Star" behauptet, der Peelbericht habe im letzten Augenblick noch zugunsten der Juden eine wesentliche Korrektur dahin erhalten, daß Jerusalem und die benachbarten Keiligen, Stätten nunmehr vom jüdischen Staate 1X1 cht voll s t£n dig g e tr ennt w erden sollen. v. All diese Angaben1 bezeiqhnet die „Yimes" heulte als bloÖe Vermutungen und den Dingen vorauseilend. Durch Einschüchterungen, so schreibt das Blatt, werde sich aber die Regierung von ihren Absichten nicht abbringen lassen. , In einem beachtenswerten Artikel im Londoner „ J e w i s h C h ronicle" äußert sich ein „maßgebender Kenner Palästinas und des nahen Ostens" über die Möglichkeit einer Vermeidung der L ande s t eilung. Der Verfasser wendet sich gegen das „Salomonische Urteil über Palästina'' mit Argumenten, wie sie vor kurzem in der Häuptsache auch an leitender Stelle unseres Blattes zum Ausdruck kamen („Israelit" Nr. 24.) Der Artikel gipfelt in der Feststellung, daß ein verstümmelter Teil eines N a t i o n a 1 h e i ra e s die Verleugnung eines feierlichen Versprechens des britischen Weltreiches bedeute. Aus dem Inhalt: Zur Nürnberger Agudatagung . . . -Seite 2 Neue Bestimmungen zur Erleichterung der jüdischen Auswanderung .... Seite 2 Bericht der Jewish Agency an die Mandatskommission.......Seite 2 Wochenrundschau .........Seite 4 Das Sabbatjahr naht!....... . Seite 5 Leo Wreschner s. A.........Seite 6 Vom jüdischen Gemeindeleben in Holland Seite 7 Berichte aus Polen.........Seite 7 Aus der Agudas Jisroel-Bewegung . . Seite 8 Erez Israel...... . Seite 9 Zum Wochenabscnnitt ....... Seite 4 Eine Bibelausstellung ........ Seite 4 25 JAHRE AGUDA Von Dr. Isaac Breuer. II, Agudismus in formellem Sinne bedeutet die Organisierung des jüdischen Volkes unter der Herrschaft der Thora und für die Zwecke der Thora. Die Herrschaft der Thora ist unbeschränkt, und die Zwecke cler Thora sind allumfassend: Diese Erkenntnis ist Gemeingut aller: thoratreuen Juden. Der Agudist in formellem Sinne unterscheidet sich von den übrigen thoratreuen Juden dadurch, daß er den Gedanken der Volksorganisation aufgreift und von d?r Notwendigkeit durchdrungen ist, durch Errichtung der Volksorganisation die Herrschaft der Thora zu sichern und die Zwecke der Thora zu fördern. In der thoratreuen Judenheit ' des Ostens war der Gedanke der Organisation, zumal einer über das eigene Lan,d hinaüsgreifenden,, keineswegs heimisch. Es ist das große Verdienst der Aguda, im verflossenen Zeitraum weite Kreise des Ostens für den Gedanken der Organisation, der Volksorganisatipn, gewönnen zu haben. Chassidismus und Organisation waren von Haus aus gewissermaßen Gegensätze. Die Aguda hat sie überwunden. Sie darf, sich ihres Erfolges rühmen. Die! Schwierigkeiten lagen nicht nur auf dem Gebiet-der Organisation als solcher. Eine Volksorganisation hat ztip Voraussetzung, daß die einzelnen Volksteile' bereit sind, einander zu ertragen, einander istt verstehen, einer dem anderen Platz zu lassen. Die lange Dauer der Zerstreuung hat die einzelnen Volksteile, auch innerhalb der thoratreuen Judenheit, in Wesensart, in Gefühlsweise, in der Einstellung zu den Dingen der Welt, ja selbst in der Methode des „Lernens" in erschreckendem Maße getrennt. Gerade bei der jüdischen Orthodoxie entsteht nur zu leicht die Neigung, sich in diese trennenden Motive zu vertiefen, siet gründlichst zu Ende zu denken und schließlich sie möglichst mit den „Grundlagen der Thora" in unmittelbaren Zusammenhang zu bringen. Ist es einmal so weit, dann wachsen sich die landsmannschaftlichen Verschiedenheiten zu den größten Hemmnissen einer Volksorganisation aus, zumal die Möglichkeit einer wechselseitigen Beeinflussung innerhalb einer solchen gar nicht zxx bestreiten ist. Für die allmähliche Annäherung der Landsmannschaften und damit für den inneren Aufbau der Volkseinheit hat die Aguda Erhebliches geleistet. Der Anstoß ging vom Lande Rabbiner Hirschs V"ST aus, ein deutlicher Beweis für die urjüdische Kraft, die seiner Lehre innewohnt, die bis zur Quelle zurückführt, von der alle . Strömungen innerhalb der Thoratreue gespeist werden. Heute darf wohl als ein Grundzug des formellen Agudismus die völlige . Ablehnung einer seelischen Haltung angesprochen werden, die innerhalb der thoratreuen Judenheit das Monopol der echten Thoratreue für sich in An- (Fortsetzung siehe Seite 3.)