Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 77 (1936)
- Issue
- Heft 44 (5.11.1936)
- Date
- 1936-11-05
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Der beklagte Arbeitgeber bestand darauf, daß sein Bedarf nach wie vor in einem jüdischen Geschäft gedeckt werde und erteilte seiner Hausgehilfin dementsprechende Weisungen. Die Hausgehilfin weigerte sich, dies zu tun und löste das Arbeitsverhältnis ohne Einhalten der Kündigungsfrist. Mit der Klage vor dem Arbeitsgericht verlangt sie Zahlung des vollen Arbeitsentgeltes bis zum Ablauf der ordnungsmäßigen Kündigungsfrist. Das Arbeitsgericht hatte zu prüfen, ob für die Hausgehilfin ein wichtiger Grund zur Lösung des Arbeitsverhältnisses vorlag. Ein Arbeitsverhältnis kann fristlos gekündigt werden, wenn Umstände eingetreten sind, durch die es derart erschüttert ist, daß seine Fortsetzung dem einen Teil nach Treu und Glauben nicht mehr zugemutet werden kann. Das Arbeitsgericht führte in seiner Urteilsbegründung u. a. aus, daß die Frage, was als ein solcher wichtiger Grund anzunehmen ist, sich nach nationalsozialistischer Auffassung beurteile. Hiernach sei aber die Hausgehilfin zur Auflösung des Arbeitsverhältnis* ses berechtigt gewesen. Berlin, 1. Nov. Donnerstag, den 12. November, 20.45 Uhr präzise, rindet in der Aula Siegmundshof 11 (am Bahnhof Tiergarten) ein Vortrag von Herrn Dr. Maximilian Landau statt über das Thema „Samson Raphael Hirsch und unsere Zeit". Eintritt frei. Gäste willkommen. Die Frankfurter Woche. Isaac Rosenbaum ^"f. In unserer Zeit der allgemeinen Trostbedürftigkeit wurde eine "Persönlichkeit abberufen, deren Heimgang eine unschließbare Lücke hinterläßt: J. Rosen-# bäum ist uns in seinem 75. Lebensjahre entrissen worden. Das Leben dieses Mannes übersteigt das Maß des Alltäglichen. Als bewährter Antiquar stand er an führender Stelle. Seinem Lebenswerk hat er internationalen Ruf verschafft, er war der würdigste Vertreter des Kunsthandels, der in den höchsten Kreisen der Gesellschaft Anerkennung -und Freundschaft gefunden hatte. Die Noblesse seiner Gesinnung verpflichtete jeden, der mit ihm in Berührung trat. Die Selbstverständlichkeit seiner Hilfsbereitschaft hatte ihre Wurzel in einem so unendlich gütigen Herzen, daß keiner der Unzähligen, denen er mit einer stets geöffneten Hand Gutes tat, diese Wohltat als drückend empfand. Er gab, ohne je im entferntesten ah Dank zu denken, er |aB au® einem Uebermaß an Liebe, das in jedem Menschen das«; Geschöpf G'ttes, in jedem Hüfsbedürftigen den Bruder sah. Er war ein Jude der Gesinnung; sein Leben eine ununterbrochene Kette guter Taten. Ueber den Kreis der Familie hinaus, die von dem Adel seiner Person überstrahlt, ihr Gepräge empfing, * und die mit ihm ihr sehr geliebtes ",ünd verehrtes Oberhaupt verliert, beweinen ihn Alle, die ihn kannten. Sein Name ist fest verankert, in seinen guten" Werken, die sein Andenken über .die Zeit hinaus lebendig erhalten werden. Heimgang einer jüdischen Künstlerin. Ein trauriges Schicksal wollte es, daß gerade in der Woche, in der das Andenken Franz Liszt's in Bayreuth so gefeiert wird, seine letzte Schülerin Frau Dr. Isabella Lourie in Frankfurt a. M., von ihrem schweren Leiden erlöst wurde. Nahe Verwandte von Dreyfuß-Brodski in Basel, Nichte von Lasar Brodski, dem bekannten russischen Philantropen, hat sie schon in ihrer frühesten Jugend die glänzende Ausbildung als Pianistin begonnen. Als reife Künst lerin hatte sie Gelegenheit, auch vor der Kaiserin Friedrich zu spielen, was sie ausführlich in ihrem Werke „Das Leben einer Künstlerin" schildert. Sie spielte noch bis zuletzt mit ungewöhnlichem Tempe rament und Virtuosität