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Der Israelit · 1937-01-28 · Heft 4 (28.1.1937) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
78 (1937)
Issue
Heft 4 (28.1.1937)
Date
1937-01-28
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 8 Nr. 4 D e Ks r a e I i t. 28, Januar 1937 ihren Anhängern; ein gewisser Teil der Handwerker Vertreter entfällt auf die Folkisten. Rabbi Aron Scheingroß b"XT« Warschau, 20. Jan Im Alter von 82. Jahren starb der Senior des Warschauer Rabbinats, Rabbi Aron Scheingroß Er gehörte dem Warschauer Rabbinat 45 Jahre lang an und galt als führende . Thoraautorität in Polen Er nahm trotz seines hohen Alters noch bis zuletzt teil an allen vielfachen Amtsgeschäften des War schauer Rabbinats. y*'T Rumänien. Die Ueberprüfung der Einbürgerungen in Rumänien und .der Minderheitenschutz. Bukarest, 20, Jan. In einem Bericht aus Genf weist der. „Manchester Guardian" aui die jetzt in Rumänien durchgeführte Ueberprüfung der seit dem Kriege vorgenommenen Einbürgerungen hin. Als Grund für diese in den nach dem Kriege angeschlossenen Gebieten durchgeführte Ueberprüfung werde angegeben, daß in zahlreichen Fällen die rumänische Staatsangehörigkeit auf nicht gesetzmäßigem Wege erlangt worden sei. Hierzu be merkt „Manchester Guardian", daß selbst, wenn dies zutreffen sollte, es ein wenig spät sei, dieses Problem aufzuwerfen, da die Betroffenen sc viele Jahre lang als rumänische Bürger gegolten haben. Diese Maß nähme stehe im Widerspruch zu den im Minderheitenschutzvertrag von 1919 von Rumänien übemommenen Verpflichtungen. Dieser Vertrag aber könne ohne Zustimmung der Mehrheit des Völkerbundsrates nicht abgeändert werden. Zu diesen Ausführungen wäre noch zu bemerken, daß Rumänien sich im Friedensvertrag verpflichtet hatte, die zur Zeit des Friedensschlusses auf rumänischem Gebiet dauernd ansässigen Personen ohne weitere Formalität als rumänische Bürger anzuerken* nen. Trotzdem wurde später der Srwerb der Staats angehörigkeit von einer bis zu einem bestimmten Termin durchzuführenden Registrierung abhängig gemacht. Zehntausende, unter ihnen sebr viele Juden, sind staatenlos geworden, weil sie diesen Termin versäumten, Amerika. Amerikanische Juden für das Jüdische Nationalheim und das jüdische Asylrecht, New Orleans, 21. Jan. Die Union der amerikanisch-jüdischen Kongregationen (Synagogengemeinden), die gegenwärtig in New Orleans tagt, nahm eine Resolution an, in der dem Jüdischen National1 heim in Palästina alle Unterstützung zugesagt wird. Die Mitglieder der Kongregationen werden aufgefordert/ dem Aufbauwerk in Palästina ihre moralische und finanzielle Unterstützung zu geben. Das American Committee for the Protection of the Foreign Born hat in New York eine Konferenz abgehalten, an der 355 Delegierte als Vertreter v£h 222 Organisationen teilnaümen> Es wurden Entschließungen gefaßt, in denen Erleichterung der Einbürgerung und Wahrung des Asylrechtes in. den Vereinigten Staaten gefordert wird. Die Konferenz brachte ihre Gegnerschaft zu den „reaktionären" Gesetzentwürfen im Kongreß, die die Einschränkung der Einwanderung und Deportierung illegal Eingewanderter vorsehen, zum Ausdruck. Es wurde darauf hingewiesen, daß durch solche Deportierungen Familien auseinandergerissen werden würs .den. Einer der Redner war der Abgeordnete Emanuel