Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 78 (1937)
- Issue
- Heft 4 (28.1.1937)
- Date
- 1937-01-28
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 10 iNr. 4 D I s r Ate H i t * 28. .Jan^a^il937 [•*{ :s> S 53 tf£ 1 Wärmeleitung usw.* Eine Unmenge von Experimenten werden durch sie erklärt. Es ergibt sich nun die^Frage^ i^wjeso die^ klassische Mechanik (Newton* Eijisi^nj allen .Tatsachen entsprechen konnte und bi,s auf die letzte Zeit vollkommen genügt Hat?! ' -\ 7 Die Antwort auf diese Frage ist von großer Wichtigkeit. Wir müssen doch wissen, was nun an Stelle des kausalen Gesetzes angenommen werden muß, um die Newton'sche Mechanik erklären zu können, die doch auf Kausalität beruht.. Es ergibt sich als Antwort, daß das Wahr scheinlichkeitsgesetz an die Stelle des Kausali tätsprinzip getreten ist. Für jedes einzelne Elektron? das durch die Oeffnung tritt, gibt es noch viele Möglichkeiten für die Richtung, die es in der Kamera nehmen wird. Tritt aber ein ganzer Elektronenstrahl durch die Oeffnung ein, dann wird die Richtung der Elektronen vom Wahrscheinlichkeitsgesetz beherrscht; wir finden als Resultat, daß fast alle Elektronen eine bestimmte Bahn bestreiten. Dieser Elektronen strahl schlägt nun aber die gleiche Richtung ein, die er auch nach der Newton'schen Mechanik einschlagen müßte. ' Zur Veranschaulichung des Wahrscheinlich keitsgesetzes diene das Beispielrder Lebensver Sicherung. Obwohl man von einer einzelnen Person nichts wissen 'kann über die: Lebensdauer, kann man sehr wohl von einer großen Menge von Menschen mit scharfer Präzision über die Lebensdauer Aussagen machen. Daraus geht überzeugend hervor, daß die Kausalität in W i r k 1 i chk e i t nicht besteht. Da das Auge nicht die mikroskopischen Vorgänge der Elektronen beobachten kann, konnte man eben nicht wissen, d a ß d i e Gesetze der Mechanik das Resultat einer maximalen W a h r s c h e i n 1 i c h - k e i t s in d . sondern man mußte glauben, es mit einer Kausalität zu tun zu haben. Daß wir nun diese Kausalität zur Grundlage unseres Denkens gemacht haben; ist sehr bedauerlich und hat vieles problematisch gemacht, was einfach ist und hat viele Taurohbegriffe-verzerrt. Es obliegt uns also die Pflicht, u n s ere Denkformen gründlicn zu revidieren und uns aus dem Zwang der Kant'schen Erkenntniskritik zu befreien. Eine große Anzahl von Fragen ergibt sich hier im Zusammenhang. Brauchen wir uns erst von der Wissenschaft diktieren zu lassen, unsere Denkform zu revidieren und dem Taurohsystem anzupassen? Soll nun versucht werden, ein jüdisches Denksystem zu konstruieren, das den neuen Erkenntnissen entspricht oder sollen diese Erkenntnisse für uns nur Anlaß sein zu einer Revision unserer Denkformen im allgemeinen? Die Beantwortung der hier aufgeworfenen Probleme und Fragen hoffe ich demnächst vornehmen zu können. ' Büchcrbcsprechungen. Judäa und die Juden. Von Theodor Mommsen., Mit einem Nachwort von Eugen Täub l er. Schocken-Bucierei. Bd. 70. Das Bändchen enthält einen Abschnitt :äus dem fünften Bande der Römischen Geschichte von Theodor Mommsen. Die Form der Darstellung ist meisterhaft. Eine andere Frage ist es jedoch, inwieweit sie als jüdische Geschichte gelten kann. Hiermit setzt sich' das Nachwort von Prof. Täubler auseinander. Mit Recht hebt es hervor, daß der für die Konzeption Mommsens wesentliche Vergleich" Judäas /mit dem Kirchenstaat fehlgreift. Aber auch