Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 78 (1937)
- Issue
- Heft 20 (21.5.1937)
- Date
- 1937-05-21
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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SHWPWS^ 3^;3ft5»Öfi£ «>i 7*7^*^-,^^:^^;«: 21. Mai 1937 Der Israelit Nr. 20 Seile 7 E R E Z ISRAEL Der Protest gegen die Schediile. Nur die 400 Zertifikate iür Juden aus Deutschland angenommen. Jerusalem, 18, Mai. Die Exekutive der Jewish Agency hat eine scharfe Protesterklärung gegen die weitge* hende Kürzung der neuen Arbeiter-Einwanderungsquote veröffentlicht. Durch die neue Schedule, so heißt 'es in der Erklärung, werde die Alija in Fesseln gelegt und so gut wie auf Null reguliert. Im besonderen wird Protest dagegen .erhoben, daß die Spe* zialquote iür Einwand er-er aus Deutschland in'die allgemeine Schedule miteingeschlossen wurde und nur 400 Zertifikate für .diesen Zweck bewilligt wurden, obwohl der, Council for German Jewry die Mittel zur Verfügung 'gestellt hat, 'die die Eingliederung aller Einwanderer gewährleisten., die auf Grund der 700 für diesen Zweck angeforderten Zertifikate in® Land hätten kommen sollen. Die-Annahme der restlichen 220 Zertifikate, die von der Regierung für den gesamten jüdischen Arbeitsmarkt einschließlich der Landwirtschaft, der Industrie, des Baugewerbes, des Verkehrswesens, der öffentlichen Arbeiten und anderer Arbeits zweige bestimmt worden sind, wird von der Jewish Agency verweigert. Es wird erklärt, daß der Sinn der Lab our= Schedule durch diese 220 Zertifikate entstellt werden würde. Die Jewislh Agency. lehne es ab, die Rolle der Vexteilerin einer solchen Zahl von Zertifikaten auf alle jüdischen Arbeitszweige in Palästina und auf vierzig Länder der iGalut zu übernehmen. In dem Protest der Jewish Agency wird auch darauf •hingewiesen', daß die Anforderung von 11.250 Zertifikaten durch die Agency auf eine langwierige sorgfältige Erhebung des Arbeitsibedarfis, die unter Mitwirkung von Vertretern der Regierung durchgeführt wurde, gestützt war. Von den 620 Zertifikaten, die 'die Palästina-Regierung der Exekutive der Jewish Agency zur Verfügung (gestellt hat, wären 400 für Juden aus Deutschland ,120 für landwirtschaftliche Arbeiter (Chaluziii^) und 100 für industrielle Facharbeiter bestimmt. Palästina-Regierung entschädigt die Opfer der Unruhen. J-e r u s a 1 e m , 18. Mai. Wie die ITA. lerfähirt, hat die Pdästdm=Regierujng beschlossen, den Angehörigen der bei den Palästdna- Unruheni Gefallenen eine Entschädigung zu gewähren. Die Familie jedes Gefallenen mit Ausnahme derjenigen, die bei Zusammenstößen mit Truppen getötet wurden, erhält einen Betrag von 250 Pfund. Eine Entscheidung über Entschädigung für Verluste an Hab und Gut ist bisher noch nicht getroffen worden. Etwa hundert jüdische und fünfzig arabische Familien sollen den Entschädigungsbetrag erhalten. Budgetberichte. Der Stadtrat von Tel Awiw hat nach mehrtägig ger Debatte den Haushaltsplan für 1937/38 mit Einnahmen von Lst. 550.123 und einem Ausgabenvorschlag von Lst. 525.226 angenommen. Für Erziehungswesen ist dabei ein Posten von Lst. 142.095 vorgesehen. Die neu ernannte Stadt Petach Tikwah weist in ihrem Budget Einnahmen in Höhe von Lst. 30.000 und Ausgaben in Höhe von Lst. 33.000 auf. Die Tel Awiwer Hafengesellschaft erhöht ihr Aktienkapital von 150.000 auf eine Viertel Million Pfund. Kleine Berichte. Jerusalem, 13. Mai. In Tel Awiw rief das scharfe Auftreten des Stadt* verordneten Saborski in der Irija gegen den O b e r r a b b i n e r A m i e 1 große .Erregung hervor. Der Histadruthmann kargte nicht mit Schimpfworten und Beleidigungen gegen den Oberrabbiner, der ihnen, den Arbeitern, Sabbat und Kaschruth aufdrängen wolle. Seit dem energischen Vorgehen Oberrabbiner Amieis gegen die Sabjbatentweihung hat er sich die Sympathien der Histadruth vollkommen verscherzt, was aber durch 'die steigende Achtung der anderen Kreise mehr als ausgeglichen wird. Es fiel angenehm auf, daß zu den K r ö a u n g s- f ei e r Ii chJcei t en in Tel Awiw auch Araber in großen Massen herbeigeströmt waren, da im benachbarten Jaffa