Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 78 (1937)
- Issue
- Heft 7 (18.2.1937)
- Date
- 1937-02-18
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
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Seite 26! ,;■■ s ,. - und würde wohl^ßa."oden erstenzwölf Stunden seinen 'Ratticil' nicht auSgeschiafen haben. Wenn er, Chajim Jossei -ScKnipke;r..sich nun ins andere Bett zur Ruhe-:;begeb^-und morgens zeitig wieder aufstelle,"-so"\VKirde;*d«r jGerieral nicht das geringste^ davon? gemerkt haben. Aber, so fügte der Wirt hinzu, er .müsse es auf eigene Gefahr tun. -Wehe ihm, wenn der-^eneral wider Erwarten doch nachts aufwache" und einen Juden neben sich entdecke. Chajim Rossels Leben wäre dann Jceinen Pfifferling mehr/wert. — In seiner Not ging der Ghelmer-'darauf ein und machte noch aus, daßvser noch "vc^r^Täg geweckt werde. Da er kein Licht anmachen durfte, um kein Geräusch zu veränlasseQ>tuTLdi die Aufmerksamkeit des höhen :Z|mmei^kcHbars nicht auf, sichl zu lenkenr. .tastete er sich 'än\ d|s ihm bezeichnete Bett^.heriän^ warf"; leise die Kleider von sich ab und fe^ev sich zur Ruhe. Wie er nun im warmen Bette Ta^g, bekam er es aber doch mit der Angst zu tun.;^£^|;wa^te~kaüm zu -; atmen. Der Schläfer danebenxficlmä'rcKte" un-dr gur^efte wie ein ' geschlachteter Ochse und gab Töne und Drohungen von sic^die ^Chajim Jossei erzittern machten. Wehe, wenn er aufwacht; - mußte er immer denken, mein armes Weib, meine unschuldigen Kinder^... - Er^bere'üte schon, dies gefährliche Bett genommen-zur haben, getraute aber auch nicht, sich zu entfernen. Jeden Augenblick schien es ihm, als würde, jetzt-der General aufwachen und sich mit; blutunterlaufenen Augen und blankem Säbel auf ihn -stürzen. So verging Stunde um Stunde für den Armen. Auch die Enttäuschung über Warschau, wo es die Menschen alle so eilig haben und keiner Zeit hatte, sich mit ihm ein wenig auszusprechen, gesellte sich hinzu. Heimweh nach Haus und Familie, nach dem schönen Chelm, . das. er - 'bisher noch nie verlassen hatte, stellte sich ein., „Was habe ich hier verloren?", so fragte er sich und - beschloß, noch ehe der Morgen tagte, wieder die Stadt zu verlassen, die ihm in, wenigen Stunden, nur Angst und Aufregung gebracht hatte. Dabei schlief er ein. Gegen Morgen weckte .ihn leise der Portier. Da er kein Licht anmachen durfte, tastete er sich leise aus: dem Bett ^naoh ■ seinen /Kleidern. Auf dem Boden lagen si<§ ümher> ' ~ Sie ^«c^^n^nCanin ••»•aüf einmal so schwer. c Ab er er Tiatte nicht; viel /Zeit zu verlieren, warf sich, aufgeregt in die Hose, zog rasch Weste undJ Rock an^ setzte: clie. Kappö auf, machte ganz leise die Türe .auf und lief, so rasch er; laufen .konnte, die .Treppe •-■hiütmteri--:mit. einem .Dankgefühl. gegen G-'tt, daß er;nün der Stätte j^er. Gefahr entronnen war. / Es fiel ,ihih auf, däß die" Häusleute ünten> beL seinem An- / blicke;sich^ ^vor :/ihm aufstellten und ihm pehrer-- bietigdie;Ture" aufmachten/ Er darchte; nicht lange ^darüber nach und lief weiter, an diö Bahn, Um die Ecke ein ^kleiner Trupp Soföa^en, geführt von eji§|mv U|iter£fiM^|> Er l&örtg, iwi? der Unteroffizier "den Soldaten etwas! laut^ zurief 'und sich alle in /Positur - stellten und jnv« Chore grüßten-. Es - schien ihm, als wäre•-die jEßrungfür ihn gedacht und^ konnte sicji %stnicht redht. erklären. Aber weif er,- dächte1 er, ^imnierJr weiter; an die Barnim hinausoatis;dieserköm^cKen Sjtadt-. Es kamen /noch"mehr Soldaten, Schutzleute, -0-01ziere,;'Beamte des Weges, ^die -^lie odi| fi^llpn; zusammenschlugen, stramm stehen ^lieb^h? und die Rechte; zur . Mütze hielten. * t -;; " IJriverständljch, - fachte r /^Chajinf' " Josse!' Schnipjce, gestern, schimpften;'sie\vn^;*»och^rJudnach, und heute erweisen -"sie mi&^e^hodfesferi' Ehrenj alswäre ich /König; Wie? werdet ich -klug.' .aus diesem verrückten .Warsciaü?^ / -Inimeriän" eine schönere Stadt" als Chelm, fachte''er;-^'Ünd'.- wenn schon ein" Jude -}iier--sehi£ geehrV ^fäjujrso wäre es vielleicht am besten,, et hole sich FrSu und Kinder-aus dem finsteren Chelm und* schlage seihen Wohnsitz hier auf. Jaf die Jud-eri fGhelms , könnten ja allesamt herkommen .undj^ichhfer auf der Straße begrüßen lassen,!^nstatt£ dprt v$?n betrunkenen Soldaten geschimpft ürid, j|escli§agen zu werden. : ,. ' f' - Mit diesem Gedankengelangte^ Chajimv JJös^el Schnipke auf den-Bahhhof und trat, da .es, reich lieh Zeit war, in den- Wartesaal dritter -Klasse. Der Saal war in Rauchqualm gehüllt'' tmtT^f^lt} von Soldaten, die tranken . und (Karf erf spielten. Kaum erblickten sie Chajim?Jossel,£so Standes; sie alle erschrocken -auf, "gräßi^nf Stramin^' üad.:: ehrerbietig und ließen Trank und .Spiel .im Stiph. Ein höherer. Eisenba^beaTnter* kani?und/ bat, Chajim Jossei unter;;, vielen Bücklingen,''.sich doch in die erste Klasse zu begeben. Chajim Jossei ging stumm in den: Prunksalpii; der. ersten Klasse. Dort sah er, heute zum erstenmal einen Spiegel.. Wer stand7 da drinnen? Er: erschrak.. üii3 machte; eine Verbeugung; aber der Mann' drinnen machte die Verbeugung mit. Sein Spiegelbild-konnte-es nicht/sein, denn der Mann im "Spiegel^h^te^e-. nerälsuniförm mit Epauletten/ und viefenf Orden an,; eine Kappe auf; mit breitem, roteni -Streifen und großer Kokarde, i Was war ..das nur? \ v . Endlich ging Chajim Jossei .Schnipke ein Licht auf : „Daß der Terfvldeä Bortier .'toje^lch sagte inni, stiften i^ch, ^Cjiäjinj -ffOssel 5c4räpKe^ wecite^uMPel^el EseVhä| Ja* de« ,fie|ei?ak geweckt? i- „V.Z:. r| 1 /??T :•' ' :M£s "Ir'Sin? JMel ztacldcaiia, iiiff"§cfi "s#q^ jüdische^ .^le]id^r^zu ^olieri^«cjdiajcfitr dei^-Ge-;? rieral .und "gurgeltej&cäi^nd "|ab;t6W§ii^3:.J)rp^ hurigeh von isichr>iwie ^iivqr.' Er '-hätte |AÄpeder: Kommen noch Gehen -des] Chilriier/ fKoUe^etf Be-- merkt. - ' " :; '3 -x £ . Nach. Warschau kaih Chajim?Jo:ss^l%^aiplcer; nicht VWfedet1^ 1^ ü >j rlo;-~ 2Zp j £■ r % e q ic' S ä v'H '''