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Der Israelit · 1937-01-07 · Heft 1 (7.1.1937) · page 14

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Journal
Der Israelit
Volume
78 (1937)
Issue
Heft 1 (7.1.1937)
Date
1937-01-07
Page
– (sequence 14)
Language
German
Belongs to
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Seite 14 Nr. 1 D e r Is ra elit 7. Januar , t937 Ehe galten sie nicht, es war vielmehr der bindende Gedanke, durch eine lange Straße gegangen zu sein, geführt von G'ttes Hand und nun wieder allein und menschlich zugleich zu sein, ein wenig bange deshalb im Gedenken, ob man sich auch allein zurechtfinde. Da spürten sie, wie sie sachte jeder nach des anderen Hand tastete und so einen neuen Halt fand auf dem Wege ins Ungewisse. Wie angelockt voneinander, trafen sich ihre Blicke und sie verstanden G'ttes Fügung, so trennend zwischen sie zu treten, um sie geläutert wieder zu vereinen. Was immer auch kommen mochte, sie verstanden die Sprache des Ewigen, der straft, wo er liebt und belastet, wenn man, fliehen will. Und keiner kann die Last abwerfen von den Juden, keiner vermag es, mit der Last jener Liebe zu vergessen, die dem Volke Israel von seinem G'tte geschenkt wird. Nur die beiden Menschen, die in der Röte des untergehenden Tages und dem Dämmern der kommenden Nacht wartend standen, hatten ganz erfaßt, was der Sinn des Tempelbaues von Heikenbrunn den Juden, allen Juden bedeutete. Deshalb schlugen ihre Herzen ruhig und freudig der Zukunft entgegen ... Elijah und die Raben - warum nicht? Von Henry WilliamSon in London. Wir entnehmen die nachfolgende, für jeden Freund der Bibel hochinteressante Skizze dem in London erscheinenden, bekannten Abendblatt „Evening Standard" vom 29. Dezember. Der Verfasser ist natürlich Nichtjude. Ich nehme an, die meisten Menschen erinnern sich von ihrer Kindheit her an die Geschichte Elijahs n der Wildnis, und wie er von den Raben gefüttert wurde. Aus dem Schleier der Kindheitserinnerungen vergegenwärtige ich mir das Bild eines alten Mannes mit langem Bart, einen Arm in die Höhe haltend, während zwei schwarze Vögel zu ihm hinfliegen, In meiner frühesten Jugend, wenn immer dieses Bild vor meine Augen trat, hatte ich die unklare Idee von Vögel» , die Beeren und wilde Trauben brachten. Es war möglich, daß der Einsiedler zwei junge Vögel gezähmt hatte und daß zufällige Besucher ihn sahen, als er Speise von ihnen nahm. Ein wundervolles Bild des alten Philosophen und Propheten in seinem Zufluchtsort — eine seiner glücklichen Momente, Aber was die Vögel anbetrifft, die ihn füttern sollten — der Gedanke war absurd. Warum sollten zwei Vögel der Rabenfamilie einem Menschen Nahrung bringen? Und doch bin ich heute nicht so sicher, daß die Ernährung Elijahs nur eine bloße Fabel war, zum Ausdruck gebracht in der Geschichte eines verlassenen Nomadenstammes. Mein Sohn, der gerade über meine Schulter schaut, während ich dies schreibe, erzählt mir, daß die Raben zweimal am Tage, morgens un dabends, Elijah Brot und F 1 e i s c h brach* ten. Wif ist -das zugegangen? Vielleicht wäre es möglich gewesen, daß durch Zufall einige Beeren von den Vögeln fallen gelassen wurden und daß dies von Elijah als g'ttliche Fügung betrachtet wurde. Später sprach sich diese Tatsache» herum und wurde Teil der - Volkslegende des Stammes. Aber Brot und Fleisch regelmäßig? Was soll man dazu sägen? , Im Frühling vor etwa i—2 Jahren Baute ein Rabenpaar seih Nest, in der Gablung einer Eiche, Im, April, als die jungen Räben atis dein Nest flögen, wurde ein noch nicht flügger Rabe auf der Erde ges runden. -Er schien von den Eltern verlassen Wörden zu sein, und. so setzte ihn der' Finder nicht ohne; Angst vor dem großen Schnabel des Vogels, in