Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 78 (1937)
- Issue
- Heft 12-13 (25.3.1937)
- Date
- 1937-03-25
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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f 'iPPIi^ 25. Mä^l937 ' _ Der 1 s r a e l i t ' Kr. 12/13 Seite' 19* KURJOSA. Man schreibt uns aus Jerusalem; nSie 'fanden es yor kurzein kurios, daß ein jüdischer Zeuge vor Gerieht von: einem < englischen. Richter darüber belehrt worden ist, daß ein Jude bei der Eidesleistung.den Hut aufzusetzen hätte. Was werden. Sie . erstsagen, -wenn Sie die Notiz' in dem beiliegenden. Ausseht des ipan lesen?" . ' f Und wir lesen im Zeitungsausschnitt vom 8. Adar etwa folgendes: ' Ein jüdischer., Zeuge steht vor dem Richter. Auf Hie Frage nach seirieniABe^üf, , antwortet der Zeuge: „Lehr e r-, £r,i i e h e r. im Npar Haowed, auch Redakteur eine® Arb.eiterörganes.'' Nun. wird der Zeuge aufgefordert, nach bestehendem Gesetz beim lebendigen G'.t.te zu schwören. >(Muß, ich ablehnen," erwiderte .der Zeuge, „denn ich' glaube an gar nichts. . . ." ' ." ' / - Also ein > Lehrer und.. Erzieher, als Schriftleiter auch Erzieher der Großen, mit ..Namen. David. Kahan, erklärt vor Gericht, daß. er an nichts glaube. Was bedeutet , noch jene harmlose Hutloügkeit im Vergleich zu der K op f 1 osi g k e i t des Mehschenkreises, der einem Lehrer seine. Kinder anvertraut, . weleher seinen religiösen Nihilismus öffentlich zur Schau trägt und sogar vor. Gericht', mit der Feierlichkeit eines Bekenntnisses, bekundet? ■ ■ . Das ist schon vielleicht mehr tragisch als kurios. Voriges Jahr hatten wir Gelegenheit, d e n S e der und di e Ha gg ad a v o n En C har o d zu besprechen. Dieses Jair kommt uns noch rechtzeitig vor dem Feste ein Prospekt der Berliner .Stelle des Nationalfonds mS die; Hand, in dem, .die, H a g g a d a von Giwath B r e n n e r angepriesen wird. Eine Umwertung aller religiösen Werte, die unsere alte Haggada auszeichneten und auszeichnen, ist, nach dieser'Anpreisung,'die neue Seder=Agende. Aus „einer verblaßten Konvention" .seien die Pessachtage wiederum „ein Fest voll Trost uiid Besinnung'-' geworden. Der Auszug aus Aegypten, sei, nicht mehr „ein bloßer. Mythos".;_Def alte jüdische Stamm sei wieder, „voller Blüten und alle seine Blätter sprechen von Heimkehr." In der neuen Haggada sei „nur ein ein* ziges Blatt dem Auszug aus der Sklaverei im Mizraim gewidmet, der Turm auf dem nächsten Blatt heißt schön Rückkehr." Und dann.G e g e n w a r t, Gegenwart, nichts wie Gegenwart: Pflugschar und Flinte symbolisieren Arbeit und Wacht! — Was war doch der Roscho in unserer alten Haggada mit seinen hämischen Fragen ein harmloses Waisenkind im Vergleich mit den traan von Giwath Brenner? Für Giwath Brenner ist scheinbar die Sonder- 'g e u 11 ah schon'da, trotz allem und allem. Aber wäre sie da,' brauchte man da, zur Flinte zu greifen, wenn doch mit der Geullah alle Flinten sich in Pflugscharen verwandeln? Und vielleicht hat noch der ältere. Jahrgang der- Kolonie von Cheder und Jeschiwä her die Erinnerung an die Talmudstellei wonach man auch 'nach Ankunft des Moschiach im m e r noch vom Auszug aus Aegypten sprechen wird? s ' , Wissen möchten' wir nur, ob die Kinder von Giwath Brenner mit den gleichen strahlenden Gesichtern und blanken Augen nach ihrer neuen.