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Der Israelit · 1936-11-26 · Heft 47 (26.11.1936) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
77 (1936)
Issue
Heft 47 (26.11.1936)
Date
1936-11-26
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Yö.:M'-J93ß " T Frankfurt a. M. 26, November 1936 12. Kislew 5697 Nummer 47 Die Vertreter der Agudas Jisroel vor der Königlichen Untersuchungskommission. J e r u s a 1 e m , 25. November. (Telegr. Bericht an den „Israelit".) Oberrabbiner Duschinski, Rabbi Mosche Blau und Dr. Isaac Breuer erhieRen soeben die Einladung, als Zeugen vor der Königl. Untersuchungskommission zu erscheinen. Diese Einladung' dürfte die vorläufige Antwort auf das von der Agudas Jisroel in Palästina der Kgl. Untersuchungskommission überreichte -Memorandum sein. Bemerkt sei, daß das von der Agudas' Jisroel vorgeschlagene Zusammengehen aller jüdischen Instanzen vor der Tlntersuchttogskommission, vom Waad leumi und der Jewish Agency abgelehnt '-wurde, so daß die Agudas Jisroel die Belange des thoratreuen Judentums in Palästina vor der Kommission selbständig vertreten wird, worüber, '-.—, wie auch sonst über den Gang der Verhandlungen . der . Untersuchungskommission — im X orre s p o ndenzeniteil dieser Nummer ausführlich berichtet wird. Chajim Weizmanri vor der Königlichen Untersuchungskommission Am Mittwoch, den 25. November, wurde Dr. Chajim- W e i z m a n n von der Königl. Untersucbungskommission, wider Erwarten in öffentlicher Sitzung, vernommen. Der Saal war dicht, von -Zuhörern besetzt. Weizmann rollte ein Bild, der tragischen Gesamtlage der Juden in der .Welt ,auf, die sich im Vergleich zu früheren Jahrzehnten "noch dadurch verschärfe, daß den Juden alle Tore der Welt verschlossen sind. Er ging insbesondere auf die Lage der Juden in P o 1 e n «in,, die am besten durch die Aeußerung des Außenministers Beck gekennzeichnet sei, daß „zwei Millionen Juden Polen verlassen müssen;" Es'müsse einen Platz auf Erden geben, wo die Juden so leben können, wie sie wollen und die Gelegenheit haben, sich als Volk zu bewähren. Iii diesen großen allgemeinen Rahmen stellte Weizmann seine Ansprüche und Wünsche-in Bezug auf Pal ä s t i n a , die er bei der Fortsetzung der Vernehmung am Donnerstag im Einzelnen zu erörtern gedenkt. Es wird weiter berichtet, daß in der der Vernehmung Weizmanns vorangegangenen Sitzung des Kleinen A. C. sich die Mitglieder einmütig hinter Weizmann stellten und auch das P aritätsp rinzip gegenüber den Arabern mit 15 gegen 1 Stimme billigten. Ein Aufruf des Landesverbandes der Agudas Jisroel in Deutschland. Die Landes Organisation der Agudas Jisroel erläßt folgenden Aufruf: „Der Landesverband der Agudas Jisroel,„weiß Sich eins mit unsern Brüdern in Erez Jisrael in ihrem schweren Ringen um die jüdische Position und spricht die feste Ueberzeugung aus, daß diesem Ringen Erfolg beschieden sein wird. Unsrte Gesinnungsgenossen in Deutschland fordern wir auf, durch den vollen Einsatz ihrer Persönlichkeit den Aufbau Erez Jisroels auf agudistischer Grundlage zu fördern und damit ZUP Gestaltung eines vom Geiste unsrer Tauroh getragenen Gemeinschaftslebens beizutragen." Aus dem Inhalt: Versorgung mit Koscherileisch . . . Seite 2 Judenieindliche Krawalle an den f;?