Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 78 (1937)
- Issue
- Heft 17 (29.4.1937)
- Date
- 1937-04-29
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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29. April 1937 Der 1 s r a e 1 i t Nr. 17 Seit© 11 Personalien, Sanitätsrat Dr. A. Rosenthal y^t- Bad Homburg, 25. April. Im Alter vom 72 Jahren kam heute Sanitätsrat J)r. A. R 0 s en t h al ^nachdem er ein halbes Jahr* hundert seine ganze. Kraft und Kunst dm den Dienst der Menschen, zum .Wohle von Kranken und Leidenden gestellt hat, zur letzten Ruhe. Einer frommen Familie entstammend, war Dr. Rosenthal in seiner . Jugend für den Rabbinerberuf bestimmt , und! er saß auch einige Jahre Rabbi Esriel Hildesheam. im Berliner R*bt^e±'-S&miBair zu Füßen. Einem inneren Drange folgend, Wandte er sich aber dann der Medizin zu und übte vier Jahrzehnte in Bad Homburg, querst als praktischer Arzt und bald darauf als Leiter des von ihm gegründeten Sanatoriums eine ärztliehe Tätigkeit'au®, die ihm das Vertrauen, die Liebe und den Dank vieler Tausender, die im all dem Jahrzehnten Gäste'seines 'Hauses warein, eintrug. Der ärztliche Beruf war ihm mehr eine Berufung, heilijje Mission, G'ttes'diiensit und Dienst am Menschen, und eine wackere edle Frau aus dem Hause Strauß stand ihm zur Seite, deren Anteil an seiner Lebens arbeit' wahrlich nicht gering war* Drei Söhne entstammten dem Hause, von denen einer, ein vielversprechender junger Arzt, als Opfer seines Berufes sein junges Leben lassen mußte. Auch . die. Frau, die-Mitgängerin. und Stütze seines Leb ens, wurde ihm vor einigen Jahren von der Seite gerissen. Dr. A. Rosenthal, ein thorakundiger und .glaubemsstarker Jehudi, fand Trost in der rwiBS und .in «einer aufopfernden Arbeit zum Wohle Anderer. Soflge und Kummer sind ihm zu einer Zeit, da er wohl Anrecht auf einen friedsamen Lebensabend .gehabt hätte, nicht erspart geblieben, aber Rosenthal stellte den Widerständen de© Lebens die ihm innewohnende Kraft und Arbeitsfreude entgegen und oblag seinen Benifspfliohten in Treue und Liebe bis zuletzt. Aus Mühen und Sorgen des Bßrufslebens wußte er sich auweilen in die Geistigkeit zu flüchten, —- wenn er regelmäßig am Gemorohschiur teilnahm, .die G'ttesidiiensite im Hause abhielt und sich mit seinen Büchern für Minuten zurückzog oder mit gelehrten Gästen Thoiraaustausch hielt. In stiller,. tiefer Trauer tuntfiiigeä wir, eine große dankbare Gemeinde, am Sonntaignachmittag seine Bahre, vor der Herr Lehrer und Kantor Herl, Bad Homburg, in einer tiefempfundenen Rede das Leben, die Persönlichkeit, und die Verdienste des Heimziehenden schilderte. Im 'Namen der Gäste, Freunde und Patienten des Hause® sprach Herr Redakteur Schachnowitz, Frankfurt a. M., .einige herzliche 1 Worte der Würdigung und des Dankes, die Hoffnung ausdrückend, daß der Geist des Heimgeigangenen im Hause/ das im gleichen Sinne weitergeführt wird, fortwalten und durch die beiden Söhne sich weiter zum Segen auswirken werde. msw» Fulda, 27. April. Am 3. Mai d. J. beigeht Frau Thekla Wertheim (geb. Bock, ihren 70.. Geburts- , tag. Frau Wertheim, Tochter der angesehenen Familie Simon Bock-in Frankfurt, betätigt sich in Fulda im Wohlfahrtswesen der Gemeinde an hervorragen« der St&lle. Ihr Haus^ 'das sie zusammen mit dem Gatten als t»a EHp» auszugestalten wußte, ist ein Bollwerk des thoratreuen Lebens in der Fulda er jüdischen Gemeinide. Ihre Liebestaten gehen aber weit über Fulda hinaus. So möchten ^wir u. v. a. 