Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1937-04-29 · Heft 17 (29.4.1937) · page 12

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
78 (1937)
Issue
Heft 17 (29.4.1937)
Date
1937-04-29
Page
– (sequence 12)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2446951-2450961-2450977--82972-2540951
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

Feuilleton- Beilage Der Israelit Nummer 17 1937 Unter dem Baum. Von S. J. Agnon.*) Eines Tages ging ich über Land, um Setzlinge nach Deganja zu bringen. Unterwegs stieg ich vom Esel, um zu rastenloh sah um mich und erblickte einen hohen Würdenträger von den Edlen Jischmaels, der. unter einem Oelbaum saß. Ich «tntbot ihm den Friedensgruß, er erwiderte mir den FriedeniSgruß und fragte sodann: Wohin gehst du? Zwei, drei Pflänzlinge in unsern Boden in Deganja einzupflanzen, erwiderte ich. Da sagte er zu mir: Der Tag ist noch hell und die Sonne strahlt heiß, setz dich zu mir, wir wollen uns ein wenig unterreden. Ich ging und setzte mich neben ihn hin. Der Edelmann wandte seine Blicke meinen Setz* lingen zu und fragte: Eine neue Frucht? Ich antwortete: Mit deiner Erlaubnis-, mein Herr. Der Edelmann entgegnete; Schön gewöhnt ihr das Land ein; Versuch um Versuch, Pflanzung um Pflanzung, Frucht um Frucht, Kraut um Kraut; es sollte mich wundem, wenn es euch darin an irgend etwas mangelte. Ich sagte: Man tut sein Mögliches. Der Edelmann erwiderte: Und das Land lohnt es euch. Mir scheint, da® Land wolle sich keinem anderen gewähren als euch. Ich antwortetet Deine Huld erhöht mich. Da hob der Edelmann an, Israels Lob zu künden, wie sie die Wüsten des Landes Israel zu Hainen und Fruchtgärten machen, und Dörfer und Siedlungen im Lande mehren. Ich nickte ihm mit dem Kopfe zu und sprach bei mir im Herzen: Steht Israel auf dem Ackerboden, rühmen es selbst .die Nationen der Welt. Selig, wer einzig dem Land sich hingibt und seiner Besiedlung obliegt, denn wer einzig dem Land sich hingibt und seiner Besiedlung obliegt, der eint Seinen großen Namen im Himmel und auf Erden und erhöht die Ehre Israels, gleichwie .diese Pflanze, die wir in den Ackerboden einpflanzen, aufblüht und sich zur Höhe erhebt. Der Edelmann sprach zu mir: Ich sehe, daß du verständig bist und dein Bildner dir Wissen gegeben hat. Da dem so ist, will ich dich etwas fragen! Sag mir doch, wem ist dieses Land zubestimmt, und wer soll in Zukunft -die Herrschaft darin ergreifen? , Ich erwog im Herzen, was ich dem Edelmann erwidern solle. Sage ich ihm: Sein ist 'die Erde und was sie füllt (Ps. 24, 1), so Ast doch auch schon gesagt: 'Und den Menschenkindern gab er -die Erde' (Ps. 115, 16). Sage ich ihm aber: Der die Herrschaft darin ergreift, dessen Herrschaft wird dauern, so wäre das eine trügerische Antwort, denn unser ist doch das Land, der Heilige, er sei gesegnet, wird es uns einst wiedergeben, und kein Volk und keine Zunge vermag darin zu schalten, außer Israel. So sagte ich ihm denn: Bedarf der Herr wohl meiner? weiß mein Herr nicht, wem der (Heilige, er sei gesegnet, das Land Israels zugeteilt und wem er es dereinst wiederzugeben verheißen hat? Der Edelmann senkte sein Haupt auf die Knie und «ohwieg. Ich dachte, daß ich ihn vielleicht gekränkt habe und sagte darum: Nicht von mir aus habe ich so gesprochen, sondern die g'ttliche Weisung selber ist es, die so spricht. Da hob der Edelmann. sein Haupt