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Der Israelit · 1937-05-07 · Heft 18 (7.5.1937) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
78 (1937)
Issue
Heft 18 (7.5.1937)
Date
1937-05-07
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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7.-.Mai 1937 D.'e" r 'I s r.a e 1 i t Nr. 18 Seite 7 ER E : Z ISRAEL Kundgebung der Agudas Jisroel zu dem Plan einer; Teilung- Palästinas, „Kol Jisroel", das offizielle Organ der Agudas Jisroel, nimmt zünden Plänen einer Teilung Palästinas in Kantone vom Standpunkt des orthodoxen Judentum« aus Stellung. In• dem Artikel ward erklärt, eine Teilung des Landes^ sei unzulässig und ünmö'glieh, besonders unter dem Gesichtspunkt, daß Jerusalem nicht in das jüdische Gebiet eingeschlossen werden soll. Ein derartiger jüdischer Kanton würde ein Körper ohne; Kopf, «ein Leib ohne Seele sein. Es sei darum hur selbstverständlich, daß das gesamte Judentum wie ein Mann gegen solche Pläne auftritt. Das orthodoxe Judentum werde an dem Kampf gegen ein© derartige Zerreißung des Landes teilnehmen. Aber über diese allgemein jüdischen Gesichtspunkte, hinaus erblicke das orthodoxe Judentum eine Gefahr nicht nur in der Abtrennung desjenigen Teiles Palästinas, der. den Arabern gegeben werden soll," "und nicht nur in der Minderung der Rechte der Juden auf ihr Land, sondern auch in der Bildung des geplanten selbständigen jüdischen Staates. Es bestehe auf Grund der Zusammensetzung des palästinensischen Jischuw, seiner Parteiengliederung und der Einstellung des größeren Teiles der palästinensischen Judenheit zur jüdischen Religion und ihren 'Heiligtümern die große Gefahr, daß »die Macht in dem neuen Staate in den Händen glaubensfremder Elemente liegen werde. Thora und jüdische Religion seien in Palästina .gefährdet, da die Freigeister im öffentlichen Leben die Oberhand erlangt haben. Wenn es nach deren Willen' ginge, gäbe es heute kein orthodoxes Judentum mehr in Palästina.: Die Palästinaregierurig sei, leider für die orthodoxe Judenheit in Palästina der letzte Schutz, nur sie könne es verhüten, daß die irreligiösen' Institutionen die Vorherrschaft gegenüber dem orthodoxen Judentum erringen. Würden aber 'die Freigeister zur Herrschaft gelangeil, dann würden die Hüter der Thora, der religiöse Unterricht, die religiösen Institutionen ^nd die religiösen Gemeinden zu leiden haben. '! . Allerlei aus Palästina. , Laut Aufstellung des Statistischen Departements der Jewish Agericy sind in den letzten 20 Jahren annähernd 300.000 Juden in Palästina eingewandert. Der neue Chefsekretär der Palästinaregierung, William Davis Battershill, ist in Palästina*'eingetroffen: Die L ag. b ' O m e r - F ei e r am Grabe von Schimon bar Jqchais in Meron bei Safed ist unter starken Sicherheitevorkehrungen in aller Ruhe verlaufen. Der Andrang war nicht so stark als sonst,?, doch nahmen viele Hunderte an der Feier teil. In Jerusalem tat sich ein Einheitspreisgeschäft der Firma Woolworth auf. Die Errichtung weiterer Einheitspreisgeschäfte im Lande ist geplant. Das bereits seit dem Herbst aus dem Verkehr gezogene Passagierschiff ,, T e*l Awiw", das der Arnold B e r n s t e i n ^R e e d e r e i in, Hamburg und