'nur .die aus ihrer. Initiative und Tatkraft hervorgegangene Frau'enhilfe für die Mädchenschulen in Erez Israel nennen, eine Aktion, idiie überall, auch weit über Deutschlands Grenzen hinaus, Freunde und Förderer gefunden hat und vielen jungen Menschenkindern im heiligen Lande eine igesetzestreue Erziehung ermöglichte. Wir wollen den bescheidenen Sinn detr Jubilarin nicht durch weitere Hervorhebung ihrer Verdienst© verletzen, schließen uns aber dem Wunsche vieler an, daß es ihr gegönnt sei, in ungetrübter Gesundheit und Lebensfreude ihre. Arbeit an der Seite ihres Gatten . und im Kreise ihrer Kinder fortzusetzen ■ ' ' ' V"VV19- Vermischtes, Ein Aufruf für das Schmittojahr. Ein Aufruf zur „ Beteiligung an einem S c h mi t to f o nds zugunsten der Siedler und Arbeiter im , Heiligen Lande, die das S a b b a t j a hr streng nach den Gesetzen der Thora zu halten entschlossen sind, wunde dieser Tage allen jüdischen Gemeinden Deutschlands zugestellt. Der Aufruf ist unterchrieben vom G. A: der Agüdias Jisroel, der. Palästina-Zentrale, der Landesorganiisation, der Agudistischen Frauienorganisation, der Freien Vereinig gütig für .die. Interessen des orthodoxen Judentums, des Hessischen Lande verbandes gesetzeistreuer Syna-- gogengemeiniden und des Preußischen Landesverband des g es etzestreuer Synaigoigengemeinden.' SemestereröiftLung in Montreux. Montreux, 28. April. . Am Sohntag, den 18. April,, wuirdte auf der Je* schiwa „Ez Ghajim" in Anwesenheit vieler früheren und der neu. hinzugekommenen iBachurim, wie vieler «äste au® allen Teilen der Schweiz das neue ijSeraester und damit da® : neue Jahrzehnt inirer Lehrtätigkeit, eröffnet. In .gewohnter meisterhafter Weise begrüßte der Rosch jeschiwa, Herr.' Rabbiner Botschko, die Schüler und .die Gäste (aus den Gedankengängen der Rede «soll noch einiges zur Veröffentlichung gelangen)!. Die Rede war von einer tiefen hälacnischen Auseinandersetzung gekrönt. Der Xernbetrieb an der Jeschiwa an dem im Frühlings- ■glanz leuchtenden Genfer see hat in vollem Umfang begonnen1, Marienbad,' 25. .April. Wie aus dem Inseratenteil hervorgeht, hat das Hotel National in Marienbad seine Pforten für das Schewuausfest geöffnet. - Wer die. Absicht hat, die Festtage in einer ausländischen Sommerfrische zu verleben und die Reize, Marienbads, aber auch den angenehmen Aufenthalt bei vortrefflicher Verpflegung und allem modernem Komfort im. igastlichen Hause David Leitners kennt, wird nicht lange überlegen, wohin er den Weg nehmen soll. Rechtzeitige Anmeldungen sind erwünscht. Antwerpen, 20. April. Der bisherige Sekretär der Gemeinde „Machsdke Hadas, Dr. S. Ullmann fein So'hn des verstorbenen Antwerpener Raws S'St), ist zum F e l d r a bb i n e r der belgischen Armee ernannt worden. Da Herr Dr. UEmann aus diesem Grunde 'aus seinem Amte in der Gemeinde ausscheiden mußte, veranstaltete der Vorstand der Gemeinde am Rausch-Chaudeseh Ijar ihm .zu Ehren einen offiziellen Abschiedsabend. Als Herr Dx, Ullmann in den Saal trat, wunde er vom Oberkantor D y m mit einem „Boruch-Habo" begrüßt. Hierauf ergriff der Präsident der,Gemeinide', Herr S. Richter, das Wort und dankte dem Scheidenden herzlich für alle seine Leistungen in der Gemeinde und den angeechlossenen Institutionen. — Bs sprachen noch die. Heinren Oherrabbiner Rothenberg, Rabb. R a b i n o w , Fr. R a t z e r s d o r f e r im Namen der Chewra-Kadischa und Klenekop er im Namen der Schule. Herr J. Friedmann sprach im Namen der Schule und widmete herzliche Worte dem neugewählten Sekretär, Herrn S. Ostersetzer, der bis jetzt Lehrer der Schule war. — Zum Schluß sprachen noch die Herren S. Ostersetzer und Dr. S. Ulimann. Die Frankfurter Woche. Studiendirektor Dr. Elias Fink ^s/7T* Kurz vor Schluß der Redaktion verbreitet sich die Kunde vom Ableben Direktor Dr. Elias Fink s. Es ist y>isb Huri» in«» nffE»a nicht an der Zeit, in Worten zu sagen, was Gemeinde und Gemeinschaft mit dem Heimgang 'dieses Mannes verloren haben. Nur einige Daten aus