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Der Israelit · 1937-01-07 · Heft 1 (7.1.1937) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
78 (1937)
Issue
Heft 1 (7.1.1937)
Date
1937-01-07
Page
– (sequence 11)
Language
German
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7. Januar 1937 D er Israelit Nr. 1 Seite 11 E R E Z Tel Awiwer Postamt bleibt an Sabbat- und jüdischen Feiertagen geschlossen. Jerusalem, 31. Dez- Auf Grund einer Beschwerde 'des Oberrabbiners •der Agudat Jisrael, Josef Duschinsky, über 'die Tatsache,'daß an Sabbat= und jüdischen Feiertagen von •dem Tel Aww-er Postamt Telegramm» entgegengenommen werden, hat die Regierung geantwortet, das Tel Awiwer Postamt werde in Zukunft am Sabbat und ah jüdischen Feiertagen vollständig geschlossen bleiben. ' " Der Brief hat folgenden Wortlaut: Government of Palestine. 22. Dezember 1936. Sir, I am directed to refer to my letter No. P/42/36 of the 22nd October, on the subject of the delivefy of telegräms at the Tel Awiw Post Office on Jewish Sabbaths and Holy Days, and to inform you that in future the Tel Awiw Post Office will be entirely closed to the public on the däys in question. I am, Rabbi J. H. Dushinsky, P. O. B. 513 Jerusalem Sir, Your obdient servant, CHIEF SECRETARY Die weiteren Arbeiten der Untersuchungskommission. Die Löhne'der jüdischen Arbeiter und der Sabbat. Jerusalem, 3. Jan. Am 29. Dezember wurde nochmals der Leiter des politischen Departements?'der J, A., Mosche Shett o k, vernommen. Er wünschte eine stärkere Heranziehung von jüdischen Arbeitern bei öffentlichen Arbeiten. Solange dies nicht der Fall ist, bleibe die jüdische Gleichberechtigung unvollständig. Die Leistungen der Juden für die Finanzen der Regierung betragen 60 Proz. der Gesamteinkünfte, obwohl die Juden nur etwa® über 30 Proz. der Bevölkerung ausmachen. In diesem Prozentsätze müßten die Juden auch zu den öffentlichen Arbeiten herangezogen werden. Unter den Passagieren der palästinensischen Bahnen stellen die Juden 65 Proz., trotzdem sind sie an den Eisenbahnarbeiten mit bloß 7 Proz. beteiligt. Shertok gibt auf Befragen zu, daß die jüdischen Ar= Leiter im Durchschnitt höhere Löhne erhalten, etwa von 170 bis 200 Mils per Tag, während der Tagelohn der Araber sich zwischen 80 bis 130 Mils bewegt. "Sir L. H a m m o n d fragt, ob der Jude das Doppelte leiste als der Araber, daß er Anspruch auf doppelten Lohn hätte. Shertok: „Der Jude leistet "bei Benutzung von modernen Maschinen häufig sogar acht- bis zehnmal soviel wie der Araber. Uebrigens .handelt es sich bei Arbeitsverträgen mit der Regierung nicht um die Löhne. Die Juden wären be- "reit, zu den gleichen Bedingungen zu •arbeiten, wenn sie gleichmäßig heran» gezogen würden. Die Araber werden dadurch nicht benachteiligt, da die Arbeit dm Lande von Tag :zu Tag wächst." Der Vorsitzende meint, man sollte vielleicht weniger von Juden und Arabern bei dar "Vergebung von öffentlichen Arbeiten sprechen und inehr von Palästinensern.- Das könnte vielleicht in Zukunft geschehen, sagte Shertok, aber nicht im Moment, da die Juden so gut wie ganz von den Arbeiten ausgeschlossen sind. Am Mittwoch, den 30. Dezember,, kamen wieder "Vertreter der jüdischen Arbeiterschaft zu Wort. TC a t z n e is o n brachte die Beschwerden des Ällges meinen jüdischen Arbeiterverbandes jjHflstäldruth'' vor. Der Verband erfreue' sich nur weniger Sympatieri bei den Behörden, was sich auch in der maniei^äften; Beteiligung der jüdischen Arbeiter hei!