andere Unrichtigkeiten grundsätzlicher Art bedürften der Richtigstel? lung. So die Beurteilung des Königs Herodes, welcher „Liebe und Treue wohl in Idumäa und Samaria, aber: nicht bei dem Volke Israel, fand"-(S. 28). Unzutr'eH fend sind die Ausführungen, über Wesen und Wirken des Synhedrions. (S. 35.) Falsch und widerspruchsvoll geschildert ist ,das Verhältnis der Juden zum 'RojnlV' sehen Reich. Einerseits soll der Sinn der großen Majorität der Juden darauf gerichtet gewesen sein, „unrerseits ' soll sich sch'pn>in,^F die priö- I . zipiefle Opposition der Gläubigen gegön\die römische' 1 Regierungentwickelt, habend (S> '38^-- Sicherlich wjrd diA., Bedeutung des jüdischen ' Krieges'", völlig verkannt;; wenp,_-er'-fds. ein Kampf;j,fan^s$her Bauern' bezeichnet wird; (S. 52.) Unrichtigrisfe schließlich, auch: die; Annahme eines .organisierten Aufstandes der Dias* porajudenheit im Jahre 416;4S.? 69)^ Diese Beispiele lassen sich unschwer vermehren und genügt es .wohl nicht, den Laien, für den doch das Büchlein in erster Linie bestimmt ist, wegen solcher grundlegender UnJ richtigkalten auf die. gelehrte Literatur zu verweisen, wie es im Nächwort (S:- 92)•geschieht! Das, Büchlein wird durch, den, ständigen:, Abdruck des für den Juden unaussprechlichen r G'tteshämens nicht lesenswerter und darf wohl die Erwartung ausgespro», chen werden, daß der Verlag* welcher sich besondere Verdienste um den jüdischen Leserkreis erworben hat, dem in Zukunft Rechnung tragen . wird. ■ , : X,; .. Bi. Der Mischna-Traktat Tämid, Text nach einer Vatikän- Hfendschrift nebst variae lecüones aus 12 Talmud- und Mischnahandschriften Sowie ältesten Drucken mit erstmaliger Anführung von Paralleltexten aus beiden Talmuden, Tosaepta, Midraäch und Anderen. U ebersetzt, kommentiert und mit Einleitung versehen von Dr. A,Bro dz. Upsala. 1 93 6. Diese kritische Ausgabe des Mischnatraktätes Ta; mid .berücksichtigt mit größter Akribie alle in Be tracht kommenden Handschriften und Varianten, di fortlaufend übersichtlich zum Text vermehrt werden Der Kommentar gibt wertvolle sprachliche und sach liehe Hinweise. Durch die überaus sorgfältige Arbeit hat der Verfasser sich den Dank aller an ,kritischen Talmudausgaben Interessierten, verdient. Bei der Be handiung des literaturgeschichtlichen Problems (S 5 ff.) sind bedauerlicherweise die grundlegenden Aus führungen von Halevy (Doroth Horisehonim Ie S. 80ffl völlig unbeachtet gelassen. Wenn' diese Frage auch an der Peripherie der Arbeit liegt, so wäre doch eine Auseinandersetzung geboten gewesen. Der Wert der Arbeit wird indessen hiervon nicht berührt. Bi. The American Jewish Year Book 5697. Vol. 38 - edited by Harry Schneidermans for the American Jewish Committee. Philadel5 p h i a. 19 3 6. The Jewish Pubiication So ziety of America. Der «twa 750 Seiten starke Band bietet einen überaus reichhaltigen Inhalt. Auf das ausführliche |- Kalendarium schließen sich mehrere Speziälabhand lungen an, die dem Bande wissenschaftlichen Wert verleihen, Nach einer Würdigung des um die Jewish Pubiication Society of America hochverdienten Julius Stern Wey! (Philadelphia,! folgt als umfangreichste Arbeit „25 Jahre jüdischer Erziehung in USA."', von J. S. Chipkin, Direktor der Jewish Education Association von New York. Die bedeutenden Fortschritte, die in dieser Zeit gemacht worden sind, die Aufgaben, die ihrer Lösung noch harten., werden in: der sehr gründlichen