der Tag sang- und klanglos ver* lief. Eine jüdische Flagge, die dsa Gebäude der Anglo Palestine Bank in Jaffa gehißt hatte, mußte, da arabische Jugendliche einen Radau veranstalteten, heruntergeholt werden. Ebensowenig wurden aber in Tel Awiw arabische Flaggen geduldet. Die Landeskonf erenz des jüdischen A e r z t e - Verbandes 'in Palästina beschloß, einen N o t f o n d s von Lst. 6000 zum Zwecke der Arbeitsbeschaffung für Aerzte aufzubringen. Die Exekutive der Jewish A g ency hat ein Communique veröffentlicht, in dem Beschwerde dagegen geführt wird, daß die beantragt.e Amnestierung von Juden abgelehnt wurde, wäh* rend zur gleichen Zeit 18 Araber, die im Zusammenhang mit den Unruhen verurteilt waren, befreit wurden. Das Communique sagt u. a., die Palästina-Re« gierung messe mit zweierlei Maß. Für 'die Zeit vom 18. bis 20. Mai finden große Truppen=Manöver im Gebiet von Dschenin statt. High Commissdoner Sir Arthur Waucfaope hat 1000 Pfund als Beitrag für die Pflanzung eines Schmarja Levin-Parks in der Siedlung Kfar Schmarl jahu gespendet. Kleine Ueberfälle. Jerusalem, 14. Mai, Der Kleinkrieg in Form von einzelnen Ueberfällen und Ausschreitungen geht weiter. Bei Haussuchungen werden immer von neuem Bomben gefun« den. Auf mehrere Siedlungen, so auch auf B n e Brak, wurden Schüsse abgegeben. Nach einem Bericht des „Haboker" wurden Prämien für Polizisten ausgesetzt, die verborgene Waffen ausfindig machen. Bei der Abwehr eines Ueberialles auf Beth Josef wurde ein Araber so schwer vrwundet, daß er bald darauf starb. In Haifa werden ruhige arabische Bürger von arabischen Terroristen bedroht. In T u 1 - kerem wurde der Streik wieder abgebrochen. Der' Ausnahmezustand dauert dort jedoch seitdem ein britischer Polizist erschossen wurde, an. Der Streik in Tulkerem brach bekanntlich aus dem Grunde aus, weil einem naheliegenden Dorfe, von dem aus jüdische Autos beschossen wurden, eine Kollektivstrafe von Lst. 150.— auferlegt wurde. Die diese Gegend passierendeiu jüdischen Autos werden jetzt von Polizeieskorten begleitet. Etwa 100 Araber, die aus Gründen der öffentlichen Sicherheit . in Akko gefangen gehalten wurden, sind nach einer Intervention des stellvertretenden arabischen Distriktskommissars beim High Commissaoner freigelassen worden. Von arabischen Kreisen wird auf die Behörden weiter ein Druck ausgeübt, um die Freilassung auch der übrigen Häftlinge durchzusetzen. — In Haifa versuchten arabische Jugendliche, 'die arabischen Geschäftsleute zur Fortsetzung des Streiks zu zwingen. Ihre Bemühunigeü sÄh«dtÄft6.n an dem Widerstand der arabis sehen Kaufleute. Vermischtes. Feier in der Klaus. Altona, 12. Mai. Das alt ehrwürdige Beshamidrasch von Altona, die „Klaus", das um 1690 gegründet wurde, als der C h a c h a m Z w i nach Altona kam, wurde auf die Anregung des Altonaer Oberrabbiners Dr. Weiß hin vollständig erneuert undr umgebaut. Dank der Großzügigkeit des Gemeinde vorstände® und des regen Interesses,-von Seiten des Klaus Vorstandes wurde in wenigen Wochen der Lehrsaal neu hergerichtet, mit neuer Einrichtung versehen), die große und viele seltene Drucke umfassende Bibliothek der Klaus wurde in hingebungsvoller Arbeit von den Klausrabbinen D u c k e s z und Cohen neu geordnet, und am Montag Abend, zu Beginn des Monats Siwan, konnte das Beshamidrasch feierlich seiner Bestimmung wieder übergeben werden. An festlich geschmückter Tafel hatten sich die Mitglieder der Klau® und der Gemeinde zusammengefunden. Der Synagogenchor unter Leitung von Herrn M. Cohen eröffnete die Feier mit dem Gesang des Mah-Towu. Herr Leon Cohen begrüßte namens des Klausvorstandes die Erschienenen. Hierauf ergriff Obevrahbmer Dr. We iß da® Wort und gab seiner Freude Ausdruck, daß seine Anregung auf so fruchtbaren Boden gefallen sei. Sein erster Wunsch, seitdem er in Altona sei, sei gewesen, daß dieses ehrwürdige Beshamidrasch, dessen Tradition weit über Deutschland hinaus berühmt sei, neu erstehen möge. Er danke allen, die an diesem Werke mitgeholfen hätten, besonders dem Gemeinda* vorstand, der die Mittel zur Renovation bereitgestellt hatte. Mit großer