^Haggada greifen, in der über „das Mythos-des Auszuges" rasch zum. Pfluge und zur Flinte übergegangen wird, wie unsere Kinder nach der alten lieben Haggada, mit •den alten ewig ijungen Erzählungen, Bildern und Liedern. i ■ ■ ' . . Kleine^ F^tiill^ton. (Nciierscheinun^.) Zum .Pesjsacbfest erscheint im Berthoid Leyy-Verlag eine neue Schrift des Trierer Öberrabbinerö ' Dr. Adolf Altmanhr ■ ,iDie jüdische Volksseele". . Dr. Aitmänn, der der jüdischen Oeffentlichkeit durch zahlreiche wissenschäftliche und jüdisch-aktuelle Schriften 'bekannt ist, unternimmt es laier, die vitale Bedeutung " des. biblischen Elements gerade für unsere jüdische Gegenwart zu beleuchten} Berichtigung. Der Moled Ijar tritt nicht wie im Luach angegebnen; in der Nacht auf Samstag ein, sondern auf Sonn* tag; die weiteren Zeiten bleiben unverändert. .Personalien. lj>r. Naphtali Cohn bull* .... Kopenhagen, 19. März.* Der Name> welcher überwiesen'Zeilen steht, war "bis vor kurzer Zeit in den ,'Spalten dieser Zeitung: nur sielten u jjlesen.' Dann ersehen er' fast Woche "Um Wbche als 'Name -des Verfassers der .„Anleitung? zum Talmudstudium". in\\einer Anzeige des HermonV " Verlages.":"Er;; war aber den meisten der Leser nichts weiter als . eben der Name eines Verfassers, von welchem.' selb.ef sie kaum etwas wüßten. Nun müssen wir, denen dieser Name so viel bedeutete, denen er geradezu ein Symbol des .Lebens und ein Hort der Lehre war, -jene drei, Zeichen hinter , ihn. setzen, die auch 'den:. Fernen ' sagen, ^daß Naphtali Cohn hic'it mehr unter den Lebenden weilt, und müssen Zeugnis ablegen für den Mann und sein Leben! — Am Schabbos Parsches Hachaudesch hatte ei* noch in seiner Famiii ehsynagoge dasseit frühester Jugend ausgeübte Amt des 'Baal-Kaure versehen — und am Mittwoch früh brachten die Tageszeitungen die Nachricht von dem plötzlichen Tod des eben 48Jährigen, weleher am Tage vorher . nach wenigen Stunden des Kränkseins seine, reine und reiche Seele ausgehaucht hatte. — Die Zeitungen brachten in ihren Artikeln zum Ausdruck, welchen großen Verlust die dänische Oeffentlichkeit durch die allzufrühe Heimkehr die^ ses Mannes erlitten, hat, der mit 22 Jahren die Goldmedaille der Kopenhagener Universität für eine philosophische Abhandlung über die Erkenntnistheorie erhielt', der mit 32 Jahren Anwalt am dänischen Höchstgericht geworden war, der der. juristische .Kon-, sulent des südjutländischen Ministeriums war, hervorragende Bücher über die Quellen des Völkerrecht tes, des römischen Rechtes und über das Kriegsrecht herausgegeben hatte, der als eine;einzig dastehende juristische Begabung und als der klügste Mann. dieses Landes galtJ — U ns war er mehr! Uns war er in diesen thoraarmen Ländern des Nordens der Talmid Chochom-höchsten Ranges,; der auch in thora* reichen Ländern die Aufmerksamkeit und;die Bewunderung' der Verstehenden, auf sich gezogen hätte, 'uns war er ih diesen nordischen Gegenden, wo das msna •»ws-- zu einer fast selbstverständlichen Begleitferscheinung allen gesellschaftlichen" Aufstiegs geworden ist, das Vorbild de® mxb3 p^F»^n• der auch den kleinsten Minhag hütete, der niemals — dies Wort im wörtlichsten Sinn genommen — seit Jahrzehnten eine ^3Sa n^sn versäumte, den _ sein hohes Amt nicht hinderte, .auch die "Vorschriften' der 'Sefifo; bis ins-' Kleinste zu halten, den seine riesige - Änwaltspraxis — wohl die größte Kopenhagens — und seine an- . dere ausgedehnte öffentliche Wirksamkeit nicht davon abhielt, täglich nyrf? vn» »aip in vorbildlicher Weise zu sein.' — Das dänieshe Volk hat einen seiner verdientesten Bürger, die dänische Judenheit ihre markanteste Persönlichkeit, u n s e r o r t h o d o x e n Kreis seinen Besten verloren! — Es war nicht ganz leicht, an iNaphtali Cohn heranzukommen; •er hielt sich mit einer gewissen Scheu. von den Men= SChen zurück. Wem er sich afcer erschloß; dem er-.