spater der jüdischen Reederei Palestine Shipping Co. gehörte, ist an eine japanische Schiffsmaklerfirma ,v e r k a u f t worden, und zwar für ein Drittel des ursprünglichen Erwerbspreises. Eine arabische D e 1 e g ä t i o n hat sich nach London begeben, nicht um an den Krönungsfeierliehkeiten teilzunehmen, sondern um den angeblichen Teilüngsplan zu bekämpfen: So lautet wenigstens eine. Meldung des hebräischen „Haboker". Arabische Berichte wollen wissen, daß 'die Arbeit e r >s c h e d u 1 e diesmal nicht für ein halbes Jahr, sondern' zunächst nur <für ein Vierteljahr festgesetzt werden soll und monatlich nur 300 Zertifikate vorsehe. Ob nicht hier der Wunsch der Vater der Hoffnung äst? Ein hier von arabischer Seite verbreitetes, Gerücht, wonach König Georg VI. sich anläßlich seiner Krönung auch als König von Jerusalem werde ausrufen lassen, wird ins Reich der Sage verwiesen; obwohl die arabischen Zeitungen sich jetzt schon beeilen, Protest dagegen einzulegen. Der K r ö n u n g s t a g wird in Palästina als offizieller Feiertag gehalten. Die jüdischen Bewohtfer Jerusalems werden aufgefordert, am 12. Mai die Häuser mit englischen und jüdischen Fahnen zu schmücken und an den Festveranstaltungen teilzu* nehmen. ' " ■ Kleine Ausschreitungen und "' Schießereien finden immer noch statt. Bei einem Zusammenstoß zwischen Polizei und Arabern, die sich auf dem Rückwege von der Nebi Musa-Prozession befanden, wurde ein Araber schwer verwundet. In der Nähe des Damaskustores in Jerusalem, sind vier Autobusse, die einem arabischen Führer gehörten, aus noch nicht fetgestelltem Grunde verbrannt worden. . Kleine Schießereien fanden bei A f u 1 e h statt, Araberbanden wurden mit Hilfe der Polizei vertrieben. > Die Sicherheitsverhältnisse im Lande haben sich im allgemeinen Wesentlich gebessert. Bei Haussuchungen wurden im Kreise Nablus große W a ffenfunde gemacht. Die großen Truppen-Manöver bei Balaa unter persönlicher Leitung -des oberkommandierenden Generalleutnants Dill yer* fehlen ihren Eindruck nicht, um so mehr, als. sie. in einer Gegend vor sich gehen, die zu den schlimmsten Unruheherden gehörte. ....... Neue Fahrpläne für Palästina. Bei Zvi Friedlaender 6th Str. No. 51, Kiryat.Haim Haifa (Palästina) ist die Palestine General Time-Table (Sommer-Ausgabe 1937) erschienen. Sie enthält die Fahrpläne. von 100 Autobuslinien des Fem= und Nahverkehrs im Lande, die Eisenbahnen, Schiffslinien und die fünf jetzt im Verkehr mit' Palästina tätigen Fluglinien (je eine ägyptische, englische, holländische, polnische und italienische). Seit der vorigen Ausgabe des Fahrplanes haben sich die Fahrzeiten wesentlich geändert und durch die inzwischen fertiggestellten Wegebauten sind die Verbindungen zum Teil anders geworden. Bei den Autobuslinien wurde neben der Fahrzeit jetzt auch die Streckenlänge in km vermerkt. Der Plan ist als Faltblatt aufgemacht, wodurch mit Hilfe der beigegebenen Verkehrsikarte die Auffindung jeder Verbindung sehr erleichtert wird; Der Preis beträgt wie bisher im palästinensischen Buch- und Zeitungshandel 20' mils. SprechsaaL Grenzen des Ritualgesetzes. Herj: Oberrabbiner Dr. Carlebach hat'Sin der vorletzten Numittei* de& „Israelit" zu Bemerkungen Stellung genommenv