und sprach: Ich bin einer vom Ueberrest der Heerführer unseres Herrn Königs, des gewaltigen Sultans, Friede und Segen sei über ihm. Zahlreiche Städte habe ich um seinetwillen zerstört, viele Völker für seine Ehre geschlagen, aus vielen Bezirken ihm Tribut erhoben und mir so einen gar großen Namen gemacht, im Namen G'ttes, des Barmherzigen, des Erbarmers. Allah aber ersah sich mich zum Guten, öffnete mir weit seine Hand und sättigte mein Wohlgefallen. Ich meinte schon, die Welt wäre nur darum geschaffen, daß man sich an ihr erfreue. Da machten die Königreiche sich gegen unseren ürlerrn den Sultan stark und zogen gegen ihn zum Kampfe aus. Ich entsann mich der Siege, die ich erfocht, so oft die Heerhaufett Schild gegen Schild klirren, Drommeten schmettern, Kriegsrufe dröhnen ließen und' hoch zu *) Die Erzählung ist aus dem Hebräischen übersetzt von Moritz Spitzer und befindet sich im AImanaeh des Sehoeken-Verlags (Berlin) auf da« Jahr 5697, Roß einherstampften. Alsbald drängte mein Los mich, daß ich mich zum Kampf wider den Feind <aufmache, sei® um zu siegen, seis um besiegt zu werden. Ich .ließ mein. Haus', küßte meine Kinder, machte mich auf den Weg zu unserem Herrn, dem König, warf mich vor ihm auf die Knie, überantwortete meine Seele in seine Hände und sprach: Friede über dich, mein Herr König, der Segen Allahs, er sei erhoben, ruhe auf dir! Mit deiner Erlaubnis, o du Herrscher der Gläubigen, vermag ein schartige© Schwert in der Hand eines Schwächlings noch den Feind an seinen Schenkeln zu fällen. Der König wandte mir ©eine Augen .zu und sprach; Ibrahim ^Bey, nimm deine Scharenf zieh aus und bekämpfe die Ungläubigen, lasse dich ihrer nicht dauern und hab kein Erbarmen mit ihnen. Nicht sollst du dein Haupt auf einem Kissen ruhen lassen, ehe du sie unter dem Himmel meiner Landschaften vertilgt hast. Als ich solches hörte, da jubelte mein Herz auf wie HörnerwliaU und meine Augen blitzten so wie Schwerter blitzen. Ich führte meine Hand über 'die Augen und ans Herz, fiel zum zweitenmale auf 'die Knie und sprach: Der Schirm Allahs und des Gesandten Allahs ist über uwerem Herrn König. So wie Allah und sein Gesandter und der Gesandte seines Gesandten gespro* chen hat, so wird dein Knecht Ibrahim tun, o du Herrscher der Gläubigen, Dann gab der König mir seinen Segen, den Segen, der von Allah auf ihm ist, ' und verabschiedete mich in Frieden. Noch war die Sonne nicht im Westen angelangt, da waren wir vom Heer alle schon zusammengetreten und zogen aus zum Kampf wider den Feind, Das Schlachtfeld war am Rande der Wüste; wir deckten uns mit all unserem Bedarf ein, mit Wasser und Nahrung, mit Pferden und Kamelen, Eseln und Maultieren, Säbeln und Spießen, mit Bogen und allem übrigen Kampfgerät, daß die Wüste davon erglänzte, und kamen so über den Feind zum Kampf. Der Feind erschien mit aller Art Waffengerät uns gegenüber; alles Satansgerät war in seinen Händen. Das eine Mal hatte der Feind das Uebergewicht, das andere Mal hatten wir es, und wir waren schon der Gewißheit nahe, daß er bald in unsere Hände fallen werde. Aber die Ungläubigen kämpften mit Heldenmut um ihre Seele. Während die'einen ins Knie brachen und hinsanken, erhoben^ sich die anderen und richteten sich wieder auf. Es war ein großer und schwerer Kampf. Säbel und Lanzen blitzten auf, und Eieen klirrte gegen Eisen, abges trennte Köpfe rollten, und abgehauene Arme