die Werke ihres berühmten Lehrers Franz Lisczt. R. Wie das Marannentum entstand und sich heute noch auswirkt. Ueber dieses heute doppelt interessante Thema sprach am Montag abend in der Agud istischen F r a u e n g r u p p e und .Jüdischen Frauenvereinig un g Herr Redakteur * S. Schachnow i t z. Auch dieser zweite Vortrag der Saison muß als höchst erfolgreich bezeichnet werden. Die Betei ligung war so groß, daß schon vor Beginn sämtliche Plätze besetzt waren. Angenehm fielen die vielen neuen Gesichter auf, die davon zeugen, daß die Tätigkeit der Frauenverednigungen unserer Gemeinde auch außerhalb unseres Kreises immer mehr an Po pularität gewinnt. Der Redner schilderte in markan ten Worten, wie das Marannentum in Spanien schon lange vor .der Austreibung entstand, die Wandlungen, die es durchmachte bis zu jenem unglücklichen 31. Juli 1492, da die Juden Spanien gänzlich verlassen und die Marannen dableiben mußten, um womöglich einem noch schwereren Schicksal entgegenzusehen. Die Stimmung der Zeit nach diesem Zusammenbruch spiegelte sich im Referate in Klagen und Aeußerungen halachischer und poetischer Werke der damaligen Zeit wider. Die gewaltige Auswanderungswelle, die im folgenden Jahrhundert unter den Marannen in Spanien und Portugal einsetzte, zeigte der Redner in ihren Etappen und Zielen, Auch wie die Spaniolen oder „Portugiesen" zu Ende des 16. Jahrhunderts den Weg nach Amsterdam und anderen Städten Europas gefunden haben. Zum Schluß ging der Redner auf die Taufbewegung des 19. und 20. Jahrhunderts im Schmelztiegel der Assimilation ein und den nun in anderer Form erfolgten Zusammenbruch dieses modernen Marannentums. Die vornehmste Pflicht aller orthodoxen, vorweg agudistischen Stellen sei. denen, die zu G'tt suchen, die Hand entgegenzustrecken und sie aus der Not des „Marannentums" heraus ins Vatershaus, zum Judentum der Thora, zurückzubringen. Die ungeteilte spannende Aufmerksamkeit des großen Auditoriums drückte sich dann auch in dem reichen lebhaften Beifall aus. n. Festkonzert als Chanukah-Vorfeier. Am Samstag, den 21. November, findet unter künstlerischer Leitung von Max Neumann im Großen Saal des Saalbaues als Chanukah-Vorfeier ein Festkonzert statt. Zur Mitwirkung wurden ge* wonnen: Anni Steiger-Betzak, die berühmte Violinvirtuosin, Kammersänger Benno Ziegler, der bekannte ehemalige Baritonist des Frankfurter Opernhauses, Else Rypinski, eine der bedeutendsten Harfenistinnen, Siegfried Würzburger (Orgel), Dr. Willy Salomon (am Flügel), Orchester unter Leitung von Max Neu mann. In der ersten Programmhälfte kommen ausschließlich jüdische Kompo nisten zu G e h ö r.— Näheres wird noch bekanntgegeben, Heiterer Abend im Saalbau. Im großen Saal des Saalbaues wickelte sich, unter der künstlerischen Leitung unseres Max Neumann, ein auf die leichtere Muse abgestelltes Programm ab. Neumann hatte sich aus 25 erwerbslosen Musikern von bester Qualität ein Orchester zusammengestellt, das sich als ein sehr brauchbarer Klangkörper erwies und auch ein recht beachtliches, künstlerisches Niveau aufzeigte. Schwungvoll erklang die Zampaouvertüre von HeTold. Rhythmisch scharf akzentuiert tönte der Marsch von Sousa. Sehr delikat huschten die Rhythmen eines Oskar Strauß-Walzers dahin. Und die Wiedergabe der Ouvertüre zur „Schönen Galathee" von Suppe legte nochmals Zeugnis von Neumanns Können ab. Nicht zu vergessen die Chansons, vorgetragen von Ahnemarie Hirsch. Diese Künstlerin erwarb sich durch ihre nette Vortrags» kuhst die Gunst des Publikums. Max Firnberg war der Künstlerin ein. .gewandter Klavierbegleiter. Und nun zu Willy Röseii. Dieser Name, allein bürgt schöü für Qualität. Mit