die in einem Leitartikelnäusr der Feder des Herrn Hauptschriftleiters Kreiudle?9 in einer der letzten Nummern des Gemeindeblatte& *der Berliner Jüdischen Gemeinde zur Kasch r'ü't h f r a g e enthalten waren. Die' unbestrittene-große Autorität des Verfassers kann nicht hindern, der Tendenz seiner Ausführungen, idie durch, eine durchaus ungewöhnliche unangebrachte und der Sache keineswegs dienende Schärfe gekennzeichnet sind, entgegenzutreten. Wirft man die Kaschruthfrage innerhalb der Jüdischen Gemeinde Berlin auf, dann kann man es nur von der Grundlage aus tun, die für die Jüdische Ge-. meihde nun. einmal gegeben ist. Es ist~ zwecklos und: würde vom Thema abführen, die. Kaschruthfrage zum Anlaß zu nehmen, um gegen; das Prinzip der Eim heitsgemeinde nach dem Muster, der Berliner zu eifern. Es .geht um die Erhaltung des Kaschruth als solches.'Es. ist das unbestreitl^ar.e Verdienst der Berliner Jüdischen Gemeinde, daß sie unter dem.>Ein~ üuß und der Mitwirkung verständnisvoller;. Kräfte mustergültige Einrichtungen des. Kaschruth geschaffert hat, die es jedem, der 'den Wunsch hat, bisher ermöglicht haben, seine Lebensführung unter Innehaltung der strengen Forderungenv des Religionsgesetzes einzurichten, Di© Gememdeorthodoxie .hätte keinen Platz innerhalb der Groß gemeinde, finden können, hätte sie das nicht anerkennen müssen," hätte sie; nicht auch sonst feststellen dürfen, daß G'ttesdienstein ihrem Sinne geschaffen worden sind, daß Rabbi - ner berufen worden sind, .deren Persönlichkeit für^ die Hoohihaltung der Grundsätze des überlieferten; Judentums bürgt, und daß 'die Ritualeimrichtungeriln einer Weise ausgebaut worden sind, die es dem' traditionstreüen Juden ermöglicht hat, in der Groß-. gemeinde die Basis «eines jüdischen Lebens zu finden.< Wenn sich jetzt die Notwendigkeit ergibt, das Kaschruth zu verteidigen, so kann man nur inner»';., halb der. Gemeinde 'die Positionwahren, um deren Institutionen es geht, aber nicht, indem man die Ge- . meindeverwaltunig durch Vorwürfe ■ diffamiert Es ist ., die hohe Aufgabe des Rabbinates der Kaschruth-Verwaltüng, diesen Kampf zu führen, es wird dieser Aufgabe, gerecht zu werden wissen, und es wird sich dabei auf die. Unterstützung gleichgesinnter Gemeindemitglieder und auch solcher Kräfte verlassen können, die, mögen sie auch für sich den Vorschriften "des Kaschruth-nicht genügen, doch diesen Grund* pfeiler unserer religiösen Anschauung nicht durch einenoffiziellen Akt der Gemeindeverwaltung niedergerissen sehen wollen. Es muß verhindert werden, daß die führende .jüdische Gemeinde in .Deutschland in ihren Einrichtungen unverbrüchliche Vorschriften unseres altgeheiligten Religionsgesetzes außer Kraft setzt.. Will die Gemeinde ein Hort jüdisch-religiösen Leben® sein, dann muß sie den Opferwillen stärken, den sie bei einem guten Teile ihrer Mitglieder voraussetzen kann. In weiten Kreisen haben darum auch die von Herrn Dr. Carlebach angegriffenen Aeußerungen des Herrn Kreindler berechtigten tiefgehenden Unwillen hervorgerufen. Der Gegenstand ist viel 'zu schwerwiegend, als daß ihm mit ein paar beiläufigen journalistischen Wendungen im Rahmen einer Wochen.* betrachtung beizukommen "wäre. ' Aber. 