- schloß er sich ganz; wem er «eine Freundschaft gab, dem gab er sie völlig, der mußte erkennen, daß nicht Stolz, sondern ein besonderes Z'nius der Seele seine Haltung bestimmte, der durfte erleben, daß Naphtali Cohn ein im tiefsten Grund bescheidener Mann war, dessen Berufsleben sich zwar im Licht der großen Oeffentlichkeit völlziehen mußte, dessen ganzes Glück aber die vorbßdliche Innigkeit seines Familienlebens, dessen einzige Erholung die Ruhe seines „L'ernzimmers" war! — Sein so plötzliches Hinscheiden bedeutet aber nicht nur für die Gattin, eine Töchter aus, dem Hause Anshacher-Frankfurt, und die sechs zarten Kinder, für den kongenialen Bruder und die Schwestern, für die seiner Freundschaft Grwijrdigten im besonderen und den kleine northodpxeh Kreis hier im allgemeinen einen tiefen Schmerz' und einen furchtbaren Verlust, Naphtali Cohn ist nicht nur den Seinen gestorben, er starb allen, denen min itai' Sache des Herzens und des Lebens ist.' — Er mag es selber in den letzten Jahren mehr , und mehr emp=' fünden haben, daß ein Mann seiner unvergleichlichen Fähigkeiten, seines Charifus, der nie die M'fofschim einsah und. sie immer zutraf, seiner mmfi man« es seinem Volk und seinen Kindern schuldig sei, auf unserm Feld zu säen, und so veröffentlichte er, gewissermaßen als eine Voranfrage, das erste Heft seiner t^.nleit\mg zum Talmudstüdium";' jetzt1 wollte er einen Perek aus Schwuaus bearbeiten, um die Bedeutung und den Umfang des jüdischen Schwur- ■wesens darzustellen. Und auf diese Weis« wollte er "'"auf^;>den verschiedenen -Gebieten der Gemoro Stoffe behandeln, ..immer da® Ziel vorm Auge, das er im VörwÖrt zu 'seiner ^Anleitung'' "mit so klaren? Worten' umschrieben hatte. Nun ist dieser ungewöhnliche o'^n -»yD« von uns gegangen, und alle die Hoffnungen, die wir aufseine gesegnete Wirksamkeit auch auf diesem Gebiet ', hegten,, bleiben unyerwirklicht: „Wehe um diese Schönheit, die da . in der Erde1 yergeht!'' — Aber in Liebe und Treue wollen wir das Gedächtnis Naphtali. Cohns heilig halten; Erst vor wenigen Monaten , uberreichten wir ihm im (Einverständnis mit' dem vpni •ihm bis zuletzt ' so; hoc;hges(;hätzteh . Lehrer seiner- Jugend, Oberrab^biner Ür. X^wenstein, Zürich, den, laimr-Brief. {Dqt1''..^eb^na^e'/lehnte'' die Annahme des fTitels ab, -dem .'Toten;er ' Mahn, der, im Glänze bürgerlicher Ehren, ein ganzer Jude blieb, dem die assimilierte Umwelt nichts nehmen konhte'von seiner vollen Jüdi«chkei : ••vy .ivrai»- um' Möge sein .S'chus .seiner lieben Frau beistehen, Seine Kinder in seinem Geist zu erziehen: : - Vin« TJ3 ^Ü7K p'-IX IHiM T?IM W. S. J. Hamburg, 22. März. Still und bescheiden lebte Louis Weih gärten ein schlichtes, gesegnetes Leben im Kreise seiner Familie. Still hauchte er am 12.. Adar seine reine Seele aus nach langem, schwerem, mit größter Geduld ertragenem. Leiden. Am Taanis Esther fand sich eine zahlreiche Gemeinde von Freunden an seiner letzten Ruhestätte ein. Herr Oberrabbiner Ca rieb ach widmete herzliche Worte wärmster Anteilnahme dem im 64. Lebensjahre Da* hingegangenen. Er zeichnete die äußer« Vornehmheit Seiner 'Gestalt, die geprägt war von dem reinen Adel seiner edlen Gesinnung, von der Ehrfurcht zu G'tt, von seiner besonderen Güte zu Armen, und Hilflosen, von der zärtlichsten Liebe zu Frau und Kindern, von Pflichttreue bis zum letzten Atemzug. '. . rrasa/i Dr. Max Kollenscher gestorben. Tel Awiw, 16. März. Im 62. Lebensjahre ist in Tel Awiw Dr. Max K o 11 e n s c h e r gestorben, der bis, vor wenigen Jahren dem Vorstand der Jüdischen Gemeinde