fegten durch'die Luft, Mensch und Tier ward niedergestampft und die ganze Erde mit Blut besprengt. Die Beine der Tiere glitten aus, daß sie unter ihren Reitern zusammenbrachen, 'das Blut der Gefallenen blendete sie und verwirrte ihren Sinn. Die Satansgeräte aber schmetterten, dröhnten, rissen und würgten. Wer dahingesunken war, stand nicht mehr auf, und wer dalag, wurde zerstampft. Zuletzt blieb von allen Truppen nicht mehr übrig als Reste da und Reste dort. Wir aber ließen von den Feinden nicht, und auch sie ließen von uns nicht ab. Sie versammelten die Ueberreste ihrer Heerhaufen und kamen mit gewaU tigern Ingrimm über ums, und wir sprangen ihnen mit dem Ingrimm der Rache entgegen. Zuerst warfen die Reiter sich über sie, ihnen nach kamen die Fußsoldaten, der ganze Rest der Heere«leute. Es war ein großes Schlachten an diesem Tag. In Mengen fielen sie durch das Schwert, in Mengen wurden sie von der Sintflut aus Feuer und Blei verschlungen. Und die .aus dem Kampf entronnen waren und flohen, machten wir nieder und versperrten die Wege. So teilten unsere Scharen sich, die einen blieben, um •die Gefangenen zu bewachen und die Gefallenen zu begraben, und .die anderen zogen aus, um die in die Berge und Wüsten Entronnenen zu vernichten. Drei Tage lang zogen wir dahin und mordeten, und gelangten schließlich an einen' Ort, den wir nicht kannten. Unsere Kamele und Pferde fielen, und .die Erde stank von ihrem Aa®. Die Wasser- und Nabrungsträger waren einen Dreitageweg von uns entfernt. Wir hatten nichts bei uns als Schläuche, die gar wenig faßten. Da® Gewicht der Kampfgeräte drückte die Leute, und unsere Schläuche gaben kein Wasser her. Der Tag brannte wie ein Ofen, und einen Schatten, in dem ein Geschöpf sich hätte bergen können, gab es nicht. Nicht nur am Himmel flammte die Sonne, auch die ganze Erde glühte. Recktest du den Kopf hoch, brannte dich die Sonne, senktest du dein Antlitz, röstete dich der Brodem. Von den Hassern der Gläubigen verblieb kein Bewahrtes oder Entronnenes. Die einen waren verwundet und verstund melt, dk anderen lagen als tote Leiber da. Allah weiß ihre Zahl. Und ihre Leichen und die Leichen unserer Tiere verbreiteten immer unerträglicher Gestank. ■ (Fortsetzung folgt,) KURIQSA; In der „C. V."-Zeitung (Nr. 16 vom 22. 4, d. J.j wird di & Frankfurter jüdische Gemeinde (in Singulair) in Wort und Bild gezeigt. Was .das Wort betrifft, iso wolle» wir mit dem Autor nicht hadern, daß er — obwohl er im historischen Teile S. R. Hirsch und Rabbiner Dr. Salomon Breuer und irn Kapitel über idie Schule auch die Schulen der IRG. bei Namen nennt — bei der Aufzählung der Leistungen -.der Gemeinde, ihrer Institutionen und Menschen nur eine Gemeinde kennt. Um so großzügiger ist aber der ArtikeiLsichreiber bei dem 'Versuch, die Frankfurter jüdische Gemeinde im B i l d darzustellen, Der Bildbericht zeigt uns Meir Amschel Rothschild und das Rotbscbüd=Haus, .die Synagogen in der Dominikanerstraße, auf dem Dominikanerplatz und in der Westendstraße, ferner 'Prof. Dr. Paul Ehrlich und zuletzt idie Pau 1 >skirch« und dien Dom. Das alles als. Wahrzeichen einer Frankfurter j ü - d i s c 'h e n Gemeinde . * * * V . _ Es wäre kurios, wenn, nicht auch einmal in de* Rubrik Kuriosa ein kleines Kuriosum unterliefe. So wird in 'diesem Kapitel der jüngsten Nummer behauptet, daß in Palästina „Sasria" und " „M'zora" voneinander getrennt