Celler. Er warnte vor den Gesetzesprojekten des jetzigen Kongresses, durch die den Ausländern Beschränkungen auferlegt werden sollen. Zum Vprsit* zenden des Committee wurde James Waterman Wise gewählt, Frau Felix Warburg spendet 90.000 Dollar für das Jewish Theological Seminary, New York, 12. Jan. Die Gattin des Ehrenpräsidenten des American Joint Distribution Committee, Felix M. Warburg, spendete anläßlich des 50jährigen Jubiläums des Jewish Theological Seminary of America und anläßlich des 90. Geburtstages ihres verstorbenen Vaters, des berühmten Philanthropen Jakob Schiff, einen. Betrag von 90.000 Dollar für die Zwecke des Seminars. HIAS-ICA-Vereinigung erweitert die Auswanderer-Fürsorge 1 J. 1937. ' New York, 20. Jan. Die Hebrew Sheltering and Immigrant A id S o ci et y o f America (HIAS) gibt bekannt, daß i. J. 1937 die von der HIAS-ICA Emigration Association geleistete Auswanderer-Fürsorge wesentlich erweitert werden wird. Anlaß hierzu bietet die verstärkte Wirtschaftsnot der jüdischen Bevölkerung in Ost- und Mitteleuropa und die andauernde Verschlechterung ihrer politischen Lage. Diese Entwicklung habe das Auswanderungsbedürfnis der jüdischen Massen bedeutend erhöht. D&r Vorsitzende des HIAS-Komiteeö für Auslandsarbeit, John L. Bernstein, erklärte, daß eine Erhöhung der Zuwendungen in erster Reihe in Polen err folgen werde, wo die Vereinigung. Büros in den wichtigsten Zentren unterhält. Größere Beihilfen sind auch für die Arbeit in der Tschechoslovakei und in Rus mänien vorgesehen, n In Columbien und Ecuador sind neue H1AS-ICA- Büros eröffnet worden. Der auf der Pariser Auswanderungskonferenz 1936 geschaffene „Uebersiediungs* fonds", der dazu bestimmt ist, Juden au* Osteuropa •die Reise zu. ihren Angehörigen in Uebersee zu ermöglichen,' soweit die betreffenden Einwanderungsgesetze es gestatten, wird auch 1937 aufrecht erhalten und mit vermehrten Mitteln ausgestattet. Personalien. Gailingen, 12. Jan. Vor wenigen Monaten feierte Frau Dr. Anna H e i 1 b r o n n tinter Anteilnahme der ganzen Gemeinde ihren siebzigsten Geburt s tag, und Sonntag, den 17. Januar betteten wir, was an ihr noch sterblich war, zur letzten Ruhe. Niemand ließ es sich nehmen, der hochverehrten Frau das Geleite zu geben. Am Grabe schilderte Herr Rabbiner Dr. Bohr e rin ergreifender Rede die Lebensarbeit dieser echt jüdischen Frau und großen Menschenfreundin, deren Haus an der „Dorfstraße'' zum Segen für Unzählige und deren Wirken für die ganze Gemeinde zum Stolze wurde. Er sprach auch?<n Auftrage des Frauenvereins Gailingen, dem die Verewigte in beinahe 40jähriger überaus segensreicher Tätigkeit als Präsidentin vorstand. Er dankte ihr im Namen dieser jüdischen Gemilus chesed=Institution für das Gute und Schöne, das sie gegeben und drückte die Hoffnung aus, daß der Glanz, den der Verein erhalten hat, durch .die Mitarbeit jüngerer Kräfte erhalten bleiben wird, ®o daß der Name Heilbronn auch ferner im Verein bestehen bleiben möge. Der Vizepräsident der Gemeinide, Präsident des Israelitischen Krankenhauses, Herr L. Fränkl, drückte in schmerzbewegteh Worten die Trauer der Israelitischen Gemeinde und des Israelitischen Krankenhauses Gailingen aus. Der Präsident der Chewra Kadischa, Herr Louis Gut, dankte der Verblichenen, die stets für die Bedürfnisse der Chewra Kadischa volles