einen Korb und nahm ihn mit nach Hause. . Der Rabe wurde bald zahm und folgte semer Herrin überall hin, nach Nahrung schreiend und sich auf ihren Kopf und Schulter setzend. Er wurde ein großer kräftiger Vogel, der jeden auf der Farm tyrannisierte. Die Katzen flohen vor seinen plumpen Sprüngen, sogar der Kater, wenn er gerade ein junges Kaninchen im Maul hatte. Der Rabe pflegte sich in einem Baume zu verstecken und wenn er eine Katze zurückkommen sah, flog et hinunter und krächzte sein Krok=Krok. Sofort ließ die Katze da® Kaninchen fallen und floh. Das erste Mal, als der Rabe sich einmischte, widersetzte sich die Katze, aber ein Schnappen des Schnabels ernsthaft erteilt, als wäre es nur ein Verweis für schlechtes Benehmen, veranlaßte die Katze, davonzulaufen. Wenn immer die Katze jetzt das war» nende Krok-Krok hörte, ließ sie ihre Beute fallen und schlich »ich davon. Aber nach kurzer Zeit, als sie sah, daß der Rabe es nicht „persönlich" meint, ließ sie nur das Kaninchen fallen und schaute dann zu, wie er das Tierchen mit Hacken seines Schnabels tötete und die Augen herauspickte. Später durfte die Katze dann das Kaninchen haben. Mittlerweile brachte die Katze nicht nur die Kaninchen zum Raben, sondern lernte auch dem tiefen Krok-Krok ihres Herrn zu gehorchen, wenn immer er ein Kaninchen haben wollte. Auf jeden Fall dies ist, was wir beobachteten. Im Farmhof war ein Wachtelhund, der an der Kette lag. Der unglückliche Hund bellte oft und viel, um aus seinem Gefängnis befreit zu werden. Er bellte wütend, sowie der Rabe näher kam, denn er hatte große Angst vor ihm/Kein Wunder! Der Rabe stahl die Knochen, während der Hund schlief und legte sie, wenn er sie abgenagt hatte, gerade vor des Hundes Nase, aber außerhalb seiner Reichweite. Dann stieß er den Hund an die Schnauze und machte einen Riesenlärm, indem er den Hund imitierte. Er öffnete und schloß seine großen Flügel, um den Hund zu reizen. Einmal versuchte der Hund zu reagieren, aber der Rabe biß ihm ein niedliches Loch in die Nase. Der Vogel wurde solch eine Last, daß der Farmer drohte, ihn zu erschießen, denn — wie er sagte — es schadete dem Hund, der Angst hatte, sein Futter zu nehmen, wenn der Rabe in der Nähe war. Im Umgang mit Menschen war der Rabe sorgfältig und harmlos, weil er seiner Herrin traute, die ihn zuerst gefüttert hatte. Etwas ereignete sich. jedoch, welches beinahe den Farmer veranlaßte, seine Drohung auszuführen und das war das Verschwinden der jungen Enten. Die erste Brut holte er sich einfach und verschlang sie trotz des wütenden Protestes der Entenmutter. Die zweite Brut war mit der Mutter im Stall eingeschlossen. Aber der Rabe entdeckte ein Abflußrohr neben der Tür und nachdem er hin und her geschaut hatte, trat er zurück und dachte nach. „Ein Vogel soll denken?" ruft der wissen* schaftlich gebildete Leser aus. Aber laßt uns zuerst diese dreidimensionale Beschreibung fortsetzen. Der Rabe trat zurück und starrte in das Loch. Nach einigen Minuten sprang er, seine Federn plustern, hervor und gackerte wie eine Entenmutter, die ihre Entchen ruft. Und sofort kommt unter dem Loch ein Entchen hervor, wird gepackt und verschlungen. Gluck, gluck und ein anderes Entchen erscheint und— verschwindet. Nach diesem Vorgang wurde der Rabe eingefangen und in einen Drahtkäfig in der Nähe des Hauses gesteckt. Er verbrachte viel Zeit damit, andere Vögel in der Luft zu necken. Eines Morgens — ganz früh .