seinem Leben mögen eine leise Vorstellung .geben von dem, was wir an Elias Fink besaßen. Einer angesehenen Rabbinerfamilie entstammend und selbst ein bedeutender Dan TnVn, stand ©r fast ein halbe«. Jahrhundert treu am Werke in der Schule von Samson Raphael Hirsch; eine Lehrer- und Gelehrtenpersönlichkeit von ureigener Prägung. Ob er über naturwissenschaftliche Probleme Bücher schrieb oder talmudische Themen behandelte, ob er zu den brennenden sozialen Fragen des Judentums Stellung nahm, über Erez Israel oder die hebräische Sprach-© «ich äußerte., immer zeichneten sich seine Aufsätze durch Gründlichkeit, Sachkenntnis und abgeklärte Weisheit aus, bei einer Jugendfrische, die unmittelbar zu den Herzen sprach. Man sah dem rüstigen, aufrechten Manne den hohen Siebziger so wenig an, wie man bei "der Lektüre seiner mit Schwung und oft auch mit beißendem Humor (gehaltenen Aufsätze und Bücherbesprechungen ahnen konnte, daß sie aus Greisenband kamen. Ein halbes Jahrhundert wirkte Prof. Fink als Oberlehrer an der Samson Raphael Hirsch-Schule, lehrte in der Hauptsache Mathematik und Naturwissenschaften, aber darüber hinaus war <ea* ein Jugenderzieher par exoellence, der auf Charakterbildung seiner Zöglinge sah, mit Liebe, aber auch mit strenger Korrektheit, und minutiöser Genauigkeit die jungen Menschen formte, daß sie für das Leben ertüchtigt wurden und auch ihr Judesein im Thoraboden wurzelte. Unzählige Menschen auf dem Erdenrund, die aus der Fink'sehen Mathematiksiglmle hervorgegangen sind, danken ihre Erfolge im Leben dem Lehrer, dessen Namen sie bis zuletzt mit höchster Verehrung und Dankbarkeit aussprechen. Nach dem _frühen Heimgang von Direktor Dr. Gerson Lange V"ST übernahm Prof. Dr. Fink das Direktorat, der Schule, das er mit gleicher Pflichttreue und weiser Sachkenntnis, bis zu seiner durch das. Alter bedingten Pensionierung versah. Allein auch der Ruhestand war für ihn keine Zeit 'der Ruhe. Er arbeitete mit eisernem Fleiß auf verschiedenen Wisäerisgebieten und hat erst vor kurzem ein großes Manuskript über ein bedeutsames Problem der talmudische» Terminologie. abgeschlossen. Seinem Leberaswerke, der Schule, bewahrte er die unverbrüchliche aufopferungsvolle Treue bis zuletzt. Er unternahm auch noch im vorgerückten Alter weite beschwerliche Reisen im Interesse der Schule, und erst bei der jüngsten Sohlußfeier der Schule hörten wiii, noch seine schönen Dankesworte an das Lehrerkollegium >im Namen dies S chu 1 rates, dessen tätiges Mitglied er bis zuletzt war. Eine große Reihe, von Wohlfahrtsvereinen und Institutionen, so auch diel Israelitische W aisen ans t a l t, . hatten in ihm den eifrigsten Freund und unermüdlichen Förderer. Eine der markantesten. Gestalten scheidet mit Direktor Dr. Fink aus unserer Gemeinde, und mit der dankbaren Erinnerung an ihn verbinden wir den Dank an die Gattin, die so viel beigetragen hat, die letzten Lebensjahre des Gelehrten zu verschönen und seine Arbeitskraft zu stärken. Seine Verdienste werden Direktor Dr. Fink ewiges Gedenken weit über seine Gemeinde hinatiff sichern,1 n-awn Die Gemeinde wählen der israelitischen Religionsgesellscbaft. Die Gemeindewahlen der I. R. G. am Montag abend ginigen .unter starker Beteiligung vor sich und ergaben die Neuwahl der 'Herreh Felix Beifuß und M. Grünebaum in dien Vorstand. Da Herr Beifuß, der zugleich in den Gemeinde rat gewählt ist, sich zur Annahme des Vorstandsmandats noch, nicht entschlossen hat, so hat sich der Vorstamd bis zur Stunde noch nicht endgültig konstituiert. In den Gemeiruderat sind außerdem igewählt worden neu: Ernst Adler, Fritz Wohlfarth und Kar! Zuntz wiedergewählt. Der Rechenschaftsbericht der Gemeinde ist in .diesem Jahre den Mitgliedern schriftlich übermittelt