Verständnis hatte und diese immer stark förderte. Nach Erhalt der Todeskunde schrieb ein namhafter Führer der, deutschen orthodoxen Jugendbe* wegung an die Familie u. a.: „Allüberall, wo Gailinger wohnen, wird man vön 'dem schweren Verlust sprechen, der nicTit nur Sie, sondern den ganzen Ort mit all seinen Verzweigungen in der ganzen Welt be» troffen. Auf der Seefahrt von Ostende nach Dover kam eine Gailinger Dame zu mir mit der Frage: ,Haben Sie gehört, wie es Frau Dr. Heilbronn geht?" In London, im Lordship Park, fragte mich ein gebürtiger Gailinger: „Wissen Sie zufällig, wie es Frau Dr. Heilbronn geht?" Worin lag das Geheimnis dieser Frau, die kaum seit Jahren ihr Haus verließ und von ihrem Schreibtisch aus eine Menge von Schicksalen leitete und schützte? Das Erbe dm Blute wirds wohl gewesen sein, was das Unbegreifliche Ereignis werden ließ. In der allerbesten Tradition badischen Judentums, in glücklicher Periode der Gailinger Glanzzeit herangewachsen, als Bürgermeisterstochter zur Arztgattin,erkoren, begnügte sie sich nicht damit, sich im Glänze dieser Würde zu sonnen. Sie wollte Eigenes gestalten, edelste Humanität und vornehm* stes Judentum harmonisch vereinen und segenbringend hinausleuchten lassen. Anerkennung und Ehrung von hoher und höchster Stelle blieben, ihr nicht versagt, aber beglückt fühlte sie sich mehrwenn es ihr gelungen war, eine Familie vor . Untergang zu retten. Diese umfangreiche Hilfstätigkeit halfihr' über den Schmerz hinweg, den der ällzufrühe Heimgang ihresgroßen unvergeßlichen Gatten sv. A. ihr bereitet hatte. Wir Gailinger Alle waren: stolz auf sie und nehmen wehmütig Abschied von ihr. Ihr" Vorbild wird uns Mahnung sein, der Gailinger Glanzzeit und ihrer edlen Vertreter nie zu vergessen." Möge das mar dieser edlen Frau uns beistehen, deren Andenken im Herzen Aller, die sie kannten, weiterleben wird. ■. "L. L. Vermischtes, Frankfurt a. M., 14. Jan. In der „Frankfurter Zeitung" wird ein Urteil des Arbeitsgerichts Frankfurt a. M. wiedergegeben, das .die Kün^gungs-Widerrufsklage eines Angestellten /der Reichsanstalt' für 'Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung. abgewiesen hat. Der Angestellte sollte bei einem jüdischen Geschäftsinhab er Erkundigungen einziehen. Bei dieser Gelegenheit habe dfyr Kläger dem Geschäftsinhaber gegenüber geäußert, er wolle sich schon lange eine kleine Weckeruhr zulegen. Der Inhaber habe ihm daraufhin eine Uhr aus seinem Laden angebbten mit der Bemerkung, über den Preis werde man sich schon einigen. Der Kläger habe Uhr mitgenommen, ohne sie zu bezahlen oder sich nach dem Preise zu erkundigen. In der Urteilsbegründung wurde von dem Gericht ausgeführt, daß ein Behördenangestellter im nationalsozialistischen Staate nicht in jüdischen Geschäften kaufen dürfe, vor allem nicht im Aiischluß Amtshandlung. Die Ausredej der Kläger;habe .das Geschäft nicht als jüdisches erkannt, sei 'unglaubhaft. Außerdem hätte 'ihn die Bemerkung des Geschäftsinhabers, daß man sich über den Preisschon einigen werde, darauf aufmerksam mächen müssen, daß ihm als Angestellter der Reichsanstalt ein billigerer Preis gemacht werden solle. Die Annahme eines solchen Sondervorteiles sei aber eines Behördenangestellten unwürdig. Berlin, 22. Jan. Die „Braunschweiger Tageszeitung" schreibt: „Mit einem ganz eigenartigen