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Der Israelit · 1937-01-14 · Heft 2 (14.1.1937) · page 13

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Journal
Der Israelit
Volume
78 (1937)
Issue
Heft 2 (14.1.1937)
Date
1937-01-14
Page
– (sequence 13)
Language
German
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14. Jariuar 1937 ..^^j^^^l „,1,,^ V ,n,: '[.nl ii .--i^---! -| ' ~ Wie warni mußes <dieüv Eiileamen gepackt haben, wenn sie nach wenigen Tagen ihrer Niederlassung von ihrem Frankfurter Freund in der ihm allein eigenen unübertroffen schönen und reinen Schrift eine Aufstellung erhielten, wie sie es im neuen Breitegrad mit den Gebet= und Sabbatzeiten, mit dem Schluß des Chomezessens am Erew Pesaach und dem Frühgebete am Schwuaus ztf halten haben. Kaum tat sich irgendwö eine Hachschara auf, und schon prangte an der kahlen Wand ■des Arbeitsraumes eine herrlich geschriebene und zusammengestellte Leopold Mosbacher-Tafel, und die jungen Menschen wußten, wann die Sabbatstrahlen sie aus der schweren Arbeit zu G'tt, zum Sabbat, riefen, wann sie der Sabbat wieder zur Arbeit entließ. Soll man von den kleinen Zeichen der Liebe, die Leopold Mosbacher immer und immer wieder seiner Kehillo und ihren Menschen zeigte, sprechen? Man wüßte nicht, wo anfangen und wo aufhören. Wie immer, zeigt sich die echte Liebe des wahren Freundes weniger in den großen Ueberraschungen bei besonderen Anlassen, sondern in den ganz kleinen Aufmerksamkeiten Tag für Tag. Wo man hinschaut in der Synagoge, in den Vereinen, man stößt auf den Namen Mosbacher wie auf eine Selbstver* ständlichkeit. Der schöne Anbau vor dem Vorbeterpult in unserer Schul, ohne welchen man sich den heiligen Akt der miay am Versöhnungstage gar nicht denken kann, — er ist eine Stiftung von Leopold Mosbacher. Eine Mazzothbäckerei, mit allem Komfort, ausgestattet, versorgte uns länge Jahre in der Kehillo mit Mazzoth, und man sprach nicht davon, daß die .ganze Einrichtung eine Stiftung von Leopold Mosbacher war, der auch Vorsitzender der Mazzothkommission war. Es kam vor, daß welche in Frankfurt und auch in Landgemeinden die Gräber ihrer Vätereines Tages besuchten und die Grabsteine mitsamt der Grabschrift neu hergestellt und leserlich fanden, und sie erfuhren erst später, daß die liebende Hand Leopold Mosbachers dahinter steckte. Wer weiß noch, daß die'Halle auf dem Friedhof der Israelit]* sehen Religionsgesellschaft aus einer Schenkung von Leopold Mosbacher hervorging, der auch eines der wertvollsten Mitglieder sowohl der P"H wie dei Friedhofskommission war? Wir nehmen das alte mian -rmnn-Exemplar in die Hand, aus dem annähernd vier Jahrzehnte Professor Dr. Sulzbach V'XT und nach ihm sein Nachfolger im Dozentenamt des Liwjath Chen den Trost des Thorawortes in die Trauerhäuser brachte und bringt, und lesen auf dem Vorderblatt in den uns schon vertrauten schönen Schriftzügen auf hebräisch und deutsch: „Dieses Buch gehört dem Verein Liwjath Chen, Geschenk von Leopold Mosbacher im Jahre 5650." Schon im Jahre 1919 wurde ihm die treue Gattin, die mit ihrem Familienadel sein Leben so bereicherte, von der Seite gerissen. Söhne und Töchter wurden unter der Sonne dieses Elternpaares in einer Atmosphäre von Frömmigkeit, Güte und Geistigkeit erzogen, die in ihren eigenen jüdischen Häusern durch die Art, wie sie sich für Klall und Kehillo betätigen, den Eltern das schönste Denkmal setzen. Alter und D e r lirae Ii t Leopold Mosbacher ^»jjT» Krankheit sprangen Leopold Mosbacher an. Aber der Geist blieb wach und rege, die Hand wurde nicht müde, 'die kleinen halachischen und kalendarischen Wegweiser für die Brüder in der Zerstreuung anzufertigen. Nun hat doch die g'ttliche Natur ihr Recht gefordert und Leopold Mosbacher ging von uns. In kleinen und großen Denkmälern, die er sich selbst errichtet hat, wird sein Andenken fortleben, als Muster und Ansporn für spätere Generationen. Er hat uns geliebt und Liebestaten erwiesen bis zum letzten Atemzuge. Er wird uns über das Grab hinaus ein liebender nen1 ybrs in schwerer Zeit sein. Wenn man von der Glanz= und Ruhmeszeit unserer Kehillo sprechen wird, wird man unter den Besten auch den Namen Leopold Mosbachers nennen. n-axan Eine Gedenkfeier zu Ehren von Samson Raphael Hirsch ^"St. Die übliche Jahrzeitsigedenkfeier