«B" Halen-- und Eisenbahn-Arbeiten auswirke. K. stellt entschie- ISRAEL den in Abrede, daß die Beschäftigung von Juden die Unruhen verursacht hätte. Die jungen Juden werden von der Histadruth für Landarbeit ausgebildet und wenn gesagt wird, daß viele der Juden in die Stadt ziehen, so gebe es auch in der Stadt Arbeit genug, um die Juden nach ihrem Prozentsatz zu beschäftigen. Sir H a m m o n d fragt, warum die Polizei keine Juden für die Polizeiposten auf dem Lande bekommen könne. K. weist darauf hin, daß zurzeit 3000 Juden für den Polizeidienst auf dem Lande eingetragen seien. Sie ständen alle zur Verfügung, sobald sie angefordert werden sollten. Im Ferneren kommt Katzenelson auf: die Arbeitereinwanderung zu sprechen. Die Kürzung der Schedule führe zu Familientragödien. Entgegen der Behauptung eines Mitgliedes', daß es 6000 jüdische Arbeitslose im Lande gäbe, stellt K. fest, daß es bloß 2500 seien, die sich für die Landarbeit nicht eignen. Eine lebhafte Debatte entspinnt sich zwischen dem Zeugen und mehreren Mitgliedern der Kommission über die Frage der Regierungsländer ei eü. K. macht der Regierung den Vorwurf, daß die Effendis große Ländereien erhielten, während die Juden leer ausgingen. Der Vizebürgermeister von Tel Awiw, Dov Hos, beschwert sich darüber, daß die Regierung das jüdische Aufbauwerk nicht unterstütze. Die Arbeiterführerin Goldie Myerson befaßt sich in der Häuptsache mit Frauenrechtef ragen. Hebräisch und Erez Israel. Am letzten Tag des Jahres wurde der Professor an der Jerusalemer Universität, David Y e 11 i n , vernommen. Er beschwert sich über den ungenügen* den Gebrauch des Hebräischen im palästinensisch m Amtsverkehr. Es sei auch völlig unangebracht, daß an Stelle von „Erez Jdsroel" die Anfangsbuchstaben E. J, gebraucht werden. Lord Peel fragte, ob die Worte „Erez Jisroel" nicht nationale Gefühle der Araber verletzten und auf die Errichtung eines Jus denstaates hinwiesen. Uebrigens hätten die Juden niemals Palästina „Erez Jisroel" genannt. Yellin konnte aber nachweisen, daß der Name „Erez Jisroel" altgebräuchlich sei und daß mit dieser Bezeichnung keine nationalen Forderungen verbunden sind. Mindestens sollte diese Bezeichnung im Heoräischen bestehen. In der weiteren Verhandlung sagte der Rechtsberater der Jewish Agency, L. Stein, über die Ins terpretation des Mandates aus. Die Versprechungen des Mandates an Juden und Araber seien von verschiedener Art. Das Jüdische Nationalheim sei eine positive Zusage, den Arabern wurde nur zugesagt, daß nichts geschehen soll, was ihre Interessen beeinträchtigen könnte. Eine jüdische Einwanderung verletze nicht die Interessen der nichtjüdischen Gemeinschaften. Auf abstrakte Fragen eines Kommissionsmitgliedes zur Abgrenzung der Begriffe „Gemeinschaft" und „Staat" ging der Zeuge nicht ein. Niemals sei im Mandate gesagt worden, daß der nichtjüdischen Bevölkerung die Majorität für alle Zeiten erhalten werden müsse. Es sei ausgeschlossen, daß die englische Regierung bei der Uebernabme des Mandates geheime Vorbehalte gemacht hätte. Stein beweist mit verschiedenen Dokumenten, daß man nie beabsichtigt habe, die Einwanderung einzuschränken. Alle Verhandlungss und Verständigungsversuche seien am Widerstand der, Araber geschei* tert. Am Montag, den 4. Januar, wurde der öberkom* mandierende Generalleutnant. J. G. Dill in nichtöffentlicher Sitzung von der Kommission vernommen. Auch äüdere höhe Beamte der Regierung kamen an