worden und gibt ein anschauliches Bild von den großen Leistungen und der Opferbereitschaft der Mitglieder und Freunde der Kehall Adaß Jeschurun. Eindrucksvolle Trauerkundgebung zu Ehren von Dr. Nathan Birnbaum. Die geräumige Aula der Samson Raphael Hirsch- Schule war voll besetzt, als nach verrichtetem Maariwgebete, in Vertretung de© dienstlich verhiuded-len Herrn Gemeinderabbiners, Herr Rabbinatsassessor Dr. M. S c h 1 e s i n g e r, (die von der Leitung der Israelitischen Religionsgiesellschaft arrangierte „Ree ligiöse Abendfeier" eröffnete. Feierliche Stille lag über der Versammlung. Die besonders stark vertretene Jugend fiel angenehm auf, Sie ehrte damit den dahingeschiedenen Meister, der sich immer wieder an die Jugend gewandt hat in allen Phasen seines an kämpferischem Einsatz reichen Lebens. Herr Dr. Schlesinger stützte seine Ansprache auf Hosea, 2. Kap. und feierte in wohlgeformten, geistreichen Wendungen den Verewigten als einen Lehrer, der Vielefür ein Judentum (gewonnen hat, das auch von unsrer Kehilloh, die ihm zu tiefem Dank verpflichtet sei, gelebt werde. An .diese Einleitung schloß sich eine von einem Schüler und einigen Schülerinnen der S. R. Hirsch-Schule gebotene Rezitation aus den verschiedenen Werken Birnbaums/. Sie leitete harmonisch über zur eigentlichen GedenkredeNdes Abends, die Herr Redakteur S. Schachnowitz übernommen hatte. , Wir hörten Birnbaums Werdegang, wir vernahmen .unbekannte Einzelheiten aus der Zeit, als der. Zionismus aufkam und Birnbaum, als* Kampfgefährter Theodor Herzls, in die politische Arena trat. Die Details waren es, die dem gespannt lauschen« den Auditorium dlie stufenweise und doch oft ruckartige Entwicklung und Bildung -der Persönlichkeit Birnbaums in seltener Deutlichkeit verständlich zu machen wußten. Rief der Verewigte in seiner Frühzeit mit der Gründuing der fersten jüdischen Studentenvereinigunig, die den Namen ..Kadima'' führte, die Indolenten zum Einsatz für die Interessen des jüdischen Volkes auf, so war sein Ausscheiden aus der zionistischen Organisation — bald darauf — die innere, nie zur Ruhe kommende Sehnsucht, die nach dem Aufwärts suchte und tastete. In seiner späteren Zeit waren es drei Elemente, die alles das, womit Birnbaum in der Oeffentlichkeit und für sie wirkte, beherrschten: JnKsn;a?nm »fijn« Aus 'diesen drei Postulaten suchte der Redner 'den Schriftsteller, Philosophen, Rufer und Mahner, den sich zu den tiefsten Erkenntnissen durchringeindea Juden und den lieb** vollen Menschen Birnbaum zu erkennen. Die Gedenkrede des Herrn Schachnowitz zeichnete nicht allein ein abgerundetes Bild von Nathan Birnbaum, — sie wurde in ihrer Eindringlichkeit zu einem Mahnruf, nicht müde zu werden, gleich ihm zu rufen in unserm Kreise und darüber hinaus ,zu sich selbst zurückzufinden und damit zur Gesunduutg beizutragen. Herr Kantor W. Lang trug das O'am K^a 'K. gefühlvoll vor, worauf pan B>'Tp diesen Abend beschloß. Ha. Verein M'ekor Chajim e. V. Mit diesem Schabbo« '5 beginnt wieder die Reihe der Mi drasch-Vorträge, die jeweils eine Stunde vor Nacht im Hörsaal stattfinden. Diesen Schabbos abend spricht. Herr Studienrat Jos. Kaufmann. Jüdische Klänge. Unter diesem Motto finden am 3., 4. und 5. Mai, jeweils 20.15 Uhr, drei große künstlerische Veran* staltungen in der Arnold Lazarus-Halle, Quinckestr. 26 statt. Die Leitung haben Hans Assenheim und Alfred Auerbach, die musikalische Leitung Richard Ka rp, die Bilder schafft Fritz Scham e s. Mitwirkende sind: Else Liebreich, Sofie Seligmann, Hans Assenheim, Alfred Auerbach und ein Orchester, dessen 22 Mitglieder dem Orehester der Jüdischen Kulturbünde entnommen sind. Zur Aufführung gelangen Werke von: Auerbach, Cocteau, Dvorak, Engel, Fromm, Gäl, . Beer-Hoff-