Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 78 (1937)
- Issue
- Heft 12-13 (25.3.1937)
- Date
- 1937-03-25
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Ein Centraiorgan für «las orthodoxe Judentum / Begründet von Dr. Lehmann in Mains Frankfurt a. M, EL _25^März 1937 _ 13. Nissan 5697 Nummer 12/13 PIS Vier Fragen der Zeit. Wenn Pessach ein Fest des Kindes, ein Fest des Fragens und der. väterlichen Belehrung, ist. so könnte man sich, ohne dem traditionellen Text im geringsten Abbruch zm tun, bei der weiteren Aussprache an den Festabenden und Festtagen an die-g«gebene Disposition, an die Vier zahl halten. " . Es sind in der Hauptsache auch heute noch vier Fragen; vier Probleme, die unsN beschäftigen; vier Rätsel, vor die uns die Zeit stellt und nach deren Lösung Jung und Alt suchen möchten: Welt in Not! Israel auf dem Erdenrunde in doppelter Not! Die Thora und ihre Träger in besonderer Not! Erez Israel in Not und Bedrängnis!: Vornehmlich sind es die Fragen, mit denen sich heute alle Denkenden im Judentum befassen und auf die sie in -alten Schriften und in neuen Weisheitsbüchern Antwort suchen. Die vier Söhne der Haggada bieten aber einen Hinweis auf die .verschiedenen Richtungen im Judentum —- man könnte sie auch auf die Zahl vier bringen —, deren jede nach ihrer Einstellung, nach ihrer Zusammensetzung, ihrer Struktur, ihrer Lebensanschauung und ihrem Programmdieauf uns einstürmenden ^Probleme zu beantworten und zu lösen sucht. Dabei ist es gewiß nicht nötig, daß man indie Feststimmung des Abends' das „garstige politische Lied" störend hineinklingen läßt. »Mail bleibe beim Positiven und weise nur auf d i e Richtung und d i e Organisation hin, die gleich dem e r s t e n Sohti in der Haggada das vierfache Preisrätsel zu lösen sucht, einzig auf dem Wege der ü^pn IWST D'öS^öV Ze^gnisser Satzungen und Rechtsvorr -Schriften; deren Streben es ist, alle Fragen des Judentums im Geiste der Thora und Tradition zu lösen. Sie -hat damit den Stein der Weisheit Jucht erstoder gefunden, es ist die älteste, und bewährteste . aller jüdischen" Weisheiten. Letzte vierfache Antwort auf die vier uns von der Zeit aufgegebenen Rätsel deuten aber die vier Becher an^Maii mag noch soviel in diese vier; Becher hineingedeutet haben, hoch so geistreich auf ihren 'Grund' gegangen sein, man kommt doch über;den einfachen und eigentlichen Grund nicht hinweg, daßdie vier Becher an dem Abend von den; vier Handlungen "der häuslichen Feier bedingt .sind: K i d d us.ch bedarf eines Bechers und die H ä g g a d a erfördert einen Becbej-, aber auch Halle 1 ,wie Tischgebet müs&en' zu ihrem Rechte bei, vollgefülltem Kelche kommen. . V-"'";'■]"/'''.:--■ Und gerade an dieser. einf achsten Erklärung - fassen sich bei der Unterhaltung zwischen Vater und Sohn jene Gedanken' am besten fortspinnen: W e 11 in, Not! . H a 11 e .1 aber spricht von der.: 5697. W e 11 e r 1 ö s u n g , von der Zeit, :da „vom Aufgang bis zum Untergang der Sonne gepriesen wird der Name. G'ttes,". da. „G'tt suchen alle . Völker, Ihn preisen alle Nationen und huldigend anerkennen, daß sie Seiner Gnade, in Kraft; und Sturm zuweilen, teilhaftig wurden" d->u n nx ftbn Isr ael in Not! Nicht erst seit heute. „Gedenke der Tage der Vorzeit, begreife die Jahre von Geschlecht zu Geschlecht; frage Deinen Vater, daß er Dir künde, die Alten, daß sie es Dir sagen!" Schlage das H a g g a d a - B u c h auf undlies das Werden Deines Volkes von jener Nacht der Nächte, von der Stunde des Auszuges ah. und Du findest Grund und Grenze der Judennot, endgültige Lösung des Judenprpblems mitten im Weltproblem. Was Israel in Mizraim« erlebt .hat, ist der Grundstein seiner Zukunft. : T»ns6 nos n-nxn rtbö Das Judentum der Thora! Es hat seinen eigenen Bezirk in der allgemeinen Judennot. Am Kidduschbecher sprechen wir es aus und loben Ihn, daß „Er uns auserwählt hat von allen Völkern, auserkoren hat von allen Sprachen und uns geheiligt hat durch Seine Gebote." Das Pflichtenleben erheischt Opfer. Wir hüten das heilige Licht, das damals mitten in der Finsternis Israels Häuser, erleuchtete; für dip anderen mit. , Besondere Opfer für die Thora durch Sabbatruhe, durch allerhand Entbehrungen an Speis und Trank, durch die vielen Grenzen und Hemmungen, die uns das Religionsgesetz auferlegt, bedeuten AuserwähUtheit. Wir bauen, nicht allein am Sederabend, und dieser Bau wird weit genug sein, daß alle Brüder darin Platz finden. Und endlich E r e z I s r a e 1! Die ■nie bx*W f*)N' die Nöte des heiligen Landes, sind nicht von heute. Erez Israel gehört, überhaupt, wie Thora und das zukünftige Leben, zu den Besitztümern, die wir uns nur durch Leiden erkaufen können- Heben wir den Kelch, der dem Tischgebete gewidmet ist und danken wir Ihm für „das liebliche und köstliche Land, das Er unseren ^Vätern vererbt hat", aber zugleich „für Seinen Bund, den Er mit uns geschlossen hat und für Seine Thora, die er uns gelehrt hat und für Seine Gesetze, <die er uns kundgetan hat," deren Heilighaltung die erste Bedingung für unser Verwurzelung im Boden ist. Mit dem Kelche in der Hand wissen wir beim Tischgebete, daß „Er sich erbarmen wird über Israel, Sein Volk, über Jerusalem,. Seine Stadt und über Zion, die Stätte Seiner Ehre." Die vier Becher bringen B o t s c ha ft, aber noch keine Erfüllung. Die haben wir zu bringen, durch die Tat, durch das Suchen nach endgültiger vierfacher Losung für die vierfachen Rätsel, vor die uns heute die Weltlage und die jüdische Situation stellen. Dann wartet E 1 i j a h u, der prophetische Künder, mit dem fünften Becher ... Vielleicht weist dieser fünfte Becher über den jüdischen Kreis und die jüdische Hoffnung hinaus ... Indem wir nach Lösung aller vier Fragen suchen, bauen wir. für die Menschheit. Natur u. Geschichte im Lichte der jüdischen Überlieferung. Von Jacob Rosenheim in London. ' ' " L "-. . . . Es' bedarf schon eines gewissen geistigen Rucks, einer gewaltsamen Selbst-Konzentration, um in der Fülle und Mannigfaltigkeit des täglichen Erlebens, das auf den Kulturmenschen heute. einstürmt, sich zu einer zusammenfassen- *aen W e r t ü n g dieses Erlebens aufzuraffen, wie sie dem natürlichen /Bedürfnis ders nach E i n - h e i t und 0 r d n u n g lechzenden Seele entspricht. Zwar sollte geradedem in' der Atmosphäre seiner Geschichte lebenden, t h o f a g et reu e n Juden schön' aus. der /dreimaligen Selbstbesin- ^iiung'lund WelWurchdringungr die ihm Sern e - % \\ 1 ja4 bringt, die Fähigkeit zur fortdauernden Gestaltung ^hd Formung des Erlebnisstoffes erwachsen. '.''>.' v", : '; ■:, Aber wir wissen ja, wie es, solange nicht eine umfassende Mussarbewegung uns die Kunst der Tefilla wieder gelehrt hat, um die gefühlsmäßigen und intellektuellen Wirkungen der Stunden des Gebetes zumeist bestellt ist. Die umfassenden,: ewig jungen und dabei ganz und gar nicht doktrinären philosophischen Gedankengänge, die unsere Gebete, insbesondere; diejenigen jedes anbrechenden Tages, zu einer wahren Fundgrube natur- und geschichtsdeutender Wahrheiten machen, gleiten zumeist unerfäßt an unserem Denken vorüber Und erfahren darum auch nicht , die logische Weiterentwicklung,' deren sie in den Intellekten begabter jüdischer Menschen — an denen es ja g'ttlob nicht fehlt — fähig wären. 1 , (Forlsetzung siehe Seite 3.) .