Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1937-06-10 · Heft 23 (10.6.1937) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
78 (1937)
Issue
Heft 23 (10.6.1937)
Date
1937-06-10
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2446951-2450961-2450983--83043-2541029
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

-V> . .•«•«• Frankfurt a. M. 10. Juni 1937 1. Tammus 5697 Nummer 23 Die L an d es o'rg an i s a t i o n d e r Ag ud a s J i s r o e 1 in 'D <e u t s c h 1 a n d erläßt einen Aufrufan die Agudisten in Deutschland, der folgenden Wortlaut hat: „Die III. Kenessio Gedaulo am 18. bis 23, August 711. bis 16. EUul in Marienbad ist die öffentliche WH 1 e nsk u n d g e b u n g des j ü d-i sehen Volkes für Thora u n d r e 1 iigi ö s e Tat. Es ergeht die Aufforderung an alle religiös empfindenden jüdi-, sehen Menschen Deutschlands, mit dem SELA das Wahlrecht zur Kenessio GedauTo zu erwerben und damit den Ruf der Thora an die Judenheit der Gegenwart zu vierstärken. Jeder SELA wirbt für den religiösen Aufbau unsers Landes. Jeder SELA ist ein Baustein zur Sammlung des jüdischen Volkes unter dem Banner der Thora. Nehme jeder teil .diesem öffentlichen Bekenntnis für die Heiligung, unseres Landes und unseres Volkes." ' Vorbereitungen in Marienbad. . London, 8. Juni. In Marienbad wurde bereits das B ü r o der Kenessio Gedaulo eröffnet, das unter Leitung van Dr. Kurt Leitner steht. In der Kongreßwoche wird das Jüdische Presse-Büro täglich Berichte über den Verlauf der Sitzungen herausgeben. Anleihe der Stadt Tel Awiw von der Regierung genehmigt. Tel Aw'iw, 9. Juni. Im Gememderat der Stadt Tel Awiw hat Bürgermeister Ro kach mitgeteilt, 'daß die Regierung ihre Zustimmung erteilt hat zum Abschluß einer Anleihe mit der englischen „Proben tial-Versicherungsgeselischai^ in Höhe von Lst, 102.000.—•. Von dieser Summe »sollen; Lst. 72.000.— zur Erbauung von Schulen verwendet werden und die. restlichen Lst. 30.000— zur Errichtung eines neuen Markts. Eine zweite Anleihe wird wahrscheinlich in den nächsten Tagen abgeschlossen in Höhe von 950.000.— und "verwendet werden zur Schaffung einer Kassation. Dieser Betrag soll in 25 Jahren amortisiert sein bei einem Satz von 5 Proz. In den si'sten fünf Jahren-soll die Stadt Tel Awiw keine Minsen zahlen. Vielmehr reguliert die Regierung d^se aus dem Cölonial Development-Fonds. In flGn darauffolgendenfünf Jaihren trägt .die Regierung ah der Tilgung 2,8 Proz., so daß die Stadt Tel Awiw nur 2,2 Proz. zu zahlen hat. . Auch der sogenannte Grün b 1 a t t - P 1 a n, ~.ev bezweckt, den S t r an d der Stadt auszu- _ shnen und außerdem neues Land zu gewinnen, lst von der Regierung gutgeheißen worden. Mit en Ausführungsplänen durch eine .englische entgegen Firma soll in Kürze angefangen werden. Der neue Strand soll dadurch um 350 m länger und viel breiter sein als der derzeitige Strand. Wohl ist der Strand dann mehr entfernt von der Stadt, jedoch soll das ein 'Gewinn sein, weil die Entwicklung der Stadt in letzter Zeit hauptsächlich nordwärts geht. Mari ist der Meinung, daß in nicht allzuferner Zeit Tel Awiw konkurrieren kann mit modernen Badeorten in andern Ländern. V Amnestie in Palästina anläßlich des Geburtstages König Georg VL .Jerusalem, 8, Juni. Anläßlich des Geburtstages König Georg VI. am 9. Juni hat High Commissioner