der S. R. Hirsch* Gesellschaft am Vorabend des 27. Tebeth (Samstag abend den 9. Januar) stand diesesmal im Zeichen des „Chaurew". Der Rosch Jeschiwa, Herr Rabbiner Dr. Josef Breuer, setzte einem nach vielen Hunderten zählenden Publikum in der Aula der S. R. Hirsch- Schule die Bedeutung des Hirsch'schen Chaurew auseinander, jenes grundlegenden Erstlingswerkes, das, wie wir heute, nach hundert Jahren, sehen, schon alle Grundprinzipien und alle Richtlinien für das spätere Lehren des Meisters in sich birgt. S, R. Hirsch hörte „die Stimme vom Chaurew" wie einen Wehruf über die Menschen, die die Thora verschmähen, und . _Nr. 2 Seite 15 führte seine Menschen, seine Jugend, mit seinem Chaurew zum Chaurew und darüber hinaus zur Morijahöhe hin. Wenn das Kind von Flammengefahr bedroht ist, geht man ans Rettungswerk, ohne zu fragen, ob dabei anderes Material zu Schaden kömmt oder Menschen zurückgestoßen werden. S. R. Hirsch sah die Gefahr für das jüdische Kind und ging ohne Rücksicht und Schonung an die Arbeit. Das Titel* blatt des Chaurew trägt die Lehre der Perekweisheit •mw* mxbnn ybs tf? „Nicht obliegt es Dir, die Arbeit zu vollenden, doch bist Du nicht berechtigt, die Arbeit zu lassen." Größere Zitate aus Vorwort und Inhalt des Chaurew, mit intuitiver Wirkungskraft vorgelesen, zeigten die Wege und die Ziele des Meisters schon bei diesem ersten Versuch. Von dm Bibelsatz als Grundlage bis zu seinen letzten Auswirkungen in Din und Minhag verfolgen wir die Halacha in ihrem Aufbau. Als g'ttlichen Schöpfungswillen erkennen wir das Gesetz, und seine Ausführungen zur Begründung der Gebote sind nichts anderes als der leise Versuch, dem Schöpfungswillen demutsvoll naehzü* spüren und zu erahnen. In. den „19 Briefen" beschwört der Freund den Freund, das Judentum so zu erkennen, wie es sich in seinen Urquellen gibt. Im Chaurew aber ist kein Kapitel mit solcher Glut der Seele .geschrieben, als das über Thora- und Talmudstudium. Prophetengeist und davidische Harfe füllen diese und andere Stellen mit Kraft und Harmonie. Gleich den Propheten scheucht er die Schwäche und die Lüge und hilft uns, den Schleier wegzureißen, der den Blick ins Klare und Reine trübt. Vertrauen zur jüdischen Jugend hat der Verfasser des Chaurew und der „19 Briefe". Und er will sie vor falschen Wegen bewahren. In meisterhafter Weise und mit hinreißender Wucht schildert nun der Redner den neunzehnten Psalm, dessen Einteilung der Thorapostulate dem Meister bei der Gliederung seines Programmwerkes in sechs Abteilungen als Muster und Unterlage gedient hat. Chaurew lernen heißt, den jüdischen Volksbegriff eindeutig erfassen; heißt die Sendung Israels ganz begreifen; heißt dem G'tteswillen den Herrscherthron einräumen, heißt jüdisches Selbstbe* wußtsein erlangen, heißt mit einem Worte, den Weg von Chaurew zur Morija gehen. Ein anderes Motto auf dem Titelblatt des Chaurew veranlaßt den Red« ner, auch noch kurz die Stellung von S. R. Hirschs zu Zion zu präzisieren. Die Geulla war für ihn keine Hoffnung, sondern eine Wirklichkeit und Gewißheit. Unzählige Briefe und Symptome zeigen, daß der j ü dische Osten sehnsuchtsvoll auf den Moment Wartet, da die Hirsch'schen Gedanken, in Hebräisch umgegossen, auch der östlichen Jugend zugänglich gemacht werden. Um so weniger sollte u n ® e r e Jugend nach 100 Jahren sich an der eigenen stilistischen Form der Werke stoßen, denn mehr denn je tut es heute Not, uns mit dem Geiste des Chaurew zu erfüllen. Mit ungeschwächter Aufmerksamkeit, ja, mit Andacht hörten die vielen Hunderte die eineinhalbstündigen Ausführungen an. Keine Hand rührte sich zum Beifall. In «stiller Ergriffenheit trug man das Gehörte nach Hause, als hätte der Meister selbst noch einmal in schwerer Stunde zu uns gesprochen. Sie wollen durch tüchtige Handwerker bedient und von leistungsfähigen Geschäften beliefert werden? Dann berücksichtigen Sie bitte fortan unsere Inserenten! FRANKFURTS HANDWERK u. EINZELHANDEL VON A BIS Z M ■■■■■■■■■■■■■■■■■^■■■■■■■nnBHHaH Auswanderer-Kisten | | Herren-Hüte | | Möbel | „ Bei unseren Inserenten werden Sie gut bedient! ( Spenglerei; | ßuswanderer-Kisten ök^i^ViTi^r Offenbach a.M„ GJockengasse 26, Tel. 84223 Einzige jüd. Kistenfabrik i.Frankf.u.Offbch. Einzig.jUd. 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