werden, um schon bei der ersten Gelegenheit den Ausgleich mit der;Gola zu schaffen, wo man einen achten Fesittag mit Festtagsabschnitt 'federte, während man dort schon „Schmini" gelesen hatte. Das stimmt nicht ganz, und schon in den ersten drei Tagen nach Erscheinender Nummer zählen wir etwa ein Dutzend Zuschriften aus: unserem Leserkreise, in denen wir darüber. belehrt , werden, daß der Ausgleich in Palästina in Wahrheit erst später, bei „Achare" und „K'dauschim" vorgenommen wird. Die Zusendungen, Beanstandungen, Belehrungen und Berichtigungen ausi Palästina sind noch unterwegs und werden; in den nächsten. Tagen per Flugpost und auch mit den regulären Post Verbindungen eintreffen. Wir nehmen diese Aufklärung mit Dank zur Kenntnis. An der Tatsache, daß es nicht .angehe, unter der Marke „Sasria-M'zora" über den Inhalt von K'daisehim zu. referieren, daß es noch weniger angehe, die Vorschriften in jenen Sidroth als unästhetisch" beiseite zu lassen, und daß es am allerwenigsten .angebracht sei, wenn ari sich brave Menschen, die «ich aber in den verschlungenen Gassen und Gäßchen der Schrift nicht auskennen, über religiöse Dinge schreiben, ändert jener Lapsus nichts im mindesten. Sein Gute® hatte aber der Irrtum insofern, als die Fülle der .Berichtigungen den Konnex zwischen Gola und Erez Israel beinahe so deutlich dartut, wie jene Trennung der Wochenabschnitte, 'die alleriddngs etwas später geschieht, ak angenommen wurde. Ein Frankfurter Gelehrter, anerkannte Autorität auf dem Gebiete deor jüdischen Altertumskunde wie auf anderen Gebieten äußert sich uns gegenüber zu der Diskussion im „Israelit" über 'die Geburtsstätte von Rabbi Schlomoh L u r j a; er ist ungehalten über den Ton besonders der jüngsten Zuschrift. So schlimm stehe es gar nicht mit der Geschichtswissenschaft in Bezug auf Genealogie. Es stimme auch keineswegs-, daß außer David Kaufmann, Leopold Loewen&tein und Bernhard Wachstein keiner auf .diesem Gebiete etwas Zuverlässiges geboten hätte. Mau übersehe nicht, daß auch Samuel Josef Fin und Schlomo Bub er uns* ungeheuer Wertvolles für die Geschichtswissenschaft und insbesondere für das Gebiet der . Genealogie «geschenkt hätten. Positives! zu der Geburtsstätte von Rabbi Lurja weiß uns freilich auch der Gelehrte nicht zu sagen, aber so ganz unrecht hat er dennoch nicht. '* Die mangelhaften Angaben der Personalien unserer Großen liegt nicht an den Forschern, sondern an der unzulänglichen .Matrikelführung von anno dazumal. Die Großen selbst haben es unterlassen, von ihrer Geburt wie überhaupt von ihrer Person viel zu sprechen, und da keiner 'dieser Großen schon als »^Großer" zur Welt kam, hat sich auch die Mitwelt sein Geburts^ datum nicht gemerkt. Diese Versäumnisse. unseren Forschern und Genealogen zur Last zu legen, ist daher gewiß nicht berechtigt. Ein Stammbaum-Buch. In diesen Taigen erschien in Druck ein Stamm* bäum der Familie Birnbaum, bearbeitet von/Walter Birnbaum, London, der die Entwicklung der aUS Rotenburg a. Fulda stammenden, in der Mitte des 19. Jahrhunderts nach 'Frankfurt a. Mi eingewanderten Familie von etwa 1750 bis .auf -die Jetztzeit in allen ihren Verästelungen aufzeigt. Das für die familiengeschichtliche Forschungen interessante Werk kostet'Mk. 5.— und kann durch J. S ä n g e t1, Frankfurt a. M., Herderstr. 30, bezogen werden.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.