Sir v Arthur Wauchope 4 7 Gefangenen Amnestie gewährt. In der arabischen Presse war in letzter Zeit wiederholt die Forderung nach *Erlassung einer Amnestie anläßlich des Geburtstages des Königs erhoben worden. Aus dem Inhalt: Neue Pläne für Palästina......Seite 2 Ein Wort zur Wahlordnung der agudfstische'n Frauengruppe .........Seite 4 Wochenrundschau .........Seite 4 Dr. Joseph Wohlgemuth zum 70. Geburtstag Seite 5 Die Zahl der jüdischen Anwälte ... Seite 6 Berichte aus Polen . Seite 2 u.. 6 Sprechsaal............. Saite 7 Erez Israel ............ Seite 8 Beilage: Erziehung und Lehre (Mußte das sein? Von Rabbiner Dr. Merzbach, Darmstadt) „Beth Jakob" u. „Bnos" vor neuen Aufgaben Von Jacob Rosenheim in London. Zu Ehren der in Lodz abgehaltenen Weltkonfereniz der Agudi»tischen 'Frauengruppen brachten viele jüdische Zeitungen Polens den nachstehenden Artikel aus der Feder des Präsidenten1 der Agudas Jisroel- Weltorganisaiion, der das Bildungsproblem 'der jüdischen Frau und Tochter in seinen Kernpunkten erfaßt. Unsere Weisen haben uns (Tr. Nidda) einen; merkwürdigen Ausspruch Rabbis überliefert^ der in Anlehnung an den Satz 'p^K Tl |ävl ntPÜ!?!S^?Xn TIS dem weiblichen Geschlecht'ein gr o ß er e s M aß v o n hya»1 von Vers t an d, wie man gewöhnlich übersetzt, zuschreibt. Es wird damit die gesetzliche Vorschrift begründet, daß ein Mädchen schon nach vollendetem elft e n Jahre Anspruch darauf hat, ihre etwaigen Gelübde auf ihren Ernst „geprüft" zu sehen, ein Knabe aber erst nach vollendetem z w ö 1 f - ten Jahre, während auch für die unbedingte Rechtskraft der Gelübde selbst, bei Mädchen der Abschluß des zwölften, beim Knaben der des dreizehnten Lebensjahres maßgebend ist. Wenn auf der anderen Seite sich im Talmud Aussprüche finden, die für das Geistesleben der Frau weniger schmeichelhaft zu sein scheinen, als das zitierte Wort Rabbis — wie z. B. rn^p irijfo tzpiz/3' oder ■ ■j^Dä xbx r\mb masn die eigentliche „Weisheit" der Frau das Spinnrad sei —*), so erhebt sich* das Bedürfnis nach einer Lösung des Widerspruchs, die sicherlich, wie jede Vertiefung in die Gedankenwelt unserer Weisen, unsere Erkenntnis bereichern muß/ " In der Tat braucht man nur die drei Begriffe nöSn 'ni'a und njn von einander abzugrenzen, um über den widerspruchslosen Sinn der angeführten drei Erfahrungstatsachen Klarheit zu erlangen.?7ü5rt meint die höchste', in das innerste Wesen ,der Erscheinungswelt dringende Weisheit, wie sie der 'Schöpfer in der Weltschöpfung betätigt und für die Menschen, lediglich in sein er; o f f enba rt« n Thora erfaßbar, niedergelegt hat. „G'tt schaute in die Thora und schuf seine Welt". Diese nnsn kann dieser im1 eigentlichen Sinne nur dem ganz in der Wissenschaft der Thora aufgehenden Jünger mehr oder minder zuteil werden. fjj'a aber bedeutet den auf die Erscheinungen d e r Welt selber gerichteten, die einzelnen Dinge und Vorgänge dieser Welt klassifizierenden und unterscheidenden Blick, kurzum das praktische Denken. irra |'N CDK pao ffnan- ■ \ nsn endlich entsteht, wenn sich dieses Denken ganz einbohrt in diese Welt, wenn *) Siehe jedoch zu letzterem Ausspruch die herrliche Deutung im zweiten Bande des T,1?ni s?i"nn von Öberrabbiaer Aron Lewin in Rzeszow Nr. 261, Seite 363—367. (Fortsetzung siehe Seite 3.)

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.