'Wenn Herr Kreindler die ihm gegebene Gelegenheit, im Gemeindeblatt Leitartikel zu schreiben, benutzt, um leichthin in einigen hingeworfenen Sätzen die Kaschruthfrage abzuhandeln, so soll man darin nicht die Stimme der Gemeinde schlechthin hören.;Herr Kreindler ist nicht legitimiert, für die Gemeinde in einer so wichtigen Frage maßgeblich zu sprechen. Die' Entscheidung hängt von vden Gemeindekörper- ©chaften aS, und es darf erwartet werden, daß sie mit dem ■ ganzen Emst und Verantwortungsgefühl überlegt werden wird, das die Bedeutung der Sache fordert. Herrn Dr. Cärlebach ist beizupflichten, wenn er den Artikel des Herrn Kreindler scharf bekämpft. Aber er sprengt den Rahmen der Polemik," wenn er im jetzigen Stadium die Waffe gegen die Berliner Jüdische Gemeindeverwaltung als Ganze© kehrt. Er greift damit Entscheidungen voraus, die "noch nicht getroffen sind-, und die, wie die traditionstreuen Kreise nach wie vor zu hoffen sich berechtigt fühlen, seinen Befürchtungen nicht recht geben werden. Zu dieser Zuschrift von angesehener Seite bemerkt *I4eii» Ober#äbbin;er Dr. '£ a r tfcfea c.h : . Meine Ausführungen richten sich nur gegen den Haupts chrdftleiter des Gemeindeblattes, dessen Aeußerungen eben durch dieses Amt ein größeres Gewicht erlangen und wie eine offiziöse Kundgebung der Gemeindeverwaltung klingen. Ich babe noch nie in meinem Leben eine Polemik vom Zaun "gebrochen, immer nur in der Defensive eine ' streitbare Feder geführt. So glaubte', ich, den von Herrn Kreindler den tradifcidnstreuen Rabbi* nen zugeworfenen Fehdehandschuh aufnehmen; zu müssen Die Position der Rabbinen ist schwer genug; sie verdienen den Angriff nicht. In heutiger Zeit, der Zeit der Rückkehr und Besinnung, ist Kreindlers Vorstoß wider das Religionsgesetz doppelt herausfordernd. . Nur weil ich das Gefühl hatte, daß diese Fanfare Ouvertüre eines neuen Vorgehens gegen die Kaschruthinstitutionen ist, wollte ich zum Ausdruck bringen, daß eine Gemeinde, 'die nach links soviel Konnivenz übt, nicht nach ^rechts immer den Speer richten darf. Ich .entnehme gern dem Aufsatz des verehrs ten Einsenders, daß iHerr Kreindler nicht die Stimme der Gemeinde ist und würde mich sehr freuen, wenn die Zuversicht der positiven Kreise innerhalb der Gemeinde sich als gerechtfertigt erweisen werden. Vermischtes. Berlin, 22, April. Die Presseabteilung der Reichsvertretung der Juden in Deutschland teilt mit: Die Adresse des Jüdischen Seminars für Kindergärtnerinnen und Hortnerinnen ist jetzt: Berlin=Grunewald, Wangenheimstr. 36; Tel.; 97—1229. Die Sprechstunden der Leiterin, sind Montag -und Mittwoch, von 3—5 Uhr; bei telefonischer Verabredung auch zu anderen Zeiten. 1 Breslau, 30. April. Die „Jüdische Zeitung" m Breslau hat mit dem 30. April ihr Erscheinen eingestellt. Sie ist im Januar 1895 begründet worden und war seinerzeit vorwiegend konservativ orientiert. 1913 wurde die "Zeitung in „Jüdische Volks* » zeitung" umbenannt. Im Jahre 1924 verfolgte sie unter Dr., Joachim Prinz als „Jüdische Zeitung für Ostdeutschland" eine entschieden zionistische Haltung. . Seit 1933 leiteten das nunmehr „Jüdische Zeitung" sich nennende Blatt Erich Bildhauer und Dr. Fritz Becker.

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