diesem Tage zu Wort. Es verlautet, daß sich die Kommission; bereit erklärt hafte, Äls Vertreter der N. Z. Ö. Wladimir J ä d b 11 n s fc yi in öffentlicher Sitzung zu vernehmen. Freiliefe wirtt dies «fcvtMi abhängen, ob sich die Palästina=Regierung entschließt, das für Jabotinsky bestehende Einreiseverbot aufzuheben. Die gesamte hebräische Presse ergeht sich in erregten Auslassungen gegen den Vizepräsident der Königlichem Kommission, Sir Horace R u m b o 1 d, der gelegentlich von den Juden als von einer „fremden Rasse" gesprochen hat. Man habe zu einem Manne, so schreiben die Zeitungen, der so von Juden spricht, nicht viel für das jüdische Nationalheim zu erwarten. Es steht nun fest, daß als erster arabischer Zeuge das Mitglied des Obersten Arabischen Komi* tees, Hassan Sidky Dajani, am kommenden Donnerstag vor der Königl, Kommission erscheinen wird. Sidky INjani befand sich als der fanatische Organisator #er Streikbewegung eine Zeitlang im Konzentrationslager Sarafend. * * * Die M i s r ach i-O r giani&ati on Palästinas wendet sich in einer Erklärung gegen die Aussage von Mosche Shertok vor der Prüfungs=Kommission, wonach die Juden bereit seien, öffentliche Arbeiten zu den gleichen Bedingungen wie die Araber anzunehmen. Diese Aussage, so erklärte die Misrachi- Organisation, könnte so ausgelegt werden, als ob die Juden sich bereit erklärten, auch am Sabbat zu arbeit en. Auch die Agudas Jisroel hat, wie an anderer Stelle berichtet wird, Protest gegen die Aussage Shertoks, die in obigem Sinne ausgelegt werden könnte, eingelegt. Zertifikate für die orthodoxe Alijah! Jerusalem, 5. Jan. Auf Grund des Abkommens zwischen der Aguda* Exekutive mit dem Auswanderungsamt der Jewish Agency erhält 'die Aguda von der letzten Schedule im ganzen 96 Zertifikate. Von diesen entfallen 36 auf Polen und 23 auf Deutschland. Der Rest verteilt sich auf andere Länder, ebenso kommen 26 noch ausstehende Agudazertifikate aus der früheren Schedule in anderen Ländern zur Verteilung. Brief aus Erez Jisroel, Reinliche Scheidung. — Rabbi Frank gegen die agudistischen Forderungen, i — Gegen Shertok, — Zwanglose Aussprache beim anglikanischen Bischof. Jerusalem, 4. Jan. Wie in Ihrem Blatte bereits auseinandergesetzt, hat die Öberrabbinerwahl und die Tatsache, daß Rabbi Pesach Frank nunmehr Farbe bekannt hat, zu dem erfreulichen Resultate geführt, daß die Chassidim unter Führung von Rabbi Fischei B e.r n s t e l n sich mit der Agtfdagemeinde vereinigt haben. Die Enttäuschung und die Aufregung über Rabbi Frank wurde insbesondere dadurch hervorgerufein, daß er die bis jetzt von ihm gegen den Waad Leumi gehütete Schechitä am Ende' doch dem Wäad Leumi ausgeliefert hat, so, daß es den bis jetzt der Aguda fernstehenden Chassidimkreisen nicht mehr möglich war, von dieser Schechitä Gebrauch zu machen. Zusammen mit Rabbi Bernstein schlössen sich auch alle anderen Rabbihen aus dem Chassädim-Kolalim der Agudas Jisroel an, und es wurde jetzt ein besonderes Be® Dih für den Chassidim^Kolei unter Führung von Oberrabbiner Duschinsky gebildet. Auch mußte wegen dieses Zuwachses die Schechitä der Agudas Jisroel erweitert werden, um dem gesteigerten. Konsum gerecht zu werden. Auch der Senior der Jerusalemer Schochtim verließ Rabbi Frank ' und schloß sich der Agudas Jisroel an. Somit ist die erwartete #$bUeh'& Scheidung tatsächlich eingetreten und die Jygudas Jisröed steht vor neuen Aufgaben.

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