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Der Israelit · 1936-12-10 · Heft 49 (10.12.1936) · page 31

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
77 (1936)
Issue
Heft 49 (10.12.1936)
Date
1936-12-10
Page
– (sequence 31)
Language
German
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Seite 15 haben üiid vönvjüdischen Leid und von jüdischer Freude berichtet haben ... Knarrend öffne ich die alte Türe. Eine weihevolle Stille umfängt mich, Ehrfurcht und Heiligkeit ausstrahlend. Durch die staubigen Fenster-. Scheiben lugen die Strahlen der Sonne zu mir herein und vergolden mit ihrem Scheine den Raum. Ich stelle mich in eine der Bänke und beginne mein Gebet. Wie gut läßt es sich hier an dieser geweihten Stätte Zwiesprache mit d»>ßi> Allgütigen haben. Mit wahrer Inbrunst habe ich mein Gebet beendet und nun bleibe ich noch ein wenig sitzen, um mir die Andachtsstätte näher zu besichtigen. Auf einmal ist es mir, als würden alle Gegenstände um mich herum lebendig werden und. jetzt —^ ^vernehme ich sogar einen" tiefen Seufzer. Die Bank, auf der ich sitze, tat^ ihn, und jetzt redet sie zu mir also: „Ah, wie lange saß schon niemand mehr .auf mir. Früher, ja, da waren wir alle voll, und ich war für die Armen bestimmt, die auf mir saßen, wenn sie über Schabbps im Dörfchen weilten. Welch' schöne Sachen habe-ich da oft gehört und manchmal sogar sinnige Thoraworte. „Was soll wohl ich erst Sägen", ließ sich der „Rabbi-Sessel" vernehmen; „Auf mir ruhte sich der alte Rabbi aus, wenn er vom Lernen müde geworden war, Gär oft sah ich ihn dann, wie er kummervolL das Haupt auf seine Hände stützte und dabei cfmge Tränen in seinen grauen Bart kollerten. — „Aber ich bin doch die Hauptperson von Euch allen, weil ich in mir das Heiligste, — unsere; Thorarollen — barg, sprach nun der Orauh- Hakaudesch„Wißt Ihr noch,. wie feierlich' der Chasan immer sang, wenn der Rabbi mit ihm feierlich zu mir heraufkam? Wie . dann mein seidener Vorhang, den ich anhatte, aufgezogen wurde und man" mir die herrlich-geschmückte Thora herausnahm? Und könnt Ihr Euch nocherinnern, wie ich an den Jomim-nauroim außerdem noch mehrere Male geöffnet wurde, sogar während des Betens. Wie stolz war ich dann immer, wenn ich, meine Schätze zeigen könnte?" — „Ja, es war eine herrliche Zeit," erwiderten die Bänke und schwiegen . . . „Aber nach Dir komme ich wohl doch im Range," fing nun der Almemor an, „denn auf mir wurden die ThoFarollen verlesen." „Und kam dann ein Jomtöw, dann sah ich viele heue Gesichter, die zu mir heraufkamen, um aufgerufen zu werden. Oft sah ich dann einen jungen Mann, der glückstrahlend in die Frauensohul hinauflächelte, wenn der Chasan — bevor er herunterging, noch den Echodjochid" anstimmte. — „Das ist ja alles recht schön und gut; — aber mich dürft Ihr auch nicht vergessen," ließ sich da jemand aus der Ecke:; vernehmen. Es war der schöne Chanuckah- Leuchter, der also sprach. „Wie ich immer am Chanuckah beim Entzünden strahlte, das brauche:: ich Euch wohl nicht zu erzählen, Die Kinder ln&-., besondere waren es, deren Augen einen gar festlichen Glanz hatten, wenn sie in meine Lichtir schauten. Aber, wir liebe Brüder, wir alle tru-: geh dazu bei am Dienste G'ttes mitzuarbeiten, der eine mehr, der andere wehiger. Das ist wohl unser schönster Lohn, den wir je erhalten könnten." 1 - Sinnend erhob ich mich" von .meinem Platze. Ruhe herrschte wieder in diesem ehrfurchtsge-\ bietenden Räume. Ich mußte wohl eingeschlafen sein und diesen schönen Traum geträumt haben . . . Langsam ging ich zum Orauri Hakaudesch. hin und" drückte einen innigen Kuß auf seinen. Vorhang. Dann nahm ich Abschied von der lieben Stätte,-und setzte gestärkt meine Wande^ rung fort. Die Lichter in Israel. Eine Haphtara von eigenartiger Schönheit - wird am Sabbat des Chanuckahfestes verlesen. Es ist das an Sinnbildern so reiche Wort „des Propheten Secharja, das verkündet wird. Sechärja, einer der letzten Propheten, lebte, während des babylonischen Exils zur Zeit des, Pefserkönigs Darius Hystaspis. Längst war der Tempel zerstört, den König Salomo in Jerusalem hätte erbauen lassen. Die Lichter,' die das heilige Haus mit sanftem Schein erfüllten, waren längst erlöschen. Aber in neuem, unversiegbarem Glänze ■ sollten die Lichter Secharjas aufflammen; diese Leuchten sollten nimmermehr erlöschen, sondern noch in einem späten Jahrtausend das Dunkel der Zeiten erhellen. Die Gewalt dieses, Lichtes, das alle Stürme {überdauert und die Seele Israels wie ein lodern- ' des Feuer durchglüht, führt uns Secharja in. einem prophetischen Gesicht vor Augen. . „Da kam abermals der Engel, der zu mir redete," so lautet das Wort des Propheten, „und .erweckte mich, wie man jemand aus dem Schlafe weckt." Und der Engel zeigte ihm einen sträh: lenden, goldenen siehenarmigen Leuchter. . ■ * .*... ■ ■■; : Auch an uns tritt , der Engel heran. Er bringt - uns nach, einer schönen,- turmgekrönten, bergumringten Stadt. Unsere Eüßß stehen va den To- ren Jerusalems. •: . . r. -. . ' Durch die reichgeschmückten Straßen wogt eine , bunte Volksmenge; aus . aller Augen geht ein fröhliches Leuchten, Freude und Zuversicht liegt auf allen Gesichtern. „Hallelujah, Hallelujah!" - erschallt es im Chore. „Wer ist Dir gleich, unter den Mächten, o Herr!" fliegt es von Mund zu Munde. Das wonnetrunkene Volk wallt hinauf zum Tempelberg, um ein großes. Siegesdankfest zu feiern. - Die Heldenschar der Makkäbäer hat das frevelhafte, übermütige Heer der Syrer geschlagen.— Opferfreudigkeit und Begeisterung haben über Gesinnungslosigkeit und Grausamkeit trium-

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