Schwin* del hat sich der jetzt 53jährige Richard Hernnann aus Grünberg schon seit Jahrzehnten ernährt, Er ist zwar arischer Abkunft, aber reist seit dreißig Jahren als falscher jüdischer Schnorrer in Süddeutschland herum. Von seiner verstorbenen jüdischen Frau hat er sich einige hebräische Brocken beibringen lassen, das Mauscheln versteht er besser, als mancher echte Jude, und so ist es ihm gelungen, bei jüdischen Fürsorgestellen und bei einzelnen reichen Juden recht ansehnliche Unterstützungen zu ergat* tern. Ganz ohne Risiko ist dieses dunkle Gewerbe freilich für ihn nicht gewesen, denn er ist deswegen 'bereits 39mal vorbestraft. Die Abrechnung über seine jüngste •Schnorrerwanderung brachte ihm vor dem Amtsgericht in Karlsruhe eine weitere Gefängnisstrafe von einem Jahr ein." Berlin, 22. Jan. Der Reichsverbahd der Jüdischen Kulturbünde teilt mit: Das Preisausschreiben des Reichsverbandes ist am 15. Januar 1937 geschlossen worden. Es sind im ganzen 123 Werke eingelaufen. Im einzelnen 1. Feierliches Vorspiel 15; 2. Chorwerke mit Orchesterbegleitung 8;,3. Chorwerk für Jugendbünde 9; 4. Lieder-Zyklus 57; 4a. Chorlieder a capella 34. Die Prüfung der eingegangenen Werke wird sich voraussichtlich über mehrere Wochen hinziehen. Die Juroren sind durch die Presse bekanntgegeben worden. Zu der entscheidenden Jury treten . nach , Sichtung des gesamten eingereichten Materials: Intendant Dr. Kurt Singer, Generalmusikdirektor-Hans Wilhelm Steinberg, Karl Adler (Stuttgart). Berlin, 25. Jan. Die Gesundheitsverwaltung der jüdischen Gemeinde Berlin versendet ihr Programm für die wissenschaftlichen Abende im Jahre 1937. Die wissenschaftlichen' Abende finden alle dm Gro- - ßen Saal de® Logenhauses, Kleiststraße 10 statt. (Tel. B 5, Barbarossa 8651). Beginn 20.30 Uhr pünktlich. Der 35. Wissenschaftliche Abend findet gemeinsam ■mit der Aerztegesellschaft für Palästina am Dienstag, den 2. Februar, statt. Es sprechen'• Prof. Dr. Seligmann und Dr. G. W o 1 f f über „Der Wert des Kaliumpermanganats für die in Palästina übliche Desinfektion von Vegetabilien" und „Tod und Todes* Ursachen unter den Berliner Juden", Nürnberg, 18. Jan. Am Sonntag, den 17. Januar 1937, wurde im ostjüdischen Verein „Achi Eser" im Betlokal Feuerweg 6, eine neugeschriebene S e f e r Thora eingeweiht. Herr Chaim K a t z begrüßte die der Feier beiwohnenden Gäste und gab dabei auch einen. Rückblick über die Lage der ,Osljuden in Nürnberg. Er gab seiner Hoffnung Ausdruck, daß auch weiterhin diese Gemeinschaft' einegünstige Entwicklung nehmen möchte. Es sprachen dann die Herren Dr. I. Bamberg er und Dr. H eilb rönn. Fast alle Teilnehmer ergänzten die noch fehlenden Buchstaben der Sefer Thorä und die Herren Rabbiner Dr. A. Klein und Dr. L. B r e s I a u .e r , Fürth, schrieben die letzten Buchstaben. Unter Chörgesäng, geleitet von Herrn Hauptlehrer Einstädter, wurde dais Sefer eingehoben, Herr Rabbiner Dr. A. Klein hob in seinen halächischen; Ausführungen die Bedeutung des Schreibens einer neuen Tho,ra hervor. Herr M. Friedmännhielt einen Pilpul über nro «w« Auch die Ausführungen von Herrn Jakob T e ß 1 kj r zeugten von großer ■ Gelehrsamkeit. Auch andere Vereine dankten für die ihnen gebotene Möglichkeit, an dieser''.^tie^ien^liehen Feier teilzunehmen. '

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