Studie auseinandergesetzt Der frühere Vorsitzende der „Hebrew Sheltering a. Immigrant Aid Society" legt in Ausführungen, die sogleich den Sachverständigen erkennen lassen, die /Wanderung der Juden in den letzten Jahren" dar, bespricht die Einwanderungsmöglichkeiten und Zulassungsbedingungen, Eine Bibliographie interessanter Neuerscheinungen von Dr. Josua Bloch beschließt diese Abteilung. Es folgt eine Uebersicht über die Ereignisse des abgelaufenen Jahres und eine Betrachtungder Lage der Juden in aller Welt. Daran schließen sich — .die rege geistige und soziale Betätigung der Juden 'widerspiegelnd — Geburtstage und Ehrungen hervorragender jüdischer Persönlichkeiten, Ge= •denktage bedeutender Institutionen, Nekrologe und Stiftungen, Von Interesse ist ein Verzeichnis aller großen Organisationen Amerikas von A' (Agudath Israel Jouth) bis Z (Ziönisf Revisionist«), der^ örtlichen Wöhlfahrtszentralen, der jüdischen Zeitungen und Zeitschriften sowie; der jüdischen hohen Stäatsbeämten und Abgeordneten. './•'«•; Selbstverständlich fehlt nicht eine, genaue Statistik so^yohl der Juden in USA. (nach Staaten Und Städten geordnet), als" auch "der übrigen Länder; Ebenso ist die Einwanderung nach Gesamt-Amerika, Palästina Und Südafrika mit Angabevon Herkunft, Familienstand, Beruf erfaßt. Die Darstellung der Zusammensetzung, und der Tätigkeit des "so rührigen .Amerikanisch-Jüdischen Komitees" bildet 'den Inhalt eines weiteren -ausführlichen Artikels. ,. Eingehender Bericht und Mitgliederverzeichnis der das Jahrbuch herausgebenden Jewish Pubiication So? ciety, /die . sich; um .die VeröffentHchüng; ^v-is^nschaftlicher und religiöser Literatur seit fast feinem halben jä'hrhundert verdient macht, bildet den Abschluß. '. ■'.'"- Sehr. rjhn 't?pK|?3iö — K*n --f aristo n?w->o Ein erfreuliches; Zeichen, daß im altgbrwürdigeri; 7 j ' : ti •: "t.-j: v^^jirw'^.^..« v ^vv.VjWyS'll. : 67 Abhandlungen hat der Prager ^r'j'f^to^sy Hio;]'ihi|f">'hi •mit umfängreichem Wissen ■■' praktis.che^ägenjaüs allen Gebieten ■ des?"o behandelt, darunter, einige , besonders aktuelle. Erwähnt seien;hier (i^ jiisa -Bicken 'im Dampfbaökafen;- (18) ■ZulaÄsigkeit ^önageiähflicfen Operationen.; und Medikamenten;. (33); Küiderwägen': 5:(25) ,Benutzuh^.:;des LünSschäfffes durch^ ein^ ^ro; (sehr ausführlich;; behandelt ^_ dier:T,ragev füid^t von anderem Gesichtspunkte "aus, erörtert < in den 5682 'in Bratislava 'erschienenen r3V)ii.;'n*il?| (66) Benutzung eines Eisenbahnzuges, der. eine;Leiche führt, durch einen ]na- ]■■' V '\ l Zu-Nr. 58 wäre noch zu vergledci^en n*v..V?jriinV.TOV»a •'n "o ' , - :V- 'f^*'^' . Zu Nr. 60 (Tis) die im 'ri 'X ji^w Tverzeichhete Literatur..., . . ■ ' Die in Nr. 39 erwähnten 0»*il3. wären "ixachwe"islich früher auch' in den altön Gemeiöden: wie I Frankfurt^ Fürth, Posen bekannt. Vörausgeschicktiisind. den rrawn einige o?»i*n-' mit •anziehenden AgädahfErklärungen und nom-Worten, In eiher Vorbemetkung bittet, der Verfasser, ihm Bemerkungen zu seinen Worten zwecks künftiger Verwertung zugehen zu lassen. ' ■/ . ^. . Möge es ihm. vergönnt sein, recht bald: das Erscheinen des: zweiten Teiles zu erleben; - : 'D'Ol27' .. München, IS. Jan. Am 28.'