welchem Huinor> mit welchem Charme trägt er seine Schläger vor; und, er begleitet sich noch selbst , dazu .am FlugpL Reicher Beifall lohnte den Künstler. Alles in Allem: ein wbhlgeiüngenfer Amsnd. A- K; I Die BevöllWungsbeweguihg in;?de^©|no^inke - Frankfurt a. M. . Die Bevölkerungsbewegung; in ider Israelitischen Gemeinde Frankfurt a. M. zeigt für den Monat August eine gewisse Verminderung der Wanderungsbewegüng auf Kosten der Binnenwanderung. Während im-Juli 367 Personen zu= und 430 Personen fortzogen, kamen im August 191 Personen nach-Frankfurt und 223 gingen fort. Aus Orten innerhalb Deutschlands kamen 172 Personen in die Gemeinde, darunter kennzeichnenderweiise wie in den vorangegangenen Monaten mehr Frauen als Männer und auch mehr ledige Frauen als ledige Männer. Von den 223 Fortgezögenen. ginden 67 nach Orten innerhalb Deutschlands und 112 nach dem Ausland. Der zahlenmäßige Rückgang der Fortzüge gegenüber dem Monat Juli ist nichtmit einer Abnahme der Auswanderung verbunden; im Gegenteil ist der prozentuale Anteil der Auswandernden an der Gesamtzahl der Fortzüge von 35 Proz. im Monat Juli auf rund 50 Proz. im Monat August gestiegen. Unter den ausgewanderten Personen überwogen wiederum .die Ledigen. 46 ledige Männer und 25 ledige Frauen wanderten'aus, dagegen nur 27 Familien. Geboren wurden im Monat August vier Kinder, von denen drei das erste Kind und eines das zweite Kind in der Eh© sind. Gestorbensind 18 Personen, 8 Männer und 10 Frauen. Die Zahl der Eheschließungen betrug 19. Au® der Gemeinde ausgetreten sind 12 Personen, wiedereingetreteh eine. Schomer Mizwoh, Das Lernen findet am Sabbat im Hause von Isidor Benjamin S-xt, Uhlandstr. 58, statt. Geschäftliches. Hanna's neueste Entdeckung.. „ Kommt sie da eines Mittags aus der Schule singend nach Hause, übermütig, fast überheblich. Was war geschehen? In der großen Pause war zwischen einigen Mädels ein gar heftiger Wortkampf ausgebrochen. Solidarität hieß das Wort, das der Führerschaftsleiter am gestrigen Abend auf dem Heimabend in irgendeinem Zusammenhang nannte. Die Bedeutung des Wortes -war kaum einem Mädchen klar. Heftig gestikulierend gingen sie auseinander. Man konnte sich nicht einigen über den Sinn 'dieses Wortes. Der Lehrer hatte die sehr lebhaft debattierenden Schülerinnen beobachtet. Er, fragte beim Beginn des Unterrichts, was der Anlaß dieser Auseinandersetzung gewesen war. Hannah meldete sich. Und wie erklärte sie? „Leben und leben lassen!" „Und Dein Bruder lebe mit Dir!" Hannas Freundinnen hatten etwas Aehnliches als Sinn 'des Wortes vermutet, etwa: Hilfe bei Krankheiten, Besuche bei freudigen Anlässen usw. Solidarität der Tat! An den Nachmittagen begleiteten Ester und Dina Hanna bei ihren Besorgungen. Nicht allein daß dieses wohlerzogene Kind eines frommen Hauses mustergültig Punkt um Punkt ihre Gänge auf einem Notizblock verzeichnet hatte; noch mehr, alle Inserate der Handwerker und Detailgeschäfte, die in den letzten Wochen im „Israelit" erschienen waren, führte sie mit sich. ' So besuchten sie gemeinsam mehr als ein halbes Dutzend Läden an diesem Nachmittag. Freundliche B e d i e nun ig und vort e i 1 h a f t e r Einkauf, das war der Eindruck, den sie gewannen. Verschiedene Reparaturen und Neuanfertigungen würden in Auftrag gegeben. „Selbstverständlichkeiten — sagt Vater," bemerkte Hanna, „'bei den Unternehmungen zu kaufen, die mit ünsrer tätigen Sympathie rechnen, und darauf angewiesen sind." „Nachahmenswert!" sagten Ester und Dinä, und sprachen am Abend bei Tisch über ihre klüge} wohlerzogene, fronte Freundin und deren pflichtbewußte Eltern. •-. " ss^^^^s^ss^^^^^ssss^ ag^BasgseasSFWBmrwBnaiegBMa