zu Berlin angehörte und auch im Preußischen Landesverband | jüdischer Gemeinden eine führende Stellung einnahm. Dr. Mai Kollenscher Jfar ein aktiver Vorkämpfer des zionistischen Gedankens auf könserva* tiver Grundlage. Er war als Rechtsanwalt ursprünglich in . Posen, später in Berlin tätig. Unmittelbar nach dem . Kriege gründete' er in Posen den „Jüdischen " Volksrat", der sich für die Erringung von Minderheitsfechten für die Juden einsetzte. Als einer der Führer der Jüdischen Volkspar.t ei wurde > Dr. Kollenscher nach seiner Uebersiedlung nach Berlin in den Gemeindevorstand entsandt. Er hat eine .Schrift über die „Rechtsverhältnisse der Juden :n Preußen" uhd eine zweite über „Die polnische Staatsangehörigkeit nach dem §taatsvertrage vom 28. 6. 1919" veröffentlicht. Die Arbeit dse Posener Jüdischen Volksrates hat er in seiner 1925 erscheinenden Schrift „Jüdischeis aus der deutsch-polnischen Uebergangszeit" dargelegt. Vermischtes. Fels der religiösen Tretie;'des, 'Mutes, der - unbeugsamem tetßchfa&Tyimm^ .und —■ unseren i.Kinder^. werden;cwir;•■ erzählenvon '"diesem^ ... Hamburg} 19. März, Am 12: März'fanden an der" Talmud Thora^Oberrealschule unter deni Vorsitz des staatlichen ■ Prüfungskommissars die Abschlußprüfungen statt. Sämtliche 10 Schüler der Prima' beständen die'Abiturientenprüfung und erhielten das Zeugnis der Hochschulreife; alle 26 Schüler der Untersekunda erlangten das Reifezeugnis für die Ober* Sekunda. . Berlin, 17. März. Das Jüdische Seminar f ü r'K ind er g ä r t n e r in ri en und Hortnerinnen Berlin W 15» Meinekestr. 22, beginnt am 21. April ds. Js. mit einem neuen Aüsbildungslehrgang der 40 Schülerinnen umfaßt. Anmeldungen können für diesen Kurs nicht mehr angenommen werden. Der nächste Kurs beginnt Ostern 1938. In diesem Jahr entläßt das Seminar keine Schülerinnen; 'der laufende Kurs endet Ostern 1938. Einige wenige Haushaltsschülerinnen können zu Ostern ds. Js. noch als ex* terne Schülerinnen aufgenommen werden. Das Seminar zieht im April um; die neue Adresse ist: Ber* Hn-Grunewald, Wangenheimstr. 36; Die Geschäftsstelle bleibt nach Me vor: Reichsvertretung der Juden in Deutschland, Abt. Zeniralwohlfahrtsstelle, Berlin-Charlotteriburg 2, Kantstr. 158, ah die alle Anfragen zu richten sind. Marburg, 18. März. Vor einem zahlreich erschienenen Publikum sprach ain Sonntag, den 15. März, in der hiesigen ' Synagoge Herr Redakteur S. S c h ä'C h h 0 W i t Z über „Abarbanel tmd die,■ Marra» nen unserer Zeit". 'Herr Schachnowitz ist uns kein Fremder, sei es durch seine Werke, die uns die großen Gestalten unserer - Vergangenheit in lebendiger r Weise vor Augen führen, sei es durch das zündende Wort, mit dem er sich schon bei' seinen früheren Vorträgen hier in Marburg eine große Anhängerschaft erwörben ."hat:. Es gehört^tiefstes jüdisch geschichtliches Wissen dazu; Zeiten und ihre Persönlichkeitenin' ihrer Harmonie und .Disharmonie darzustellen ibezw.. den gleichen geschichtlichen Sinn aus verschiedenen Zeitepochen so zu deuten, wie es der Redner in diesem' einstündigen Referate getan hat. Jeder konnte -aus seinen lebendig vorgetragenen Ausführun- , gen die ^Nutzanwendung für sein eigenes und das Jfl* 'dische Gemeinschaftsleben ziehen. Besonders erschütternd 1 Waren die ^; Mus^aiworte, mit denen Herr .Schachnqwitz Fehler der jüngsten Vergangenheitaufzeigtöp^ind^^ die^in" die ^IVLahnüng ausklangen, die Zeichen der/. Zeit zu "^erstehen der. Botschaft aus fdef Pessachhaggada schloß der wirkungsvolle Vor-;'trag; l.der einem" :dan^aren;<PuTt?likunir unvergessen bleiben-wird. ■'' ■ ■ " * E.%P.