.Tewes fand sich eine große Gemeinde in der Ohe! Jakob-Synagoge ein, um am Jahrzeitstag ihres vor zehn Jahren heimgegangenen. Raws Vsr die, Abendstunden seinem Andenken zu weihen. Dicht gedrängt stand man in den Reihen und aller'. Gedanken hingen an dem großen Mann, der bis vor einem Jahrzehnt hier noch wirkte. Als nach Mincho der Sohn und jNachfolger, Herr Rabbiner Dr. Ehrentreu, das Andenken des großen Vaters in dem Sinne ehrte, daß er die Gedenkstunde zu einer Feierstunde der Tauroh machte, wurde die Erinnerung immer lebendiger und immer eindring-. licher brach die. Mahnung durch, vor allem an die Jugend, das Erbe, des Vs">f,a ^na» in dessen Gemeinde sie lebt, mitänzutreten: das Erbe des Lernens. — roSaV p"HS nsT! Der Segen, der von dieser Feier -ausging, war zweifach. Unseren Kindern gab sie neues Feuer zum Lernen; manchen Fernstehenden rief ,sie zur Besinnung auf und ließ ihn die Macht der Tauroh ahnen, die von Geschlecht zu Geschlecht ungeschwächt weitergetragen wird. v . München, 24. Jan. Am Sonntag, den 13. Dezember, veranstaltete die hiesige Agudas Jisroel=Ortsgruppe einen Vortragsabend. Herr Dr. E h r m a n n sprach im vollbesetzten (großen Museumssaal vor einer sehr interessierten Zuhörerschaft aus allen jüdischen Kreisen über das Thema: „Jüdisches Volk und jüdisches Land". Man war erfreut, von einem. Manne, der schon seit vielen Jahren erfolgreich an leitender Stelle für die Erez Israel-Arbeit der Agudäs Jisroel tätig ist, über unsere ideologische Einstellung zu den Palästina-Problemen zu hören. Die von tiefster Ueb.erzeügung durchdrungenen Worte, in erquickender. Natürlichkeit vorgetragen, die nur einem Manne eigen sein kaDn, dessen Worte und Täten im Einklang stehen, mußten auch die unserer Bewegung - Fernststehenden von dem hohen Ernst und der "hingebenden Aufopferung überzeugen, mit der Agudas Jisroel an die Palästina*Arbeit herangeht. Der reiche Beifall, mit dem dem Redner gedankt wurde, und ein&'FüIle persönlicher Aeußerungen bewiesen,, welch tiefen Eindruck der Vortrag hinterlassen hatte. ■■ Berlin, 22. Jan, Die, Wirtschaftsgruppe Groß-, Ein- und Ausfuhrhandel Berlin bringt in ihrer Zeitschrift „Deutscher Groß=, Ein- und Ausfuhrhandel", Heft 1 /1937 - u. a. folgende Mitteilung: 4; Da® Verbot der Einfuhr von Fleisch in luftdicht verschlossenen Büchsen oder ähnlichen Gefäßen, von Würsten; und sonstigen Gemengen aus zerkleinertem Fleische -gilt nicht für Fleischwaren, die aus dem Ausland im; Postverkehr nachweislich als /Geschenk für U n b e m i 11 e 1 te zum eigenen Verbrauch eingeführt werden und deren ^Gesamtgewicht 5 kg nicht übersteigt. Diese Sendungen brauchen nicht amtlich untersucht zu werden. 5. Der Nachweis, a) daß der Empfänger unbemittelt ist,-ist durch eine Bescheinigung der Polizeibehörde;des. Wohlfahrtsamtes oder dergleichen; b) .daß die Sendung als Geschenk eingehtt, durch Briefe ü, ä. zu führen. Norden, 24, Jan. Die Jüdische ' Winterhilfe. Norden veranstaltete heute; Nachmittag ein 'Wohltätig» keitskonzert zum Besten des Jüdischen WHW., Nörten. Der Einlädung waren, fast sämtliche Gemeindemitglieder gefolgt. Auch Gäste, aus den Naehbargemeinden; hatten .sach eingestellt. Die Veranstaltung wurde hauptsächlich von dem. Quartett: .des Synagögehchbrs bestritten. Die Solls des Kantor Kl ab er j wurden begleitet- und umrahmt von einem : fein eingespielten Streichtrio. Die von Herzen kömmende und zu Herzen gehende Ansprache hielt der;:Syhagpgenvorsteher, Herr Meyer As ch e n d o'r f f.. Einte nigen"'Prolog sprach; der Schüler.*Sißgbert Schö^thal, Sämtliche Vorträge: wurden /niit/feinem, musika,l}«cheni Verständnis zusGehör., gebracht. ■' s^ss