Herzlichkeit dankte der Oberrabbiner den Rabbinen D u c k e s z und C o h e n für ihre Arbeit in schwerster Zeit. Daß in einer Zeit großer materieller Sorgen es doch möglich gewesen sei, das ßeshamidna&cb. zu erneuern, sei ein Beweis dafür, daß man mit Energie und gutem Willen auch heute die Ideale der Thora durchsetzen könne. Mit einem Aufruf zum Frieden, zur Einheit durch gemeinsames, Thorastudium schloß der Oberrabbiner seine mit Begeisterung aufgenommene Rede. Rabbiner D u c k e s z dankte dem Oberrabbiner für die ehrenden Worte und sprach seine Genugtuung darüberaus, daß der Oberrabbiner ©ein erstes Interesse der Lehrstätte zugewandt hätte, daß durch seine Anregung und durch die begeisternde Kraft, die von ihm ausgehe, das alte Beshamidrasch sich in einem neuen Gewand zeigen könne. Die Lehrenden, die Lernenden, aber auch die G'ttes Wort Liebenden, die die Möglichkeit für das Thorastudium gebeni, alle sind sie durch die Liebe zu G'ttes Wort brüderlich verbunden. Rabbiner Cohen führte aus, daß auch die Schönheit und. alles Irdische zu G'tt erhoben werden könne, ja, daß hier die eigentliche Aufgabe de® Judentums liege, nicht in der Entfernung und der Abkehr, sondern in der Durchdringung der ganzen Welt in all ihrer Schönheit und Vielfalt mit Andacht und Dankbarkeit vor dem Schöpfer sei unser Hauptziel zu erblicken. Die Schönheit des Lehrs saäles wird dadurch gekrönt werden, daß er immer voll sein wird, Herr Direktor L i c h t h e d m überbrachte die Grüße und Wünsche des Gemeihdevorr Standes, der immer gern bereit sei, die Stätten der Tradition zu erhalten und zu pflegen. Herr M. Lehmann übermittelte ebenfalls 'die Wünsche .des Gemeindevorstande^ und hob die große Tradition der Klaus hervor, wünschte den Heuen Räumen Ruhm und Ehre der alten. Oberrabbiner. Dr. Weiß statuierte, ausgehend von den 'Worten des Rambam, die Dankbarkeit gegenüber G'tt als die Grundhaltung des jüdischen Menschen überhaupt, als erste Voraussetzung für Forschung und Dienst, Oberkantor Ziegel verschönte die Tafel durch gesangliche Vorträge. Mit dem Adon-Olam des Synagogenchors schloß die eindrucksvolle Feier. Breslau, 6. Mai. Der „Oberschlesische Anzeiger" in Ratibor meldet, daß zwei jüdische Eheleute vom Schöffengericht Beuthetn wegen Vergehens gegen das S c h ä c h t g e s e t z zu je zwei Monaten Gefängc nis verurteilt worden sind. Die Angeklagten hatten in den Jahren 1935 und 1936 Fleisch von geschächteten Tieren nach Breslau und Landeshut versandt, obwohl ihnen bekannt war, daß das Schächten im oberschlesischen Abstimmungsgebiet nur insoweit 'erlaubt ist, als Bedarf an derartigem Fleisch innerhalb dieses Gebietes vorliegt. Da® Gericht ließ mit Rücksicht darauf, daß die Angeklagten Fleisch nur ihren engsten Verwandten geschickt hatten, ohne Gewinn daraus zu ziehen, Milde walten. Die Verurteilung zu einer Geldstrafe lehnte es jedoch ab, weil damit der Strafzweck nicht erfüllt werden würde. Sprechsaal. Unglaublich! Man schreibt uns aus Berlin: Im Krankenhaus der Jüdischen Gemeinde starb vor kurzem der achtzigjährige W., ein streng frommer Mann, der in den letzten Jahren Insasse des Altersheims der Jüdischen Gemeinde Berlin, Große Hamburgerstr. 26, war. Als Mitglied der Adas Jisroel kam er auf dem Friedhof der Adas zur Bestattung. Bei der mnö stellte sich heraus, daß der Verblichene seziert wurde, obwohl er nur 24 Stunden im Krankenhause weilte und auf natürlichem Wege gestorben ist. W. hatte keine Verwandten, die gegen seine Obduktion Verwahrung einlegen könnten. Es ist dringend ratsam, daß bei jeder Einliefe* rung eines Kranken in das Berliner Jüdische Krankenhaus sich die Anverwandten schriftlich von der Direktion versichern lassen, daß bei einem Todesfalle t~?"~\ an der Leiche keine Obduktion vorgenommen werden darf. P. A. (.Dem Schreiben liegt das Zeugnis eines zuverlässigen man-Mitglieds bei, das die Angaben bestätigt. D. Red.} Berichtigung. Das in voriger Nummer besprochene Philo-Lexikon ist im Phil overlag (nicht Phelo) erschienen. $ E et m p C Tl Elektrische Geräte -Kühlschränke 3t C Um 4» M M Bleidensiraße 47 ** ■» ■» Telefon 25720