— sah seine Herrin ein paar wilde Raben an seinem Käfig. Und während des ganzen Winters beobachtete sie ihn, wie er den zwei Raben Futter durch das Nest reichte. Es war rauhes Wetter und der Boden war angefroren. Als der Frühling kam, sah' sie ihn wieder Futter weitergeben. Die beiden Raben flogen mit gefüllten Klauen westwärts, wo sie ihr Nest hatten. So kamen sie immer wieder und wieder. Als die Jungen ausgeflogen waren, begannen die zwei Raben einen Tunnel unter unseres Raben Käfig zu graben. Die Farmerin fürchtete, daß der Rabe von seinen Brüdern getötet würde, was auch das Schicksal eines Raben in der Nächbarschaft gewesen war. Ihr Gatte jedoch überredete sie. abzuwarten, um zu sehen, was geschehen würde. Was auch sein würde, es würde'ihm ja nicht sehr leid tun. Der gezähmte Rabe half nicht mit bei. dem Befreiurigswerk, er beobachtete nur. Hatte er Ää^st? Fürchtete er den Moriient,- wd die zwei änderein ihn. überfallen und töten würden? Diefee wilden, Raben waf-en be-.' kannt dafür,,.zu warten; bis die Hennen einer anderen^ Faama gefuttert warfen, um a&m ihre Hals^ zu öffnen tbid den. Inhalt zu V^röchlitigefi. Ausbeutung der mas-; Senpfc^toiei^^den Arbeiter — tatsächlich!- . Schließlich war der Tunnel fertig. Die wilden -Raben krächzten und der Gezähmte kroch , vorwärts t— frei! Nach einem lauten Geschwätz flog das-Trio fort — der See entgegen. . -So blieb der Rabe einige Zeit fort und sein Käfig blieb im Grase, stehen, Eines Morgens fand .die Farmersfrau den Raben wieder in seinem Käfig. Er krächzte laut, um sie zu bewillkommnen. Das ist alles, was ich über diesen Raben erzählen kann. Aber ich betrachte die G e s c h i c h t e über Elijah und sein V e r s o r g t w e rd-e n durch die Raben nicht mehr a 1 s i b1oße Fabel. Ich sehe nicht den geringsten Grund, warum dies alles nicht Buchstäblich wahr sein sollte. Das neue Domizil des Exkönigs von England. Wie schon berichtet, hat Prinz Windsor, der Exkönig von England in Wien, wo. er sich in der Behandlung des bekannten Professor Neumann befindet, Wohnung in der .Villa der ihm befreundeten Rothschilds genommen. Das Schloß, in dem der Exkönig wohnt, stammt aus dem zwölften Jahrhundert und liegt 40 Kilometer von Wien entfernt. Der Vater der heutigen Wiener Rothschilds, N a t h a n i e 1 Rothschild, hat es seinerzeit vom Fürsten Haiasch erworben. Es würde 1882 vollkommen umgebaut, aber in den mittelalterlichen Grundformen .belassen. Eine Sehenswürdigkeit bilden der prächtige Speisesaal und der Springbrunnen. -Die Umgegend, zwischen grünen Hügeln und Wiesen des Wiener Waldes, gehört zu den lieblichsten in Europa. Prof. N e u m a n n , der der Arzt und der Freund von Exkönig Eduard ist, wird „der Doktor der Könige und Fürsten" genannt. Er zählt zu seinen Freunden und Patienten auch den rumänischen König Carol, Er ist Schüler vom berühmten Professor und Spezialisten für Hals» und Ohrenkrankheiten Adam Politzer, der ebenfalls Jude war. Zu bemerken sei, daß Prof. Neumann Mitglied der Kultusgemeinde und Vertreter der konservativen Richtung ist. Das Bild zeigt uns den früheren englischen König im Park seiner Freunde und Gastgeber. Vermischtes. Berlin, 31. Dez. Das Sekretariat des Rambam= Lehrhauses befindet sich Berlin W, 50, Passauerstr, 2, (Glogäuer) Tel. Bavaria B. 4. 5285. — .Für nächste Zeit sind folgende Vorträge vorgesehen: Rabb. Dr. J, Jakobe-vit«; Jüdische Ethik",, Öönnabendj d«ta- 9, Januar, Biegnn 20.30 Uhr in der Synagoge P4ssaüerstraße 2, — Rabb. Dr. A. Altmann „Der jüdische Messiahismus", Sonnabend, den 9. Jänuär, Beginn 20.30 Uhr in der Synagoge Ry.kes}tr. (ifi Verbindung ,^iit ■dem' Syriägögenvpfstand Rykes-tf.) .-— Vo^nzeige: Rabb; Dr. Singermann ,;Jud^häbzeiehen\./im; ..Jiiiifielaltet", Sonnabend, den 16. Januar^ Beginn 20.30 Uhr in' der Synagoge Passauerstr. ,2, /'Ä r b e^i.t s\|e - m ei ns c h aft£n:w< Mittwoch, deh;;13. Jäjli Ra|Sb. Dr; Ättmähto;'. faMsske G&tiiii in ri^Mcfe und Aggada". Beginn 20.30—21.30 Uhr Synagoge Mü4ehe=

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