*;^polnischen Universitäten.....Seite 2 Erschwerungen der Einwanderung nach Südamerika........Seite 2 Kriminalität in Palästina . . ... . Seite 3 Bima und Kanzel. Von Rabb. W- S. Jacobson..........Seite 3 Einführung in die jüdische Geschichte. Von Dr. Ph. Biberfeld.....Seite 4 Einwanderungsländer ........Seite 6 Der zweite Przytik-Prozeß in Lublin Seite 8 Die Königl. Untersuchungskommission . bei der Arbeit......... Seite 8 Brief aus Palästina ........ . Seite 9 Beilage : Erziehung und Lehre Von der Der Segen der Herbsternte wird für den Winter eingespeichert, warum nicht auch die geistige Ernte der Herbstfeiertage für den Winter sicherstellen? Deshalb mag es nicht verspätet und verwunderlich erscheinen, wenn heute noch einmal von Buße gesprochen wird. Sie hat uns lange und vielfältig .beschäftigt. Der Schofarruf im Elul und die - Selichot-Tage haben auf sie hingewie^ Seil, der Emst des Rosch-Haschanah, die hohe Würde des Versöhnungstages, haben ihren Wert und ihre Verpflichtungen deutlich gemacht. Wir haben gefastet und unter der Last der Al-Chet gestöhnt; Wir haben an die Brust geschlagen und zutiefst bereut. Aber: sind wir auch anders geworden? Haben wir unsere bisherige Art zu sein, geändert. Auch nur ein Weniges geändert? Ein ganz kleines Wenig? Sind wir seit Rosch- Haschanah zu unseren Nachbarn herzlicher geworden?. Haben wir uns mehr als im vergangenen Jahre von Zuträgerei abgewandt? Sind wir bestimmter von Loschon-Hora abgerückt? Daß wir uns richtig verstehen! Nicht von jenem ist hier die, Riede, der spricht: mwai XünN' der Buße tut, um.Hsich nachher, voll bewußt, der Sünde zuzuwenden. Nur von dem, von uns vielen, die der Uebertretung tiefste Qual erfahren, und die nach Jom-Kippur trotzdem wieder zurückverfallen in die' Trägheit ihres, Herzens, um weiterzulaufen in' dem bisherigen Gleise. Es soll, nein, es darf nichtji verkannt werden! Es war echte n Herbsternte. Frömmigkeit, marternde Aufrichtigkeit bei ihrem Sündenbekenntnis. Aber es war ein Bekennen, das mehr in Resignation mündete und für das kommende Jahr unfruchtbar werden mußte. Statt daß es fröhliche Auferstehung gebracht hätte. Die Buße, wie so viele sie üben, beruhigt das Gewissen in Hinsicht auf das Gefühl der geschehenen Sünde, sie befriedigt aber nicht den Wunsch nach der bessernden Tat. Dieses Manko wird auch nicht ausgeglichen, wenn wir uns sofort nach Jom-Kippur für die Gebote des Sukkothfestes bereitstellen. Denn auch damit sind wir ja schon wieder auf altem, gewohntem Wege. Dadurch sind wir noch nicht über unser bisheriges Tun hinausgeschritten, haben wir noch nichts Zusätzliches geleistet. Denn das erst wäre der Buße schönste, beste Frucht. Daher sollten wir nicht nur erforschen, ob und warum wir gefehlt haben, wir müssen in jedem Jahr erneut feststellen, wieweit wir zu anderen jüdischen Bezirken vorgestoßen sind. Wir sollten die Bilanz so aufmachen, daß es für uns deutlich hervortritt, welche Strecke wir dem Ziele zur Jüdischkeit näher gekommen sind. Und nach jedem Rosch-Haschanah muß immer wieder der Versuch unternommen werden, von diesen erreichten Grenzsteinen aus, sicher, in stetem -Kampf gegen sich selbst, Neuland zu erobern. Es wird also nicht leicht (Fortsetzung siehe Seite 3.)

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